<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD Journal Publishing with OASIS Tables v3.0 20080202//EN" "journalpub-oasis3.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:mml="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" xmlns:oasis="http://docs.oasis-open.org/ns/oasis-exchange/table" dtd-version="3.0" xml:lang="de"><?xmltex \bartext{Book reviews -- Review essay}?>
  <front>
    <journal-meta>
<journal-id journal-id-type="publisher">GH</journal-id>
<journal-title-group>
<journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
<abbrev-journal-title abbrev-type="publisher">GH</abbrev-journal-title>
<abbrev-journal-title abbrev-type="nlm-ta">Geogr. Helv.</abbrev-journal-title>
</journal-title-group>
<issn pub-type="epub">2194-8798</issn>
<publisher><publisher-name>Copernicus Publications</publisher-name>
<publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
</publisher>
</journal-meta>

    <article-meta>
      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-71-163-2016</article-id><title-group><article-title>Book review: <italic>Konstruktion und Kontrolle. Zur Raumordnung sozialer Systeme</italic></article-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{Book review: \textit{Konstruktion und
Kontrolle. Zur Raumordnung sozialer Systeme}}?><?xmltex \runningauthor{T.~Felgenhauer}?>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author" corresp="yes" rid="aff1">
          <name><surname>Felgenhauer</surname><given-names>Tilo</given-names></name>
          <email>tilo.felgenhauer@uni-jena.de</email>
        </contrib>
        <aff id="aff1"><institution>Abt. Sozialgeographie, Institut für Geographie, Friedrich-Schiller-Universität
Jena, Löbdergraben 32, 07743 Jena, Germany</institution>
        </aff>
      </contrib-group>
      <author-notes><corresp id="corr1">Tilo Felgenhauer (tilo.felgenhauer@uni-jena.de)</corresp></author-notes><pub-date><day>30</day><month>June</month><year>2016</year></pub-date>
      
      <volume>71</volume>
      <issue>2</issue>
      <fpage>163</fpage><lpage>165</lpage>
      
      <permissions>
<license license-type="open-access">
<license-p>This work is licensed under a Creative Commons Attribution 3.0 Unported License. To view a copy of this license, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/</ext-link></license-p>
</license>
</permissions><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/71/163/2016/gh-71-163-2016.html">This article is available from https://gh.copernicus.org/articles/71/163/2016/gh-71-163-2016.html</self-uri>
<self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/71/163/2016/gh-71-163-2016.pdf">The full text article is available as a PDF file from https://gh.copernicus.org/articles/71/163/2016/gh-71-163-2016.pdf</self-uri>


    </article-meta>
  </front>
<body>
      

      <p><?xmltex \hack{\noindent}?><italic>Goeke, P., Lippuner, R., und Wirths, J. (Hrsg.): Konstruktion und Kontrolle. Zur Raumordnung sozialer Systeme, Springer VS, Wiesbaden, ISBN-13: 978-3-658-03643-0, EUR 50.00, 2015.</italic><?xmltex \hack{\newline}?><?xmltex \hack{\newline}?><?xmltex \hack{\noindent}?>
Mit „Systemen“ kommen Geographinnen aller Subdisziplinen im
Laufe ihres Studiums und ihrer Forschung in Berührung: Ökosysteme,
Systeme der Verarbeitung von Geodaten oder auch räumlich definierte
Wirtschafts- oder Gesellschaftssysteme. Typischerweise wird im Zuge dessen
Systemdenken mit einer ganzheitlichen, auf Zusammenhänge abstellenden
Perspektive verbunden, die letztlich eine Integrationsleistung erbringt.
Angesichts dieses weit verbreiteten Verständnisses ist es erst einmal
bemerkenswert, dass die für den vorliegenden Sammelband „Konstruktion und Kontrolle“ maßgebliche sozialwissenschaftliche
Systemtheorie etwas ganz anderes postuliert – nämlich die Knüpfung
des Systembegriffes an die Abgrenzung, Eigenlogik und Autonomie von
Systemen.</p>
      <p>Dieser Fokus bildet die klar benannte und in den einzelnen Beiträgen des
Bandes stets erkennbare theoretische Klammer. Die sozialwissenschaftliche
Systemtheorie wurde in ihren Grundlagen hauptsächlich durch Niklas
Luhmann mit kritischem Bezug zu Talcott Parsons entwickelt. In ihrer
Weiterentwicklung und Anwendung, zu der der Sammelband beitragen möchte,
entfaltet sie eine ganz bestimmte Lesart von System und Raum (neben vielen
anderen möglichen), die auf den Begriffen der Kommunikation, Beobachtung
und Unterscheidung beruht. Systeme werden nicht als Set von Objekten und
ihren Relationen untereinander gedacht, sondern sie entstehen im Moment der
Unterscheidung eines Innen (System) von einem Außen (Umwelt). Diese
Unterscheidung wird durch Kommunikation realisiert, fortgeschrieben und
kontrolliert. Systemtheoretische Betrachtungen nehmen eine Beobachterrolle
ein, die neben die Selbstbeobachtungen des Systems tritt und die deren
Grenzziehung durch Kommunikation feststellt und untersucht. Typischerweise
ist mit „System“ so etwas wie „Recht“,
„Wissenschaft“, „Kunst“ oder „Religion“ gemeint; Bereiche, die in
besonders deutlichem Maße ihre eigene Kodierung der Wirklichkeit, eine
spezifische Sprache entwickelt haben. Sie erzeugen ständig Operationen
der Unterscheidung und sind gleichzeitig für ihr Existieren auf diese
Unterscheidungen angewiesen. Aufbauend auf dieser Denkweise ist es nur
konsequent, nach der Rolle des Räumlichen für diese Kommunikation
der Unterscheidung zu fragen. Raum wird demnach als Unterscheidungsfolie
verstanden; Kommunikation erfolgt nicht <italic>im</italic> Raum, sondern sie bildet selbst
einen Ort der Beobachtung, mit dem und von dem aus Raum erzeugt wird. In der
Geographie sind dazu bereits umfassende Arbeiten entstanden: Helmut
Klüter (1986), Roland Lippuner (2005), Marc
Redepenning (2006), Andreas Pott (2007) und andere haben
das humangeographische Verständnis der Luhmannschen Systemtheorie
maßgeblich entwickelt und vertieft.</p>
      <p>Der Band „Konstruktion und Kontrolle“ repräsentiert nun
die Arbeit eines über mehrere Jahre bestehenden Netzwerks „Systemtheoretische Geographie“, welches regelmäßig Forschende aus
der Humangeographie und aus anderen Disziplinen versammelt hat. Die in
diesem Zusammenhang entstandenen insgesamt 14 Beiträge des Bandes werden
in vier Sektionen untergliedert: Räume und Grenzen, Territorien und
Netzwerke, Dinge und Körper sowie Natur und Technik.</p>
      <p>Die Themen der Beiträge können hier – selbstredend – lediglich
benannt, keinesfalls aber hinreichend argumentativ rekonstruiert werden. In
der Einleitung von Pascal Goeke, Roland Lippuner und
Johannes Wirths wird neben dem begrifflichen Zugang auch ein
zeitdiagnostisches Feld aufgespannt, welches systemtheoretische Geographie
mit den Dynamiken der „Ökologisierung, Mediatisierung,
Globalisierung und Technisierung“ in Beziehung setzt. Systemtheoretische
Geographie beschäftigt sich also nicht nur mit den selbstreferentiellen,
Differenz erzeugenden kommunikativen Operationen, sondern setzt diese auch
zu systemübergreifenden Entwicklungen in Beziehung.</p>
      <p>Im ersten Teil des Bandes „Räume und Grenzen“ wird das
Prinzip der begrifflichen Grenzziehung in mehreren Facetten eingeführt.
Johannes Wirths beobachtet die Rede über Raum in Gesellschaft,
Philosophie, Geographie und in einer räumlich gewendeten
Kulturwissenschaft. Er beschreibt die Funktion des Raumbegriffes in
vielfältigen diskursiven Kontexten als reifizierend und fixierend, etwa
verbunden mit Grenzziehungen zwischen Natur und Kultur oder Fragen der
Landschaft. Während der Beitrag Wirths' als eine Hilfe zur
Ordnung und Sichtung der empirisch beobachtbaren Fülle an Diskursen um
Raum, also als Öffnung des Feldes verstanden werden kann, vollzieht Dirk
Baecker eher den gegenläufigen Schritt hin zu Reduktion und
Abstraktion. Formentheoretisch wird in Abgrenzung zum euklidischen Raum die
Grundfigur des Unterscheidens als Raum vorgestellt, die allen möglichen
empirischen Raumphänomenen zugrunde liegt, sich meist als Grundprinzip
der Raumkonstruktionen aber selbst nicht kenntlich macht. Diese Form oder
Figur des Räumlichen wird in den folgenden beiden Beiträgen
(Katharina Mohring über Medien, Marc Redepenning
über Ländlichkeit) mit empirischen Bezügen angereichert und
weitergedacht. Nach Katharina Mohring sind Medien als
Unterscheidungsproduzenten (Hier-Dort) an ihren Standort und an den Raum des
Publikums gebunden. Dies wird am Beispiel des Themas Abwanderung aus
Ostdeutschland erläutert. Marc Redepenning zeigt, wie das
Ländliche als Gegenbild des Urbanen nicht etwa materielle Wirklichkeiten
abbildet, sondern diese als „raumbezogene Semantik“ erzeugt –
nicht nur im konstruktivistischen Sinne, sondern auch im Sinne der
Materialisierungen von Handlungen, die sich auf die gemachte Grenze
beziehen.</p>
      <p>Der zweite Teil „Territorien und Netzwerke“ bündelt
Beiträge zu einer empirischen, teilweise historischen politischen
Geographie sozialer Systeme. Isabel Kusche behandelt die
postkoloniale Situation des globalen Südens. Sie versucht, diese nicht
einfach als rudimentäre Modernisierung oder mangelhafte Ausbildung bzw.
Trennung von Subsystemen zu beschreiben. Stattdessen kommt sie umgekehrt zum
Befund, dass die Kongruenz von funktionaler gesellschaftlicher
Differenzierung und nationalstaatlicher Territorialisierung eigentlich nur
vor dem historisch sehr spezifischen Hintergrund der europäischen
Nationalstaatsentwicklung überhaupt als normatives Ideal postuliert
werden kann. Poul Kjaer zeigt, dass aus systemtheoretischer Sicht
die europäische Integration ein hybrides Gebilde darstellt, welches
organisationale und (meta)nationale Differenzierung und Integration
verbindet. Erstaunlich erscheint hierbei weniger die Unvollständigkeit
der Integration, sondern das trotzdem real beobachtbare Funktionieren ihrer
Institutionen, wenn diese auch stark auf dem Status quo beharren. Informelle
Prozesse und Praktiken der Raumkonstruktion untersucht Aldo
Mascareño im lateinamerikanischen Kontext anhand zweier
Beispiele. In der Favela erkennt er einen deutlich markierten
Behälter-Raum, während kriminelle Netzwerke eher einen relationalen
Raum machtgeladener Reziprozität erzeugen. Pascal Goeke und
Swen Zehetmair legen Überlegungen zur Verbindung von Netzwerk-
und Systemtheorie dar. Erstere müsste entsprechend der
systemtheoretischen Grundperspektive von einer akteurs- zu einer
kommunikationsbasierten Festlegung von Knoten und Kanten der Netzwerke
übergehen. Komplexe und differenzierte Netzwerke – so die These –
„emanzipieren“ sich durch Differenzierung und
Komplexitätszuwächse vom topographischen Erdraum.</p>
      <p>„Dinge und Körper“ bilden den dritten thematischen
Schwerpunkt des Bandes. Peter Fuchs reflektiert die körperliche
Innenwelt als Kognition, die mit der äußerlichen Sinnbildung durch
Auswahl und kommunikative Anschlussoperationen in Verbindung gebracht werden
muss. Der Widerständigkeit des Körperlichen und Materiellen ist
dabei mit theoretischer Flexibilität und Kreativität zu begegnen.
Anna Henkel beschäftigt sich mit dem ambivalenten
Verhältnis von sozialer Konstruktion und gleichzeitigem
Kontroll<italic>verlust</italic> über diese Konstruktionen seitens der Gesellschaft, da diese
sich eben nicht nur auf Kommunikatives beziehen. Die Sphäre der Dinge
leistet Widerstand, was sich unter anderem in der Abhängigkeit der
Gesellschaft von lebenden Menschen, Grund und Boden und Nahrungsmitteln
zeigt. Solche Gegenstände bilden andauernde Herausforderungen für
die Welt, die sich aus Unterscheidungen und Beobachtungen bildet. Peter
Dirksmeier und Roland Lippuner suchen in ihrem Beitrag
nach einer analytischen Fassung des Phänomens Stadt aus
systemtheoretischer Perspektive. Hier zeigt sich eine unmittelbar erfahrene
Räumlichkeit der Präsenz der Anderen, die von der rein
systemtheoretischen „Anwesenheit“ als Voraussetzung für
Interaktion unterschieden werden sollte. Präsenz ist notwendig, um Stadt
als diverse Umgebung für selektive Interaktionen fassen zu können.
Diversität und Präsenz schaffen die Vielfalt des Städtischen,
aus der Interaktion und Kommunikation schöpfen können.</p>
      <p>Der abschließende vierte Teil „Natur und Technik“ umfasst
drei Beiträge. Michael Guggenheim begreift Katastrophen nicht
als Zerstörung, sondern Umordnung des Gesellschaftlichen. Was eine
Katastrophe ist, hängt davon ab, wie sich die „Endostruktur“ (z.B. Infrastrukturen) zur Sphäre gesellschaftlich
differenzierter Funktionssysteme verhält. Welche Verbindungen zwischen
beiden werden gestört und durch den Katastrophenbewältigungsbetrieb
ersetzt? Kontrollierte, notfallplanmäßige
Katastrophen<italic>bewältigung</italic> bildet den Forschungsgegenstand, nicht eigentlich die
Katastrophe. Eine Erweiterung der geographischen Rezeption
techniksoziologischer Ansätze umreißt Roland Lippuner,
indem er die Unterscheidung von Information, Energie und Technik für die
Modellierung der Kopplung zwischen Gesellschaft und Ökologie
mobilisiert. Dazu ist die gängige Sichtweise, Technik als Vereinfachung
und Verschränkung von Ereignissen vorzustellen, entsprechend zu
erweitern. Technik kann ebenso der Auslotung und Realisierung möglicher
Alternativen der Kopplung von Gesellschaft und Umwelt dienen. Kirsten von
Elverfeldt und Heike Egner stellen eine
naturwissenschaftliche Systemtheorie der sozialwissenschaftlichen
gegenüber. Mit dem naturwissenschaftlichen Konzept dissipativer
Strukturen werden Phänomene gleichzeitiger Entropie und
Selbstorganisation gefasst, die sich mit den Begriffen der
<?xmltex \hack{\mbox\bgroup}?>Selbstreferenz<?xmltex \hack{\egroup}?>
und Autopoiesis vergleichen lassen. Daraus kann – so die Autorinnen – zwar
nicht eine große Theoriesynthese entstehen, wohl aber eine
interdisziplinäre Kommunikationsgrundlage.</p>
      <p>Eine in mehreren Beiträgen reflektierte Herausforderung bleibt die
Beschreibung des Verhältnisses zwischen System und Umwelt in dem Sinne,
dass es neben den ausgewählten, adressierten und im System
repräsentierten Teilen der Umwelt auch stets eine inkontingente
räumliche Umwelt gibt (Fuchs spricht von der scheinbaren
„Unhintertreibbarkeit“ des Körpers), die sich zunächst
gegen die systemische Kommunikation und auch gegen die systemtheoretische
Modellierung sperrt. Zwar gilt: „Alles, was beobachtet wird,
kann anders beobachtet werden“ (Beitrag v. Fuchs:216). Gleichzeitig gibt
es ein „Außen“, an dem das „Innen“ trotz
kommunikativer Selektion nicht vorbeikommt, das es aber auch nicht einfach
bruchlos verarbeiten kann. Die ursprüngliche Idee der Systemtheorie,
Dinglichkeit und Materialität begrifflich in Kommunikation
aufzulösen, lässt sich nicht ohne Reduktionismen durchhalten – neue
Konzepte werden gebraucht, um dieses nicht-kommunizierte Außen zu
fassen, ohne in den klassischen Dualismus von Sinn und Materie
zurückzufallen. Mehrere Beiträge reflektieren dieses Problem der
Inkontingenz bei gleichzeitiger Kommunikationsabhängigkeit des
Räumlichen: als „Faitichisierung“ bei
Redepenning, als Erdraum, der eine mehr oder weniger relevante
Bezugsebene bildet für kommunikative Netzwerke bei
Goeke/Zehetmair, als basale Infrastrukturen der Versorgung
(„Endostruktur“), als „dingliche Stützung der
Gesellschaft“ bei Guggenheim, oder als urbane „Präsenz“ jenseits bloßer Anwesenheit bei
Dirksmeier/Lippuner.</p>
      <p>Insgesamt bildet der Band eine gelungene Zusammenschau systemtheoretischer
Arbeiten mit räumlichem Bezug. Beim Durchgang der Beiträge zeigt
sich ein hohes Maß an begrifflicher Strenge und Präzision. Abstrakte
theoretische Instrumentarien und komplexe Modelle werden auf sehr
verschiedene Beispiele angewendet, aber immer mit dem Fokus auf Raum bzw.
ökologische Problemlagen. Die Heterogenität der empirischen
Forschungsfelder wird durch den gemeinsamen theoretischen Zugang in
stringenter Weise überwölbt, was sicherlich auch der intensiven
Zusammenarbeit der Autoren im Netzwerk zu verdanken ist. Es werden zudem
auch andere interessante theoretische Grundlagen jenseits der Luhmannschen
Arbeiten eingesetzt (z.B. Gregory Bateson, Spencer-Brown).</p>
      <p>Die empirische Anschlussfähigkeit der im Grundsatz maximal
abstrahierenden Systemtheorie wird deutlich, weil die funktionale
Differenzierung von Gesellschaften eben nicht nur eine Konstruktion der
wissenschaftlichen Beobachtung ist. Es handelt sich auch um innerhalb dieser
Gesellschaften kursierende Selbstbeschreibungen. Differenzierungen qua
unterscheidender Kommunikation und Beobachtung sind eben auch der
„Stoff“, aus dem die Wirklichkeit alltäglich gemacht wird.
Darüber hinaus bildet die Einsicht, dass spätmoderne Gesellschaften
systematisch differenziert <italic>sind</italic>, auch eine der hauptsächlichen Diagnosen der
Geschichte der Moderne. Komplexität und Differenziertheit sind reale
Merkmale gegenwärtiger Gesellschaften. Natürlich müssen sich die
Leserinnen und Leser einlassen auf die bewusste Abstraktion und die
begriffliche Neufassung bekannter empirischer Phänomene durch die
systemtheoretische Sprache. Im Fall ihrer gelingenden Anwendung werden so
aber tatsächlich neue Facetten und wichtige kontextübergreifende
Aspekte sichtbar gemacht.</p>

      
      </body>
    <back><ref-list>
    <title>Literatur</title>

      <ref id="bib1.bib1"><label>1</label><mixed-citation>
Klüter, H.: Raum als Element sozialer Kommunikation. Giessener
Geographische Schriften 60, Geographisches Institut der Justus Liebig
Universität Giessen, Giessen, 1986.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib2"><label>2</label><mixed-citation>
Lippuner, R.: Raum – Systeme – Praktiken. Zum Verhältnis von Alltag,
Wissenschaft und Geographie, Steiner, Stuttgart, 2005.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib3"><label>3</label><mixed-citation>
Pott, A.: Orte des Tourismus. Eine raum- und gesellschaftstheoretische
Untersuchung, Transcript, Bielefeld, 2007.</mixed-citation></ref>
      <ref id="bib1.bib4"><label>4</label><mixed-citation>
Redepenning, M.: Wozu Raum? Systemtheorie, critical geopolitics und
raumbezogene Semantiken. Beiträge zur Regionalen Geographie 62, Leibniz
Institut für Länderkunde, Leipzig, 2006.</mixed-citation></ref>

  </ref-list><app-group content-type="float"><app><title/>

    </app></app-group></back>
    <!--<article-title-html>Book review: <i>Konstruktion und
Kontrolle. Zur Raumordnung sozialer Systeme</i></article-title-html>
<abstract-html/>
<ref-html id="bib1.bib1"><label>1</label><mixed-citation>
Klüter, H.: Raum als Element sozialer Kommunikation. Giessener
Geographische Schriften 60, Geographisches Institut der Justus Liebig
Universität Giessen, Giessen, 1986.
</mixed-citation></ref-html>
<ref-html id="bib1.bib2"><label>2</label><mixed-citation>
Lippuner, R.: Raum – Systeme – Praktiken. Zum Verhältnis von Alltag,
Wissenschaft und Geographie, Steiner, Stuttgart, 2005.
</mixed-citation></ref-html>
<ref-html id="bib1.bib3"><label>3</label><mixed-citation>
Pott, A.: Orte des Tourismus. Eine raum- und gesellschaftstheoretische
Untersuchung, Transcript, Bielefeld, 2007.
</mixed-citation></ref-html>
<ref-html id="bib1.bib4"><label>4</label><mixed-citation>
Redepenning, M.: Wozu Raum? Systemtheorie, critical geopolitics und
raumbezogene Semantiken. Beiträge zur Regionalen Geographie 62, Leibniz
Institut für Länderkunde, Leipzig, 2006.
</mixed-citation></ref-html>--></article>
