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<journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
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      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-70-109-2015</article-id><title-group><article-title>Politische Geographien des Religiösen – Ambivalenzen der
Verkopplung von Religion und Raum im Fall Tibet</article-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{Politische Geographien des Religi\"{o}sen}?><?xmltex \runningauthor{P.~Reuber}?>
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          <name><surname>Reuber</surname><given-names>P.</given-names></name>
          <email>p.reuber@uni-muenster.de</email>
        <ext-link>https://orcid.org/0000-0003-1907-4846</ext-link></contrib>
        <aff id="aff1"><institution>Institut für Geographie, Universität Münster, Germany</institution>
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      <author-notes><corresp id="corr1">P. Reuber (p.reuber@uni-muenster.de)</corresp></author-notes><pub-date><day>8</day><month>April</month><year>2015</year></pub-date>
      
      <volume>70</volume>
      <issue>2</issue>
      <fpage>109</fpage><lpage>119</lpage>
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        <date date-type="received"><day>10</day><month>February</month><year>2014</year></date>
           <date date-type="rev-recd"><day>30</day><month>September</month><year>2014</year></date>
           <date date-type="accepted"><day>10</day><month>October</month><year>2014</year></date>
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<license-p>This work is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License. To view a copy of this license, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/</ext-link></license-p>
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      <abstract>
    <p>“Religious spaces” can become a powerful nucleus of (geo-) political
imaginations, identities, and conflicts. The paper outlines this aspect
using the example of Tibet. Considering the prominent position of Buddhism
in Tibet, the tense relationships between religion, space and nation come
into view. In this respect the paper does however not primarily discuss the
quite well known antagonistic constructions of pro-Chinese and pro-Tibetan
geopolitical discourses. Rather, it addresses the far less publicized yet
for the development of Tibetan Nationalism equally important fact that
differences in the production of religious spaces and respective identities
can also be found <italic>within</italic> Tibetan society. Tracing these discursive inventions of
tradition helps to better understand, why the establishment of a national
project in Tibet has been difficult and why it only started to
gain traction and visibility in the face of mounting threads by an
antagonistic exterior and the precarious Tibetan exile situation.</p>
  </abstract>
    </article-meta>
  </front>
<body>
      

<sec id="Ch1.S1" sec-type="intro">
  <title>Die Verkopplung von Raum und Religion in der Tibetfrage –
Konzeptionelle Einbindung und methodisches Vorgehen</title>
      <p>Wer sich mit Tibet beschäftigt, muss sich sofort verorten, muss sich
positionieren in einem Feld, das wie kaum ein anderes politisch aufgeladen
ist. Die zentrale Frage ist dabei immer wieder und quasi unausweichlich die
der tibetischen Unabhängigkeit. Ist man dafür oder dagegen? Ist
Tibet ein unabhängiger Staat oder ein Teil Chinas? Wie in kaum einer
anderen politischen Frage sind hier die Meinungen polarisiert, sie stehen
sich so unversöhnlich gegenüber, dass sich die politische Debatte
seit Jahrzehnten in einer fast hilflosen Starre, in Agonie, befindet. Und
die Unversöhnlichkeit der Positionen führt nicht nur zu einer
Stagnation der politischen Diskussion, sie verlängert auch das
vielfältige Leid, das daraus für die dort lebenden Menschen
entsteht.</p>
      <p>Dieser Beitrag möchte trotzdem – oder gerade deswegen – dem Muster
dieser sofortigen Selbstpositionierung nicht folgen; es gibt ohnehin bereits
eine Vielfalt an Literatur mit Bekenntnissen und vermeintlich
unwiderlegbaren Begründungen für die eine oder die andere Seite; die
Argumente, die in dieser Angelegenheit gemacht wurden, sind Legion. Der
Beitrag schlägt bewusst eine andere Richtung ein. Statt selbst Argumente
ins Feld zu führen, möchte er zeigen, <italic>auf welche Art und Weise</italic> die Argumentationslinien in
der Auseinandersetzung geführt werden. Das Ziel besteht also darin,
einen Schritt zurückzutreten und deutlich zu machen, wie in und um Tibet
vor dem Hintergrund des Kampfes um Autonomie oder Unabhängigkeit
Raumgeschichte konstruiert wird. Aus politisch-geographischer Sicht ist das
Beispiel Tibet von besonderem Interesse, weil hier die vielfältigen
Beziehungen zwischen Religion und Geopolitik (vgl. allgemein z.B. Sturm,
2013; Megoran, 2013) und insbesondere der „claim to a territory
based on a religious justification“ (Agnew, 2006:186) sehr deutlich zu Tage
treten. Diese Form der Repräsentation bildet einen hegemonialen Kern
tibetischer Identitätskonstruktionen und eine solche Vorstellung steht
zumeist auch im Zentrum der im Westen verbreiteten <italic>geographical imaginations</italic> über Tibet, wo der
Buddhismus ebenfalls als das „Herzstück“ der kulturellen
Identität Tibets angesehen wird. In diesem Sinne schreibt Ricard, einer
der internationalen Übersetzer des Dalai Lama, beispielhaft für
viele ähnliche Positionen in seinem Bildband über Tibet: „For over a thousand years, the Buddhist culture has been the bedrock of
Tibetian society“ (Ricard, 2001:11). Dieses Image übertragen westliche
Medienberichte nicht selten analog auch auf die tibetische Exilgemeinschaft,
„polarising the viewer's attention onto the two salient
characterisations of Tibetan exiles: religiosity and refugeehood“ (Prost,
2006:233).</p>
      <p>Mit der exponierten Stellung der Religion im Kontext der tibetischen
Autonomie- und Unabhängigkeitskonflikte wird an diesem Fall aus Sicht
der Politischen Geographie das Spannungsfeld von Religion, Raum und Nation
besonders deutlich sichtbar. Das Beispiel belegt eindrücklich, wie
wichtig ein „refraiming of religion within political
geography“ (Dittmer, 2007:737) für die Analyse entsprechender
Konfliktfälle sein kann. Dabei zeigt sich, dass Religion und Raum in
geopolitischen Identitäts- und Zugehörigkeitskonstruktionen Tibets
auf sehr unterschiedliche Weise miteinander verknüpft werden. Dies gilt
nicht nur für die entsprechenden Argumentationen der international
sichtbaren Konfliktgegner (d.h. hier v.a. chinesische und tibetische
Positionierungen; vgl. z.B. Norbu, 2001a; Jiawai und Giancain, 2001; Powers,
2004; Jackson, 2007; Wang und Shakya, 2009), bei denen man zwangsläufig
erwartet, dass ihre „conflicting views of Sino-Tibetan history
today stand as stumbling blocks <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> between Beijing and the Dalai
Lama“ (Norbu, 2001b:2).</p>
      <p>Weitaus weniger bekannt, aber für die schwierige Entwicklungsgeschichte
des tibetischen Nationalismus mindestens ebenso bedeutend sind historische
Narrationen über die diskursive Verkopplung von Religion, Raum und
Nation <italic>innerhalb</italic> der tibetischen Gesellschaft. Sie greifen teilweise weit zurück
in die regionale Religions- und Herrschaftsgeschichte und porträtieren
hier eine durchaus widersprüchliche und konfliktreiche Historie raum-
und religionsbezogener Identitätskonstruktionen. In ihnen gibt es neben
den hegemonialen „Meistererzählungen“ über Tibets
geopolitische Identität und Legitimität auch Brüche und
widersprüchliche Positionierungen. Beide haben sich in politischen
Praktiken niedergeschlagen, die an der Entwicklung und Durchsetzungskraft
des tibetischen nationalstaatlichen Projektes ihren jeweiligen Anteil haben
sollten. Der vorliegende Beitrag möchte diesen Aspekt genauer
ausleuchten und verfolgt entsprechend beide Stränge, indem er fragt,
inwieweit in Geschichts-Schreibungen über Tibet im Rückgriff auf die
Religion bzw. ihre gesellschaftlichen Praktiken die Ausbildung einer
raumbezogenen und insbesondere nationalen Identität unterstützt oder
verhindert wird.</p>
      <p>Diese Aspekte werden hier aber nicht aus einer rein historischen, sondern
aus einer politisch-geographischen Perspektive beleuchtet, deshalb sind in
diesem Falle nicht die lokalen, tibetischsprachigen Historiographien von
Interesse, sondern vor allem solche
Religion-Raum-Identitätskonstruktionen, die aufgrund ihrer Sprache in
den internationalen geo-„politischen“ Debatten um Tibet
„vernommen“ werden können, d.h. die als <italic>geographical imaginations</italic> (Gregory, 1994) –
zumeist in englischsprachiger Form – in der internationalen Gemeinschaft
„ankommen“ (um an manchen Stellen deren politische Rolle und
Bedeutung noch einmal besonders hervorzuheben, wird im nachfolgenden Text
teilweise auch von <italic>geopolitical imaginations</italic> gesprochen).</p>
      <p>Vom methodischen Zugriff her finden sich solche Narrationen in zwei Arten
von Texten, die hier beide als empirischer Fundus für die eigenen
Rekonstruktionen herangezogen werden. Es sind zum einen im Sinne von
Primärquellen Aussagen zum Verhältnis von Religion, Raum und Nation
in englischsprachigen Texten, die von tibetischen Sprecherpositionen aus in
die internationale Gemeinschaft hinein gerichtet sind. Zum anderen sind es
im Sinne von Sekundärquellen diejenigen Teile aus ausgewählten
Geschichts-Schreibungen internationaler Historiker und Tibetologen
<italic>über</italic> Tibet, die sich auf tibetische Religion-Raum-Konstruktionen richten und
diese damit international verfügbar bzw. sichtbar machen, und zwar in
einer aus dem Blickwinkel westlicher Wissensproduktion rekonstruierten Form.
Der vorliegende Beitrag verfolgt vom methodischen Vorgehen her die Absicht,
im Rückgriff auf beide Quellenarten von Religion-Raum-Konstruktionen
zu analysieren. Dabei verschwimmt die klassische Trennung in Primär-
oder Sekundärquellen zumindest teilweise, weil beide im Sinne ihrer
politischen Implikationen Elemente einer <italic>gemeinsamen</italic> Wissensordnung sind, weil sie
gemeinsam dazu beitragen, die internationalen und in diesem Sinne häufig
auch „geo-politischen“ Imaginationen über Tibet zu speisen – trotz
oder gerade wegen ihrer unterschiedlichen Verortung.</p>
      <p>Konzeptionell gesehen wird die tibetische Nation dabei im Sinne der Critical
Geopolitics, die sich mit der Analyse geopolitischer Repräsentationen
und Leitbilder auseinandersetzen (vgl. z.B. Ó Tuathail, 1996; Dodds
et al., 2013; Lossau, 2001; Reuber, 2012) nicht essentialistisch,
d.h. als eine quasi-natürliche Einheit verstanden, sondern als eine
<italic>imagined commuity</italic> (Anderson, 1983). Aus dieser Sicht fällt nationale Identität nicht
vom Himmel, aber genauso wenig ist sie das Ergebnis eines vermeintlich
objektiv festzustellenden Verlaufs der Geschichte. Sie ist vielmehr das
Resultat eines machtgeladenen, nicht selten konflikthaften Verlaufs
diskursiver Auseinandersetzungen und Verschiebungen, in deren Mittelpunkt
die Herausbildung (oder Infragestellung) einer gemeinsam geteilten,
hegemonialen „Raum-Geschichte“, einer historischen
Meistererzählung steht, die als Identitätsanker der zugehörigen
Wir-Gemeinschaft dient. Mit Rekurs auf Hobsbawm (1983) kann diese
Meistererzählung als Teil einer weiter reichenden <italic>invention of tradition</italic> verstanden werden,
d.h. eines vom Punkt der Gegenwart ausgehenden und von dort aus
rückwärts gerichteten <italic>writing history</italic>.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2">
  <?xmltex \opttitle{Die Genealogie religions- und raumbezogener Identit\"{a}tsmuster in Tibet}?><title>Die Genealogie religions- und raumbezogener Identitätsmuster in Tibet</title>
      <p>Bereits ein erster Blick auf diese <italic>invention of tradition</italic> in Tibet zeigt, dass die Verknüpfung
von Raum und Religion hier nur teilweise und keineswegs zwangsläufig zur
Konstituierung einer nationalen Identität beiträgt, wie manche
Darstellungen fast „gebetsmühlenartig“ behaupten. Er zeigt
vielmehr, wie unterschiedliche gesellschaftliche Konstruktionen von Religion
und Raum fall- und phasenweise in ein spannungsvolles, mitunter sogar
gegenläufiges Verhältnis treten können. Diese Ambivalenz wird
bereits daran deutlich, dass sich in Tibet Befürworter wie auch Gegner
eines nationalen Projektes in ihren Begründungen auf die Religion und
auf religiöse Praktiken beziehen:
<list list-type="bullet"><list-item><p>Auf der einen Seite hat sich eine Repräsentationsweise etabliert,
die aus dem religiösen Kontext heraus nahezu zwingend die mythische
Grundlage für die Entstehung einer räumlich-territorialen Einheit
und Eigenständigkeit Tibets herleitet, indem dieser Region eine besondere
Rolle für die Entwicklung des Buddhismus zugesprochen wird.</p></list-item><list-item><p>Auf der anderen Seite hat die starke und spezielle religiöse
Ausrichtung der tibetischen Gesellschaft in vielen Perioden der Geschichte
partikularistische Diskurse hervorgebracht, die sich auf der Ebene der
Praktiken in konfliktreichen Zersplitterungsprozessen materialisiert haben
und in dieser Form einer gemeinsamen, auch territorial einigenden
Identitätskonstruktion eher kontraproduktiv gegenüberstanden.</p></list-item></list></p>
      <p>Der Beitrag möchte diese beiden Positionen zunächst an Beispielen
herausarbeiten (Kap. 2.1), denn aus den beiden historisch angelegten
Narrationen ergibt sich bezogen auf die jüngere und jüngste
Geschichte Tibets eine jeweils unterschiedliche Bewertung des dann im 19.
und 20. Jahrhunderts im politischen Diskurs erscheinenden
national(staatlich)en Projektes. Im einen Falle unterstützen – etwas
pauschal gesprochen – Argumente aus dem Bereich des Religiösen die
Konstruktion einer nationalen Identität, im anderen Falle sehen sie ein
nationales Projekt eher als Bedrohung an und arbeiten dagegen. Die
politische Durchsetzungskraft der beiden Stränge verändert sich
jedoch im Verlauf der tibetischen Geschichte. Phasenweise ist die eine,
phasenweise die andere Form dominant und marginalisiert die jeweils andere.
Dieses historisch fließende und fragmentierte Verhältnis von
Religion und Nation soll in einem weiteren Kapitel des Beitrages diskutiert
werden (Kap. 2.2). Insgesamt lässt sich mithilfe solcher Befunde besser
verstehen, warum in Tibet die Etablierung eines nationalen Projektes so
schwierig war und warum dieses erst vor dem Hintergrund der massiven
Bedrohung durch das maoistische China, dessen gewaltvolle Tibet-Politik und
die daraus resultierende politische Exilsituation der Tibeter, an Kraft,
Kontur und internationaler Sichtbarkeit gewonnen hat.</p><?xmltex \hack{\newpage}?>
<sec id="Ch1.S2.SS1">
  <?xmltex \opttitle{Die fr\"{u}hen Wurzeln -- Das ambivalente Verh\"{a}ltnis von Religion und
Raum in {\glqq}vormodernen{\grqq} tibetischen Geschichts-Schreibungen}?><title>Die frühen Wurzeln – Das ambivalente Verhältnis von Religion und
Raum in „vormodernen“ tibetischen Geschichts-Schreibungen</title>
<sec id="Ch1.S2.SS1.SSS1">
  <?xmltex \opttitle{Die Religion als Unterst\"{u}tzer einer einheitlichen
politisch-geographischen Identit\"{a}t f\"{u}r Tibet }?><title>Die Religion als Unterstützer einer einheitlichen
politisch-geographischen Identität für Tibet </title>
      <p>Wenn tibetische geopolitische Imaginationen heutzutage in den politischen
Kämpfen um Autonomie oder Unabhängigkeit die Einzigartigkeit und
Sonderstellung der Tibeter begründen wollen, führen sie als
zentrales Merkmal kultureller Identität oft die Religion ins Feld,
konkret den tibetischen Buddhismus. Um daraus sachlogisch einen Diskurs
nationaler Selbstbestimmung und territorialer Eigenständigkeit
abzuleiten, ist es politisch gesehen konsequent, eine Form der
Geschichts-Schreibung zu entwickeln und international zu verbreiten, die
darauf hinausläuft, dass „Tibet was a culturally unique and
completely independent nation-state with a well-defined geographical
territory, until it was occupied by China“ (Yeh, 2007:661). Welche
historisch etablierten Konstruktionsweisen der Verkopplung von Religion und
Raum bietet der tibetische Buddhismus und inwieweit lässt sich damit
eine territoriale, nationalstaatlich orientierte Identitätsebene
begründen?</p>
      <p>Antworten auf diese Fragen finden sich auf unterschiedlichen Ebenen, die von
spirituellen Grundvorstellungen bis zu stärker säkularen, die
gesellschaftliche Rolle der Religiosität berührenden Aspekten
reichen. Befragt man zunächst auf einer grundsätzlichen Ebene den
tibetischen Buddhismus nach seinem Verhältnis zu Raum und
Räumlichkeit, so fällt bereits auf, dass „der Raum“
wichtig ist für die Religion, dass er auf vielfältige Weise in
spirituelle Repräsentationen und Praktiken einbezogen wird. Dabei treten
zunächst zwei Aspekte hervor: Zum einen haben Orte und Örtlichkeiten
(also: Räume im Sinne von <italic>places</italic>) die Funktion von symbolisch aufgeladenen
religiösen Merkzeichen. In dieser Rolle wirken sie als eine Art
kollektiver symbolischer Erinnerungsspeicher zentraler Grundinhalte der
buddhistischen Lehre (z.B. in Form von „Mandalas“). Zum
anderen können besondere Orte im tantrischen tibetischen Buddhismus auch
als spirituelle Kraftplätze wirken, an denen – so der Glaube –
besondere Erfahrungen und Schritte auf dem Weg zur Erleuchtung durch eine
Art spirituelle Übertragung möglich sind, was bedeutet, dass man es
hier fast mit einem religiös geprägten Raumdeterminismus zu tun hat.</p>
      <p>Weil solche religiösen Raumkonstruktionen für die spirituelle Praxis
wichtig sind, bilden sie auch zentrale Anknüpfungspunkte für die
politische Diskussion um die besondere Rolle des tibetischen Raumes für
die tibetische Kultur. Allerdings lässt sich allein aus der historisch
überlieferten Vorstellung, dass konkrete Orte in Tibet für die
Bewahrung und Ermöglichung bestimmter religiöser Erfahrungen
unverzichtbar sind, noch kein die gesamte Region umgreifender territorialer
Souveränitätsanspruch ableiten, wie er für die Konstruktion
einer „modernen“ politischen Nation konstitutiv ist. Für
diesen Aspekt ist eine dritte, ebenfalls in der buddhistischen
Überlieferung angelegte religions-geographische Narration
entscheidender: die Vorstellung von Tibet als besonderem Schutzraum für
den Buddhismus.</p>
      <p>Diese religiöse Raumproduktion entwickelt eine herausgehobene
Geltungsmacht, weil sie in den historischen Narrationen unmittelbar auf eine
Prophezeiung des Buddha zurückgeführt wird. Dieser habe den
Gründungsmythos für die <italic>geographical imagination</italic> von Tibet als „Land des
Buddhismus“ gestiftet, indem er in der letzten Phase seines Lebens
vorausbestimmte, dass sich der Bodhisattva Chenrezig (Transliteration dieses
Wortes sowie auch nachfolgender tibetischer Namen in der Literatur fallweise
unterschiedlich), eine der großen spirituellen Leitfiguren dieser
religiösen Tradition, in einem Zyklus immer neuer Wiedergeburten als
Beschützer um die Menschen in den als „Schneereich im
Norden“ bezeichneten Gebirgsregionen des Himalaya kümmern werde. Der
Buddha soll gesagt haben: „In Zukunft, o Bodhisattva, wirst du
das Land bekehren. Da du als Bodhisattva wiedergeboren bist, sollst du
zuerst die Menschenwelt deiner Schüler beschützen <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> dann
führe sie in der Religion zusammen“ (Dalai Lama in Laird, 2006:30).
Obwohl dieser räumlich umrissene Auftrag zur „Zähmung
des Schneelandes“ (Bretfeld, 2010:183ff.) nicht so explizit ausfällt,
wie in anderen Regionen (z.B. bei Gottes Versprechen eines
„Gelobten Landes“ im Alten Testament der Bibel), wird er in vielen
tibetischen Raumkonstruktionen vom 5. Dalai Lama bis heute prominent
verwendet, um ex-post aus der Geschichte heraus die territoriale und/oder
nationale Eigenständigkeit Tibets zu untermauern.</p>
      <p>„Spätestens seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts ist dieses
Erzählmuster Standard in der tibetisch-buddhistischen
Geschichtsschreibung“ (ebd.:191), der Mythos liefert auch Erklärungen
für das Handeln mancher herausgehobener Herrscherpersönlichkeiten.
Ein erstes Beispiel ist der „Gründerkönig“ Tibets,
Songtsen Gampo. „Songtsen Gampo war zweifelsohne eine
Manifestation Chenrezigs. Da kann es überhaupt keinen Zweifel geben. Ich
bin Buddhist, ich glaube an Reinkarnation“, sagt in diesem Falle der Dalai
Lama (zit. n. Laird, 2006:51). Songtsen Gampo regierte in der ersten
Hälfte des 7. Jahrhunderts. Er übernahm zwar bereits von seinem
Vater einen räumlich arrondierten Nukleus der Herrschaft, denn
„Tibet`s warrior-king Namri Songtsen united the nomadic
traders, wealthy peasants, and craftspeople of the Yarlong Valley into a
military dominion“ (Feigon, 1996:29). Aber erst unter Songtsen Gampo stieg
„Tibet zu einem Imperium in Zentralasien auf, das dem
chinesischen Reich an territorialer Ausdehnung und Macht ebenbürtig
war“ (Kollmar-Paulenz, 2006:31). Für den Dalai Lama ist
„Chenrezi die Kraft, die Songzen Gampo antrieb, denn ihm ging es darum, den
Buddhismus in Tibet zu verbreiten“ (Laird, 2006:62), seine Handlungen
entsprachen „Chenrezis übergeordnetem Plan für Tibet“
(Dalai Lama zit. in Laird, 2006:62), wobei sich – nur zur Erinnerung –
natürlich in der politischen Interpretation dieser Periode im
tibetischen und chinesischen <italic>writing history</italic> (im Sinne von Hobsbawms
„invention of tradition“) klare Unterschiede finden (für den Fall Tibet
vgl. genauer z.B. Feigon, 1996:25ff., für die chinesische Interpretation
der frühen Rolle des Buddhismus z.B. Jiawai und Giancain, 2001).</p>
      <p>Auch die Dalai Lamas werden als Manifestationen Chenrezigs angesehen. Dies
spiegelt sich besonders in der einflussreichen Person des
„großen Fünften“, im „Dreizehnten“ und auch in der
Gestalt des aktuellen 14. Dalai Lama: „(His) political and
moral authority stems from his status as a reincarnation of Chenresdzig, the
patron deity of Tibet“ (McConnell, 2009:346), und genau vor diesem
Hintergrund wird er „a key ‚source‘ of
legitimacy within the Tibetan community“ (ebd., vgl. auch McConnell, 2013).</p>
      <p>„Nach dem Niedergang des Buddhismus in seinem Heimatland Indien
präsentiert sich Tibet sogar als ‚geistige Erbin‘
Indiens, die das Licht der Buddhalehre weiterträgt und für die Welt
bewahrt“ (Bretfeld, 2010:212). Diese Konstruktionsweise untermauert den
räumlichen Gründungsmythos, und sie kann aus heutiger Sicht
politisch genutzt werden, um in den internationalen Debatten den
Unabhängigkeits- bzw. Autonomieanspruch Tibets zu legitimieren. Hier
wird aus dem spirituellen Kontext heraus die Begründung der regionalen
Besonderheit Tibets abgeleitet, d.h. die Religion stiftet als wesentlicher
Referenzpunkt der kulturellen Identität der Tibeter auch ihr
territoriales Projekt.</p>
      <p>Ähnliche Repräsentationsweisen werden von vielen westlichen
Historiographien als zentrale Argumentationsfiguren weitergetragen:
„It would not be an exaggeration to say that almost everyone in
Tibet <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> held Buddhism close to their hearts. It defined, more
than anything else, what it meant to be a Tibetan“ (van Schaik, 2011:201).
Gerade auf diesem Wege prägt die religiöse Orientierung machtvoll
auch die Tibet-Imaginationen der westlichen Moderne, sie wird zur zentralen
Meistererzählung der tibetischen Geschichte (vgl. Kollmar-Paulenz,
2006). Wenn dabei in Teilen der historischen Rekonstruktionen bereits die
frühen Königreiche als „Staaten“ angesprochen werden
(d.h. mit einem Konzept, das sich politisch erst Jahrhunderte später in
der frühen Neuzeit klarer entwickeln sollte), verstärkt dies die
Legitimität eines durch die Religion als primärem Charaktermerkmal
gekennzeichneten tibetischen Staates im Rückgriff auf den
Gültigkeitsanspruch historischer Forschung noch einmal.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2.SS1.SSS2">
  <?xmltex \opttitle{Die Religion als Ursache des Partikularismus in Tibet: Die regionalistische
Machtarchitektur des Raumes im Tibet der Priesterk\"{o}nige}?><title>Die Religion als Ursache des Partikularismus in Tibet: Die regionalistische
Machtarchitektur des Raumes im Tibet der Priesterkönige</title>
      <p>Man fragt sich vor dem Hintergrund einer solch starken symbolischen
Herleitung, warum die machtvolle religiöse Narration der Tibeter nicht
früh ein einigendes, spirituell „abgesichertes“ und
kollektiv gültiges <italic>writing history</italic> erzeugte. Man fragt sich besonders, warum eine
solche Meistererzählung nicht in Zeiten, als der Nationalismus im
Gepäck der europäischen Kolonialstaaten die regionalen politischen
Verhältnisse in Asien transformierte, entschiedener für den Aufbau
eines eigenen tibetischen Nationalstaats-Diskurses genutzt worden ist,
sondern erst deutlich später, d.h. warum „the
‚imagined community‘ of Tibet as a nation state
<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> emerged strongly only in the early 20th century, after the
13th Dalai Lama fled to India and then to Mongolia <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>, and
especially after the 1951 incorporation of Tibet into the Peoples's Republic
of China“ (Yeh, 2007:650).</p>
      <p>In Geschichts-Schreibungen über Tibet wird dafür ein ganzes
Bündel von Ursachen verantwortlich gemacht, wobei wichtige Determinanten
in der internationalen geopolitischen Machtkonstellation des damaligen
asiatischen „Great Game“ (vgl. Kreutzmann, 2002; van Schaik,
2011) gesehen werden, das „weitreichende Wirkungen für die
kleineren Mitspieler und die betroffene Lokalbevölkerung“ (Kreutzmann,
2007:5) entfaltete. Für die im Zentrum dieses Artikels stehende Analyse
der Funktion der Verkopplung von Raum und Religion ist aber interessant,
dass dafür auch innergesellschaftliche zentrifugale Kräfte in Tibet
verantwortlich gemacht werden, und dass diese ebenfalls aus religiösen
Vorstellungen und Praktiken heraus (mit-)begründet werden. Aus dieser
Sicht erscheint der Buddhismus in Bezug auf die ihm zugeschriebene Rolle bei
der Ausbildung einer gesamttibetischen räumlichen Identität durchaus
janusköpfig. Er stellt neben den bisher diskutierten, eher in Richtung
territoriale Einheit weisenden Mythen auch Konzepte bereit, die regionale
Partikularismen unterstützen, und die in nicht wenigen Phasen der
Geschichte so dominant waren, dass sie die Grundlage für divergierende
gesellschaftliche Praktiken bildeten. Dieser Aspekt soll im Folgenden
erläutert werden.</p>
      <p>Religiös bedingte Fragmentierungsprozesse in der tibetischen
Gesellschaft sind in der internationalen Debatte um die nationale
Identität und die politische Unabhängigkeit Tibets seit Langem eine
willkommene Argumentationsgrundlage für die Gegner solcher Bestrebungen,
sind sie doch in der Lage, die international prominente Meistererzählung
von der „einigen und friedlichen buddhistischen Nation“ zu
relativieren. Das Hauptargument besteht darin, dass die tibetische
Geschichte über die Jahrhunderte hinweg durch vielfältige, in
starkem Maße auch in der Religion angelegte Konfliktlinien
gekennzeichnet gewesen sei. Diese hätten phasenweise – und in Teilen
bis heute – regionale Partikularismen stärker unterstützt als die
Entstehung einer territorial einheitlich organisierten Gesellschaft.
(Geo)politisch gesehen lässt sich aus solchen Argumenten eine Form der
tibetischen Geschichtserzählung konstruieren, die den Anspruch der
Tibeter auf einen eigenen Nationalstaat in Frage stellt.</p>
      <p>Sucht man nach Ursachen für diese Entwicklung, so führen die
Geschichts-Schreibungen erneut zurück in religiöse
Grundüberzeugungen. Im tibetischen Buddhismus spiele die Konzentration
auf einen herausragenden Lehrer, den Lama, eine entscheidende Rolle auf dem
spirituellen Weg. Dieser gibt nicht nur Buddhas Worte und
Meditationsanweisungen an seine Schüler weiter, sondern ist gleichzeitig
Vorbild und Überträger bestimmter meditativer und/oder tantrischer
Praktiken. Der Lama – so die Überzeugung im tibetischen Buddhismus –
ist in der Lage, eine (auch) jenseits des Wortes liegende spirituelle
Erfahrung auf den Schüler zu übertragen und ihm so einen
beschleunigten Weg zur Erleuchtung zu eröffnen. Dieses Konzept bedingt
eine enge Bindung der Schüler an ihre Lehrer. Die starke Position der
Lamas führte auf der Ebene der gesellschaftlichen Strukturen in Tibet
spätestens seit dem 11. Jahrhundert zur Herausbildung verschiedener
Linien (vgl. van Schaik, 2011). Von Bedeutung waren in der langen
historischen Entwicklung über die Jahrhunderte vor allem die Schulen der
Nyingmapa, Sakyapa, Kagyüpa und Gelugpa (zu denen der Dalai Lama
gehört). In ihren unterschiedlichen Traditionen gründeten sie
jeweils eigene Klöster, die mit oft charismatischen, durchaus auch
weltlich ambitionierten Äbten zu eigenen Machtzentren in der Region
wurden.</p>
      <p>Diese Form der gesellschaftlichen Strukturierung führte zu einer
Gesellschaftsform, die etwas polarisierend zuweilen als „Lamakratie“
(Sobisch, 2002) bezeichnet worden ist. In ihr waren kirchliche
und weltliche Macht in vielfacher Weise verflochten. Betrachtet man die
daraus resultierenden sozialen und politischen Geographien dieser
Gesellschaft, so waren die Klöster die wesentlichen Elemente der
räumlich-sozialen Ordnung und begründeten lokale bzw. regionale
Zentren von Machtausübung, in denen sie als Besitzer ausgreifender
Ländereien die für ihr Leben notwendigen materiellen und sozialen
Ressourcen generierten. Daneben gab es als zweite Säule der politischen
Macht lokal/regional verortete Adelsgeschlechter, die oft in enger
verwandtschaftlicher Beziehung zu den Führungspersönlichkeiten in
den Klöstern standen (nicht zuletzt auch, weil diese sich häufig aus
ihren Reihen rekrutierten). Das Ergebnis war ein hierarchisches und
klientelistisch-feudalistisches System, in dem große Teile der landlosen
Bevölkerung bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein in
einer Abhängigkeit von den Adligen und/oder den Klöstern standen
(vgl. van Schaik, 2011), die nicht nur von chinesischen Historikern als eine
Form der Leibeigenschaft bezeichnet worden ist. Die Geschichts-Schreibung
über die Dalai Lamas zeigt, „wie religiöse und
politische Fraktionen immer wieder versucht haben, zu Macht zu kommen, oft,
indem sie sich opportunistisch verhielten, zweifelhafte Koalitionen
bildeten, manchmal auch kämpften und mordeten“ (Brauen, 2005:7f.).</p>
      <p>Bezogen auf die Entstehung raumbezogener Identitäten und
Organisationsmuster war die damalige Gesellschaft also eher
partikularistisch angelegt, was im Laufe der Jahrhunderte immer wieder die
Ausbildung überwölbender gesellschaftlich-politischer
Makrostrukturen erschwerte oder gar konterkarierte, obwohl sich gleichzeitig
innerhalb der religiösen Schulen durchaus weiträumig angelegte
Netzwerke in angrenzende Regionen hinein ausbildeten (z.B. in die
südlichen Himalaya-Regionen, nach China, in die Baikalsee-Region). In
Gestalt dieser Fragmentierungserscheinungen hatte, so rekonstruiert selbst
der Dalai Lama entsprechende Entwicklungen, „die tiefe
Ergebenheit an den Buddhismus <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> auch ihre Schattenseiten. Die
religiösen Führungsgestalten dachten zuerst an die Religion und ihre
Klöster und erst danach, falls überhaupt, an die gesamte
Volksgemeinschaft“ (Dalai Lama in Laird, 2006:24).</p>
      <p>Geschichts-Schreibungen über Tibet zeigen an vielen Beispielen, dass die
buddhistischen Schulen häufig alles andere als friedlich nebeneinander
lebten. Über viele – wohlgemerkt nicht alle – Jahrhunderte ergaben
sich aus dieser Situation nicht nur Konflikte um die religiöse
Deutungshoheit, sondern ganz handfest auch um die regionale Sicherung von
Ressourcen für die Klöster und die mit ihnen verbundenen
Adelsgeschlechter. Diese führten mitunter zu einer spalterischen,
regionalistischen Politik und machten vor bewaffneten Auseinandersetzungen
nicht halt. Die Klöster bildeten sogar eigene „Kampfmönche“
aus, „zeitweilig waren die Klöster
tatsächlich besser bewaffnet als die tibetische Armee“ (Sobisch,
2002:188). Die Auseinandersetzungen führten bei der Eroberung und
Brandschatzung verfeindeter Klöster fallweise zu
bürgerkriegsähnlichen Zuständen (vgl. z.B. Kollmar-Paulenz,
2006). In diesen innergesellschaftlichen Kontroversen gingen die
gegnerischen Parteien im Verlauf der Geschichte mehrfach so weit, dass sie
sich militärische Unterstützung bei politischen Mächten
außerhalb Tibets holten (z.B. bei mongolischen Herrschern oder bei der
chinesischen Manchu-Dynastie, vgl. z.B. van Schaik, 2011), um sich in der
Auseinandersetzung mit den regionalen Rivalen durchsetzen zu können.
Dass solche politischen Praktiken heute den Gegnern einer unabhängigen
tibetischen Nation Argumente in die Hand geben, ist offensichtlich. Selbst
die Phasen eines geeinigten und politisch weitgehend unabhängigen
Tibets, die es in der Geschichte verschiedene Male gab, waren nicht frei von
aufflackernden Rivalitäten und bewaffneten Konflikten, „das
erste tibetische Großreich zerbrach letztlich an den internen
Machtkämpfen der untereinander zerstrittenen Adelsgeschlechter“
(Kollmar-Paulenz, 2006:54).</p>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S2.SS2">
  <?xmltex \opttitle{Das Verh\"{a}ltnis von Religion und Nation in Tibet in der j\"{u}ngeren und
j\"{u}ngsten Geschichte}?><title>Das Verhältnis von Religion und Nation in Tibet in der jüngeren und
jüngsten Geschichte</title>
      <p>Bereits die bisherigen Befunde machen deutlich, dass es zu einfach wäre,
wollte man die fehlende Nationalstaats-Werdung Tibets allein den regionalen
geopolitischen Großwetterlagen in Zeiten der Kolonialisierung und
Dekolonialisierung zuschreiben, d.h. sie allein aus den Interessen der
damals in diese Region hineinwirkenden Großmächte wie
Großbritannien, Russland und China ableiten. Es sind auch die inneren,
durch die Religion stark geförderten partikularistischen Tendenzen, die
anti-nationalistisch und damit auch anti-nationalstaatlich wirksam wurden –
ein Aspekt, der auch von der gegen die tibetischen Interessen gerichteten
chinesischen Geschichts-Schreibung gerne aufgegriffen worden ist (z.B.
Jiawai und Giancain, 2001).</p>
      <p>Diese in Tibet noch im 17., 18. und 19. Jahrhundert gerade auch in den
politisch einflussreichen großen Klöstern Zentraltibets verbreitete
nationalstaats-skeptische Grundeinstellung unterlag dann einer spannenden,
nahezu diametralen Wende im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Diese vollzog sich
vor dem Hintergrund zunehmender chinesischer Begehrlichkeiten und
insbesondere seit dem unter Mao beginnenden chinesischen Gewaltregime in
Tibet ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das zur Flucht des
Dalai Lama und vieler weiterer Tibeter sowie zur Bildung einer Exilregierung
im indischen Dharamsala führte. Der daraus erwachsene
Unabhängigkeits- bzw. Autonomiekampf erforderte auf Seiten der
Exiltibeter – um Hobsbawms Metapher in leicht abgewandelter Form zu
verwenden – eine dramatische <italic>Re-Invention of Tradition</italic>, bei der die Verbindung von Religion und
Nation zum machtvollen, hegemonialen Kern der tibetischen
Identitätskonstruktion werden sollte. Die internationale
Durchsetzungskraft dieser Verkopplung steigerte sich in jener Phase durch
das Andocken an alte westliche Vorstellungsbilder über ein friedliches
Shangri-La.</p>
      <p>Diese beiden Aspekte – der frühmoderne Skeptizismus und die
nachfolgende Wendung hin zu einer Bejahung des Nationalstaat-Konzeptes und
seiner Verknüpfung mit dem Buddhismus als kulturellem
Alleinstellungsmerkmal – sollen im Folgenden genauer diskutiert werden.</p>
<sec id="Ch1.S2.SS2.SSS1">
  <?xmltex \opttitle{Der fr\"{u}hmoderne Blick: Nationalismus als bad guy, als {\glqq}Angriff der Moderne{\grqq} auf die traditionelle buddhistische Gesellschaft}?><title>Der frühmoderne Blick: Nationalismus als bad guy, als „Angriff der Moderne“ auf die traditionelle buddhistische Gesellschaft</title>
      <p>Als im 19. Jahrhundert erhebliche Teile der westlichen Welt den
Nationalismus als hegemoniales politisches Deutungsschema etablierten und
damit die Grundlagen für die globalisierte Ordnung der Moderne
entwarfen, zeichneten sich größere Segmente der tibetischen
Gesellschaft durch eine eher nationalismusfeindliche Haltung aus. Der
Nationalismus war für sie eine Art Feindbild, Symbol einer politischen
und sozialen Moderne, die die tradierte partikulare, buddhistische und
feudalistisch-antimoderne Gesellschaftsordnung Tibets von außen
bedrohte.</p>
      <p>Diese Grundeinstellung verhinderte, dass die Tibeter während der
historischen Phase der Nationalstaatenbildung in Asien eine kollektive
nationalistische Identitätskonstruktion entwickelten, auf deren
Grundlage möglicherweise gemeinsame Anstrengungen der rivalisierenden
Gruppen bei der Durchsetzung eines eigenen Staates international hätten
erfolgreich sein können.</p>
      <p>Ein weiterer Hinderungsgrund für den Aufbau einer nationalen
Identität war der in zentralen Teilen der tibetischen Gesellschaft
angelegte Konservativismus und Isolationismus, der ebenfalls zumindest
teilweise religiös unterfüttert war. Entsprechend kritisch
beobachtete man im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, wie sich die
gesellschaftlichen Strukturen in den Nachbarregionen unter dem Einfluss von
Kolonialismus und Modernisierung rasch wandelten. „Both the
monks and the grandees were strongly averse to reform“ (Sangay, 2003:120).
Insbesondere die drei größten, einflussreichsten Gelugpa-Klöster
Ganden, Sera und Drepung machten ihren Einfluss geltend, wenn es darum ging,
Fremde und insbesondere Europäer sowie deren technische, soziale und
politische Neuerungen aus dem Land herauszuhalten. Auch wenn man der
Einschätzung, dass „es die starke Massierung der Macht in
den drei Gelukpa-Klöstern in und um Lhasa war, die sämtliche
Modernisierungsbemühungen in Tibet zunichte gemacht haben“ (Sobisch,
2006:224) in dieser zugeschärften Weise nicht folgen kann, behält
die These eine gewisse Plausibilität, dass es der „zum Teil
gewaltsam betriebenen Isolation Tibets im 20. Jahrhundert zu verdanken
(ist), dass das Land eine leichte Beute Chinas werden konnte“ (ebd.).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2.SS2.SSS2">
  <?xmltex \opttitle{Der Wandel: Nationalismus als good guy und die Exilsituation als Wiege des
tibetischen Nationalgef\"{u}hls}?><title>Der Wandel: Nationalismus als good guy und die Exilsituation als Wiege des
tibetischen Nationalgefühls</title>
      <p>Diese Einstellung sollte sich im 20. Jahrhundert dramatisch verändern
und sogar umkehren. Aus dem „Nationalstaat als Bedrohung des
tibetischen Buddhismus“ sollte der „Nationalstaat als
möglicher Rettungsanker des tibetischen Buddhismus“ werden. Allerdings
vollzog sich die zunehmende Einsicht in die strategische Notwendigkeit der
Produktion einer gemeinsamen nationalen <italic>geopolitical imagination</italic> im Falle Tibets nicht von selbst
und kontinuierlich, sondern immer dann, wenn sich die Gesellschaft mit einer
massiven direkten oder zukünftigen Herausforderung von außen
konfrontiert sah. Die beiden wichtigsten Auslöser dafür sind im
Falle Tibets:
<list list-type="bullet"><list-item><p>die Anfang des 19. Jahrhunderts zunehmend als Bedrohung empfundene
chinesische Nationalstaatspolitik und der darauf antwortende erste Versuch
der Implementation von Teilen einer modern-nationalstaatlichen Ordnung
und Identität in Tibet durch den 13. Dalai Lama</p></list-item><list-item><p>die Flucht des 14. Dalai Lama und von Teilen der Bevölkerung
angesichts des sich etablierenden chinesischen Gewaltregimes in Tibet
und dem aus dem Exil heraus vorgenommenen kollektiven Umschwenken des
tibetischen <italic>writing history</italic>, das nun eine eigene nationale
Identität als „Große Erzählung“ der tibetischen
Geschichte in den Vordergrund stellt</p></list-item></list></p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2.SS2.SSSx1" specific-use="unnumbered">
  <?xmltex \opttitle{Nationale Identit\"{a}t und Bestrebungen zur Bildung eines
Nationalstaates durch den 13. Dalai Lama}?><title>Nationale Identität und Bestrebungen zur Bildung eines
Nationalstaates durch den 13. Dalai Lama</title>
      <p>Ein erstes historisches Fenster für einen tibetischen Nationalstaat
öffnete sich in der späten Phase der Kolonialisierung, als man sich
ringsherum mit den auf die eigene Region ausgreifenden Machtansprüchen
der Großmächte bzw. mit den sich später aus den Kolonien
herausschälenden Nachbarstaaten konfrontiert sah. Angesichts dieses aus
zentraltibetischer Sicht düsteren Szenarios war es der 13. Dalai Lama,
der plötzlich das Konzept der Nation und einen eigenen Nationalstaat
nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance und Notwendigkeit sah. Dies
schlug sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Reihe von
reformorientierten Modernisierungsversuchen nieder. Sie bezogen sich vor
allem auf den Aufbau einer Armee, die Eröffnung einer internationalen
Schule sowie das Vorhaben einer teilweisen Umstrukturierung der bisherigen
Verwaltungsorganisation im Sinne eines „modernen“ Staates.</p>
      <p>So wichtig diese Reformversuche des 13. Dalai Lama auch waren, so standen
sie doch im Widerspruch zu anderen, ebenfalls machtvollen Positionierungen,
die ein solches Projekt zu boykottieren versuchten (vgl. Kollmar-Paulenz,
2006). Zu ihnen gehörten die strukturkonservativen Netzwerke um den
Panchen Lama herum (der zweite hohe religiöse Würdenträger der
Gelugpa-Linie), sowie erneut die oben bereits erwähnten großen
Gelugpa-Klöster in Zentraltibet. Vor diesem Hintergrund war die
gesamtgesellschaftliche Bereitschaft gering, gemeinsam an einer nationalen
Narration und Politik zu arbeiten, die Tibet auch international sichtbar als
einen zusammenhängenden, homogenen Raum konstruierte.</p>
      <p>Obwohl Historiker der tibetischen Gesellschaft für diese Periode einen
relativ hohen Grad an politischer Unabhängigkeit bescheinigen, in der
China allenfalls die Rolle eines „Suzeräns“ zukam (d.h.
bezogen auf Tibet gewisse militärische und außenpolitische
Funktionen), reichte die Kraft des nationalen Projektes nicht aus, um den
Diskurs einer nationalen <italic>imagined community</italic> langfristig und außenwirksam auszubilden. Nach
dem Tod des 13. Dalai Lama erhielten die traditionell-konservativen
Positionierungen erneut Auftrieb, (vgl. Sangay, 2003:127), Stagnation und
innere Kämpfe gehörten weiterhin zum politischen Alltag in der
Region. „Innenpolitisch waren die begonnenen Reformen
abgebrochen und die wenigen Modernisierer marginalisiert worden. Die
religiösen Eliten der drei großen Klosterinstitutionen bei Lhasa
betrachteten jede zaghafte Öffnung des Landes gegenüber westlichen
Einflüssen als Bedrohung der buddhistischen Grundlagen des tibetischen
Staates“ (Kollmar-Paulenz, 2006:151).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2.SS2.SSS3">
  <?xmltex \opttitle{Die diskursive Verkopplung von Nation und Religion im
\textit{re-writing history} des 14. Dalai \hack{\break} Lama und der
tibetischen Exilregierung}?><title>Die diskursive Verkopplung von Nation und Religion im
<italic>re-writing history</italic> des 14. Dalai <?xmltex \hack{\break}?> Lama und der
tibetischen Exilregierung</title>
      <p>Die eigentliche Geburtsstunde eines umfassenderen tibetischen
National-Diskurses schlug daher, wenn man die Geschichte etwas pointiert
interpretieren wollte, erst im Exil: „Current Tibetan diasporic
nationalism finds root in resisting Chinese colonialism“ (Houston und
Wright, 2003:220). Erst nach der Flucht (u.a. auch des 14. Dalai Lama) nach
Indien und nach der Rekonstituierung der tibetischen Regierung im indischen
Dharamsala kam es mehr und mehr zu einer die inneren Fragmentierungen
überspringenden, nach außen gemeinsam artikulierten Form von
nationaler Identität. Entsprechend macht es Sinn, in diesem Fall von der
„diaspora as condition“ (ebd.:229) zu sprechen, die die
Konstruktion einer einheitlichen nationalen Identität erst möglich
macht.</p>
      <p>Dazu musste jedoch insbesondere auch im Bewusstsein der langlebigen internen
regionalen Konflikte und Kriege die eigene Geschichte in gewisser Weise neu
geschrieben werden. Zu diesem Zweck war aber nicht „nur“ eine
einfache <italic>invention of tradition</italic> im Hobsbawm'schen Sinne notwendig. Es war vielmehr eine partielle
<italic>„re“-invention of tradition</italic> vorzunehmen, denn „a pan-Tibetan identity <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> had
previously not existed beyond the Lhasa elite“ (McConnell, 2009:346, vgl.
auch Tuttle und Schaeffer, 2013). Mit dem Ziel vor Augen „to
create a unified and essentialised national identity“ (ebd.) ging es darum,
im Sinne einer selektiven Neuinterpretation und Reakzentuierung der eigenen
Geschichts-Schreibungen die territorialen Kontinuitäten zu betonen und
die inneren Fragmentierungen und Regionalismen diskursiv zu marginalisieren:
„The exterior threat of cultural extermination forces Tibetans
in exile to re-imagine themselves as united and pan-Buddhist, which paves
over Tibet's fractious religious and regional pasts“ (Houston und Wright,
2003:223; die oben angesprochenen Differenzen haben sich parallel dazu trotz
allem in den gesellschaftlichen Praktiken auch in den Exilgemeinden
teilweise erhalten).</p>
      <p>Gleichwohl fängt dieses <italic>re-writing history</italic> nicht „bei null“ an, denn in den
tibetischen Geschichtserzählungen sind – wie oben bereits dargestellt
– entsprechende Mythen und Traditionen vorhanden, die in diesem
homogenisierenden Sinne artikuliert werden können. Ein erster und
entscheidender Schritt der Reakzentuierung besteht darin, das Verhältnis
von Religion und Nation eindeutiger als bisher auf den Gründungsmythos
von Buddhas Prophezeiungen zu Chenrezigs gelobtem Schneeland im Norden
Indiens zu konzentrieren (vgl. Kap. 2.1.) und die eher konfliktorientierten
religiösen Differenzen der verschiedenen Lehr(er)traditionen und
Klöster im <italic>writing history</italic> weniger prominent zu platzieren. Im Ergebnis ist in den
letzten Jahrzehnten eine Art diskursiv „gereinigte“
<italic>geographical imagination</italic> entstanden, nämlich „der Mythos eines friedlichen Tibet,
dessen Gesellschaft und Politik von buddhistischen Grundsätzen der
Gewaltlosigkeit bestimmt (ist). <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> Die tibetische Geschichte wird
als Geschichte eines friedliebenden, der Ausübung seiner Religion
hingegebenen Volkes erzählt, für das Gewalt keine Option zur
Konfliktlösung darstellt“ (Kollmar-Paulenz, 2006:174).</p>
      <p>Diese Form der Narration ist von ihrer normativen Grundorientierung auch auf
westliche Politikmodelle ausgerichtet. Der Schwenk war aus tibetischer
Perspektive mehr als verständlich, weil mit dem tibetischen Exil die
potentiellen Verbündeten für die Tibeter vor allem in den ersten
Jahrzehnten unter den Bedingungen des Kalten Krieges eher im Westen lagen.
In die hegemonialen Narrationen des damaligen geopolitischen Blockdenkens
fügte sich die Verortung Tibets als eine von einem kommunistischen Staat
besetzte und unterdrückte Nation gut ein. „Cold war views
of communism joined old stereotypes of Asia. The Tibetans were once again
seen as a simple spiritual people threatened by a new version of the old
Russian plague (communism)“ (Feigon, 1996:21).</p>
      <p>In dieser geopolitischen „Opfersituation“ griffen die alten
Figuren der Domino-Theorie und der darauf aufsetzenden <italic>Containment</italic>-Politik und der
Westen wurde automatisch zum Beschützer der Tibeter mit dem Ziel, auch
an dieser regionalen Front den Vormarsch des Kommunismus aufzuhalten:
„The CIA's covert support for the Tibetan resistance army,
Chushi Gangdrug, from 1956 until 1972 grew directly out of the Cold War
project to contain Communism“ (Yeh, 2007:650 mit Bezug auf Conboy und
Morrison, 2002; Knaus, 1999). Diese Stereotypen sind in den hegemonialen
Diskursen des Westens bis heute persistent, sie prägen beispielsweise
auch den Blickwinkel der deutschen Presse, wie Becker an der
Berichterstattung über die Unruhen in Tibet 2008 und die Olympischen
Spiele in Peking deutlich macht: „(T)he current image of China
is fully in the tradition of the threatening yellow – respectively red –
threat and so is strongly opposed to the positive image of Tibet (peaceful,
esoteric, in need of protection)“ (Becker, 2011:495).</p>
      <p>Im Sinne der Notwendigkeit einer stärker pro-westlichen Rejustierung der
eigenen Nationalgeschichte lässt sich auch der vor dem Hintergrund der
bisherigen tibetischen Regierungsformen nicht von vornherein naheliegende
Schwenk der tibetischen Exilregierung zur Demokratie besser verstehen.
„The Tibetan Government-in-Exile's strategic implementation and
rhetorical articulation of democracy are key image-building exercises and an
attempt to deploy for the Tibetan exiled polity (particularly in relation to
China)“ (McConnell, 2009:347).</p>
      <p>Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund hätte sich das Engagement des
Westens aber nach dem Ende des Kalten Krieges wohl schnell erschöpft,
wenn nicht ein Teil der in vielen westlichen Gesellschaften etablierten
Tibet-Bewunderung viel tiefer sitzen würde, wenn er sich nicht aus
deutlich älteren <italic>geographical imaginations</italic> über diese Region speisen würde, in denen
erneut eine wirkmächtige diskursive Klammer zwischen Religion und Raum
eines der Leitmotive der Konstruktion bildet. Konkret geht es um
Vorstellungen über Tibet, die sich als „the Myth of
Shangri-La“ (Bishop, 1989) in den westlichen Nationen zu Beginn des
Industriezeitalters in einem breiteren Bürgertum zu etablieren begannen.
„By the turn of the twentieth century, Tibet had arrived in the
Western imagination. As Peter Bishop wrote: Tibet was not just <italic>any</italic> place, not
just one among many within the Western global imagination. For a few years
in the turn of the century it became <italic>the</italic> place“ (Feigon, 1996:20).
„The general drift has been that Tibet is seen as a snowy
Shangri-La inhabited by a spiritual, yet simple people in splendid isolation
from the rest of the world“ (ebd.:3).</p>
      <p>Aus diesem Blickwinkel waren die europäischen Vorstellungsbilder bereits
früh „prisoners of Shangri-La“ (Lopez, 1998:1), ihr
Blick war „constrained by the framework of representation that
has been constructed by a large variety of different actors over the course
of several centuries“ (Neuhaus, 2012:14). Tibet galt in Europa in dieser
Phase als ein „repository of ancient wisdom“ (ebd.:64), ein
„vague and unspecific utopia“ (ebd.:141). Elemente dieser
teilweise sehr naiv daherkommenden kollektiven Vorstellungsbilder haben sich
erstaunlich persistent in westlichen Gesellschaften erhalten. Beispielhaft
seien nur die folgenden Zeilen aus dem Begleittext eines großformatigen
Bildbandes über die Region herausgegriffen: „What strikes
the visitor to the Land of Snows, <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> is the unique combination of
cheerfulness, courage and deeply rooted confidence that characterizes the
Tibetan people“ (Ricard, 2001:7). Und weiter heißt es:
„The unique civilization that flourished in Tibet continues to this day to
inspire the rest of the world with its wisdom, its sheer joie de vivre, its
ideal of inner transformation, and its culture of non-violence, values that
have remained predominant despite some unfortunate departures from the ideal
path“ (Ricard, 2001:11).</p>
      <p>Diese Pfade reaktivieren auch die diskursiven Rahmungen der tibetischen
Exilpolitik, die die nationale Geschichte und Identität Tibets in einer
Weise „re“-konstruieren, die kompatibel mit vorhandenen
westlichen Imaginationen über Tibet ist. Sie werden in entsprechender
Form auch in Teilen der westlichen Geschichts-Schreibungen über Tibet
reproduziert. Wenn z.B. Thurman (2008:24f.) zu der Auffassung kommt, Tibet
sei „the heroic creation of thirteen hundred years of
self-restraint, altruistic development“, dann muss man für eine solche
Art von historischer Rekonstruktion die gegenläufigen Elemente der
tibetischen Geschichte schon bis an die Grenze des Unsichtbaren
marginalisieren. Und doch wurde Tibet gerade in dieser Form „the quintessential Asia of the Western imagination, the poor oppressed land
with an ancient culture and spirit“ (Feigon, 1996:22).</p>
      <p>Sichtweisen wie diese sind keine Einzelfälle und es ist aus der
Perspektive einer konstruktivistischen politisch-geographischen Perspektive
spannend zu sehen, wie stark eine solche fast mythische <italic>geographical imagination</italic> in der Lage ist,
anderslautende Konstruktionsweisen zu marginalisieren. Dies gilt besonders
für den Diskurs von Frieden und Gewaltlosigkeit, dem ja durchaus – wie
weiter oben bereits angedeutet – auch anderslautende wissenschaftliche
Rekonstruktionen gegenüberstehen: „Ein gewaltloses Umfeld,
das nur wiederhergestellt zu werden bräuchte, hat es in Tibet nie
gegeben. Es hat auch in Tibet durchweg Gewalt auf allen Ebenen gegeben: vom
tibetischen Staat ausgehend, zwischen einzelnen Landesteilen, zwischen
buddhistischen Traditionen, zwischen einzelnen Klöstern, vom Staat gegen
Klöster, von Klöstern gegen die Regierung, als Attentate auf
Regierungsmitglieder, als Durchsetzung drakonischer Strafen wie
Hinrichtungen und Verstümmelungen <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>“ (Sobisch, 2006:223).
Vor diesem Hintergrund scheinen entsprechende Idealisierungen –
„i.e. peace-loving and non-violent, contemplative, esoteric“
(Becker, 2011:496) – nur möglich, weil „die Faszination,
die Tibet auf die westliche Einbildungskraft, vor allem auf die einer
breiten Öffentlichkeit in den USA, ausübt, einen exemplarischen Fall
der ‚Kolonisierung des Imaginären‘ darstellt. Sie
reduziert das tatsächliche Tibet auf eine Projektionsfläche für
westliche ideologische Phantasien“ (Zizek, 2001:110).</p>
      <p>Aber trotz ihrer enormen Konstruktionskraft macht diese Shangri-La-Seligkeit
allein nicht verständlich, warum die Wandlung der tibetischen
Geschichts-Schreibung hin zum Vorstellungsbild einer friedliebenden
demokratischen Nation im Westen auf eine Unterstützung stößt,
die so groß ist, dass sie die aus diskurstheoretischer Sicht vorhandenen
Brüche zu überdecken vermag. Dazu ist mehr erforderlich und ein Teil
dieses „Mehr“ kann in einer sehr interessanten
Äquivalenzkette von drei zentralen Elementen aus dem Tibet-Diskurs
gefunden werden, deren diskursive (Fast-)Gleichsetzung westliche
Tibet-Vorstellungen stabilisiert und alternative Lesarten eher
marginalisiert. Es handelt sich um eine Äquivalenzkette zwischen
„Tibetischer Nation“, „gewaltverzichtsorientiertem, friedensnobelpreisgeehrtem Dalai Lama“ und
einem (von der religiösen Grundüberzeugung her gesehenen)
friedlichen Buddhismus. Die Kraft dieser Äquivalenzkette speist sich
weniger aus der tibetischen Geschichte, diese würde die Verbindung vor
allem wegen ihrer partikularistischen und konfliktorientierten Phasen eher
gefährden, sondern aus ihren westlichen Imaginationen in der Gegenwart.
So wird Tendzin Gyatsho, der 14. Dalai Lama, als eine Persönlichkeit
wahrgenommen, die in ihrer Identität und ihren Praktiken recht
konsistent mit buddhistisch-friedlichen Grundüberzeugungen
übereinstimmt. Dies äußert sich beispielsweise durch ein
„very publicly campaigning for a peaceful, non-violent solution
to the Chinese occupation“ (Houston und Wright, 2003:217).
„Westerners applauded the peaceful image of the Dalai Lama“ (Feigon,
1996:22), dessen Reputation sich durch die Verleihung des
Friedensnobelpreises 1989 weiter gefestigt hat. Entsprechend wirkt die
politisch wie religiös herausgehobene Person des derzeitigen Dalai Lama
in mehrfacher Hinsicht wie eine Art diskursives Brennglas tibetbezogener
Identitätsdiskurse: „The Dalai Lama embodies Tibetan
culture. He creates images of Tibet <inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula> and functions as the
central locus of power and identity within Tibetan diaspora“ (Houston und
Wright, 2003:218). Diese Wahrnehmung wird noch dadurch unterstützt, dass
sich westliche Anhänger buddhistischer Praktiken und Schulen in erster
Linie für die religiös-spirituellen Grundüberzeugungen
interessieren und weniger für die ambivalenten und widersprüchlichen
sozialen und politischen Strukturen und Praktiken in den buddhistischen
Gesellschaften Tibets im Laufe der Jahrhunderte.</p>
      <p>Insgesamt bildet diese „Neuschreibung der tibetischen
Geschichte die Basis für die Politik des Dalai Lama“ (Kollmar-Paulenz,
2006:175). Diese findet ihren Niederschlag auch in der tibetischen
Verfassung: „The constitution reinterprets democracy as if it
is – and has always been – a part of the Tibetan tradition, with the
Buddha itself as its ultimate source“ (Frechette, 2007:109). Eine solche
Konstruktionsweise wird durch ihre beständige öffentlich wirksame
Reproduktion gestärkt und aufrechterhalten. Ihr zentrales
Alleinstellungsmerkmal bleibt die Verkopplung von Religion und Raum, d.h.
die Re-Akzentuierung des tibetischen Nationalismus in Richtung eines
religionsbasierten, dabei friedensorientierten und demokratischen Projektes.</p>
</sec>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S3" sec-type="conclusions">
  <title>Fazit</title>
      <p>Die Analyse des Spannungsfeldes von Religion, Raum und Nation für den
Fall Tibet zeigt, welch ein zentraler Pfeiler der politisch-geographischen
Identitätsproduktion die Religion auch im buddhistischen Kontext sein
kann. Das Fallbeispiel zeigt darüber hinaus, dass das Verhältnis von
religiösen und territorialen Identitätsfragmenten nicht eindeutig,
sondern im Verlauf der Geschichte umkämpft sein kann. Es macht deutlich,
dass sich unterschiedliche Lesarten des Verhältnisses von Religion und
Raum herausbilden können, die zueinander im Widerspruch stehen und
durchaus konfliktreiche politische Praktiken nach sich ziehen.</p>
      <p>Mit Blick auf die politische Relevanz entsprechender
Religion-Raum-Identitätskonstruktionen in den internationalen
(geo-)politischen Debatten um Tibet konzentrierte sich die vorliegende
Analyse nicht auf die lokalen, tibetischsprachigen Historiographien, sondern
auf diejenigen Teile davon, die – zumeist in englischsprachiger Form – nach
außen sichtbar werden. Dabei handelt es sich zum einen um Aussagen zum Verhältnis von
Religion, Raum und Nation in englischsprachigen Texten von tibetischen
Sprecherpositionen aus, zum anderen um entsprechende Teile aus den
Geschichts-Schreibungen internationaler Historiker und Tibetologen
<italic>über</italic> Tibet. Aus politisch-geographischer Sicht sind beide Elemente einer
<italic>gemeinsamen</italic> Wissensordnung, weil beide – auf ihre je spezifisch verortete Weise –
dazu beitragen, die internationalen „geo-politischen“ Imaginationen
über Tibet zu speisen.</p>
      <p>Mit einem solchen Blickwinkel kann die Politische Geographie eine
Analyseperspektive anbieten, die die vielfältigen Verkopplungen und
rekursiven Bezüge entsprechender Identitätsproduktionen offen legt
und damit gleichzeitig deren politische Dynamik im Spannungsfeld von
Religion und Raum in den Krisen, Konflikten und Kriegen unserer Zeit
erfassbar macht. Aus dieser Sicht ist Tibet eines der derzeit spannenden
Beispiele für die Kraft der diskursiven Verkopplung von Religion und
Raum.</p>
</sec>

      
      </body>
    <back><ack><title>Danksagung</title><p>Erste Fassungen der vorliegenden Argumentation wurden in einer Fachsitzung
auf dem Deutschen Geographentag sowie im Rahmen des Münsteraner Doktorandenseminars
„Gedankenräume“ vorgestellt. Ich bedanke mich bei allen TeilnehmerInnen
für ihre konstruktiven Anmerkungen. Mein besonderer Dank gilt den anonymen
GutachterInnen der Geographica Helvetica sowie Benedikt Korf als Editor,
die gemeinsam dem Beitrag mit ihren ausgesprochen konstruktiven und weiterführenden
Anmerkungen noch einmal wichtige Impulse gegeben haben. <?xmltex \hack{\newline}?><?xmltex \hack{\newline}?>
Edited by: B. Korf<?xmltex \hack{\newline}?>
Reviewed by: three anonymous referees</p></ack><ref-list>
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