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<journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
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<abbrev-journal-title abbrev-type="nlm-ta">Geogr. Helv.</abbrev-journal-title>
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<publisher><publisher-name>Copernicus Publications</publisher-name>
<publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
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      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-72-81-2017</article-id><title-group><article-title>Book review: <italic>Die Surselva und Ilanz: Eine Zeitreise durch vier Jahrhunderte</italic></article-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{Book review: \textit{Die Surselva und Ilanz: Eine Zeitreise durch vier Jahrhunderte}}?><?xmltex \runningauthor{S.~Forster}?>
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        <aff id="aff1"><institution>ZHAW Institut Umwelt und Natürliche Ressourcen, Forschungsbereich Landschaft und Tourismus im Center da Capricorns, 7433 Wergenstein, Switzerland</institution>
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      <author-notes><corresp id="corr1">Stefan Forster (fsea@zhaw.ch)</corresp></author-notes><pub-date><day>14</day><month>February</month><year>2017</year></pub-date>
      
      <volume>72</volume>
      <issue>1</issue>
      <fpage>81</fpage><lpage>83</lpage>
      
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      <p><?xmltex \hack{\noindent}?><italic>Schenker-Nay, A.: Die Surselva und Ilanz: Eine Zeitreise durch vier Jahrhunderte, Somedia Buchverlag Glarus/Chur, ISBN: 978-3-906064-47-5, EUR 48.80, 2015.</italic><?xmltex \hack{\newline}?><?xmltex \hack{\newline}?></p>
      <p><?xmltex \hack{\noindent}?>Wer wagt sich in einer in allen Lebens- und Wissensbereichen spezialisierten
Welt noch an Gesamtschauen? Insbesondere die Geografie hat den Pfad der
ganzheitlichen Betrachtung des Raumes längst verlassen. Dem
geografisch-generalistischen Blick hängt die Verstaubtheit und
populäre Oberflächlichkeit von Diaschauen über „Land und Leute“ nach. Eigentlich schade, denn erst eine generelle
Übersicht lässt die Zusammenhänge erkennen und macht den Weg
frei für den Blick in die Tiefe ohne die grossen Linien aus den Augen zu
verlieren. Das Ende 2015 erschienene Fachbuch vom Geografen André
Schenker-Nay „Die Surselva und Ilanz – Eine Zeitreise durch
vier Jahrhunderte“ wagt die Gesamtschau. Schenker-Nay gelingt es dem Leser
und der Leserin einen umfassenden, neuen und immer wieder erstaunlichen
Einblick in die Lebens- und in die Umwelt der Surselva der letzten vier
Jahrhunderte zu vermitteln. Die Surselva wird in der kulturhistorischen
Darstellung Graubündens bisweilen etwas vergessen. Das
kulturlandschaftliche und gesellschaftliche Geschichtsbild Graubündens
ist unter anderem stärker geprägt vom Engadin, vom Bergell, von den
„Bündner Wirren“ und ihren „Helden“ und in
jüngerer Zeit auch von der historischen Entwicklung der klassischen
Tourismusorte. Regionen wie die Surselva konnten nicht so viel
Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. Das vorliegende Buch
ermöglicht in diesem Sinn ein vielfältigeres Bild von
Graubünden. Es eröffnet einen umfassenden Einblick in den
früheren Alltag der Surselva.</p>
<sec id="Ch1.S1">
  <title>Die inneralpine Selbstversorgergesellschaft</title>
      <p>Eine Einsicht in die inneralpine Selbstversorgergesellschaft der Surselva
macht den Auftakt des Buches. Neben statistischen Daten und Erklärungen
zum Ackerbau, zum Viehbestand, zur klimatischen und zur demographischen
Situation wird auch die Verkehrserschliessung der Surselva aufgezeigt. Die
Erschliessung brachte weniger neue Einkommensmöglichkeiten, wie in den
klassischen Säumergebieten Graubündens. Vielmehr ermöglichte sie
auch die Abwanderung von grossen Bevölkerungsteilen in europäische
Städte oder im 19. Jahrhundert nach Übersee. Für Kinder und
Jugendliche kannte man in Graubünden und insbesondere in der Surselva
die saisonale Migration nach Oberschwaben und ins Allgäu. Die Kinder
wurden vor allem an Bauern als landwirtschaftliche Hilfskräfte
„verdingt“. So wurden sie an einem anderen Ort ernährt und
brachten einen Lohn nach Hause. Das Phänomen der Schwabengänger ist
eine direkte Auswirkung des entbehrungsreichen Lebens in der alpinen
Topographie der Surselva in Abhängigkeit von natürlichen
Einflüssen, wie Klima, Naturkatastrophen und folgenschweren
Hungerjahren. Viele Bilder illustrieren diese Entwicklungen aus
gesellschaftlicher und landschaftlicher Sicht. Das Bildmaterial erschliesst
einen umfangreichen Fundus an Informationen über
Landschaftsentwicklungen, über Handwerkstechniken, Kleidung der
bäuerlichen Bevölkerung, Anbau- und Verarbeitungsmethoden der
landwirtschaftlichen Produktion. In Kastentexten einfliessende Zitate aus
Fachpublikationen liefern zusätzliche Informationen und eröffnen den
Zugang zu weiterführender Literatur. Das erste Kapitel findet seinen
Abschluss mit einem Porträt über den Universalgelehrten Pater
Placidus Spescha (1752–1833), der wohl bekanntesten historischen Figur der
Surselva. Eine bisher unbekannte und erstmals publizierte Karte der Surselva
von Placidus Spescha hat Schenker-Nay im Nachlass von Arnold Escher von der
Linth entdeckt.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2">
  <title>Eine Bildgeschichte von Ilanz</title>
      <p>Am Anfang der Entstehung des Buches stand ein geplanter Beitrag von
Schenker-Nay zur Ilanzer Stadtgeschichte. Dies und natürlich auch die
Tatsache, dass Ilanz ein Ort mit Zentrumsfunktion in der Surselva ist,
erklärt den Fokus des Buches auf die erste Stadt am Rhein. Das zweite
Kapitel widmet sich demnach ausschliesslich der (Bild-)Geschichte von Ilanz
vom 17. Jahrhundert bis heute. Verschiedene Stiche und Fotografien zeigen
die Landschafts- und Stadtentwicklung in und im Umland von Ilanz. Mit
ausgewählten zeitgenössischen Ereignissen in Graubünden versucht
der Autor die Ilanzer Bildgeschichte überregional einzuordnen. Diese
Ereignisse im jeweiligen zeitlichen Umfeld ermöglichen es dem Leser zwar
einen historischen Kontext herzustellen, die Auswahl scheint bisweilen aber
etwas willkürlich und der direkte Zusammenhang zum dargestellten Inhalt
ist nur schwer ersichtlich. Ilanz bietet sich jedoch exemplarisch an, um
sozioökonomisch und kulturlandschaftlich Gemeinde- und Stadtstrukturen
zu zeigen und zu verstehen. Städtebaulich gibt es viele Ansatzpunkte, um
auf die Entwicklung und die Funktion von Architektur und Siedlungsstruktur
hinzuweisen. Die siedlungsnahen Obstgärten, die Bürgerlöser
(Pflanzgärten für Ilanzer Bürger) und etwas weiter entfernt vom
Dorfkern die Heimweiden (Allmenden) bilden die sozioökonomisch klugen
Strukturen ab. Der Rhein und der Glenner sind die beiden Hauptflüsse,
die in Ilanz über die Jahrhunderte gleichzeitig Nutzen und Schaden
brachten. Die Entwicklungsgeschichte bis heute ist geprägt vom
ingenieurtechnischen Aufwand die beiden Flüsse zu nutzen (z.B. für
die Energiegewinnung) und deren Schadenpotenzial in den Griff zu bekommen
(z.B. die Wuhrbauten zur Eindämmung und Begradigung der Flüsse).
Insbesondere im dritten Kapitel geht Schenker-Nay darauf ein.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3">
  <?xmltex \opttitle{Fliessgew\"{a}sser formen die Landschaft}?><title>Fliessgewässer formen die Landschaft</title>
      <p>Ausgehend von den historischen Naturkatastrophen im Zusammenhang mit
Hochwasserereignissen wird die oft unterschätzte, aber prägende
Kraft des Wassers für Landschaft und Gesellschaft aufgezeigt. Als
Trouvaille im Buch sind die erstmals veröffentlichten Handskizzen von
Arnold Escher von der Linth zu werten. Als Mitglied einer Expertengruppe hat
er die Auswirkungen des Hochwassers von 1834 in Surrein und in Vals erhoben.
Dieses und spätere Ereignisse haben dazu geführt, dass der
Vorderrhein und auch der Glenner zwischen Vals und Ilanz mit Korrektionen
und Wuhrbauten eingedämmt und „gezähmt“ wurden. Neuere
Katastrophenereignisse, wie der verheerende Murgang von Schlans im Jahre
2002 zeigen aber deutlich, dass umfassende Sicherheit nicht möglich ist
und dass im Zuge der klimatischen Veränderungen die Surselva vor
weiteren grossen Herausforderungen steht. Das Wasser ist aber nicht nur
Fluch sondern auch Segen. Der Vorderrhein wurde als ergiebiges
Fischgewässer genutzt. Der Rhein war Transportmedium für die
Holzwirtschaft. Aus dem Haupttal der Surselva und aus den Seitentälern,
wie dem Safiental, wurden über Jahrhunderte Holzstämme bis nach
Reichenau hinunter geflösst. Natürlich war und ist auch die
Wasserkraftnutzung von grosser Bedeutung. Zum Betrieb von Mühlen und
Sägereien war die Wasserkraft bis ins 20. Jahrhundert hinein ein
wichtiger Faktor des bäuerlichen Alltags. Ab den 1950er Jahren, im Zuge
der Elektrifizierung, werden grosse Stauanlagen, Verbindungs- und
Druckstollen geplant und umgesetzt. Im Talboden entstehen
Maschinenhäuser und Umspannwerke. Nach der anfänglichen Euphorie
durch die Bautätigkeiten und neuen Einkommensmöglichkeiten machen
sich relativ schnell auch ökologische Problembereiche bemerkbar. So
führte die geringe Restwassermenge zur Bedrohung der Fische und auch zu
hygienischen Problemen in der Surselva. Die Frage der Restwassermenge wurde
dann auch in der Umweltschutzgesetzgebung zu einer der zentralen Fragen und
bis heute ist sie ein Konfliktfaktor, wenn es um die Abwägung von
ökonomischen und ökologischen Interessen für Wasserkraftprojekte
geht.</p>
      <p>Gewässer und Flüsse haben neben dem ökonomischen Nutzen auch
ökologisch sehr wichtige Funktionen für die Region. Schenker-Nay
geht vor allem auf die Auenlebensräume ein, die unter anderem wichtige
Habitate für Pflanzen, Vögel und Amphibien darstellen.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S4">
  <title>Sehen, staunen, interpretieren, vergleichen</title>
      <p>Das vierte Kapitel ist ein historisches Fotoalbum der Surselva. Schenker-Nay
hat in verschiedenen Archiven und Sammlungen 650 Bilder zusammengetragen. Im
Buch hat er sich für die Publikation von über 300 daraus
entschieden. Wiederum 200 davon bilden ein Panorama der Surselva im
abschliessenden Kapitel. Die Bilderreise geht über Trin, Flims, über
die Rheinschlucht hinein ins Safiental, in die Gruob und nach Ilanz, ins Lugnez,
nach Vals, talaufwärts über Obersaxen und Brigels nach Trun, bis
Disentis, ins Tujetsch und schliesslich in die Val Medel. Wie im ganzen Buch
sind die Bilder präzis und informativ mit einer Legende in Deutsch und
Rätoromanisch beschrieben. Es gibt viel zu sehen, zu bestaunen, zu
interpretieren, zu vergleichen auf den Fotografien:
Landschaftsveränderungen wie das Einwachsen von ehemaligen
Weideflächen, die grosse Bedeutung des heute praktisch inexistenten
Ackerbaus bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, erstaunliche
Bewirtschaftungstechniken wie das Ausstreuen von Asche im Frühling,
damit der Schnee schneller schmilzt oder die besondere Wuchsform von
Schneitelbäumen, die zur Futtergewinnung (Laubäste) genutzt wurden.
Sehr eindrücklich sind auch die rasanten Raumveränderungen aufgrund
der touristischen Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg und die unter
anderem auch dadurch immer bessere verkehrstechnische Erschliessung.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S5">
  <title>Die Kraft der Differenz</title>
      <p>Schenker-Nay wählt einen umfassenden geografischen Zugang für seine
Zusammenstellung. Aufbauend auf umfangreichem Bild- und Zahlenmaterial
erklärt er die gesellschaftlichen Wurzeln und die Entwicklung der
Landschaft. Das Buch ist eine fachliche Fundgrube, ein spannender, schier
unerschöpflicher Bildband und ein geografisch-historisches Lehrbuch.
Das Buch gibt einen äusserst vielschichtiger Einblick in die Landschafts-,
Umwelt- und Kulturgeschichte der letzten vierhundert Jahre der Surselva.
Natürlich ist das Buch auch vom subjektiven Interesse des Autors
geprägt. Es ist eingegrenzt und abhängig vom Material und von den
Quellen, die zugänglich und vorhanden waren. Trotzdem öffnet es
viele Türen für einen individuellen Zugang in die Kulturgeschichte
und in die Identität der Surselva. Interessant wäre nun zu
ergründen zu welchen Aussichten diese gewonnen Einsichten führen.
Die Surselva steht aktuell vor grossen sozialen, ökonomischen und
ökologischen Herausforderungen. Die Inhalte der Publikation können
durchaus auch Antworten geben für die weitere Entwicklung. Die
Potenziale von ländlichen Regionen, wie der Surselva liegen in der
Differenz zu anderen Räumen, insbesondere im Unterschied zu den immer
dichter werden Metropolitanregionen. Es geht darum die einzigartigen
Qualitäten, die Kultur- und Naturwerte zu erkennen, diese zu verstehen,
zu erhalten und darauf aufbauend zeitgenössisch weiterzuentwickeln. Das
wäre dann eventuell eine Fortsetzung des vorliegenden Buches. Eine
Fortsetzung als Brückenschlag in die heutige Zeit mit Szenarien, die auf
der Kraft der Differenz aufbauen und die zeigen, wie daraus Neues entstehen
kann.</p>
</sec>

    
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    <!--<article-title-html>Book review: <i>Die Surselva und Ilanz: Eine Zeitreise durch vier Jahrhunderte</i></article-title-html>
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