<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD Journal Publishing with OASIS Tables v3.0 20080202//EN" "journalpub-oasis3.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:mml="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" xmlns:oasis="http://docs.oasis-open.org/ns/oasis-exchange/table" dtd-version="3.0" xml:lang="de">
  <front>
    <journal-meta>
<journal-id journal-id-type="publisher">GH</journal-id>
<journal-title-group>
<journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
<abbrev-journal-title abbrev-type="publisher">GH</abbrev-journal-title>
<abbrev-journal-title abbrev-type="nlm-ta">Geogr. Helv.</abbrev-journal-title>
</journal-title-group>
<issn pub-type="epub">2194-8798</issn>
<publisher><publisher-name>Copernicus GmbH</publisher-name>
<publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
</publisher>
</journal-meta>

    <article-meta>
      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-70-225-2015</article-id><title-group><article-title>Geographien zwischen Diskurs und Praxis – <?xmltex \hack{\break}?> Mit Wittgenstein Anknüpfungspunkte von <?xmltex \hack{\break}?> Diskurs- und Praxistheorie denken</article-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{Geographien zwischen Diskurs und Praxis}?><?xmltex \runningauthor{C.~Baumann et al.}?>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author" corresp="yes" rid="aff1">
          <name><surname>Baumann</surname><given-names>C.</given-names></name>
          <email>christoph.baumann@fau.de</email>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author" corresp="no" rid="aff1">
          <name><surname>Tijé-Dra</surname><given-names>A.</given-names></name>
          
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author" corresp="no" rid="aff1">
          <name><surname>Winkler</surname><given-names>J.</given-names></name>
          
        </contrib>
        <aff id="aff1"><institution>Institut für Geographie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nuremberg, Germany</institution>
        </aff>
      </contrib-group>
      <author-notes><corresp id="corr1">C. Baumann (christoph.baumann@fau.de)</corresp></author-notes><pub-date><day>4</day><month>September</month><year>2015</year></pub-date>
      
      <volume>70</volume>
      <issue>3</issue>
      <fpage>225</fpage><lpage>237</lpage>
      <history>
        <date date-type="received"><day>4</day><month>November</month><year>2014</year></date>
           <date date-type="rev-recd"><day>15</day><month>May</month><year>2015</year></date>
           <date date-type="accepted"><day>7</day><month>July</month><year>2015</year></date>
      </history>
      <permissions>
<license license-type="open-access">
<license-p>This work is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License. To view a copy of this license, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/</ext-link></license-p>
</license>
</permissions><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/70/225/2015/gh-70-225-2015.html">This article is available from https://gh.copernicus.org/articles/70/225/2015/gh-70-225-2015.html</self-uri>
<self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/70/225/2015/gh-70-225-2015.pdf">The full text article is available as a PDF file from https://gh.copernicus.org/articles/70/225/2015/gh-70-225-2015.pdf</self-uri>


      <abstract>
    <p>Current discussions about a <italic>practice turn</italic> in human geography raise questions about
whether discourse analytical approaches are focusing too strongly on
symbolic representations. However, practice-theoretical conceptions
privilege the analysis of everyday practices, discussing issues of
embodiment and materiality. Following the considerations of Ludwig
Wittgenstein, we assume certain connections between these two fields of
study and explore the links between discourse and practice theory by
employing the Wittgensteinian concepts of <italic>language-games</italic>
and <italic>rule-following</italic>. Focussing on the discourse
theory of Laclau and Mouffe and the practice theory of Schatzki, we show to
what extend <italic>both</italic> theories are informed by Wittgenstein's work and can be seen as
different types of language-games analyses. We highlight the similarities
and discuss the differences in the basic interests of these theories.
Finally, we introduce an integrative “Wittgensteinian approach” that is
illustrated by two empirical examples of geographical inquiry – practices
of a <italic>new rurality</italic> and rap-music in stigmatized <italic>banlieus</italic>.</p>
  </abstract>
    </article-meta>
  </front>
<body>
      

<sec id="Ch1.S1" sec-type="intro">
  <title>Einleitung</title>
      <p>Diskurs und Praxis gehören zu wichtigen theoretischen und analytischen
Bezügen in der Humangeographie. Im Kontext des <italic>linguistic/cultural</italic> <italic>turns</italic> (Glasze und Pütz,
2007) sind seit der Jahrtausendwende zahlreiche diskursanalytische Studien
in Anschluss an Foucault oder Laclau und Mouffe in der deutschsprachigen
Geographie entstanden. Mit dem verstärkten Aufgreifen der
praxistheoretischen Überlegungen Bourdieus, des Pragmatismus und aktuell
Schatzkis zeigt sich bei geographischen Arbeiten in jüngerer
Vergangenheit auch ein <italic>practice turn</italic> (Everts et al., 2011).</p>
      <p>Diskurs- wie praxisorientierte Arbeiten sind jeweils auch als Kritiken an
bestimmten konzeptionellen Entwicklungen der Humangeographie zu sehen. Die
vor allem im Diskussionszusammenhang der <italic>Neuen Kulturgeographie</italic>
eingenommenen diskursanalytischen
Perspektiven teilen die beispielsweise in der <italic>handlungsorientierten Sozialgeographie</italic> geäußerte Kritik an
raumessentialistischen Vorstellungen, fokussieren dabei aber weniger die
Rolle einzelner intentional handelnder Akteure. Vielmehr geht es um die
überindividuelle Konstitution und Repräsentation von
Räumlichkeit in Form symbolischer Ordnungen, die zumeist text- bzw.
zeichenanalytisch herausgearbeitet werden. Praxistheoretische Konzeptionen
legen ihren Schwerpunkt weniger auf symbolische Repräsentationen, als
auf Praktiken in ihren materiellen und situativen Einbettungen, welche mit
ethnographischen Methoden in den Blick genommen werden. Der <italic>practice turn</italic> steht auch im
Zusammenhang mit der aktuell diskutierten <italic>more-than-representational geography</italic> (Lorimer, 2005), die die
einseitige Fokussierung auf Repräsentationen kritisiert und sich,
verstanden als eine „geography of what happens“ (Thrift, 2008:2),
vorranging für Alltagspraktiken in ihren performativen,
körperlichen und affektiven Facetten interessiert.</p>
      <p>Wie verhalten sich nun Diskurs(theorie) und Praxis(theorie) zueinander?
Steht ein praxisorientierter Blick der Diskursforschung entgegen? Ist das
Verhältnis zwischen Diskurs und Praxis gar dichotomisch angelegt, z.B.
als sprachlich, zeichenhaft, abstrakt, strukturell, immateriell vs.
nicht-sprachlich, körperlich, konkret, situativ, materiell? Nein. Beide
Theoriefamilien sind keine verriegelten, sondern offene Denkgebäude, die
zwar jeweils Schwerpunkte setzen, aber Anschlüsse bieten, das
vermeintlich „Andere“ mitzudenken. Das zeigt sich an einer
Reihe von Arbeiten, die an den Schnittstellen diskurs- und
praxistheoretischer Annahmen agieren – sowohl in allgemeinen
sozialwissenschaftlichen wie auch in geographischen Debatten. Solchen
Arbeiten geht es darum, die praktische Dimension und Materialität des
Diskursiven deutlicher zu machen und diskursanalytische Verfahren
stärker ethnographisch auszurichten (Kap. 2).</p>
      <p>In diesem Schnittstellenbereich von <italic>Geographien zwischen Diskurs und Praxis</italic>
verorten wir unseren Aufsatz, in dem
wir Anknüpfungspunkte bestimmter diskurs- und praxistheoretischer
Überlegungen erkunden. Dabei konzentrieren wir uns auf zwei
Theorieangebote, die in aktuellen humangeographischen Arbeiten eine wichtige
Rolle spielen, aber bislang weitgehend unabhängig voneinander diskutiert
werden: die Diskurstheorie Laclaus und Mouffes sowie die Praxistheorie
Schatzkis. Beide setzen zwar unterschiedliche Schwerpunkte und nutzen dabei
ein spezifisches Vokabular, teilen aber einen ähnlichen Blick auf die
soziale Welt. Dies, so argumentieren wir, lässt sich gerade auch darauf
zurückführen, dass beide Ansätze jeweils stark von Ludwig
Wittgensteins Spätphilosophie zum <italic>Sprachspiel</italic> geprägt sind. Indem wir beide
Entwürfe als Spielarten einer „Sprachspieltheorie“ deuten,
arbeiten wir deren Verhältnis systematisch heraus und zielen darauf ab,
konzeptionelle Anschlussstellen wie auch unterschiedliche
Erkenntnisinteressen herauszustellen. Darauf aufbauend schlagen wir eine
integrative Perspektive vor, bei der die Fragestellung „How do
empty signifiers matter?“ den Fluchtpunkt empirischer Studien
„zwischen Diskurs und Praxis“ darstellt (Kap. 3). Inwiefern eine solche
Perspektive für humangeographische Analysen nutzbar gemacht werden kann,
skizzieren wir anschließend anhand zweier kurzer, erkundender Beispiele
(Kap. 4).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2">
  <?xmltex \opttitle{\"{U}berblick: Diskursforschung und ihr Praxisverst\"{a}ndnis}?><title>Überblick: Diskursforschung und ihr Praxisverständnis</title>
      <p>Die Diskursforschung (nach Foucault) ist kein homogenes Feld (Keller,
2011a). Auch wenn die verschiedenen Ansätze eine
sozialkonstruktivistische Grundperspektive teilen,
situationsübergreifende Muster sozialer Bedeutungsproduktion untersuchen
und die Zentralität von Sprache betonen, sind sie von unterschiedlichen
Annahmen geprägt. Dies betrifft etwa Fragen nach dem Status des
Subjekts, den Grenzen des Diskurses oder dem Verhältnis von symbolischer
Ordnung und Materialität (z.B. Van Dyk et al., 2014). Ein wichtiger
Kreuzungspunkt dieser Debatten ist das Verständnis von Praxis. In einer
vielzitierten Stelle der „Archäologie des Wissens“
schreibt Foucault (1973:74), die Diskursanalyse sei<disp-quote>
  <p>eine Aufgabe, die darin besteht, nicht – nicht mehr – die Diskurse als
Gesamtheiten von Zeichen [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>], sondern als Praktiken zu
behandeln, die systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie
sprechen. Zwar bestehen Diskurse aus Zeichen; aber sie benutzen diese
Zeichen für mehr als nur zur Bezeichnung der Sachen. Dieses mehr macht
sie irreduzibel auf das Sprechen [parole] und die Sprache [langue]. Dieses
mehr muss man ans Licht bringen.</p>
</disp-quote>Foucault, der sich vor eindeutigen Positionierungen sperrte und seine
Diskursbegriffe häufig modifizierte, entwickelte keine systematische
„Praxistheorie des Diskurses“, aber eröffnete einen
Auslegungsspielraum für diskursorientierte Bestimmungen von Praxis.</p>
      <p>Dabei dominierten zunächst sehr sprachorientierte Herangehensweisen. Ein
Grund dafür ist der Rezeptionsweg der Foucault'schen Ideen. Im
deutschsprachigen Kontext waren es mit Jürgen Link (1982) und Siegfried
Jäger (1989) zunächst Germanisten, die entsprechende
Überlegungen aufnahmen. Da z.B. Jäger <italic>diskursive Praxen</italic> als „Sprechen
und Denken auf der Grundlage von Wissen“ (2011:82) begreift, konzipiert er
seine <italic>Kritische Diskursanalyse</italic> auch explizit textanalytisch.</p>
      <p>Ergänzt werden die linguistischen Rezeptionen seit den 1990er Jahren von
stärker sozialwissenschaftlichen Lesarten, die sich um ein erweitertes
Diskursverständnis bemühen<fn id="Ch1.Footn1"><p>Ein sehr umfang- und
facettenreiches Bild der aktuellen Diskursforschung liefern Angermüller
et al. (2014).</p></fn>: etwa durch die Bezugnahme auf weitere Konzepte Foucaults
wie „Dispositiv“ (z.B. Bührmann und Schneider, 2008) und
„Gouvernementalität“ (z.B. Bröckling et al., 2000)
oder auch durch die Kombination der Überlegungen Foucaults mit anderen
Theorieangeboten wie beispielsweise der Distinktionstheorie Bourdieus
(Diaz-Bone, 2010).</p>
      <p>Diese unterschiedlichen Wege gehen einher mit einem unterschiedlichen
Verständnis von (diskursiver) Praxis. Während z.B.
wissenssoziologische Ausrichtungen von <italic>diskursiven Praktiken</italic> („typisch realisierte
Kommunikationsmuster [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] in einem Diskurszusammenhang“),
<italic>diskursgenerierenden Praktiken</italic> („Muster für Handlungen, die in Diskursen artikuliert
werden) und <italic>diskursexternen Praktiken</italic> („von Diskursen unabhängige
Handlungsvollzüge“; Keller, 2011b:228, 257) sprechen, begreifen
stärker poststrukturalistisch geprägte Ansätze das <italic>Diskursive</italic> als
<italic>praxisinhärent</italic> und heben die Trennung von Diskurs und Praxis auf (z.B. Wrana und Langer,
2007; Wrana und Ott, 2010; Wrana, 2012).<fn id="Ch1.Footn2"><p>Die AutorInnen kritisieren
eine kategoriale Unterscheidung von diskursiven/nicht-diskursiven
Praktiken durch die Diskussion verschiedener Referenzen (z.B. Wrana und Ott,
2010: Foucault, Althusser, Butler, Laclau und Mouffe; Wrana, 2012: Foucault,
Butler, Derrida, Bourdieu). Dabei zeigen sie Facetten einer ethnographisch
informierten, poststrukturalistischen Diskursanalyse auf und liefern sehr
interessante Fallstudien aus den Erziehungswissenschaften. Wir teilen deren
poststrukturalistischen, situierteren Zugang zur Diskursanalyse
„[j]enseits der Unterscheidung diskursiver und
nicht-diskursiver Praktiken“ (Wrana und Ott, 2010) und erachten dabei
gerade das praxistheoretische Vokabular Wittgensteins und Schatzkis als sehr
aufschlussreich und gewinnbringend.</p></fn></p>
      <p>Im Laufe der vergangenen Dekade entstanden auch in der deutschsprachigen
Humangeographie unterschiedliche Spielarten diskursanalytischer Studien
(Glasze und Mattissek, 2014). Im Kontext einer Neuakzentuierung der
Politischen Geographie als eine <italic>Kritische Geopolitik</italic> fanden diskursanalytische Ansätze eine
breitere Rezeption (z.B. Wolkersdorfer, 2001). Zentral hierbei ist die
Analyse von raumbezogenen Repräsentationen (geopolitische Leitbilder),
deren Produktion häufig in einer akteurszentrierten Perspektive
Politikern, Medien oder Wissenschaftlern zugesprochen wird. Die
Diskursanalyse fungiert z.T. als Ergänzung einer handlungsorientierten
Sozialgeographie. Ein Diskurs ist demnach eine praxislegitimierende
symbolische Ordnung, die primär durch sprachliche Handlungen vollzogen
wird und strategisch eingesetzt werden kann.</p>
      <p>Poststrukturalistische Ansätze haben ein anderes akzentuiertes
Diskursverständnis. Das betrifft zum einen die Zurückweisung der
Analysekategorie eines intentional handelnden Subjekts, zum anderen eine
Erweiterung des Diskurs- und Praxisbegriffs. In Anschluss an Laclau und
Mouffe konzipieren Glasze und Mattissek (2009a:11f.) Diskurse als
„überindividuelle Muster des Denkens, Sprechens,
Sich-selbst-Begreifens und Handelns sowie der Prozesse, in denen bestimmte
Vorstellungen und Handlungslogiken hergestellt und immer wieder
verändert werden“. Diskurse beschränken sich so weder auf
ausschließlich sprachliche Ebenen, noch sind sie extern der – sondern
als – Praxis zu denken. Methodisch überwiegen allerdings
textorientierte Zugänge, mit denen hegemoniale Ordnungen
herausgearbeitet werden (Kap. 3.2). Daneben sind Entwürfe entstanden,
welche sprachfokussierte Studien um eine diskursorientierte Analyse von
Bildern oder Karten ergänzen (z.B. Miggelbrink und Schlottmann, 2009).</p>
      <p>Im Kontext der <italic>practice</italic>/<italic>performative/material turns</italic> kommen Vorschläge für eine deutlichere
Materialisierung und praktische Situierung diskurstheoretisch informierter
Konzepte auf. Zwei Beispiele: Wucherpfennig und Strüver (2014; vgl. Strüver und Wucherpfennig, 2009)
interpretieren die Arbeiten Foucaults performativitätstheoretisch, um in
Anschluss an Butler auch nichtsprachliche Akte der Signifikation sowie deren
Räumlichkeit stärker zu berücksichtigen. Aus feministischer
Perspektive betonen sie die Ko-Konstitution von Identität, Raum und
Gesellschaft. Diese vollzieht sich über die Materialisierung
symbolischer Ordnungen, die vergeschlechtlichte Körper sozial
positionieren und oft nur bei Irritationen sichtbar und anfechtbar werden
(z.B. wenn Frauen „unweiblichen“ sportlichen Praktiken an
„männlich“ kodierten Orten nachgehen). In
Auseinandersetzung mit den <italic>critical geopolitics</italic> mahnt Müller (2008, 2009) an, dass sich
diese zu sehr auf die Dekonstruktion großer Zusammenhänge
konzentrieren und das „Kleine“ außer Acht lassen (2008:324).
Diskurstheoretische Überlegungen mit Bourdieus
bildungssoziologischen Konzepten kombinierend, legt er den Fokus darauf, wie
„great power identities“ hergestellt und von Studierenden
einer russischen Diplomatenhochschule inkorporiert werden.</p>
      <p>Arbeiten wie diese zeugen von aktuellen Bemühungen einer stärkeren
„Praxeologisierung“ diskursorientierter Konzeptionen in der
Humangeographie. Diese greifen wir auf, indem wir im Folgenden <italic>explizit</italic> die
konzeptionellen Anschlussstellen zwischen der Diskurstheorie Laclaus und
Mouffes und der Praxistheorie Schatzkis, mit Wittgenstein, diskutieren.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3">
  <?xmltex \opttitle{Mit Wittgenstein Ankn\"{u}pfungspunkte der Diskurstheorie Laclaus und Mouffes und der Praxistheorie Schatzkis denken }?><title>Mit Wittgenstein Anknüpfungspunkte der Diskurstheorie Laclaus und Mouffes und der Praxistheorie Schatzkis denken </title>
      <p>Beide hier verhandelten Theorieangebote sind wichtige Referenzpunkte
aktueller Arbeiten der Kultur- und Sozialgeographie. Der
poststrukturalistische Blick Laclaus und Mouffes auf überindividuelle
Muster der Bedeutungskonstitution hat bereits zahlreiche humangeographische
Studien angeleitet. Ebenso werden in jüngerer Vergangenheit
verstärkt Überlegungen des Sozialphilosophen und Geographen Schatzki
genutzt, um eine praxistheoretische Perspektive auf das Geographie-Machen
anzulegen (siehe die <italic>Theme Issue</italic> innerhalb der vorliegende Artikel publiziert ist).
Wir schlagen eine Brücke zwischen den beiden Konzeptionen, in dem wir im
Folgenden ein „Netz von Ähnlichkeiten, die einander
übergreifen und kreuzen“ (Wittgenstein, 2008:§66)<fn id="Ch1.Footn3"><p>Der Konvention
folgend zitieren wir Wittgenstein in Paragraphenform.</p></fn> herausarbeiten. Rahmen und Motiv dieser
Auseinandersetzung liefert uns die Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins,
die für beide Theorieangebote einen wichtigen Bezug darstellt.<fn id="Ch1.Footn4"><p>Diese Wittgenstein-Lektüre hat zur Konsequenz, dass wir andere
konzeptionelle Bezüge der Theoretiker eher ausklammern. Etwa Derrida und
Lacan (Laclau und Mouffe) oder Dewy und Heidegger (Schatzki).</p></fn></p>
<sec id="Ch1.S3.SS1">
  <title>Wittgensteins Sprachspiel-Konzept</title>
      <p>Ludwig Wittgenstein beschäftigt sich in seinen <italic>Philosophischen Untersuchungen</italic> ausgiebig mit
(Sprach-)Praxis. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht der Begriff
<italic>Sprachspiel</italic>, den er folgendermaßen illustriert:<disp-quote>
  <p>A führt einen Bau auf aus Bausteinen; es sind Würfel, Säulen,
Platten und Balken vorhanden. B hat ihm die Bausteine zuzureichen, und zwar
nach der Reihe, wie A sie braucht. Zu dem Zweck bedienen sie sich einer
Sprache, bestehend aus den Wörtern: „Würfel“, „Säule“,
„Platte“, „Balken“. A ruft sie aus; B bringt den Stein, den er gelernt
hat, auf diesen Ruf zu bringen. (ebd.:§2)</p>
</disp-quote><disp-quote>
  <p>Ich werde auch das Ganze: der Sprache und der Tätigkeiten, mit denen sie
verwoben ist, das „Sprachspiel“ nennen. (ebd.:§7)</p>
</disp-quote>Wir wollen das Sprachspielkonzept nun in vier wesentlichen Dimensionen
erörtern.</p>
<sec id="Ch1.S3.SS1.SSS1">
  <title>Gebrauchstheorie der Bedeutung</title>
      <p>Wittgenstein betrachtet Sprache
nicht als ein abstraktes, durch eindeutige Regeln fixiertes System, sondern
als eine Praxis. „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch
in der Sprache“ (Wittgenstein, 2008:§47). Das Wort „Balken“ hat
keine Bedeutung an sich, sondern nur in praktischen Zusammenhängen wie
beispielsweise dem Bau eines Hauses oder einer Lehrveranstaltung, in der
Diagrammtypen erklärt werden. Wittgensteins Überlegungen sind als
eine radikale Kritik an der zeitgenössischen Philosophie zu verstehen,
die für ihn zu sehr in der Sphäre der Metaphysik, also jenseits der
Alltagspraxis, denkt (ebd.:§116). Er vollzieht eine
alltagspraktische Wende und konzentriert sich mit zahlreichen Beispielen –
das Bauarbeiterbeispiel ist eines der bekannteren – auf die praktischen
Kontexte von Sprache. Aber mehr noch:</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS1.SSS2">
  <?xmltex \opttitle{Sprachliche und nicht-sprachliche T\"{a}tigkeiten}?><title>Sprachliche und nicht-sprachliche Tätigkeiten</title>
      <p>Die Forderung
„Sieh den Satz als Instrument an, und seinen Sinn als seine
Verwendung!“ (ebd.:§421) wurde gerade in der Sprachpragmatik
ausbuchstabiert. Wittgensteins Überlegungen sind aber mehr als
sprachphilosophisch. Sie gehen „weit darüber hinaus, indem
sie Nichtsprachliches zur notwendigen Bedingung für das Verständnis
des Sprachlichen erklär[en]“ (Schulte, 2001:146). Sprachspiele sind
eben <italic>nicht</italic> – wie der Begriff nahelegt – Spiele, die „nur“ aus
Sprache bestehen, sondern sie sind „das Ganze“. Das oben
zitierte Bauarbeiterbeispiel bezieht sich auf Begriffe, aber auch auf
Tätigkeiten wie das Rufen und das Steinereichen. Das Sprachspiel ist
also ein „Zusammenhang zwischen der Verwendung sprachlicher
Ausdrücke und eingefleischten Handlungsweisen“ (ebd.).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS1.SSS3">
  <title>Abrichtung, Regelfolgen und das Primat der Praxis</title>
      <p>Zentral für
Wittgensteins Ansatz ist das praktische Erlernen. Diesen
Sozialisationsprozess bezeichnet er als eine <italic>Abrichtung</italic> (z.B. Wittgenstein, 2008:§6).
Individuen werden abgerichtet, in bestimmten Situationen in einer bestimmten
Weise „Tätigkeiten zu verrichten“, „Wörter zu gebrauchen“ sowie auf eine bestimmte Weise „auf
die Worte des anderen zu reagieren“ (ebd.). Das Erlernen der Bedeutung
eines Wortes oder einer nicht-sprachlichen Tätigkeit ergibt sich vor
allem aus deren Anwendung im Kontext einer Lebensform (ebd.:§241).
Man wird abgerichtet, an Sprachspielen teilnehmen zu können, indem man
die Fähigkeit erwirbt, in ähnlichen Situationen (d.h. in
Situationen, die als ähnlich gedeutet werden) verstehbar bzw.
anschlussfähig zu handeln. Die Abrichtung spiegelt sich in einem
„Weiterwissen“ (u.a. ebd.:§154), einem Wissen, das in
bestimmten Situationen wahrscheinlich macht, dass sozial gehandelt und in
diesem Sinne Regeln gefolgt wird.<fn id="Ch1.Footn5"><p>Wittgenstein deutet hier auch
an, dass durch Prozesse der Abrichtung zu einem bestimmten Praktizieren hin
andere Praktiken-Alternativen verdrängt werden. Dies verweist auch auf
eine Machtdimension des Sprachspiel-Konzepts. Macht im Sprachspiel hat
keinen festen Ort und ist nicht die Ressource eines Individuums, sondern
eher in einem „Ensemble von Handlungen, die sich gegenseitig
hervorrufen und beantworten“ (Foucault, 1987:251) zu verorten.</p></fn> Genau mit
diesem „Regelfolgen“ setzt sich Wittgenstein ausgiebig
auseinander. Er fragt: „Was nenne ich ‚die
Regel, nach der er vorgehe‘?“ (ebd.:§82).
Wittgenstein wendet sich gegen ein Verständnis, welches Regeln fasst als
„abstrakte oder mentale Entitäten, die unabhängig
[<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] bestimmten, was als korrekte und inkorrekte Befolgung
gilt“ (Puhl, 2011:92). Regeln sind für ihn keine autonomen, extern die
Praxis determinierenden Repräsentationen, sondern konstitutiver Teil der
Praxis (ebd.; Bloor, 2001). Ob eine Regel „richtig“ angewendet
wird, lässt sich nur im praktischen Regelfolgen erkennen und ist je nach
Situation immer wieder eine Frage der Deutung dessen, was als Regelfolgen
oder -bruch gilt. Wittgensteins zentrale Kritik am autonomen Regelkonzept
ist das sogenannte Regelregressargument (vgl. Römpp, 2010:100ff.), das
er folgendermaßen illustriert:<disp-quote>
  <p>Nimm an, ich erkläre: „Unter ‚Moses‘
verstehe ich den Mann, wenn es einen solchen gegeben hat, der die Israeliten
aus Ägypten geführt hat, wie immer er damals geheißen hat und
was immer er sonst getan, oder nicht getan haben mag“. – Aber über die
Wörter dieser Erklärung sind ähnliche Zweifel möglich wie
die über den Namen „Moses“ (was nennst du „Ägypten“, wen „die
Israeliten“, etc.?). Ja, diese Fragen kommen auch nicht zu einem Ende, wenn
wir bei Wörtern wie „rot“, „dunkel“, „süß“, angelangt
wären. (Wittgenstein, 2008:§87)</p>
</disp-quote>Da jede Regel weitere (Meta-)Regeln benötigt (in dem Beispiel die
Verwendungsregeln von Begriffen), kann sie Tätigkeiten, seien sie
sprachlich oder nicht-sprachlich, nie letztbegründen. Wittgenstein
führt aus: „Jede Deutung hängt, mitsamt dem Gedeuteten,
in der Luft“ (ebd.:§198). So ist es nicht eine autonome Regel, die
Bedeutungen begründet, sondern das praktische Tun, „welche[s] am Grunde des Sprachspiels liegt“
(Wittgenstein, 1970:§204). Und
genau „[d]arum ist ‚der Regel folgen‘ eine
Praxis“ (Wittgenstein, 2008:§202).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS1.SSS4">
  <title>Offenheit und Geschlossenheit des Sozialen</title>
      <p>Wittgenstein geht von
einer prinzipiellen Offenheit des Sozialen aus. Da es keine Regeln geben
kann, die in jedem Falle Tätigkeiten genau bestimmen, ist die Praxis
offen und bietet Möglichkeiten der Variation. Wenngleich Sprachspiele
für ihn „nichts Festes, ein für allemal Gegebenes“
(ebd.:§23), sind, so denkt er sie doch partiell verfestigt. Zwar
kann jede Tätigkeit mit jeder denkbaren Regel über Deutung in
Einklang gebracht werden, manche Deutungen dürften in der Praxis jedoch
schwerer legitimierbar sein als andere, da sich Routinen des
(Regel-)Gebrauchs verfestigen. Jemand richtet sich nach „Wegweisern“, weil es einen „ständigen Gebrauch, eine
Gepflogenheit, gibt“ (Wittgenstein, 2008:§198), sich nach diesen zu richten. Ein
Sprachspiel kann daher gedacht werden als ein Muster, welches sich
variierend wiederholt. Wittgenstein fasst das Verhältnis zwischen der
Offenheit und Geschlossenheit in seiner Auseinandersetzung mit dem Begriff
„Weltbild“ folgendermaßen:<disp-quote>
  <p>Die Sätze, die dies Weltbild beschreiben, könnten zu einer Art
Mythologie gehören. Und ihre Rolle ist ähnlich der von Spielregeln,
und das Spiel kann man auch rein praktisch, ohne ausgesprochene Regeln,
lernen. [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] Man könnte sich vorstellen, daß gewisse
Sätze in Form der Erfahrungssätze erstarrt wären und als Leitung
für die nicht erstarrten, flüssigen Erfahrungssätze
funktionierten; und daß sich dies Verhältnis mit der Zeit
änderte, indem flüssige Sätze erstarrten und feste flüssig
würden. [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] Die Mythologie kann wieder in Fluß geraten,
das Flußbett der Gedanken sich verschieben. (Wittgenstein, 1970:§95–97)</p>
</disp-quote>Diese „Sedimentierungsüberlegungen“ buchstabiert er nicht
weiter aus. Sie liefern aber, um im Bilde zu bleiben, nicht zuletzt ein
Flussbett für poststrukturalistische Diskurstheorien.</p>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS2">
  <title>Die Diskurstheorie Laclaus und Mouffes </title>
      <p>Die PolitikwissenschaftlerInnen Laclau und Mouffe entwickeln in einer
kritischen Auseinandersetzung mit dem Marxismus eine Diskurstheorie (z.B.:
2006, 127–188, vgl. dazu auch Glasze und Mattissek, 2009b), die gerade auch
von Wittgenstein beeinflusst ist. Wittgensteins „neue Art der
Theoretisierung“, so Mouffe (2008:69), sei von nicht zu
unterschätzender Bedeutung.</p>
<sec id="Ch1.S3.SS2.SSS1">
  <title>Diskurs als Sprachspiel</title>
      <p>Diese wichtige Rolle wird bei der
Einführung ihres Diskursbegriffes sichtbar, bei der sie das zitierte
Bauarbeiterbeispiel inklusive dem Zusatz vom Sprachspiel als dem
„Ganzen“ aufgreifen. Das, „was Wittgenstein ein
Sprachspiel nennt“, so erklären sie, ist „wiederum
[<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] ein Beispiel für das, was wir Diskurs nennen“ (Laclau
und Mouffe, 2006:145). Sie binden ihre Diskurskonzeption klar an Praxis.
Mit Wittgenstein sehen sie die Bedeutung von etwas untrennbar mit dessen
praktischer Verwendung verbunden. „That is to say in our
terminology, every identity or discursive object is constituted in the
context of an action.“ (Laclau, 1990:102). Das beziehen sie
ausdrücklich auch auf nicht-sprachliche Tätigkeiten. Glasze und
Mattissek stellen in diesem Zusammenhang fest, dass Laclau und Mouffe
„konsequenter als Foucault über den Bereich der Sprache
hinaus[gehen]“ (Glasze und Mattissek, 2009b:158).<fn id="Ch1.Footn6"><p>Glasze und
Mattissek verweisen hier darauf, dass Foucaults Diskurskonzeptionen in
dieser Dimension sehr uneindeutig sind, da er z.T. explizit diskursive von
nicht-diskursiven Praktiken unterscheidet, an anderer Stelle diese
Unterscheidung aber in Frage stellt.</p></fn> So betont Laclau: „The
distinction between linguistic and non-linguistic elements does not overlap
with the distinction between ‚meaningful‘ and
‚not-meaningful‘“ (Laclau, 1990:102). Das Fragen nach
einem Baustein oder das Heben eines Bausteins sind beides Teil eines
Diskurses, verstanden als eine “meaningful totalit[y]“ (ebd.).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS2.SSS2">
  <?xmltex \opttitle{(\"{U}ber)Determinierung, Bedeutungskonstitution durch Artikulation
und Sedimentierungen}?><title>(Über)Determinierung, Bedeutungskonstitution durch Artikulation
und Sedimentierungen</title>
      <p>Diese „meaningful totality“ ist nicht
durch prädiskursive Strukturen determiniert, sondern entfaltet sich nur
innerhalb von Praxis. Den Begriff der Überdeterminierung nutzen Laclau
und Mouffe, um darauf hinzuweisen, dass Aspekte der sozialen Wirklichkeit
nicht auf eine feststehende Bedeutung oder Ursache zurückzuführen
sind, sondern das Bedeutung immer mannigfaltig, instabil und
grundsätzlich offen ist (Laclau und Mouffe, 2006:186ff.) oder, mit
Wittgenstein gesprochen, „in der Luft“ hängt (s.o.). Beide
DiskurstheoretikerInnen interessieren sich nun besonders dafür, wie sich
Bedeutungsstrukturen herausbilden und sedimentieren. Ihre zentralen
theoretischen Konzepte dafür sind <italic>Artikulation</italic> und <italic>leerer Signifikant</italic>. Jede Praxis ist insofern
artikulatorisch, als sie einen Zusammenhang zu anderen (sprachlichen oder
nicht-sprachlichen) Entitäten herstellt. Im Prozess der Artikulation,
des In-Beziehung-Setzens, werden überdeterminierte <italic>Elemente</italic> zu (partiell)
fixierten <italic>Momenten</italic> des Diskurses und erhalten so ihre Bedeutung.
Durch „Abrichtung“ – Laclau und Mouffe selbst verwenden diesen Begriff nicht –
wiederholen sich die Artikulationen und bilden partiell verfestigte
Strukturen.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS2.SSS3">
  <title>Ein-/Ausschluss und leere Signifikanten</title>
      <p>Artikulationen sind immer
ein- und ausschließende Prozesse: Einschließend, weil sie Elemente
In-Beziehung setzen und so integrieren – Laclau und Mouffe sprechen hierbei
von Äquivalenzketten; ausschließend, weil die Elemente
bestimmte/bestimmende Verknüpfungen eingehen und andere unwahrscheinlich
machen. Dieses Prinzip machen sie auch für das Subjekt geltend.
Subjektpositionen zeichnen sich durch bestimmte „Polsterknöpfe“ aus (z.B. Bauarbeiter, Mann, Stärke, Naivität,
Authentizität) sind aber brüchig, insofern sich die Relationen
verschieben können bzw. ein Subjekt sich, je nach Situation
unterschiedlich, im Kreuzungspunkt verschiedener Identitäten
temporär konstituiert (z.B. Bauarbeiter, Weißer, Deutscher,
Vegetarier vgl. Glasze und Mattissek, 2009b:162f).<fn id="Ch1.Footn7"><p>Mit Wittgenstein
ausgedrückt: Das Subjekt folgt Regeln, nimmt so Subjektpositionen ein
bzw. wird diesen zugewiesen (vgl. Althusser, 1977) und ist damit fähig,
in verschiedenen Sprachspielen als eine bestimmte identitäre
Handlungsinstanz aufzutreten.</p></fn></p>
      <p>Zentral für Laclau und Mouffe ist der Begriff <italic>leerer Signifikant</italic>. Dieser ist als ein
(affektiv aufgeladener) symbolischer Bezugspunkt zu sehen (z.B.
„Demokratie“), welcher die Konfigurierung von Äquivalenz-
und Differenzbeziehungen und damit die symbolische Ordnung strukturiert. Als
eine Art „kleinster gemeinsamer Nenner“ ist er in der Lage,
viele verschiedene Momente (z.B. die Konzepte „Pressefreiheit“,
„Religionsfreiheit“, „Individualität“, „Marktwirtschaft“ usw.) in eine
Äquivalenzkette zu bringen und sie als Teilmomente (s)einer
Identität begreifbar zu machen. Damit wird ein Zeichen wie z.B.
„Demokratie“ leer, da es in der Bedeutung überdeterminiert
ist. Es sind zahlreiche praktische Einsätze dieses Zeichens denkbar. In
einem bestimmten praktischen Einsatz, wenn also in Bezug zu einem leeren
Signifikanten situativ Sinn produziert wird, ist dieser dann aber
temporär „gefüllt“. Der leere Signifikant ist als ein
zentraler, wiederkehrender, unterschiedlich artikulierbarer Bezugspunkt in
der Deutung von Welt, und damit als ein Knotenpunkt im „Weltbild“ (Wittgenstein), zu verstehen.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS2.SSS4">
  <title>Empirische Fokussierungen</title>
      <p>Laclau und Mouffe zeigen, wie Praktiken
partiell und temporär „erstarren“ und als machtvolle
„Leitungen“ für die soziale Orientierung fungieren.
Diskurs<italic>analytisch</italic> wird der Fokus auf die Relationierung von (sprachlichen)
Signifikanten gelegt. Das zeigt sich auch bei der methodischen Ausrichtung
entsprechender humangeographischer Studien, die durch Verfahren wie
Lexikometrie, Aussagenanalyse oder Kodieren Regelmäßigkeiten und
Brüche der Artikulationen herausarbeiten. Der Analyseschwerpunkt liegt
dabei häufig auf den „größeren
Zusammenhängen“. Laclau und Mouffe interessieren sich jenseits ihrer
theoretischen Überlegungen weniger für die situative Verwobenheit
von Praktiken auf Baustellen, sondern für eine Analyse der
„großen Erzählung“ des Marxismus oder der Demokratie. Ähnliches
gilt für viele der von Laclau und Mouffe inspirierten
humangeographischen Arbeiten. In diachroner Perspektive werden die
Entstehung und Wandlung von Diskursen über große Zeitspannen hinweg
analysiert. Die niemals endgültig vollzogene Schließung von
Bedeutung zeigt sich auf der empirisch-analytischen Ebene in der
Herausarbeitung von graduellen Verschiebungen zwischen verschiedenen
historischen Phasen, die von jeweils unterschiedlichen hegemonialen
Artikulationen geprägt sind (z.B. Wandel des Kultur-Diskurs der UNESCO,
Dzudzek, 2013; Wandel des Frankophonie-Diskurses, Glasze, 2013). Auch in
synchroner Perspektive werden häufiger größere
Maßstabsebenen angelegt, indem Diskurse in unterschiedlichen
gesellschaftlichen Kontexten betrachtet werden (z.B. die vergleichende
Analyse von Großwohnsiedlungsdiskursen in Frankreich, Polen und
(Ost-/West-)Deutschland, Brailich et al., 2008). Solche Arbeiten
verdeutlichen eindrücklich die „Makrokonfiguration“ von
Sprachspielen, für deren Analyse Laclau und Mouffe ein reiches
theoretisches Vokabular zur Verfügung stellen.</p>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS3">
  <title>Die Praxistheorie Schatzkis </title>
      <p>Eine ähnliche Einschätzung dieser Diskurstheorie teilt auch
Schatzki, wenn er den Ansatz als „Arrangement-Theorie“
bezeichnet (2002:50). Eingedenk dessen, dass Schatzki sein eigenes
Theorieangebot um den Begriff <italic>practice-arrangement-bundel</italic> aufbaut, deutet sich die Affinität sowie
die unterschiedliche Schwerpunktsetzung beider Konzeptionen bereits an.</p>
<sec id="Ch1.S3.SS3.SSS1">
  <title>Praktiken</title>
      <p>Seine praxistheoretischen Überlegungen bezeichnet
Schatzki als einen „Wittgensteinan Approach“ (1996). Eine
Praxis ist für den Sozialphilosophen „a ‚bundle of activities‘,
that is to say, an organized nexus of bodily doings
and sayings“ (Schatzki, 2002:71). Er nutzt den Begriff
„bodily“, um zu betonen, dass Praktiken zunächst „nichts
anderes als Körperbewegungen darstellen“ und stellt diese
„scheinbare Trivialität“ (Reckwitz, 2003:290) deshalb heraus, weil
infolge des <italic>linguistic turns</italic> die Rolle des <italic>discourse</italic> im sozialen Leben überbewertet worden sei.
Schatzki verwendet hier den Begriff <italic>discourse</italic> allerdings im Sinne von Sprache oder
Text: <italic>sayings</italic> sind für ihn <italic>discursive</italic>, <italic>doings</italic>
sind <italic>nondiscursive actions</italic> (Schatzki, 2002:76f.). Mit Wittgenstein
geht es auch ihm darum „das Ganze“ zu betrachten.
„Practices are a motley of actions of both sorts, and it seems
to me an error to grant priority to either type“ (ebd.:77).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS3.SSS2">
  <?xmltex \opttitle{Praktische Intelligibilit\"{a}t und Organisationskomponenten von
Praktiken}?><title>Praktische Intelligibilität und Organisationskomponenten von
Praktiken</title>
      <p>Daneben ist für sein Praxisverständnis das
Konzept der „praktischen Intelligibilität“, verstanden als
kontextabhängiges Weiterwissen, zentral (ebd.:74).</p>
      <p>Um diese praktische Bedeutungskonstitution beschreibbar zu machen,
unterscheidet er heuristisch vier zusammenhängende
Organisationskomponenten von Praktiken. Das <italic>praktische Verstehen</italic> umfasst das <italic>know-how</italic> des Tuns (z.B.
Wissen, wie man mauert), das <italic>know-how</italic> des Identifizierens (z.B. das Anmischen von
Beton, Steineheben etc. als Hausbaupraxis zu begreifen) und das <italic>know-how</italic> des
Reagierens/Antwortens (z.B. auf den Zuruf „Stein“ ein
entsprechendes Objekt zu reichen). Verschiedene Aktivitäten werden auf
<italic>ends</italic> hin ausgerichtet (z.B. Mauern, um einen Schutz zu haben). Er nennt diesen
Aspekt <italic>Teleoaffektivität</italic>, um zu betonen, dass auch Gefühle eine wichtige Rolle spielen.
Unter <italic>Regeln</italic> versteht er explizite, zu interpretierende Beschränkungen und
Handlungsanleitungen (z.B. gesetzliche Vorgaben zur erlaubten Höhe einer
Mauer). Und schließlich nennt Schatzki das <italic>allgemeine Verstehen</italic> als „senses of the worth,
value, nature, or place of things, which infuse and are expressed in
people's doings and sayings“ (Schatzki, 2012:16; z.B. dass man beim Hausbau
ökologisch agiert).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS3.SSS3">
  <?xmltex \opttitle{Sprachspiele als
\textit{practice-arrangement-bundels}}?><title>Sprachspiele als
<italic>practice-arrangement-bundels</italic></title>
      <p>Seit der
Jahrtausendwende erweitert er seinen praxistheoretischen Blick mit dem
Begriff der <italic>orders</italic> bzw. <italic>arrangements</italic>, verstanden als<disp-quote>
  <p>arrangements of people, artifacts, organisms, and things through and amid
which social life transpires, in which these entities relate, occupy
positions, and possess meanings [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] in which nonhumans enjoy
meaning, people assume meanings and identities, and entities of both sorts
relate and occupy positions. (Schatzki, 2002:38)</p>
</disp-quote>Arrangements sind keine unabhängigen Konfigurationen, sondern existieren
nur im Zusammenhang von Praktiken (ebd.:59). Folglich spricht
Schatzki vom Sozialen als <italic>practice-arrangement-bundels</italic>, als Zusammenhang (des Zusammenhangs) von
Praktiken und Arrangements.</p>
      <p>Schatzkis Arrangementbegriff ist auch, das macht obiges Zitat deutlich, von
Laclaus und Mouffes Diskurstheorie inspiriert. In beiden Denkgebäuden
geht es um Konfigurationen, in denen verschiedene Entitäten praktisch
zusammenhängen und sich in ihrer Verbindung bestimmen. Die Relationen,
Positionen (z.B. Subjektpositionen) und Bedeutungen werden dabei als
„labile phenomena, only transitory fixations“ (ebd.:31) gedacht.</p>
      <p>Schatzki begründet die Integration des Arrangement-Begriffs damit, dass
er vorher die Rolle von Materialität nicht ausreichend beachtet
hätte (ebd.:ix). Diese wird bei Laclau und Mouffe auch
mitgedacht, nimmt aber analytisch einen untergeordneten Stellenwert ein. Sie
fokussieren (symbolische) Relationen, Schatzki dagegen geht es stärker
um das, was er „difference in use“ (ebd.:56) nennt, die
(materiellen) Relationierungen, die in actu vollzogen werden.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS3.SSS4">
  <title>Empirische Fokussierungen</title>
      <p>Um seine theoretischen Überlegungen
zu illustrieren, greift Schatzki u.a. auf das Beispiel einer religiösen
Shaker-Community zurück, die sich auf Heilmittelproduktion spezialisiert
hat. Seine Ausführungen lesen sich als dichte Beschreibungen der
materiellen Arrangements und der damit verwobenen Praktiken – z.B. wie sich
verschiedene Praktiken um eine hydraulische Kräuterpresse organisieren
(Schatzki, 2002). Für einen solchen Ansatz, „the
investigator has no choice but to do ethnography“ (Schatzki, 2012:24).
Folglich legen auch die von Schatzki inspirierten Studien der
Humangeographie einen entsprechenden methodischen Schwerpunkt. So situiert
etwa Everts seine Studie über „Soziale Praktiken im
multikulturellen Alltag“ (2009) in migrantengeführten
Lebensmittelgeschäften und betrachtet diese als ein Produkt des
„fortwährende[n] Arrangieren[s] von Entitäten, bei dem
sich Menschen, Artefakte, Dinge und Organismen begegnen und interagieren“
(ebd.:285). Mithilfe teilnehmender Beobachtung und offener
Interviewführung geht es darum, ein „‚situierte[s]‘
Vokabular“ und so die „Bedeutung der Geschäfte“ (ebd.:286)
zu rekonstruieren. Dieses Vorgehen deuten wir als „Mikroarchitektur der Sprachspiele“. Anders ausgedrückt: Schatzkianische
Analysen interessieren sich sehr wohl für Baustellen – und so ist es
kein Zufall, dass der Sozialphilosoph ein Buch „<italic>Site</italic> Ontology“
betitelte.</p>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S3.SS4">
  <?xmltex \opttitle{\"{A}hnlichkeiten, unterschiedliche Erkenntnisinteressen und
Integrationspotential }?><title>Ähnlichkeiten, unterschiedliche Erkenntnisinteressen und
Integrationspotential </title>
      <p>Für die beiden skizzierten Ansätze ist Wittgensteins
„Gebrauchstheorie der Bedeutung“ zentral, die Bedeutung untrennbar an
praktische Zusammenhänge bindet, „das Ganze“ sprachlicher
und nicht-sprachlicher Tätigkeiten bedenkt und die (In)Stabilität
von Praxis betont. Jenseits der Praxis gibt es keine autonome, externe
Struktur, die das Soziale determiniert. Beide Theorien folgen einer, bei
Wittgenstein angelegten, „flachen Ontologie“ (Krämer,
2009:40), der gemäß soziale Realität nur auf <italic>einen</italic> Seinsbereich
zurückzuführen ist.</p>
      <p>Allerdings drücken sich in den diskurs- und praxistheoretischen
Entwürfen auch unterschiedliche Erkenntnisinteressen aus. Laclau und
Mouffe zeigen primär, wie sich verschiedene Elemente zu einer
„meaningful totality“ verbinden und wie sich Bedeutungen,
ausgedrückt in leeren Signifikanten, hegemonialisieren. Sie betrachten
die Sedimentierungen und die „unterschiedliche Zählebigkeit
von material-zeichenhaften Entitäten“ (Van Dyk et al., 2014:352).
Dabei betonen sie zwar die „Verflechtung von Sprache, Dingen,
Handlungen und Welt“ (ebd.), legen aber einen analytischen Schwerpunkt auf
Fixierungen und Brüche, die sich in Weltbildern (z.B. Demokratie) zeigen
und fokussieren damit die strukturierenden Funktion zentraler Symbole in
Sprachspielen. Schatzki folgt der Aufforderung Wittgensteins –
„Beschreibe Sprachspiele“ (Wittgenstein, 2008:§486; vgl. auch
Wittgenstein, 1967:§299–314) – mit seinem „primer on practices“
(Schatzki, 2012) direkter. Sein Augenmerk liegt auf der minutiösen
Beschreibung von Sprachspielen, stärker als materielle und situative
<italic>practice-arrangement-bundels</italic> gedacht (z.B. Shaker-Community).</p>
<sec id="Ch1.S3.SS4.SSSx1" specific-use="unnumbered">
  <?xmltex \opttitle{Erg\"{a}nzungs-/Integrationspotential}?><title>Ergänzungs-/Integrationspotential</title>
      <p>Die diskutierten
Familienähnlichkeiten liefern eine konzeptionelle Grundlage für ein
Zusammendenken diskurs- und praxistheoretischer Herangehensweisen bei
humangeographischer Forschung. Dabei kann die jeweils andere Theorie als ein
familienähnliches <italic>Sensibilisierungsangebot</italic> gedacht werden. Wir möchten nun <italic>eine</italic> mögliche
forschungsleitende Fragestellung für solche Unternehmungen diskutieren,
die sich – in Anlehnung an einen Essaytitel von Laclau – wie folgt
formulieren lässt: „<italic>How do empty signifiers matter?</italic>“<fn id="Ch1.Footn8"><p>Im Original: „Why do
empty signifiers matter to politics“ (Laclau, 1996:36–47).</p></fn>. Diese Frage
betont die praktische Dimension der durch leere Signifikanten strukturierten
symbolischen Ordnungen. Es geht darum, zu fragen, wie sie praktisch
Bedeutung erlangen, insofern sie sich <italic>materialisieren</italic> (dass „matter“ im Sinne
von „Materie“ übersetzt werden kann ist durchaus gewollt).
Durch welche Praktiken und aus welchen praktischen Kontexten heraus
drückt sich eine bestimmte Materialität leerer Signifikanten aus?
Inwiefern sind symbolische Bezugnahmen auf leere Signifikanten Momente eines
stets komplexitätsreduzierenden „Weiterwissens“, das die
<italic>doings</italic> und <italic>sayings</italic> organisiert und auf bestimmte <italic>ends</italic> hin ausrichtet? Inwiefern fungieren sie
als situierte „Leitungen“ (Wittgenstein) und sind machtvoll,
indem sie bestimmte Tätigkeiten integrieren und andere nicht. Die
Wirkung leerer Signifikanten als gemeinschaftlich geteilte Bezugspunkte
entsteht dabei gerade im Zusammenspiel aus Sprache, Körper und
materiellem Kontext.</p>
      <p>Bezüglich der verschiedenen Erkenntnisinteressen lässt sich die
Frage nun spezifisch verorten. Grundsätzlich zeigt eine solche
Perspektive auf, wie sich Praktiken mit differierendem Kontext beständig
(graduell) verändern, gleichzeitig aber, um anschlussfähig zu sein,
wiederkehrend auf ähnliche Art und Weise identifiziert werden müssen
(Schäfer, 2013:311–327; mit Bezug zu Wittgensteins Philosophie auch
Kripke, 1982:7–55). In diesem Zusammenhang ist mit Wittgenstein anzudenken,
dass diese Identifizierungen als „Über-Ausdrücke“
(Wittgenstein, 2008:§189–192) wirken, indem sie sich als scheinbar feststehende,
situationsübergreifende Identitäten/Kategorien präsentieren und
somit verdinglichen. Wittgensteins Überausdrücke erinnern hierbei an
leere Signifikanten sowie daran, dass jede Kategorie potentiell als leerer
Signifikant wirken kann. Wittgenstein problematisiert, inwieweit
(eigentlich) <italic>verschiedene Aktivitäten</italic> im Sprachspiel mit
den <italic>gleichen Zeichen</italic> verstehbar gemacht werden (vgl. auch
Schatzki (2002:12) über Wittgenstein). Während nun Schatzki jene
„verschiedenen Aktivitäten“ erfassen will und folglich
Beobachtungs- und Analysekategorien entwickelt, um den
Verdinglichungsprozessen von Zeichen/Kategorien nicht „aufzusitzen“, interessieren sich Laclau und Mouffe analytisch gerade
für die komplexitätsreduzierende Dimension symbolischer Ordnungen,
die jene vielschichtigen „verschiedenen Aktivitäten“
sinnverknappend einordnen. Beide Interessen ergänzen sich dabei. Denn um
die sinnverknappende Dimension von Praxis (hier: via der Verwendung leerer
Signifikanten) herauszuarbeiten und in ihrer machtvollen Wirkung besser zu
verstehen, ist die Rekonstruktion der praktischen
Zusammenhänge/Sprachspiele nötig (Sprache, Körper, Umgang mit
Dingen, Architekturen), innerhalb derer dann Sinnverknappung als ein
praktischer Prozess erst zu verorten ist. Es ist nötig, zu
rekonstruieren, was die vielfältigen Aktivitäten ausmacht, die
kategorisiert und „zugeschnitten“ werden, um die machtvolle
Funktion dieses „Ab- und Zuschneidens“ besser zu verstehen.</p>
</sec>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S4">
  <title>Empirische Beispiele </title>
      <p>Wir weiten unsere Anschlussstellenerkundung nun auf das empirische Terrain
aus. Die folgenden Beispiele sind weniger als Darstellung empirischer
Ergebnisse gedacht, sondern wollen die mögliche Befruchtung beider
Theoriefamilien gegenstandsbezogen aufzeigen. Wenngleich die Beispiele
unterschiedliche Momente einer integrativen Perspektive aufzeigen, eint sie
der Fluchtpunkt auf die Frage „How do empty signifiers
matter?“.</p>
<sec id="Ch1.S4.SS1">
  <?xmltex \opttitle{Neue L\"{a}ndlichkeit und Idyllisierung}?><title>Neue Ländlichkeit und Idyllisierung</title>
      <p>Auch im Zeitalter einer umfassenden Urbanisierung lässt sich eine
Konjunktur des Ländlichen beobachten, die sich am eindrücklichsten
in dem immensen Erfolg von Zeitschriften wie <italic>Landlust</italic>,
<italic>Landidee</italic> oder <italic>mein schönes Land</italic> äußert. Trotz
sinkender Verkaufszahlen von Printmagazinen, verkaufen sich diese
Landzeitschriften immer mehr – allen voran die <italic>Landlust</italic>, die mittlerweile eine
Käuferschaft von über einer Million/Ausgabe erreicht hat. Was
bedeutet diese „Neue Landlust“? Mit Laclau und Mouffe
lässt sich das „Ländliche“ als ein leerer Signifikant
betrachten, der zahlreiche Äquivalenzbeziehungen herstellen
kann.<fn id="Ch1.Footn9"><p>Dass Ländlichkeit ein widersprüchlicher leerer
Signifikant ist, zeigt sich allein schon daran, dass es neben der <italic>Neuen Landlust</italic>
natürlich auch sehr negative Semantisierungen des Ländlichen als
rückständig, statisch etc. gibt (Redepenning, 2013).</p></fn> Durch eine
Analyse der symbolischen Artikulationen, die in den Landmagazinen vollzogen
sind (z.B. mittels kodierender Verfahren), ist es möglich, die
„Ländlichkeit der Landmagazine“ systematisch zu
rekonstruieren.</p>
      <p>Die Magazine schließen an idyllische Repräsentationen (gedacht als
Ergebnis medial-ökonomischer Repräsentationspraktiken) des
Ländlichen an. Idyllen sind, gemäß Laclau und Mouffe'scher
Ausrichtung, symbolische Konfigurationen von Ein- und Ausschlüssen. Das
Ländliche wird als eine naturnahe, ursprüngliche, echte,
entschleunigte/entschleunigende Lebensform an bestimmten Orten (für
bestimmte Personen) artikuliert. U.a. folgende Aspekte sind an diesen
Idyllen-Repräsentationen bemerkenswert. Erstens konzentrieren sie sich
auf den „eigenen Bereich“. Die referenzierten Orte sind
weniger Orte des siedlungsstrukturellen ländlichen Raumes, sondern
„Mikroorte“ der Alltagspraxis wie der eigene Garten, die
eigenen vier Wände, etc. Zweitens, damit zusammenhängend, liegt ein
Schwerpunkt der Magazine auf konkreten Praxistipps zu Bereichen wie
Gärtnern, Kochen, Handwerken, Dekoration, Naturerleben, etc. Dieses
artikulierte Praktikenensemble bildet einen Hauptbestandteil der
konstituierten Ländlichkeit. Die Praktiken lassen sich mit Reckwitz
(2008) als „ästhetisch“, als Praktiken der Gestaltung,
sinnlichen Wahrnehmung und des Erlebens, charakterisieren. In dieser Weise
führen die Zeitschriften eine „Ästhetisierung des
Alltags“ (Schulze, 1992), eine Idyllisierung vor. Diese erscheint auf den
ersten Blick als konflitklos oder apolitisch. Aber gerade weil die
Idyllisierungen das Konflikthafte auszuschließen versuchen, weisen sie
einen politischen Gehalt auf, insofern sie so eine Grenze zwischen der
Alltagsästhetik des eigenen Bereichs zu einem antagonistischen Außen
ziehen und damit das Soziale zu ordnen versuchen.</p>
      <p>Die Zeitschriften sind in zweifacher Weise praktisch. Sie sind
Repräsentationen einer „praktischen Ländlichkeit“.
Ebenso sind sie ein Artefakt und somit Teil eines
<italic>practice-arrangement-bundels</italic>, zu dem mediale Produktionspraktiken wie auch die Konsumption und damit
verbundene Praktiken gehören. Um zu zeigen, „how this new
rurality matters?“, ist gerade der Blick auf die Dimension der
Alltagspraxis, auf die situativen Idyllisierungen, vielversprechend.</p>
      <p>Auf methodischer Ebene betrifft eine solche Ergänzung die Einbeziehung
ethnographisch informierter Verfahren. Dies ist bei dem Forschungsobjekt
Landmagazine nicht unproblematisch, sind das Lesen der Magazine wie auch die
„Alltagspraktiken des eigenen Bereichs“ Vorgänge, zu denen
man kaum unmittelbaren Forschungszugang bekommt. Eine Umgangsweise mit
diesem Problem sind im „eigenen Bereich“ situierte,
kontextsensible und ausgiebige Interviews, bei denen auch die Magazine
vorgelegt werden und die Möglichkeit besteht, sich als wichtige
darstellende Aspekte vergleichsweise unmittelbar zeigen zu lassen. So lassen
sich verschiedene Facetten der alltäglichen Idyllisierung
rekonstruieren.</p>
      <p>Ein wichtiger Aspekt dieser Idyllisierung ist die (körperliche) Praxis
des Lesens. Die LeserInnen begreifen ihre Lektüre als Bruch, als Moment
des Aussteigens aus dem sonst üblichen Lebensrhythmus. Man nimmt sich
Zeit, man versucht das Lesen in ein solches Arrangement einzupassen, bei dem
man möglichst ungestört ist. Eine Interviewpartnerin schildert
beispielsweise, wie sie sich ihre Lektüre versucht aufzusparen, bis sie
Zeit für ein warmes Bad findet. Rezeptionsorte wie Badezimmer, aber auch
Gartenterrasse oder Schlafzimmer, zeigen eine exkludierende Dimension der
Idyllisierung auf. Die Praktiken sind selbstbezogen, im Privaten situiert
und auf das Private ausgerichtet. Das gilt nicht nur für das Lesen,
sondern auch für die Bewertung der in den Magazinen referenzierten
Praktiken, die für die Leser als etwas „wo man sich
wegträumen kann“ oder als offene Vorlagen, mit denen man
„auch was macht“, aufgefasst werden. Dieses Machen betrifft zahlreiche, je
nach konkreten Lebensumständen variierende Aspekte, vom Verschönern
des eigenen Bereichs zur aktiven Auseinandersetzung mit der Natur (bevorzugt
im heimischen Garten) und ist somit anschlussfähig an zahlreiche
Alltagspraktiken. Die Zeitschriften bedeuten für die LeserInnen
Anregungen, ihr Leben „ländlicher“ zu gestalten. Der
Wohnort ist dabei sekundär. Das Leben im eigenen Zuhause wird
ruralisiert, es wird zu „mein[em] Stück Land“, wie es ein
Interviewpartner, der im Frankfurter Süden lebt, ausdrückt.
Verschiedene Alltagspraktiken wie Gärtnern, Einkaufen, Handwerken etc.
organisieren sich partiell und temporär zu einem Idyllisierungsensemble
und erfahren eine bestimmte (gerade auch teleoaffektive) Akzentuierung.
Beispielsweise das Gärtnern, als eine Facette der
Idyllisierung/Verländlichung artikuliert, wird weniger als Moment der
„nötigen Arbeit“ oder der „reinen Zierde“
praktiziert, sondern als Moment einer aktiven, ästhetischen und
ungestörten Naturerfahrung, deren Erleben im Gegensatz zum „sonstigen Leben“ steht.</p>
      <p>Wie in diesem Beispiel angedeutet, kann die diskutierte
Forschungsausrichtung konzeptionell begründet herausarbeiten, wie sich
der leere Signifikant Ländlichkeit in bestimmten Kontexten praktisch
füllt. Eine solche Analyse der „Neuen Landlust“ ist eine
detaillierte „Füllungsstudie“, die sich durch die
Betrachtung weiterer „Sprachspiele“, in denen und durch die
Ländlichkeit relevant wird (z.B. bei Raumplanung, lokalpolitischen
Konflikten), weiter kontextualisieren ließe.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S4.SS2">
  <title>Rap und stigmatisierte Banlieues </title>
      <p>Eine weitere Illustration der diskutierten Aspekte erfolgt am Beispiel von
französischem Rap zu stigmatisierten Vierteln. Rap bietet als
„Musik der Viertel“ gegenhegemoniale Perspektiven auf die
Verhandlung von Stigmatisierung (Germes und Tijé Dra, 2012). Die Sprachspiele im
Rap konstituieren – Regelhaftigkeiten der Sagbarkeit und Darbietung folgend
– mehrere heuristisch definierbare Bereiche. Eine Relationierung dieser
Bereiche betont ihre stabilen als auch instabilen Verwobenheiten und
spürt der Organisation gegenhegemonialer Momente in (situierten)
Sprachspielen nach.</p>
      <p>Den naheliegendsten Forschungsbereich bilden Raptexte. Diskursanalytische
Verfahren zeigen, wie über sozialräumliche Dichotomien
gesellschaftskritische <italic>banlieue</italic>-Repräsentationen artikuliert werden (genauer:  Tijé-Dra, 2014a, b).
Dabei zeigt sich u.a., dass der leere Signifikant „Autonomie“
eine wichtige Rolle spielt. Autonomie markiert hier Abgrenzung
und Unabhängigkeit von einem antagonistischen Außen, bestehend aus
„den staatlichen Institutionen“, „den Medien“
oder „den dominierenden Gesellschaftsschichten“.</p>
      <p>Daneben geben auch die Darbietungsformen von Rap Forschungsbereiche vor. Bei
Konzerten oder Rap-Schreibwerkstätten (Ateliers) kann Sprachspielen in situ nachgespürt
werden. In diesen Bereichen reproduzieren sich gegenhegemoniale Diskurse in
unterschiedlichsten materiellen Arrangements. Ateliers sind
sozialpädagogische Projekte, die in Gemeinschaftsräumen von
kommunalen Jugendzentren stigmatisierter Viertel situiert sind. Jugendliche
üben sich unter Anleitung im Raptexte schreiben, benutzen
Reimwörterbücher und tragen ihre Ergebnisse vor. Angeleitet von
RapperInnen, bekommen sie die Konventionalitäten des Sprachgebrauchs
sowie seiner Darbietung teilweise neu gelehrt.</p>
      <p>Solche Projekte transferieren bestimmte Sprachspiele in ein von üblichen
Darbietungsformen abweichendes Arrangement: kommunale Jugendzentren
unterscheiden sich deutlich von Szeneclubs oder sonstigen Konzertstätten
(z.B. Zielgruppe, Architektur, Körperpositionierung).</p>
      <p>Durch Konsum und Imitation von Rap-Musik verfügen die Jugendlichen
bereits über ein ausgerichtetes, inkorporiertes <italic>knowing-to</italic>, das in die Ateliers
mit „hineingetragen“ wird: Begriffswahl, Kleidungsstil,
Haltung, Gesten, Vorstellungen von „gutem Rap“. Auch die
(Rap-)LeiterInnen der Ateliers bringen praktisch erlernte Ausdrucksweisen
mit an den „neuen“ Ort. In diesem Zusammenhang ist gerade die
Deutungspraxis bezüglich jener kommunal geförderten Ateliers
instabil (gegenüber der „üblichen“ Aufführungsorte
von Rap). Je nach Standpunkt bewerten Szene-Akteure die Ateliers zwischen
begrüßenswerter Jugendarbeit und institutioneller Vereinnahmung
(Lafargue, 2008). Die RapperInnen müssen symbolische Ordnungen
gegenhegemonialer Diskurse mit weiteren Vollzugskontexten in Einklang
bringen, wenn ihre Praxis „autonom“ oder „kritisch“
ausgerichtet sein soll. „Unähnliche“
Sprachspiele bedürfen „sinnvoller“ Integration in die
bisherige künstlerische Praxis. Der Bezug auf leere Signifikanten kann
dabei eine „kittende“ Wirkung erzielen. Ein kurzer
Interviewausschnitt mit Skalpel, Rapper aus Saint-Denis, soll das
verdeutlichen. Skalpel praktiziert einen anarchistischen, militanten Rap,
bei dem „Autonomie“ besonders betont wird. Wie macht er sein
Engagement innerhalb eines kommunalen Kontext sinnhaft, wie handhabt er die
Reibungspunkte zwischen den Subjektpositionen eines „kritischen
Rappers“ und eines „Anleiters“ in kommunalen und
pädagogischen Arrangements? Rap-Ateliers in der Stadtteilarbeit findet
er aufgrund der Popularität von Rap schlüssig. Die beteiligten
Institutionen versuchten jedoch,<disp-quote>
  <p>Rap zu besänftigen – jedenfalls zu vereinnahmen – der eine legitime
Revolte ausdrücken könnte. Sie [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] ermöglichen [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] aber mit
der Bereitstellung von Zubehör Rap zu machen, um dann zu sagen: „Seht
her, wir sind gar nicht so böse weil wir Studio und Ausrüstung
bereitstellen“ [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] Daher ist einer meiner Kämpfe, den
Leuten zu sagen, dass sie so autonom wie möglich sein sollten. Es lohnt sich eher, 100 Euro zu sparen.
Dafür kann man was kaufen und ist
unabhängig, anstatt mit der Verwaltung eine Partnerschaft zu
schließen.</p>
</disp-quote>Während Skalpel eine mangelnde Anerkennung politisierter Rap-Musik
konstatiert, unterstellt er der Verwaltung, Rap als eine
„besänftigende“ Beschäftigungsmöglichkeit auszunutzen. Neben
einer Schwächung des symbolischen Gehalts von Rap-Praktiken gehen die
Ateliers – als spezifisches Sprachspiel denkbar – gemäß Skalpel
mit neuen Abhängigkeiten und Machteffekten einher. Um diesen Effekten zu
entfliehen rät er, Studiotechnik selbst zu erwerben. Er zitiert hier den
im gegenhegemonialen Diskurs zentralen, leeren Signifikanten der
„Autonomie“. Auf bestimmte Weise schafft es Skalpel dennoch,
eine Tätigkeit in pädagogischen Ateliers mit seiner Deutung eines
gegenhegemonialen Regelfolgens zu vereinen. Er könne „seine“
Botschaft platzieren. Maßgebend dabei ist vom „offiziellen Skript“ abweichen zu können, um in situ Bedeutungsverschiebungen zu
bewirken:<disp-quote>
  <p>Stell dir vor du wärst ein Geschichtslehrer, der Kinder nach Lehrplan
unterrichtet [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] Du wirst nach deiner subjektiven Art als
aktivistischer Lehrer – oder auch nicht – ein Thema so präsentieren,
dass das Kind nicht nur eine offizielle Version hört, sondern
verschiedene.</p>
</disp-quote>Skalpel versucht Irritationen an seiner Tätigkeit zuvorzukommen. Er
mobilisiert das Konzept des „Lehrers“ und sieht sich damit
bestimmten Regeln folgen (allen voran: „autonomes Denken
befördern“). Diese erkennt er als anschlussfähig sowohl an die
Regelhaftigkeiten des Rapper-seins („Autonomie“) als auch an
die Regelhaftigkeiten des Sprachspiels kommunal geförderter Rap-Ateliers
(„Lehrer-sein“). „Autonomie“ wird hier zu etwas,
das ein „Lehrer“ den „Schülern“ im
Rap-Atelier beibringen kann. Der Signifikant „Autonomie“
materialisiert sich im Zusammenspiel aus Deutungspraktiken,
Subjektivitäten und materiellen Arrangements und schafft es,
verschiedene Praktiken zu Momenten seiner Identität zu machen: Skalpel
bleibt „kritischer Rapper“ als auch „Kommunalarbeiter“
im Atelier. Diese Position gibt ihm die Möglichkeit,
bestimmte gegenhegemoniale Momente, wie etwa die der „legitimen
Kritik“, in die Ateliers zu integrieren und an Jugendliche heranzutragen.
Andernfalls würde auch er keine Ateliers durchführen:<disp-quote>
  <p>Ich leite die Schreibwerkstatt nach meiner subjektiven Art, d.h. ich werde
[<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>] den Jugendlichen die Möglichkeit einräumen sich
frei auszudrücken, ohne sie dabei belehren zu wollen [<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>].
Das ist eine unverhandelbare Bedingung für mich.</p>
</disp-quote>Anhand der Passagen, in denen ein „Praktiker“ konfliktuelle
artikulatorische Praxis explizit macht, wird deutlich, wie
widersprüchlich, umkämpft, aber auch kreativ die Reproduktion
gegenhegemonialer Diskurse und ihrer Sprachspiele verläuft. Das Beispiel
zeigt, wie die Frage, ob man einer Regel folgt oder nicht (mehr), immer
kontextuell ausgehandelt wird. Für die in diesem Aufsatz skizzierte
Perspektive sind die Momente der Brüche und Konflikte interessant, in
denen eine explizite <italic>Verhandlung von Regelfolgen</italic> aufscheint. Die Fragen sind dann: Wie und in welchen
Kontexten werden solche Konflikte mit Bezug auf bestimmte Deutungen (leere
Signifikanten) geglättet, d. h., so umgedeutet, dass sie keine Konflikte
mehr darstellen? Und in welchen praktischen Zusammenhängen ist dies aber
nicht mehr möglich? Um zu verstehen, wo im Verlauf sozialer Praxis
Irritationen überhaupt aufscheinen und wie sie dann verhandelt werden
(können), ist ein Verständnis des organisierten Ablaufs sozialer
Praxis notwendig.</p>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S5" sec-type="conclusions">
  <title>Fazit</title>
      <p>Die Konzeptualisierung des Verhältnisses von Diskurs und Praxis ist
komplex. Im Vokabular Laclaus und Mouffes ausgedrückt weist es Potential
für dichotomische Relationierungen auf, bei denen jeweils entsprechende
<italic>Äquivalenzketten</italic> und <italic>Antagonismen artikuliert</italic> werden (z.B. Diskurs: sprachlich, immateriell, abstrakt, textuell;
Praxis: nicht-sprachlich, materiell, konkret, kontextuell). Diese können
sich – mit Wittgenstein und Schatzki als <italic>difference in use</italic> gedachten – im
sozialwissenschaftlichen Arbeiten (von Forschungspraktiken bis hin zu
strategischen Positionierungspraktiken) aktualisieren und, sofern sich
dieser Antagonismus <italic>sedimentierte</italic>, zu „anderen Schulen“ führen.</p>
      <p>Angeregt von aktuellen Debatten der Kultur- und Sozialgeographie hat unser
Beitrag versucht, das vermeintlich „Andere“ mitzudenken. Mit
dem Bezug auf die bislang eher unabhängig voneinander diskutierten
Denkgebäude Laclaus und Mouffes sowie Schatzkis ging es uns darum,
„offene Türen“ zu suchen. Wittgenstein, der für beide
Theorien jeweils Teile des Bauplans beigesteuert hat, lieferte uns
hierfür den Wegweiser und ließ uns fündig werden
(zusammenfassend in Kap. 3.4).</p>
      <p>Die erarbeiteten Anschlussstellen sensibilisieren praxistheoretische
Arbeiten nach Schatzki für einen analytischen Blick auf „Weltbilder“,
die situativ vollzogenen Praktiken inhärent sind und diese
intelligibel machen. Das diskutierte praxeologische Vokabular liefert
wiederum Analysekategorien, die einen differenzierten Blick auf die
Mikroarchitektur und Organisation von Praktiken erlauben. Der
diskurstheoretische Diskussionszusammenhang kann hiervon entsprechend
profitieren, als mit Einbezug dieser Beobachtungs- und Analysekategorien
differenzierter rekonstruiert werden kann, wie symbolische Ordnungen in
Praktiken ihren Niederschlag finden. Es lässt sich herausarbeiten,
welche Praktiken und auch – mikroanalytisch(er) - welche Komponenten von
Praktiken (vgl. Kap. 3.2) auf bestimmte Identitäten/Ziele hin
ausgerichtet werden und im Kontext welcher Praktiken sich bestimmte
symbolische Ordnungen auch brechen und partiell verändern können.</p>
      <p>Die Frage „<italic>How do empty signifiers matter?</italic>“ erscheint uns als <italic>ein</italic> produktiver Fluchtpunkt für
eine integrative Perspektive zwischen Diskurs und Praxis. Zwei erkundende
Beispiele illustrierten Anwendungsmöglichkeiten dieser Perspektive
für empirische Forschung. Das erste Beispiel zeigte, wie der leere
Signifikant „Ländlichkeit“ im Rahmen der „Neuen Landlust“ praktisch gefüllt wird, das zweite verdeutlichte, wie
„Autonomie“ als ein zentraler Bezugspunkt gegenhegemonialer
Rap-Diskurse im „unüblichen“ Rahmen staatlich
geförderter Schreibateliers in stigmatisierten Stadtteilen integriert
wird.</p>
</sec>

      
      </body>
    <back><ack><title>Danksagung</title><p>Wir bedanken uns recht herzlich für die hilfreichen Kommentare und
Anregungen, die wir im Verlauf der Ausarbeitung dieses Manuskripts erhalten
haben. Unser Dank gilt im Besonderen Jonathan Everts und Tim Elrick sowie
den drei anonymen GutachterInnen.<?xmltex \hack{\newline}?><?xmltex \hack{\newline}?>
Edited by: B. Korf<?xmltex \hack{\newline}?>
Reviewed by: three anonymous referees</p></ack><ref-list>
    <title>Literatur</title>

      <ref id="bib1.bib1"><label>1</label><mixed-citation>
Althusser, L.: Ideologie und ideologische Staatsapparate, Aufsätze zur
marxistischen Theorie, VSA, Hamburg/Berlin, 1977.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib2"><label>2</label><mixed-citation>
Angermüller, J., Nonhoff, M., Herschinger, E., Macgilchrist, F.,
Reisigl, M., Wedl, J., Wrana, D., und Ziem, A. (Hrsg.): Diskursforschung: Ein
interdisziplinäres Handbuch, 2 Bände, Transcript, Bielefeld, 2014.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib3"><label>3</label><mixed-citation>
Bloor, D.: Wittgenstein and the priority of practice, in: The practice turn
in contemporary theory, Herausgeber: Schatzki, T., Knorr-Cetina, K., und Von Savigny, E.,
Routledge, London/New York, 103–115, 2001.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib4"><label>4</label><mixed-citation>
Brailich, A., Germes, M., Schirmel, H., Glasze, G., und Pütz, R.: Die
diskursive Konstitution von Großwohnsiedlungen in Frankreich,
Deutschland und Polen, Europa Regional, 16, 113–128, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib5"><label>5</label><mixed-citation>
Bröckling, U., Krasmann, S., und Lemke, T. (Hrsg.): Gouvernementalität
der Gegenwart, Studien zur Ökonomisierung des Sozialen, Suhrkamp,
Frankfurt am Main, 2000.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib6"><label>6</label><mixed-citation>
Bührmann, A. D. und Schneider, W.: Vom Diskurs zum Dispositiv,
Transcript, Bielefeld, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib7"><label>7</label><mixed-citation>
Diaz-Bone, R.: Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil. Eine diskurstheoretische
Erweiterung der Bourdieuschen Distinktionstheorie, Deutscher
Universitätsverlag, Wiesbaden, 2010.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib8"><label>8</label><mixed-citation>
Dzudzek, I.: Hegemonie kultureller Vielfalt: Eine Genealogie
kultur-räumlicher Repräsentationen der UNESCO, LIT Verlag,
Berlin/Münster, 2013.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib9"><label>9</label><mixed-citation>
Everts, J.: Soziale Praktiken im multikulturellen Alltag. Bedeutungen
migrantengeführter Lebensmittelgeschäfte, Berichte zur deutschen
Landeskunde, 83, 281–296, 2009.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib10"><label>10</label><mixed-citation>
Everts, J., Lahr-Kurten, M., und Wattson, M.: Practice matters! Geographical
inquiry and theories of practice, Erdkunde, 65, 323–334, 2011.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib11"><label>11</label><mixed-citation>
Foucault, M.: Archäologie des Wissens, Suhrkamp, Frankfurt am Main,
1973.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib12"><label>12</label><mixed-citation>
Foucault, M: Wie wird Macht ausgeübt?, in: Michel Foucault: Jenseits von
Strukturalismus und Hermeneutik, Herausgeber: Dreyfuß, H. L. und Rabinow, P.,
Athenäum, Frankfurt am Main, 251–261, 1987.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib13"><label>13</label><mixed-citation>
Germes, M. und Tijé-Dra, A.: Banlieue, in: Ortsregister. Ein Glossar zu Räumen
der Gegenwart, Herausgeber: Marquardt, N. und Schreiber, V., Transcript, Bielefeld, 32–38, 2012.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib14"><label>14</label><mixed-citation>
Glasze, G.: Politische Räume. Die diskursive Konstitution eines
“geokulturellen Raums” – die Frankophonie, Transcript, Bielefeld, 2013.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib15"><label>15</label><mixed-citation>
Glasze, G. und Mattissek, A.: Diskursforschung in der Humangeographie:
Konzeptionelle Grundlagen und empirische Operationalisierungen, in: Handbuch
Diskurs und Raum: Theorien und Methoden für die Humangeographie sowie
die sozial- und kulturwissenschaftliche Raumforschung, Herausgeber: Glasze, G. und
Mattissek, A., Transcript, Bielefeld, 11–59, 2009a.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib16"><label>16</label><mixed-citation>
Glasze, G. und Mattissek, A.: Die Hegemonie- und Diskurstheorie von Laclau
und Mouffe, in: Handbuch Diskurs und Raum: Theorien und Methoden für die
Humangeographie sowie die sozial- und kulturwissenschaftliche Raumforschung,
Herausgeber: Glasze, G. und Mattissek, A., Transcript, Bielefeld, 153–179, 2009b.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib17"><label>17</label><mixed-citation>
Glasze, G. und Mattissek, A.: Diskursforschung in der Humangeographie, in:
Diskursforschung: Ein interdisziplinäres Handbuch. Band 1: Theorien,
Methodologien und Kontroversen, Herausgeber: Angermüller, J., Nonhoff, M.,
Herschinger, E., Macgilchrist, F., Reisigl, M., Wedl, J., Wrana, D., und
Ziem, A., Transcript, Bielefeld, 208–223, 2014.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib18"><label>18</label><mixed-citation>
Glasze, G. und Pütz, R.: Sprachorientierte Forschungsansätze in der
Humangeographie nach dem linguistic turn, Geogr. Z., 95,
1–4, 2007.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib19"><label>19</label><mixed-citation>
Jäger, S.: Text- und Diskursanalyse. Eine Anleitung zur Analyse
politischer Texte, DISS, Duisburg, 1989.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib20"><label>20</label><mixed-citation>
Jäger, S.: Diskurs und Wissen – Theoretische und methodische Aspekte
einer Kritischen Diskurs- und Dispositivanalyse, in: Handbuch
sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, 3. Aufl., Herausgeber: Keller, R., Hirseland, A.,
Schneider, W., und Viehöver, W., VS Verlag für
Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 91–124, 2011.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib21"><label>21</label><mixed-citation>
Keller, R.: Diskursforschung, VS Verlag für Sozialwissenschaften,
Wiesbaden, 2011a.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib22"><label>22</label><mixed-citation>
Keller, R.: Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines
Forschungsprogramms, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden,
2011b.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib23"><label>23</label><mixed-citation>
Krämer, S.: Von der „Tiefe“ des intellektualistischen
Sprachbildes zur „Oberfläche“ der verkörperten
Sprache, in: Oberfläche und Performanz. Untersuchungen zur Sprache als
dynamische Gestalt, Herausgeber: Linke, A. und Feilke, H., Max Niemeyer,
Tübingen, 33–50, 2009.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib24"><label>24</label><mixed-citation>
Kripke, S. A.: Wittgenstein on rules and private language. An elementary
exposition, Harvard University Press, Harvard, 1982.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib25"><label>25</label><mixed-citation>
Laclau, E.: New Reflections on the Revolution of Our Time, Verso, London/New
York, 1990.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib26"><label>26</label><mixed-citation>
Laclau, E.: Emancipation(s), Verso, London/New York, 1996.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib27"><label>27</label><mixed-citation>
Laclau, E. und Mouffe, C.: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur
Dekonstruktion des Marxismus, Passagen Verlag, Wien, 2006.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib28"><label>28</label><mixed-citation>
Lafargue, L.: Politique du hip-hop: Action publique et cultures urbaines,
Socio-logiques, Presses universitaires du Mirail, Toulouse, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib29"><label>29</label><mixed-citation>
Link, J.: Kollektivsymbolik und Mediendiskurse. Zur Aktuellen Frage, wie
subjektive Aufrüstung funktioniert, kultuRRevolution, 1, 6–21, 1982.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib30"><label>30</label><mixed-citation>
Lorimer, H.: Cultural geography: the busyness of being
“more-than-representational“, Prog. Hum. Geog., 29, 83–94,
2005.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib31"><label>31</label><mixed-citation>
Miggelbrink, J. und Schlottmann, A.: Diskurstheoretisch orientierte Analyse
von Bildern, in: Handbuch Diskurs und Raum: Theorien und Methoden für
die Humangeographie sowie die sozial- und kulturwissenschaftliche
Raumforschung, Herausgeber: Glasze, G. und Mattissek, A., Transcript, Bielefeld,
181–198, 2009.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib32"><label>32</label><mixed-citation>
Mouffe, C.: Das demokratische Paradox, Turia + Kant, Wien, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib33"><label>33</label><mixed-citation>
Müller, M.: Reconsidering the concept of discourse for the field of
critical geopolitics. Towards discourse as language and practice, Polit. Geogr., 27, 322–338, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib34"><label>34</label><mixed-citation>
Müller, M.: Making great power identities in Russia, LIT Verlag,
Münster, 2009.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib35"><label>35</label><mixed-citation>
Puhl, K.: Regelfolgen, in: Philosophische Untersuchungen, Herausgeber: Savigne, E., Ludwig Wittgenstein,
Akademie Verlag, Berlin, 91–109, 2011.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib36"><label>36</label><mixed-citation>
Reckwitz, A.: Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken: Eine
sozialtheoretische Perspektive, Z. Soziol., 32,
282–301, 2003.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib37"><label>37</label><mixed-citation>
Reckwitz, A.: Elemente einer Soziologie des Ästhetischen, in: Unscharfe
Grenzen. Perspektiven der Kultursoziologie, Herausgeber: Reckwitz, A., Transcript,
Bielefeld, 259–282, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib38"><label>38</label><mixed-citation>
Redepenning, M.: Neue Ländlickeit, in: Europa – eine Geographie,
Herausgeber: Gebhard, H., Glaser, R., und Lentz, S., Spektrum, Berlin/Heidelberg,
412–414, 2013.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib39"><label>39</label><mixed-citation>
Römpp, G.: Ludwig Wittgenstein, Köln, UTB, 2010.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib40"><label>40</label><mixed-citation>
Schäfer, H.: Die Instabilität der Praxis: Reproduktion und
Transformation des Sozialen in der Praxistheorie, Velbrück Wissenschaft,
Weilerswist, 2013.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib41"><label>41</label><mixed-citation>
Schatzki, T.: Social practices: A Wittgensteinian approach to human activity
and the social, Cambridge University Press, New York, 1996.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib42"><label>42</label><mixed-citation>
Schatzki, T. R.: The site of the social: A philosophical account of the
constitution of social life and change, Pennsylvania State University Press,
University Park, 2002.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib43"><label>43</label><mixed-citation>
Schatzki, T.: A primer on practices, in: Practice-based education.
Perspectives and strategies, Herausgeber: Higgs, J., Barnett, R., Billett, S., Hutchings,
M., und Trede, F., Sense Publishers, Rotterdam/Boston, 13–26, 2012.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib44"><label>44</label><mixed-citation>
Schulte, J.: Wittgenstein. Eine Einführung, Reclam, Leipzig, 2001.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib45"><label>45</label><mixed-citation>
Schulze, G.: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart,
Campus Verlag, Frankfurt, 1992.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib46"><label>46</label><mixed-citation>
Strüver, A. und Wucherpfennig, C.: Performativität, in: Handbuch
Diskurs und Raum: Theorien und Methoden für die Humangeographie sowie
die sozial- und kulturwissenschaftliche Raumforschung, Herausgeber: Glasze, G. und
Mattissek, A., Transcript, Bielefeld, 107–127, 2009.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib47"><label>47</label><mixed-citation>
Thrift, N.: Non-representional Theory, Routledge, Abingdon, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib48"><label>48</label><mixed-citation>
Tijé-Dra, A.: Rapper vs. Polizei? Zu einem „französischen Verhältnis“, suburban, 2, 131–136, 2014a.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib49"><label>49</label><mixed-citation>
Tijé-Dra, A.: Eine andere banlieue? Eine Diskursanalyse gegenhegemonialer Raumproduktionen, Europa Regional, 20, 2–3, 2014b.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib50"><label>50</label><mixed-citation>
Van Dyk, S., Langer, A., Macgilchrist, F., Wrana, D., und Ziem, A.: Discourse
and beyond? Zum Verhältnis von Sprache, Materialität und Praxis, in:
Diskursforschung: Ein interdisziplinäres Handbuch. Band 1: Theorien,
Methodologien und Kontroversen, Herausgeber: Angermüller, J., Nonhoff, M.,
Herschinger, E., Macgilchrist, F., Reisigl, M., Wedl, J., Wrana, D., und
Ziem, A., Transcript, Bielefeld, 347–364, 2014.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib51"><label>51</label><mixed-citation>
Wittgenstein, L.: Zettel, in: Ludwig Wittgenstein: Zettel, Herausgeber: Anscombe,
G. E. M. und Von Wright, G. H., University of California Press, Los Angeles, 1967.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib52"><label>52</label><mixed-citation>
Wittgenstein, L.: Über Gewissheit, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1970.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib53"><label>53</label><mixed-citation>
Wittgenstein, L.: Philosophische Untersuchungen, 4. Aufl., Suhrkamp,
Frankfurt am Main, 2008.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib54"><label>54</label><mixed-citation>
Wolkersdorfer, G.: Politische Geographie und Geopolitik zwischen Moderne und
Postmoderne, Heidelberger Geographische Arbeiten 111, Heidelberg, 2001.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib55"><label>55</label><mixed-citation>
Wrana, D.: Diesseits von Diskursen und Praktiken. Methodologische
Bemerkungen zu einem Verhältnis, in: Feld und Theorie. Herausforderungen
erziehungswissenschaftlicher Ethnographie, Herausgeber: Friebertshäuser, B., Kelle,
H., Boller, H., Bollig, S., Langer, A., und Ott, M., Barbara Budrich,
Opladen, 185–200, 2012.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib56"><label>56</label><mixed-citation>Wrana, D. und Langer, A.: An den Rändern der Diskurse. Jenseits der
Unterscheidung diskursiver und nicht-diskursiver Praktiken, in: Forum
Qualitative Sozialforschung (FQS), 8 (2), Art. 20, 2007.
 </mixed-citation></ref><?xmltex \hack{\newpage}?>
      <ref id="bib1.bib57"><label>57</label><mixed-citation>
Wrana, D. und Ott, M.: Gouvernementalität diskursiver Praktiken. Zur
Methodologie der Analyse von Machtverhältnissen am Beispiel einer
Massnahme zur Aktivierung von Erwerbslosen, in: Diskursanalyse meets
Gouvernementalitätsforschung. Perspektiven auf das Verhältnis von
Subjekt, Sprache, Macht und Wissen, Herausgeber: Angermüller, J. und van Dyk, S.,
Campus Verlag, Frankfurt, 155–182, 2010.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib58"><label>58</label><mixed-citation>Wucherpfennig, C. und Strüver, A.: „Es ist ja nur ein
Spiel<inline-formula><mml:math display="inline"><mml:mi mathvariant="normal">…</mml:mi></mml:math></inline-formula>“ – Zur Performativität geschlechtlich codierter
Körper, Identitäten und Räume, Geogr. Z., 102, 175–189, 2014.</mixed-citation></ref>

  </ref-list><app-group content-type="float"><app><title/>

    </app></app-group></back>
    </article>
