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    <journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
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    <publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
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      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-73-177-2018</article-id><title-group><article-title>„Wir sind nie säkular gewesen“: Politische Theologie und die
Geographien des Religiösen</article-title><alt-title>Politische Theologie und die Geographien des Religiösen</alt-title>
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      <author-notes><corresp id="corr1">Benedikt Korf (benedikt.korf@geo.uzh.ch)</corresp></author-notes><pub-date><day>7</day><month>May</month><year>2018</year></pub-date>
      
      <volume>73</volume>
      <issue>2</issue>
      <fpage>177</fpage><lpage>186</lpage>
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        <date date-type="received"><day>6</day><month>February</month><year>2018</year></date>
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           <date date-type="accepted"><day>6</day><month>April</month><year>2018</year></date>
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      <license license-type="open-access"><license-p>This work is licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International License. To view a copy of this licence, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</ext-link></license-p></license></permissions><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/73/177/2018/gh-73-177-2018.html">This article is available from https://gh.copernicus.org/articles/73/177/2018/gh-73-177-2018.html</self-uri><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/73/177/2018/gh-73-177-2018.pdf">The full text article is available as a PDF file from https://gh.copernicus.org/articles/73/177/2018/gh-73-177-2018.pdf</self-uri>
      <abstract>
    <p id="d1e75">In these afterthoughts to a themed issue on the „Geographies of
Post-Secularity“, I critically interrogate the analytical purchase of
the terminology of post-secularism. I suggest that the concept of the
post-secular is ill-suited to provide a vocabulary for multi-religious
societies in the West as much as elsewhere. Instead, I suggest that the
vocabulary of a descriptive political theology (Assmann) better helps us
grasp the continuing negotiation of the dialectic relations between the
secular and the religious. I illustrate this conceptual vocabulary for the
study of religion and politics in the postcolonial world, first, in the
political-normative debates on Indian secularism, and second, in the everyday
struggles of religious actors in the violent politics of Sri Lanka's civil
war, to then return to debates on (post-) secularity. I conclude that,
indeed, we have never been secular – that the dialectic relations between
the secular and the religious are bound to remain, and to become further
complicated in increasingly multi-religious societies.</p>
  </abstract>
    </article-meta>
  </front>
<body>
      

<sec id="Ch1.S1" sec-type="intro">
  <title>Einleitung</title>
      <p id="d1e85">Am 14. Oktober 2001, wenige Wochen nach 9/11, hielt Jürgen Habermas seine
Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels. Wir
leben in einer postsäkularen Gesellschaft, diagnostizierte Jürgen
Habermas, der sich selbst als religiös unmusikalisch bezeichnete: diese
postsäkulare Gesellschaft habe sich „auf das Fortbestehen
religiöser Gemeinschaften in einer sich fortwährend
säkularisierenden Umgebung“ einzustellen (Habermas, 2001:13). Die
Gesellschaften in Europa seien mit einer „Wiederkehr“, einer
„Rückkehr“, einem „Fortbestehen“ oder auch nur
einer neuen „Sichtbarkeit“ religiöser Gemeinschaften
konfrontiert. Die Theorie der Säkularisierung prognostizierte in einer
Art Hegel'schen Teleologie das Verschwinden der Religion – als eine Art
„Götterdämmerung“ (Sloterdijk, 2017:7), die der Moderne
notwendigerweise als Prozess der „Entzauberung“ (Max Weber)
eingeschrieben sei. Diese Theorie der Säkularisierung, so Habermas, sei
zu revidieren.</p>
      <p id="d1e88">Habermas entwickelte den Begriff der post-säkularen Gesellschaft
gewissermassen aus der selbstzugeschriebenen Warte eines „säkularen
Papstes“<fn id="Ch1.Footn1"><p id="d1e91">Ich verdanke diesen Begriff einem Gespräch mit
Johannes Quack.</p></fn> und verband seine zeitdiagnostische Aussage mit einem
normativen Postulat: Als eine Art intellektueller Übervater verschreibt
er dem liberalen Staat die Aufgabe, den normativen Gehalt religiöser
Überlieferung wieder stärker als moralische Ressource in den
öffentlichen Vernunftgebrauch zu integrieren.
„Post-säkular“ bedeutet hier eine neuerliche Aufmerksamkeit
auf Religion als moralische Ressource in einer liberalen und säkular
bestimmten Öffentlichkeit. Es ist, so Hans Joas, „ein eloquentes
Plädoyer an die säkulare Seite, den täglichen
Übersetzungsleistungen der Gläubigen mehr entgegenzukommen“
(Joas, 2004:126), die bisher eben sehr viel stärker gefordert waren, ihre
moralischen Intuitionen von einer tradierten religiösen in eine
säkular anschlussfähige Sprache zu übersetzen.</p>
      <?pagebreak page178?><p id="d1e95">Mit einiger Verspätung erreichte die Diskussion zum Begriff des
Post-Säkularismus auch die deutschsprachige Religionsgeographie: Vom
11.–13. Juni 2015 traf sich eine interdisziplinäre Gruppe von
Geographinnen, Ethnologen und Religionswissenschaftlerinnen, um über
„Geographien post-säkularer Gesellschaften“ zu diskutieren.
Der Impetus für diesen neuerlichen Anlauf, religionsgeographische Fragen
aufzugreifen, kam, wie so oft in der deutschsprachigen Humangeographie, aus
dem anglophonen Raum, wo der Begriff des postsecularism in den letzten Jahren
eine signifikante Aufmerksamkeit erhalten hat (z.B. Cloke, 2011; Cloke und
Beaumont, 2013; Gökariksel und Secor, 2015). Die Tagung griff aber auch
bewusst Anregungen aus benachbarten Disziplinen auf, insbesondere aus der
Religionswissenschaft und der Philosophie (Bochinger und Frank, 2015;
Lutz-Bachmann, 2015; Taylor, 2009). Der Tagung ging es dabei um eine
kritische Prüfung des analytischen Potenzials des Begriffs der
Postsäkularität (vgl. Glasze und Schmitt, 2018).</p>
      <p id="d1e98">In „Ein säkulares Zeitalter“ (2009:13ff.) schlägt Charles
Taylor drei Bedeutungen von Säkularität vor: Erstens, in der
Bezugnahme auf das Öffentliche, die ohne göttliche Rechtfertigung
auskommt; zweitens in der Beobachtung, dass der religiöse Glaube und das
Praktizieren der Religion dahinschwindet; und drittens: „dass man zu
einer Gesellschaft übergeht, in der der Glaube eine von mehreren Optionen
neben anderen darstellt“. Mir geht es in diesem Nachwort zu den
Beiträgen zum Themenheft „Geographien der
Postsäkularität“ vor allem um die Bedeutung des Säkularen
als eines Aktes politischer Setzung (Lübbe, 2003) und um die Analyse der
politischen Geographien des Religiösen (vgl. auch: Reuber, 2015). Damit
wird die erste Bedeutungsebene von Taylor angesprochen: „Staat und
Kirchen oder Religionsgemeinschaften lassen sich institutionell trennen, aber
nicht das Religiöse und das Politische“ schreibt dazu Friedrich
Wilhelm Graf (2013:26). Der immanente Widerspruch von „weltlich“
und „geistlich“ hat die abendländische (europäische)
Geschichte in zahlreichen Metamorphosen und Transformationen geprägt
(Koselleck, 2003:181f.). Die Frage ist: wie prägt dieser Widerspruch
unsere heutige, globalisierte Welt?</p>
      <p id="d1e102">Säkularisierung als Akt politischer Setzung ist nichts anderes „als
die metaphorisch konsequente Einsetzung nicht-religiöser Gehalte in
religiös präformierte Aussagen bzw. Aussagesysteme“ (Lübbe,
2003:133). Der Begriff „Religion“ ergab erst mit dem Aufkommen
der Idee des „Säkularen“ überhaupt einen Sinn (Asad,
2003:192; Amesbury, 2018). „Säkularisierung“ ist deshalb kein
neutraler Begriff, sondern normativ unterlegt und politisch umkämpft.
Darauf wies schon Habermas in seiner Rede hin: Säkularisierung wird
entgegengesetzt bewertet, „je nachdem, ob wir die erfolgreiche
<italic>Zähmung</italic> der kirchlichen Autorität durch weltliche
Autorität oder den Akt der widerrechtlichen <italic>Aneignung</italic> [von
Kirchengütern] in den Vordergrund rücken“ (Habermas, 2001:12,
Betonung im Original). In der Nachkriegszeit der Bundesrepublik hatte die
Säkularisierungsthese zur Klage über einen allgemeinen
Kulturniedergang gedient (Flasch, 2017:473). Hans Blumenberg bezeichnet
Säkularisierung als eine Unrechtskategorie, die eine implizite Schuld der
Neuzeit postuliert, gegen die sich Blumenberg in „Legitimität der
Neuzeit“ (Blumenberg, 1988) wehrt. Dann ist ebenso zu fragen: Wird
Postsäkularismus als eine Geschichte des Verlustes, des Niederganges oder
der Bereicherung gelesen?</p>
      <p id="d1e111">Dabei sollten wir nicht die vielfältigen Kontinuitäten in der
Aushandlung des Verhältnisses von Kirche und Staat, Religion und Politik
und der Bedeutung von Religion im öffentlichen Raum – auch in Europa –
unterschätzen. Ein Beispiel aus der Schweiz kann dies verdeutlichen: Der
Kanton Genf, Hochburg des Calvinismus, verabschiedete 1875 das „loi sur
le culte extérieur“, ein kantonales Gesetz, das generell
öffentliche Kultushandlungen und das Tragen religiöser Kleidung auf
öffentlichem Grund verbot. Es untersagte u.a. katholischen Priestern,
Mönchen und Nonnen das Tragen der Soutane bzw. des Ordenshabit. Noch 1981
wurde ein Gesuch auf Durchführung einer katholischen Prozession
abgelehnt. Symbole des Katholizismus sollten als schädliche Elemente aus
dem öffentlichen Raum ferngehalten werden – so wie heute (vermeintliche)
Symbole des Islams: Populistische Politiker in der Genfer Kantonalpolitik
beriefen sich erst vor Kurzem auf dieses Gesetz, das formal noch in Kraft
ist, aber in den letzten Jahrzehnten nicht mehr angewendet wurde, um das
Tragen von Burka und Kopftuch im öffentlichen Raum zu unterbinden. Was im
19. Jahrhundert den Katholiken vorgeworfen wurde – fehlende Staatstreue und
gesellschaftliche Rückschrittlichkeit – wird heute auf islamische
Gläubige in der Schweiz und anderswo in Europa projiziert, so zum
Beispiel in Auseinandersetzungen um das Tragen der Burka und den Bau von
Minaretten und Moscheebauten (vgl. schon: Schmitt, 2004).</p>
      <p id="d1e114">Auf diese Probleme macht Habermas mit seinem Begriff des Postsäkularismus
aufmerksam. Zugleich sollten wir den Begriff des Post-Säkularimus nicht
unkritisch verwenden: Post-säkular klingt zu stark nach
„Epochenwandel“ (Joas, 2004:124) – als ein Bruch mit etwas, was
„vorher“ war. Es ist jedoch unklar, wann es diese
„frühere ‚säkulare‘ Gesellschaft gegeben haben soll
und was mit ihr eigentlich gemeint sein soll“ (Joas, 2004:123).
Demgegenüber möchte ich die Phänomene, die vielfach mit dem
Begriff postsäkular in Verbindung gebracht werden, eher als eine
Verschiebung in der dialektischen Beziehung zwischen dem Säkularen und
dem Religiösen beschreiben. Dialektik hier verstanden als
„Widerspruch in den Sachen selbst, des Widerspruchs im Begriff“
und „die Art, in der der Begriff …sich bewegt, nämlich auf
sein Gegenteil, das Nichtbegriffliche, hin“, wie Theodor W. Adorno
schreibt (Adorno, 2007:17, Hervorhebung im Original).</p>
      <p id="d1e117">Im Folgenden entwickele ich sieben Thesen, die dafür plädieren, das
Begriffsvokabular, das aus der geschichtsphilosophischen Reflexion über
die Säkularisierung in Europa erwachsen und in der Kontroverse um die
Politische Theologie Carl Schmitts kulminiert ist, für die
ethnographische Beobachtung alltäglicher Verhandlungen, Neujustierungen
und Abgrenzungstaktiken im Beziehungsgeflecht von Religion und Politik in
multi-religiösen Gesellschaften Europas und darüber hinaus nutzbar zu
machen. Der Blick über Europa hinaus – genealogisch, ethnographisch –
erlaubt dann<?pagebreak page179?> eine Einordnung des europäischen
Säkularisierungsprozesses als „ein partikularer, christlicher und
postchristlicher Prozess, und nicht …ein allgemeiner, universaler
Prozess der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung“ (Casanova,
2015:111). Zugleich haben viele postkoloniale Gesellschaften den
europäischen Gesellschaften etwas voraus: die Erfahrung
multi-religiösen und polytheistischen Zusammenlebens.</p>
      <p id="d1e120"><disp-quote>
  <p id="d1e123"><bold>These 1:</bold> In Anlehnung an Bruno Latour (2008)<fn id="Ch1.Footn2"><p id="d1e128">Bruno Latour:
Wir sind nie modern gewesen.</p></fn> könnte man sagen: Wir sind nie säkular
gewesen!</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e133">Kann man das sagen: „Wir sind nie säkular gewesen?“ Und
worauf bezieht sich das „wir“ in dieser Aussage? Aus einer
westeuropäischen Sicht klingt diese Aussage sicher provokant. Der Prozess
der Säkularisierung, verstanden als Entkirchlichung und als Distanzierung
von religiöser Praxis, ist in vielen westeuropäischen Gesellschaften
zumindest unter der christlichen Bevölkerung weit verbreitet und
schreitet stetig vorwärts. Mit jeder Generation schwindet die gelebte
Praxis christlicher Religiosität (für die Schweiz: Bochinger, 2012).
Wie fällt das Bild aus, wenn wir uns ausserhalb Europas bewegen? In
vielen postkolonialen Gesellschaften ausserhalb Westeuropas, aber auch in den
USA, scheinen Religiosität und Spiritualität allgegenwärtig zu
sein. Aber auch schon ein Blick in Richtung Osteuropa, z.B. nach Polen,
relativiert das Bild eines säkularen Europas.</p>
      <p id="d1e137">Wenn ich hier die – bewusst provokante – These vertrete, wir seien nicht
säkular gewesen, dann ist dies jedoch nicht religionssoziologisch
gemeint, sondern religionspolitisch: die Aussage bezieht sich auf die
vermeintlichen Errungenschaften der Neuzeit, die Hans Blumenberg in
„Legitimität der Neuzeit“ (1988) verteidigt: die
Errungenschaften der Religionsfreiheit – und damit auch der Freiheit, nicht
religiös zu sein. Die Moderne (Blumenberg sprich von der Neuzeit)
gründet auf dem säkularen Grundimpuls der Trennung von Kirche und
Staat, Religion und Politik. In „The Stillborn God: Religion, Politics
and the Modern West“ (2008) spricht Mark Lilla von der „Great
Separation“ – der grossen Trennung von Politik und Theologie, die
notwendig gewesen sei angesichts der Religionskriege des 16. und
17. Jahrhunderts. Einer der ersten politischen Philosophen, der diese
Trennung propagierte, war Thomas Hobbes, der erstmals politische Herrschaft
rein immanent über den Gesellschaftsvertrag begründen – und damit
„jeden Zugang zur göttliche Transzendenz [versperren]“
(Latour, 2008:29) wollte.</p>
      <p id="d1e140">Die Moderne wird ihrem Anspruch, diese Trennung erreicht zu haben, jedoch
nicht gerecht und pendelt stattdessen „ständig zwischen
Transzendenz und Immanenz“ (Palaver et al., 2011:18; vgl. auch: Joas,
2017). Das ist mit der These gemeint: Wir sind nie säkular gewesen. Die
Trennung zwischen Religion und Politik aufrechtzuerhalten benötigt
vielfältige Reinigungs- und Vermittlungsanstrengungen, die dennoch nie
ihr Ziel, die Trennung und Reinigung dieser beiden Sphären, komplett
erreichen. Hier kommen die Überlegungen Latours in Spiel: Mit seiner
Aussage „Wir sind nie modern gewesen“ (2008), ging es Latour um
eine Kritik der Moderne und deren Versuch, klare begriffliche Grenzen zu
ziehen – zwischen Kultur und Natur. Latour zeigte die Unmöglichkeit
reiner Begriffe und begrifflicher Grenzziehungen auf: die Realität sei
immer hybrider als es die begriffliche Trennungsarbeit suggeriere (vgl.
für die Geographie: Zierhofer, 1999). Dieser Gedanke lässt sich auf
den Versuch der Moderne übertragen, Politik und Religion – oder
Herrschaft und Heil, wie es Jan Assmann (2000) nennt – zu trennen.</p>
      <p id="d1e143">Dieser Grundgedanke soll uns in der folgenden Diskussion über den Begriff
des Postsäkularismus leiten: dass wir es bei der Diskussion um (Post-)
Säkularismus mit begrifflichen Rechtfertigungs-, Vermittlungs- und
Reinigungsarbeiten zu tun haben, einer Praxis der Trennung, Sortierung und
Reinigung gesellschaftlicher Phänomene an der Schnittstelle von Religion
und Politik. Diese Arbeit an der Reinigung der Kategorien erreicht aber,
argumentiert Latour, nie ihr Ziel. Sie ist dazu verdammt, eine
Sisyphusaufgabe zu bleiben. Und diese Sisyphusaufgabe wird in unserer
„breiten“ Gegenwart multi-religiöser Gesellschaften noch
zusätzlich verkompliziert.</p>
      <p id="d1e146"><disp-quote>
  <p id="d1e149"><bold>These 2:</bold> Im deutschsprachigen Raum sind religionspolitische Debatten
eigentlich immer als Fussnoten zu Ernst-Wolfgang Böckenförde's Diktum
zu lesen, „der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von
Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“
(Böckenförde, 1976:60).</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e155">Friedrich Wilhelm Graf spricht geradezu von einem kanonischen Status des
Böckenförde-Diktums (Graf, 2013:27). Auch Habermas' Argumentation zur
postsäkularen Gesellschaft muss als eine Variation genau dieses Diktums
verstanden werden. So bezieht er sich wenige Jahre später explizit darauf
in seinem berühmten Gespräch mit Joseph Kardinal Ratzinger in der
Katholischen Akademie in München (Habermas, 2011). Habermas liest
Böckenförde's Satz als „ein Bewusstsein von dem, was
fehlt“ (Habermas, 2008), wenn der demokratische Verfassungsstaat nicht
mehr auf „kollektiv verbindliche ethische Überlieferungen“
zurückgreifen kann. Und Habermas schien sich überraschend einig mit
Ratzinger darin, vor einem zu engen, radikalen Säkularismus zu warnen,
der eben keine moralisch sinnstiftenden kollektiven Ressourcen hervorbringe,
sondern diese noch zu unterminieren drohe. So trug der Band mit den beiden
Vorträgen auch den Titel „Dialektik der Säkularisierung“
(Habermas und Ratzinger, 2011).</p>
      <p id="d1e158">Böckenförde insinuierte: Der freiheitliche Staat könne nur
bestehen, wenn diese Freiheit sich in einem moralischen Humus der
Gesellschaft regeneriere: „Das ist das grosse Wagnis, das er, um der
Freiheit willen, eingegangen ist“ schreibt
Böckenförde (1976:60). Aber diesen moralischen Humus könne er
gerade nicht mit seinen Instrumenten –<?pagebreak page180?> Rechtszwang, autoritatives Gebot –
hervorbringen, ohne seine Freiheitlichkeit zu gefährden – und ohne in
einen Totalitätsanspruch zurückzukehren, den er gerade als Ergebnis
der konfessionellen Bürgerkriege überwunden zu haben glaubte.
Böckenförde wollte demokratieskeptische katholische
Würdenträger und Verbände für die bundesrepublikanische
Demokratie gewinnen und deren aktive Einmischung in die Politik ermutigen:
„Böckenförde wollte mit seinen Aufsätzen zum Ethos der
modernen Demokratie Ende der fünfziger Jahre die Katholiken dazu bringen,
sich auf die Demokratie einzulassen“ (Müller, 2017:43). Die ganze
Diskussion um Böckenförde – und im Anschluss daran: Habermas – ist
zu verstehen vor dem Hintergrund der engen Verflechtungen von Kirche und
Staat in Deutschland und deren engen Zusammenarbeit im Wohlfahrtsstaat.</p>
      <p id="d1e162">Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, über welche Rezeptionswege
der Begriff des Postsäkularismus Eingang in die deutschsprachige
Religionsgeographie gefunden hat: Es ist ja ein gutes Zeichen für die
Internationalisierung der deutschsprachigen Religionsgeographie, wenn wir von
„place-making“ sprechen, die spannenden Arbeiten von Justin
Beaumont, Paul Cloke, Anna Secor und Banu Gökariksel rezipieren – nicht
zu vergessen die „big heroes“ Talal Asad und Charles Taylor. Ich
hoffe jedoch sehr, dass die deutschsprachige Religionsgeographie
„Habermas“ nicht nur über die anglophone Rezeption
kennenlernt, die mit der spezifischen religionspolitischen Gemengelage im
Ursprungsland der Reformation oft wenig vertraut – und viel stärker
durch die US-amerikanischen „culture wars“ geprägt ist.
Habermas können wir nicht ohne das Böckenförde-Diktum verstehen
und Böckenförde wiederum, ein Schüler von Carl Schmitt, nicht
ohne Rekurs auf die Säkularisierungsdebatte zwischen Hans Blumenberg,
Karl Löwith, Jacob Taubes und Carl Schmitt in der bundesrepublikanischen
Nachkriegszeit. Und dies führt uns, ob wir wollen oder nicht, zu einer
kritischen Auseinandersetzung mit dem zweifelhaften Erbe der Politischen
Theologie Carl Schmitts, mit dem sich, im übrigen, auch Jürgen
Habermas ausführlich auseinandergesetzt hat (Habermas, 2012). Dazu mehr
in These 4.</p>
      <p id="d1e165"><disp-quote>
  <p id="d1e168"><bold>These 3:</bold> Böckenförde's Diktum hält für uns noch ein
anderes Paradox bereit: der liberale Staat meint gerade jener religiösen
Bindungen als Humus zu bedürfen, deren Gewaltpotenziale einzudämmen
am Ursprung der raison d'être des modernen Staates stand: zuerst in Form
des absolutistischen Herrschers à la Hobbes, später dann in der
Gestalt des liberalen Rechtsstaates.</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e174">Begriffsgeschichtlich bedeutete „saeculum“ in der
lateinisch-katholischen Weltvorstellung des (Früh-) Mittelalters das
Andere der Ewigkeit Gottes. In der Kirche wurden säkulare Priester von
den Virtuosen unterschieden. Säkulare Priester vollzogen ihren Dienst in
der Welt, die Virtuosen zogen sich hingegen aus der Welt hinter Klostermauern
zurück, um sich ganz in den Dienst der Ewigkeit Gottes zu stellen (vgl.
Lübbe, 2003). Die Reformation änderte diese Abgrenzung von
Säkulum und Reich – es kam, wie Karl Löwith (1953) schreibt, zu
einer „Säkularisierung des Heilsgeschehens“: das weltliche
Leben selbst wurde zum Bewährungsraum des Heiligen.</p>
      <p id="d1e177">Es handelte sich um dramatische Umwälzungen – die Infragestellung einer
heiligen Ordnung, in der Religion und Politik eine Einheit bildeten, auch
wenn der Primat der Kirche in der Sphäre der weltlichen Herrschaft
zunehmend unterminiert worden war. Schon mit dem Investiturstreit – dem Gang
nach Canossa – und dem daran anschliessenden andauernden Kompetenzgerangel
zwischen geistlicher und weltlicher Herrschaft entstand eine
Säkularisierung des politischen Denkens (Fischer, 2009:23): der Versuch,
Herrschaft ohne religiöse Basis begründen zu können,
„Herrschaft und Heil“ (Assmann, 2000) zu trennen und
Religiosität zu privatisieren. Eindrücklich erfolgt dies bei Thomas
Hobbes, der damit die religiösen Bürgerkriege überwinden wollte.
Hier treffen sich bereits Absolutismus und liberales Rechtsstaatsdenken.</p>
      <p id="d1e180">Die immer schon vorhandene Spannung zwischen Herrschaft und Heil verfolgt uns
bis in heutige Diskussionen religionspolitischer Art – auch und gerade in
den sogenannten postsäkularen Gesellschaften. Woher kommen denn die
Irritationen über die öffentliche Sichtbarkeit bestimmter Religionen
in Europa? Haben sie nicht oft mit einer Unterstellung zu tun, dies seien
Artikulationen politischer Herrschaftsansprüche, einer Verschmelzung von
„Herrschaft und Heil“, die in einer säkularen Gesellschaft
nicht mehr legitimiert seien? Ganz virulent ist dies für unser Bild
„des Islam“, dem oft pauschal eine Inkompatibilität mit dem
liberalen Rechtsstaat unterstellt wird, weil er eben Herrschaft und Heil nur
als Einheit sehen könne und deshalb in die politische Sphäre
ausgreife. Aber diese Spannung ist tendenziell oder potentiell allen
Religionen mit einem Wahrheitsanspruch inhärent. Um die Einhegung dieses
Wahrheitsanspruches ging es der säkularen Politischen Theorie von
Herrschaft, die in der Vertragstheorie von Thomas Hobbes eine frühe Form
gefunden hat.</p>
      <p id="d1e183"><disp-quote>
  <p id="d1e186"><bold>These 4:</bold> Die Spannungen zwischen Herrschaft und Heil sollten als
Formen Politischer Theologie gelesen werden.</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e193">Böckenförde ist Schüler von Carl Schmitt. Dieser hatte in
„Politische Theologie“ geschrieben, alle prägnanten Begriffe
der modernen Staatslehre seien säkularisierte <italic>theologische</italic>
Begriffe (Schmitt, 1922 (2003)). Dem hielt sein Kontrahent, der
Rechtspositivist Hans Kelsen, entgegen, es handele sich um
<italic>säkularisierte</italic> theologische Begriffe (vgl. dazu: Fischer, 2009).
Für Mark Lilla (2008:2–5) und Heinrich Meier (2006) leitet Politische
Theologie, wie sie Carl Schmitt betrieb, die Ausübung politischer
Autorität aus den Quellen religiöser Offenbarung ab. Dem stellen sie
das Denken der Politischen Philosophie gegenüber, das politische
Autorität immanent,<?pagebreak page181?> d.h. auf der Basis menschlicher Vernunft,
begründet. Doch ist die Frage nach der Politischen Theologie nicht nur
eine philosophische, sondern auch eine ethnographische: Vielleicht wurde der
Begriff der Politischen Theologie zu früh verabschiedet.</p>
      <p id="d1e202">Böckenförde selbst unterscheidet zwischen juristischer,
institutioneller und appellativer politischer Theologie, wobei
Böckenförde „politisch“ mit kleinem „p“
schreibt (Böckenförde, 1983:19f.). Für ihn betrieb Schmitt eine
politische Soziologie staatsrechtlicher Begriffe und ihrer Bedeutungsgehalte
– eine juristische politische Theologie. Eine appellative politische
Theologie – also eine politische und normative – verortete
Böckenförde hingegen bei einer bestimmten Gruppe katholischer
Theologen, namentlich Johann Baptist Metz, bzw. der Theologie der Befreiung,
die die christliche Offenbarung als Aufruf zum Engagement der Christen in der
Welt liest. Letztere appellative politische Theologie sei entstanden in
„polemischer Absetzung“, so schreibt
Böckenförde (1983:20f.), von einer privatistischen Theologie.</p>
      <p id="d1e205">Bei genauerem Hinsehen ist Böckenförde's Einordnung jedoch
problematisch: er verwischt die „polemische“ Dimension der
Schmitt'schen Position, oder, in seiner eigenen Terminologie: Schmitt's
Politische Theologie hat durchaus „appellativen“ Charakter.
Schmitt verwendete „Politische Theologie“, wie er selbst
schreibt, durchaus in „polemischer“, d.h. politischer Absicht
(Schmitt, 1922 (2003):31). Politische Theologie wird bei ihm zu einem
normativen Projekt – zu einer politischen Stellungnahme in der
religionspolitischen Auseinandersetzung – contra Blumenberg, gegen die
Legitimität der Neuzeit, gegen den Liberalismus, gegen den säkularen
Staat. Aber der eigentliche Feind, gegen den Schmitt „die Waffe
führt“ (Meier, 2006:10), ist der Anarchismus Bakunins und dessen
Leugnung Gottes, die Bakunin zu einer Ablehnung des Staates und des
universalen Anspruchs der Kirche führt.</p>
      <p id="d1e208">Dieser polemischen Politischen Theologie hat Jan Assmann das Projekt einer
deskriptiven Politischen Theologie gegenübergestellt. Sie
„<italic>ist</italic> nicht, sondern <italic>handelt über</italic> Politische
Theologie“, schreibt Assmann (1992, 2006:24; Hervorhebung im Original):
Politische Theologie, so verstanden, „hat es mit den wechselvollen
Beziehungen zwischen politischer Gemeinschaft und religiöser Ordnung,
kurz: zwischen Herrschaft und Heil zu tun“. Dies beinhaltet dann nicht
nur die Säkularisierung der Politik, sondern auch ihre Sakralisierung
(Joas, 2017) und das Spannungsfeld, das sich aus diesen „gegenstrebigen
Fügungen“ (Taubes, 2011) ergibt. Schmitt, so Assmann, nutzt den
Begriff Politische Theologie im „beschreibenden“ wie im
„betreibenden“ Sinn, und doch dominiert der betreibende,
polemische Sinn. Assmann bezeichnet diese deshalb als „Beiträge
zur“, nicht als „Forschung über“ Politische Theologie.</p>
      <p id="d1e217">Jan Assmann verfolgte sein Ziel einer beschreibenden Poliischen Theologie,
indem er die „Vorgeschichte“ zur Säkularisierungsthese von
Carl Schmitt freilegte: die Entstehung der Religion aus dem Geist des
Politischen (Assmann, 1992 (2006):36). Dazu geht Assmann zurück auf die
Entstehung der Idee einer ganz spezifischen Form von Religion in Israel, dem
Monotheismus als einer „gesteigerten“ Form von Religion, die sich
kritisch über andere Religionen erhebt. Ich gehe hier einen anderen Weg
– nicht zurück in die Vorgeschichte, sondern in unsere „breite
Gegenwart“ und möchte skizzenhaft einige andere Erfahrungen von
Säkularismus, verstanden als normative Regulation des Verhältnisses
von Herrschaft und Heil, und einige andere Erfahrungen der politischen Rolle
von Religion aufzeigen, die an „anderen“ Orten – d.h. ausserhalb
Europas – stattfinden. Das bringt mich zu These 5.</p>
      <p id="d1e220"><disp-quote>
  <p id="d1e223"><bold>These 5:</bold> In unserer „breiten“ Gegenwart kommt es zur
Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Formen von Politischen Theologien – vom
historischen Denken einer säkularisierten Geschichtsphilosophie, zur
Eschatologie und zum radikalen Naturalismus (und Atheismus). Deshalb sollten
wir unseren europäisch und westlich geprägten Blick
„provinzialisieren“ (Chakrabarty, 2000).</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e230">Unsere Gegenwart, schreibt Hans Ulrich Gumbrecht, ist „zu einer sich
verbreiternden Dimension der Simultaneitäten geworden“, in der es
„nicht mehr gelingt, irgendeine Vergangenheit hinter uns zu lassen
…die breite Gegenwart bietet Spiel für Ansätze von Bewegungen
in die Zukunft und die Vergangenheit, doch sie scheinen alle
zurückgebogen zu werden in die Gegenwart“ (Gumbrecht, 2010:16f.).
Das normative Projekt der Neuzeit, die Trennung von Religion und Politik
herzustellen, benötigt vielfältige Anstrengungen, die in Zeiten einer
„breiten“ Gegenwart mit zunehmend multi-konfessioneller und
multi-religiöser Kontur noch komplizierter geworden sind. Aufgrund der
globalen Migrationsströme, den religiösen Kommunikationsformen und
Missionsbewegungen ist die multi-konfessionelle und multi-religiöse
Gesellschaft zur Regel geworden (Das, 2013). Doch auch diese diasporische
Erfahrung ist älter und gelegentlich auch bewusst gewählt, wie
Wolf-Dietrich Sahr am Beispiel der Mennoniten gezeigt hat (Sahr, 2004). Den
Säkularismus-Begriff provinzialisieren bedeutet, religionspolitische
Diskussionen in postkolonialen Staaten mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Religionen stehen hier oft seit langem im Plural, anders als in der
Ursprungsgeschichte des Begriffs der Säkularisierung in Europa.</p>
      <p id="d1e233">In Indien hat sich in den letzten Jahrzehnten eine ausdifferenzierte
intellektuelle Diskussion über die normative, regulative Ausgestaltung
der Beziehungen zwischen Staat und Religionen im Plural entwickelt (Bhargava,
2005). Natürlich hat auch Indien die Idee des Säkularismus von der
britischen Kolonialzeit geerbt. Aber das hat nicht viel zu sagen. Mahatma
Ghandi, selbst ein tiefreligiöser Hindu, hat für eine säkulare
Staatsordnung plädiert. Die Herausforderung für Indiens Politiker
bestand und besteht darin, eine solche säkulare politische Ordnung eines
religionspolitisch neutralen Staates in einer zutiefst religiösen und
spirituellen Gesellschaft<?pagebreak page182?> zu etablieren, deren Religionen darüber hinaus
extrem divergierende Politische Theologien (im normativen, appelativen Sinn)
verfolgen. Diese religiöse Vielfalt ist spannungsgeladen und
konfliktreich – was sich in der Geschichte Indiens schon im Moment der
Unabhängigkeit in der Teilung der Kolonie in die Staaten Pakistan und
Indien zeigte und bis heute in hindunationalistischen Gewaltakten gegen
Muslime, aber auch Christen fortwirkt. Mit dem Erstarken der
hindunationalistischen Strömung in Indiens Politik wird die Frage des
Herrschafts- und Wahrheitsanspruchs von Religionen in der Politik und in der
Gesellschaft besonders virulent aufgeworfen.</p>
      <p id="d1e236">Und interessanterweise finden wir in Indien religionspolitische Debatten, wie
wir sie auch im europäischen Kontext beobachten: einige sehen die
Notwendigkeit, der Politik durch Religion eine moralische Basis zu verleihen
– analog zum Böckenförde-Diktum – während andere das Fernhalten
der Religionen aus der Politik gerade als Garant der Demokratie und
Bürgerrechte ansehen. Säkularismus als normative Staatsdoktrin eines
multi-religiösen Staates wirft die Frage auf: wie soll der Staat sich
gegenüber der Vielfalt seiner Religionen verhalten? Und diese Religionen
können in der hochreligiösen und spirituellen Gesellschaft Indiens
nicht per se aus der Öffentlichkeit herausgehalten werden oder
religiöse Positionen aus der politischen Debatte. Aber gleichzeitig kann
ein säkularer Staat nicht zusehen, wie fundamentalistische Eiferer –
oder ein einschüchternder Prohibitionismus der Religion in der
Öffentlichkeit, der zum Beispiel nicht-religiöse Staatsbürger
bedroht (Quack, 2012) – sich entfalten und Raum gewinnen.</p>
      <p id="d1e239">Indische Intellektuelle verstehen Säkularismus deshalb nicht als eine
strikte Trennung (oder gar als „Desinteresse“) von Staat und
Religion. Amarthya Sen, zum Beispiel, propagiert eine „aktive
Neutralität“ (Amarthya Sen): der Staat soll im Umgang mit den
unterschiedlichen Religionen eine grundlegende „symmetry of
treatment“ gewährleisten (Sen, 2005). Dabei beziehen sich Rechte
auf Religionsausübung nicht nur auf die individuelle Religionsfreiheit,
sondern auch auf die Rechte religiöser Gruppen auf Ausübung ihrer
Religion in einem multi-religiösen Kontext. Rajeev Bhargava entwickelt
daraus Prinzipien, wie der Staat mit Religionen umzugehen hat (Bhargava,
2010): Der Staat solle in religiöse Regelungen so eingreifen, dass er
alle Religionen mit dem gleichen Respekt und Verständnis behandelt; d.h.
nicht: alle gleichen Regeln unterwerfen, sondern vielmehr eine
ausdifferenzierte Regelung je nach den Bedürfnissen der jeweiligen
Religionsgruppe: Sikhs werden von der Pflicht ausgenommen, Motoradhelme zu
tragen; Muslime können in der Öffentlichkeit bestimmte
Kleidervorschriften folgen; Hinduisten, Juden und Muslime können am
Sonntag ihre Geschäfte öffnen. Es bedeutet für Bhargava aber
auch, dass der Staat religiöse Praktiken regulieren soll, wenn diese mit
den Werten des säkularen Staates nicht vereinbar sind, z.B. die
Diskriminierung von Kasten oder Frauen. Bhargava verwendet hierfür den
Begriff „asymmetrische Intervention“ (Bhargava, 2010): Ein Staat
kann in verschiedene Religionsgemeinschaften unterschiedlich stark
intervenieren.</p>
      <p id="d1e242">Vielleicht kann die Diskussion in Europa – insbesondere über den Umgang
mit „dem Islam“ – etwas aus den indischen Diskussionen lernen,
um mit seiner zunehmend inter-religiösen (und eben nicht mehr nur
interkonfessionellen) gesellschaftlichen Landschaft umzugehen und die
Beziehungen zwischen Staat und Religionen neu auszutarieren, um auch
nicht-christliche Religionen angemessen und fair zu behandeln.</p>
      <p id="d1e245"><disp-quote>
  <p id="d1e248"><bold>These 6:</bold> In den Krisen postkolonialer, multi-religiöser
Gesellschaften gewinnen appellative, aktivistische Formen Politischer
Theologie(n) an Bedeutung, die einer ganz anderen normativen Logik folgen als
die Politische Theologie Carl Schmitts.</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e255">Im ersten Interview nach seiner Wahl sagte Papst Franziskus im Gespräch
mit Antonio Spadaro S. J.: „Man darf Grenzen nicht nach Hause tragen,
sondern muss an der Grenze leben und mutig sein.“<fn id="Ch1.Footn3"><p id="d1e258">Antonio
Spadaro S. J. (2013): Das Interview mit Papst Franziskus, Herder, Freiburg,
S. 70.</p></fn> Was für eine (appellative) Politische Theologie verfolgt Papst
Franziskus hier? Letzlich propagiert er einen sozial engagierten
Katholizismus, der aber theologisch konservativ bleibt.<fn id="Ch1.Footn4"><p id="d1e262">So Otto
Kallscheuer in einem Vortrag im Pfarrhaus Fraumünster, Zürich, vom
27. September 2013.</p></fn> Und dieses soziale Engagement geht bis an die Grenzen.
Was Franziskus damit gemeint haben könnte, möchte ich anhand eines
Beispiels meiner eigenen Forschung in Sri Lanka veranschaulichen.</p>
      <p id="d1e266">Als Papst Franziskus im Januar 2015 nach Sri Lanka kam, besuchte er den
Marienwallfahrtsort Madhu im kriegsversehrten Norden Sri Lankas. Dieser
Besuch konnte nur mühsam gegen den Willen der singhalesisch dominierten
srilankischen Regierung und des Kardinals in Colombo, der dem konservativen
Kirchenflügel zugerechnet wird und der dem damaligen Präsidenten
Mahinda Rajapakse und seiner Frau, einer Katholikin, nahestand, durchgesetzt
werden. Franziskus reiste in die Diözese Mannar, in der Rayappu Joseph
Bischof war. Bishop Joseph genoss aufgrund seines öffentlichen Eintretens
für die Rechte der tamilischen Minderheit und für die Aufklärung
der Kriegsverbrechen hohes Ansehen unter der tamilischen Minderheit, wurde
aber von der singhalesisch dominierten Regierung stark kritisiert und unter
Druck gesetzt. Der Kardinal stand als Singhalese auf der Seite der Regierung.
Der ethnische Konflikt ging mitten durch die katholische Kirche selbst. Der
Papst bezog mit seinem Besuch in Madhu also Partei in einer inner-kirchlichen
Auseinandersetzung darüber, wie sich die Kirche politisch positionieren
solle.</p>
      <?pagebreak page183?><p id="d1e269">Der Besuch im Wallfahrtsort war aber auch aus anderen Gründen gut
gewählt: er versinnbildlichte den Mut vieler tamilischer Priester und
Nonnen in ihrer Arbeit „an der Grenze“ – sie hatten keine
Gefahren gescheut, um in Zeiten des Bürgerkrieges, aber auch danach offen
gegen Gewalt und für den Schutz von tamilischen Zivilisten Wort zu
ergreifen, Hilfe zu leisten und auch in schwierigen Situationen Schutz zu
bieten (Goodhand u.a. 2009; Spencer u.a. 2015). In Madhu hatte die
katholische Kirche über viele Jahre mit Unterstützung internationaler
Hilfsorganisationen und des UNHCR ein Flüchtlingslager betrieben. Deborah
Johnson hat in ihrer Forschung gezeigt (Johnson, 2016): Priester und Bischof
mussten immer wieder ihre ganze religiöse Autorität in die Waagschale
werfen, um in kritischen Situationen Zivilisten zu schützen. So wird zum
Beispiel von Priestern erzählt, die sich schützend vor tamilische
Jugendliche stellten (übrigens viele von ihnen Hindus), als die
tamilischen Rebellen sie für ihren verzweifelten Endkampf rekrutieren
wollten. Schwer bewaffnete Rebellen standen Priestern und Jugendlichen
gegenüber – die Stimmung war extrem angespannt, aber letzlich mussten
die Rebellen sich wieder zurückziehen. Sie trauten sich nicht, den
Priestern Gewalt anzutun. Ihr religiöser Habitus, ihre religiöse
Autorität gab den Priestern eine Unantastbarkeit, die sogar die Rebellen
akzeptieren mussten, die sonst nicht zimperlich mit Widerstand umgingen.</p>
      <p id="d1e272">Was zeigen uns diese Vorkommnisse: erstens, dass die Grenzen zwischen
„Religion“ und „Politik“ immer in Verhandlung sind;
dass religiöse Akteure politische agency aufgrund ihrer religiös
konnotierten Glaubwürdigkeit in Krisensituationen übernehmen –
agency, die nur ihnen möglich ist (kein Laie hätte sich in
ähnlicher Weise gegen die Rebellen stellen können). Aber es ist eine
explizite Wahl, an die Grenzen zu gehen, die mit hohem Risiko verbunden ist
– einige tamilische Priester bezahlten dies mit ihrem Leben. Karl Barth
schrieb hierzu 1931 (!) in „Fragen an das Christentum“:
„Sie (die Kirche) hat dann zu sagen, was man hören muss. Sie
braucht dann nicht zu schweigen, weil sie es nicht darf. Sie darf dann auch
Anstoss geben, weil sie es muss“ (Barth, 2013:154). Barth schrieb diese
Zeilen in einem anderen geschichtlichen Kontext, aber der Grundimpuls scheint
mir ein sehr ähnlicher zu sein, wie derjenige, der die Priester in Sri
Lanka antrieb, „an die Grenzen“ zu gehen.</p>
      <p id="d1e275">Diese anstossgebende, irritierende, an die Grenzen gehende Arbeit
religiöser Akteure bleibt in der Semantik der Postsäkularität
merklich unterbelichtet. Es ist eine „weichgespülte“ Form von
Religion, politisch pazifiziert, die in den Schriften von Jürgen Habermas
vorkommt. In der liberalen Demokratie, so könnte man meinen, braucht es
die mutige Arbeit an der Grenze nicht. Wirklich? Doch: auch für Habermas
hat der „öffentliche Vernunftgebrauch säkularer und
religiöser Bürger …das Potential, ein Stachel für
deliberative Politik zu sein“ (Habermas, 2012:45). Auch demokratische
Staaten brauchen immer wieder einen Stachel: Sebastian Schlüter<fn id="Ch1.Footn5"><p id="d1e278">Vgl. Sebastian Schlüter, Postsäkulare Nachbarschaften.
Kirchengemeinden in innerstädtischen Transformationsprozessen. Vortrag
auf der Tagung Geographien Postsäkularer Gesellschaften, FAU
Erlangen-Nürnberg, 11. Juni 2015.</p></fn> beschreibt eine solche Konstellation
im Londoner Eastend, in der eine freikirchlich inspirierte Neugründung
der anglikanischen Kirchengemeinde zum Nukleus einer Protestbewegung gegen
den (Aus-) Verkauf eines housing estates wurde: durch den politisch
engagierten Priester konnten die Bewohner/innen des estates ihren Protest
skalieren und in breitere politische Netzwerke einbringen, wodurch er an
Durchschlagskraft gewann. Auch hier nahmen also religiöse Akteure
politsche agency war – agency, die nur ihnen, nicht aber den
estate-Bewohner/innen gegeben war.</p>
      <p id="d1e282">Ich habe hier eine deskriptive Politische Theologie im Sinne Jan Assmanns
betrieben: Empirisch handelte es sich um eine ethnographische Analyse der
komplizierten Aushandlung von religiöser agency in einem politisch
aufgeladenen Raum und weniger um die regulative Ausgestaltung der Trennung
von „Herrschaft und Heil“. Was mir die politische Theologie der
katholischen Priester und Nonnen in Sri Lanka auszuzeichnen scheint, finde
ich bei dem katholischen Theologen Johann Baptist Metz wieder, der in seinen
Unzeitgemässen Thesen zur Apokalyptik schrieb: „Kürzeste
Definition von Religion: Unterbrechung“ (Metz, 1980:150). Unterbrechung
– nicht Unterwerfung oder Aufbegehren – dies scheint mir die moralische
Aufgabe dieser politischen Theologie zu sein: eine Unterbrechung der Logik
der Gewalt des Krieges. Nicht selbst Politik zu betreiben, sondern die Logik
des Politischen – das Freund-Feind-Denken – zu unterbrechen. Das
Religiöse wird dann der „Einbruch eines ‚Anderen‘ “
(Vattimo, 2001:115) und offenbart sich, so Gianni Vattimo, in der
<italic>caritas</italic>, „die keiner Entmythologisierung unterzogen werden
kann, da es sich bei ihr …um einen praktischen Apell handelt“
(Vattimo, 2004:26, vgl. Engel, 2004). Implizit finden wir diesen Gedanken
auch im Seufzer eines evangelischen Lektors aus Ostdeutschland, den Meyer und
Miggelbrink in ihrer Forschung zu den sich wandelnden Strukturen der
protestantischen Kirche in Ostdeutschland befragten: „Wir kümmern
uns …viel zu wenig um das eigentlich wichtige.“<fn id="Ch1.Footn6"><p id="d1e288">Ein
Lektor aus dem Altenburger Land, den Meier und Miggelbrink in ihrem Vortrag
in Erlangen zitierten, vgl. dazu auch ihren Beitrag im Themenheft: Meyer und
Miggelbrink (2017).</p></fn></p>
      <?pagebreak page184?><p id="d1e292">Dies ist eine andere Politische Theologie, nun im appellativen Sinne
verstanden, als die reaktionäre Position, die Carl Schmitt vertreten hat.
Für Schmitt handelt es sich bei dieser Form von Politischer Theologie um
eine Gegenfigur, ein Feindbild innerhalb seines christologischen Dualismus –
die andere Seite der entzweiten Christusfigur, die Schmitt im feindlichen
Bruderpaar eines Epithemeus-Christus (gehorsam gegenüber Gott) und
Prometheus-Christus (der aufbegehrende Christus) ausmachte (vgl. Groh,
1998:162f. und 176f.). Schmitt sieht in letzterem eine (illegitime)
Selbstermächtigung gegen Gott, gegen den Vater. Die Feindschaft dieser
Brüder ist eine politisch-theologische, sie gründet im Absoluten
(Groh, 1998:163). Hier gelangen wir ins Zentrum der Kontroverse zwischen
Blumenberg und Schmitt: die Neuzeit ist für Schmitt das prometheische
Zeitalter – und damit illegitim; der Feind, den es zu bekämpfen gilt,
und mit der Neuzeit die Aufklärung, den Liberalismus, die Demokratie. So
begründet Schmitt seine reaktionäre Position. Und genau gegen eine
solche reaktionäre (Kirchen-) Politik stellte sich eine andere Politische
Theologie, die sich Theologie der Revolution, Theologie der Befreiung, oder,
nach Johann Baptist Metz (Metz, 1968), <italic>neue</italic> Politische Theologie
nannte. Diese Kontroversen über unterschiedliche normative Verfasstheiten
appellativer Politischer Theologie reichen bis in die heutige Kirchenpolitik
fort – und sie sind bis nach Sri Lanka (und anderswo) gewandert, wo sie nun
ethnographisch, nicht philosophiegeschichtlich oder genealogisch, beobachtet
werden können.</p>
      <p id="d1e298"><disp-quote>
  <p id="d1e301"><bold>These 7:</bold> Religionsgeographie ist immer auch (eine Auseinandersetzung
über) Politische Theologie.</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e307">Stellt sich die Frage: Ist das noch „Religionsgeographie“ oder
schon „Theologie“?</p>
      <p id="d1e310">Damit verbunden ist die Frage: Können wir uns als Religionsgeographinnen
von der Politischen Theologie fernhalten? In der Tat trägt beschreibende
Politische Theologie immer auch einen impliziten normativen Rucksack mit
sich, auch in ihrer Form als „Forschung über“. Auch Habermas'
„Plädoyer an die säkulare Seite“ (Joas, 2004:126) ist
eine Form appellativer Politischer Theologie. Und Jan Assmann und seiner
deskriptiven Politischen Theologie der „mosaischen
Unterscheidung“ wird von mancher Seite ein Antijudaismus vorgeworfen,
u.a., weil er sich affirmativ auf Carl Schmitt bezieht und weil er den Keim
religiöser Gewalt in der „mosaischen Unterscheidung“
identifizierte. Heinrich Meier (2000) und Mark Lilla (2008) haben deshalb
Politische Theologie und Politische Philosophie scharf voneinander
abgetrennt: Die Politische Theologie, schreibt Meier (2000:24f., Hervorhebung
im Original), versteht sich „aus dem <italic>Gehorsam des Glaubens</italic>
…(und stellt sich) als Theorie in den Dienst der souveränen
Autorität“. Das ist Carl Schmitt. Demgegenüber hat für
Meier das philosophische Leben seine „raison d'être darin, …dass es sich bei keiner Antwort beruhigt, die ihre Beglaubigung einer
Autorität schuldet“ (ibid.). Doch auch Lilla und Meier verfolgen
eine Politische Theologie im appellativen Sinne: Auch einer
säkularisierte Geschichtsphilosophie oder einem Naturalismus liegen
normative Prämissen über das richtige Gefüge von Politik und
Religion in einer Gesellschaft und eine, in diesem Fall immanente,
Eschatologie zugrunde.</p>
      <p id="d1e316">Daraus folgt die zweite Frage: Können wir dann eine Religionsgeographie
des Postsäkularismus vom Standpunkt eines methodologischen Agnostizismus
(Wunder, 2005:235ff.) betreiben? Ich denke nicht (und stimme hier Reinhard
Henkel (2011) zu), denn eine agnostizistische Position würde für sich
den „Blick von Nirgendwo“ (Nagel, 1992) beanspruchen, wo sie doch
auch nur ein „Blick von Irgendwo“ ist – eben ein Blick, der von
einer westeuropäischen Idee von Moderne und Säkularismus geprägt
ist. Eine genealogisch reflektierte Religionsgeographie sollte sich ihrer
(normativen) Politischen Theologie bewusst sein. Genau darin sehe ich die
Aufgaben der Religionsgeographie: den Blick auf Religion(en) zu
„entprovinzialisieren“ (Chakrabarty, 2000) und damit die
Diskussionen um Post-Säkularismus genealogisch und ethnographisch zu
bereichern.</p>
</sec>

      
      </body>
    <back><notes notes-type="dataavailability">

      <p id="d1e323">Für diesen Artikel wurden keine Datensätze
genutzt.</p>
  </notes><notes notes-type="competinginterests">

      <p id="d1e329">Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt
besteht.</p>
  </notes><ack><title>Danksagung</title><p id="d1e335">Ich danke Lars Allolio-Näcke, Georg Glasze, Jürgen van Oorschot und
Thomas Schmitt für die freundliche Einladung zur Erlanger Tagung, sowie
Katajun Amirpur, Rajeev Bhargava, Christoph Bochinger, Dipesh Chakrabarty,
Shahul Hasbullah, Reinhard Henkel, Deborah Johnson, Otto Kallscheuer,
Jürgen Kaube, Johannes Quack, Niklaus Peter, Christine Schenk,
Conrad Schetter und Jonathan Spencer für anregende Gespräche, ohne
die dieser Text nie entstanden wäre. <?xmltex \hack{\newline}?><?xmltex \hack{\newline}?>
Edited by: Myriam Houssay-Holzschuch<?xmltex \hack{\newline}?> Reviewed by: one
anonymous referee</p></ack><ref-list>
    <title>Literatur</title>

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    <!--<article-title-html>„Wir sind nie säkular gewesen“: Politische Theologie und die Geographien des Religiösen</article-title-html>
<abstract-html><p>In these afterthoughts to a themed issue on the <q>Geographies of
Post-Secularity</q>, I critically interrogate the analytical purchase of
the terminology of post-secularism. I suggest that the concept of the
post-secular is ill-suited to provide a vocabulary for multi-religious
societies in the West as much as elsewhere. Instead, I suggest that the
vocabulary of a descriptive political theology (Assmann) better helps us
grasp the continuing negotiation of the dialectic relations between the
secular and the religious. I illustrate this conceptual vocabulary for the
study of religion and politics in the postcolonial world, first, in the
political-normative debates on Indian secularism, and second, in the everyday
struggles of religious actors in the violent politics of Sri Lanka's civil
war, to then return to debates on (post-) secularity. I conclude that,
indeed, we have never been secular – that the dialectic relations between
the secular and the religious are bound to remain, and to become further
complicated in increasingly multi-religious societies.</p></abstract-html>
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