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    <journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
    <abbrev-journal-title abbrev-type="publisher">GH</abbrev-journal-title><abbrev-journal-title abbrev-type="nlm-ta">Geogr. Helv.</abbrev-journal-title>
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    <publisher-name>Copernicus Publications</publisher-name>
    <publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
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      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-74-27-2019</article-id><title-group><article-title>Book review: <italic>Die Erde, der Mensch und das Soziale.</italic> <?xmltex \hack{\break}?> <italic>Zur Transformation gesellschaftlicher</italic> <?xmltex \hack{\break}?> <italic>Naturverhältnisse im Anthropozän</italic></article-title><alt-title>Book review: <italic>Die Erde, der Mensch und das Soziale</italic></alt-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{Book review: \textit{Die Erde, der Mensch und das Soziale}}?><?xmltex \runningauthor{P.~Goeke}?>
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          <name><surname>Goeke</surname><given-names>Pascal</given-names></name>
          <email>pascal.goeke@fu-berlin.de</email>
        <ext-link>https://orcid.org/0000-0001-5209-0245</ext-link></contrib>
        <aff id="aff1"><institution>Institut für Geographische Wissenschaften, Freie Universität <?xmltex \hack{\break}?> Berlin, Malteserstr. 74–100, 12249 Berlin, Germany</institution>
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      <author-notes><corresp id="corr1">Pascal Goeke (pascal.goeke@fu-berlin.de)</corresp></author-notes><pub-date><day>28</day><month>January</month><year>2019</year></pub-date>
      
      <volume>74</volume>
      <issue>1</issue>
      <fpage>27</fpage><lpage>29</lpage>
      
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      <license license-type="open-access"><license-p>This work is licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International License. To view a copy of this licence, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</ext-link></license-p></license></permissions><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/74/27/2019/gh-74-27-2019.html">This article is available from https://gh.copernicus.org/articles/74/27/2019/gh-74-27-2019.html</self-uri><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/74/27/2019/gh-74-27-2019.pdf">The full text article is available as a PDF file from https://gh.copernicus.org/articles/74/27/2019/gh-74-27-2019.pdf</self-uri>
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      <p id="d1e81"><?xmltex \hack{\noindent}?><italic>Laux, H. und Henkel, A. (Hrsg.): Die Erde, der Mensch und das Soziale. Zur Transformation gesellschaftlicher Naturverhältnisse im Anthropozän, transcript, Bielefeld, 305 ff., ISBN 978-3-8376-4042-7, EUR 34.99, 2018.</italic></p>
<sec id="Ch1.S1" sec-type="intro">
  <?xmltex \opttitle{Zumutungen des Anthropoz\"{a}ns}?><title>Zumutungen des Anthropozäns</title>
      <p id="d1e92">Das Anthropozän mutet der Soziologie, aber auch vielen anderen
Wissenschaften wie etwa der Humangeographie, allerlei zu: Lange Zeit
anerkannte Unabhängigkeitserklärungen zur disziplinären
Selbstvergewisserung („soziologische Erklärungen sind
unabhängig von …“) und Gegenstandsabgrenzung („Gesellschaft
ist unabhängig von …“) werden offen
angegriffen; naturwissenschaftliche Erkenntnisse bedrängen mit ihren
twitterfähigen „stunning facts“ sozialwissenschaftliche
Diskussionsmodi und ermöglichen eine neue Blüte von
Welterklärern, die eine vergessen geglaubte Universalgeschichte im
planetarischen Massstab wiederbeleben; und deutlich wird auch, dass die
lange Zeit von Handlungspressionen relativ befreiten Sozial- und
Geisteswissenschaften verstärkt hinsichtlich ihrer Nützlichkeit
für die grosse sozial-ökologische Transformation geprüft werden.</p>
      <p id="d1e95">In dem von Henning Laux und Anna Henkel editierten Band „Die
Erde, der Mensch und das Soziale“ finden sich 13 Aufsätze von
14 Autor*innen, die in den Horizont dieser und ähnlicher Zumutungen zu
stellen sind. Leider, um mit dem kleinen Manko des Bandes zu beginnen,
verzichten die beiden Herausgeber*innen auf eine systematische Benennung der
Zumutungen und ersparen sich zudem die Mühen einer leitenden
Fragestellung. Stattdessen präsentiert die autor*innenlose Einleitung
lediglich die bekannte Erfolgsgeschichte des Anthropozänbegriffs und
fasst die Beiträge zusammen. Diese Orientierungslücke gleichen die
Herausgeber*innen auch in ihren eigenen Beiträgen nicht aus. Zwar
skizziert Laux die „Soziogenese“ des Anthropozäns
facettenreicher als in der Einleitung, aber die von ihm vorgestellten
soziologischen Strategien im Umgang mit dem Anthropozän möchte ich
hier schon allein deshalb nicht wiederholen, weil sie entweder gar nicht
oder nur unzureichend belegt werden. Und obwohl Henkel im Titel ihres
Beitrags verspricht, die Herausforderungen des Anthropozäns für die
Soziologie zu skizzieren, wirbt sie lediglich für ihre eigene Position
einer Soziologie der Nachhaltigkeit.</p>
      <p id="d1e98">Zum Glück sind viele Beiträge mehr als nur „explorative
Sondierungen“ (S. 13) und somit für die Geographie lehrreicher. Es
lohnt sich daher der Frage nachzugehen, ob und wie die Autor*innen, die
mehrheitlich aus der Soziologie, aber auch aus der Geographie, der
Philosophie sowie der Wissenschafts- und Technikforschung kommen, mit den
Zumutungen des Anthropozäns umgehen.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2">
  <title>Zumutungen als Aufbruchsmotivation</title>
      <p id="d1e107">Besonders inspirierend lesen sich die Beiträge von den Autor*innen, die
sich der verschiedenen Zumutungen des Anthropozäns bewusst sind und
ihnen nicht mit rechthaberischem Grummeln oder diffamierender Süffisanz
begegnen, sondern sich offen für Veränderungen zeigen. Dies gilt zum
Beispiel für Roland Lippuner, leider der einzige Geograph im Band, der
die Herausforderungen des Anthropozäns für die Sozialwissenschaften
kenntnisreich aufzeigt, aber nicht der Versuchung erliegt, bestehende
ideenreiche und elaborierte Theorien wegen einiger Unzulänglichkeiten
gleich gänzlich über Bord schmeissen zu wollen. Und weil er<?pagebreak page28?> das
Anthropozän grundsätzlich weiter und vielfältiger als die
Geologie begreift, muss er es auch nicht wegen seines vermeintlich
entpolitisierenden Charakters verwerfen, sondern kann sich für mehrere
und verschiedene Theorien und Begriffe öffnen. Im Ergebnis skizziert er
eine neo-kybernetische Ökologie mit den Leitbegriffen der
Komplexität und Kontrolle und wird so den vielen Neben-, Mit- und
Gegeneinandern im Anthropozän epistemologisch und sachlich gerecht.
Ähnlich verhält sich der Beitrag von Stephan Lorenz. Zwar behagt ihm
der Anthropozänbegriff nicht, aber weil er davon absehen und seine
theoretischen Prämissen mit dem Anthropozän verbinden kann,
entwickelt er über das Thema Bienen verschiedene
sozialwissenschaftliche Perspektiven im und auf das Anthropozän, die
neue Einsichten und eventuell auch neue Handlungsoptionen versprechen. Der
gemeinsame Nenner dieser teils neuen Perspektiven im Anthropozän – er
würde Ökozän bevorzugen – ähnelt Lippuners Argumentationen:
Detailkenntnisse seien nötig, aber nicht hinreichend, um einen Sinn
für die „Dynamiken ökologischen Zusammenlebens zu
entwickeln“ (S. 245).</p>
      <p id="d1e110">Als Auftrag für die empirische Forschung sehen Tanja Bogusz und
Nico Lüdtke das Anthropozän. Beide fragen, welche Konsequenzen es für
die Wissenschaft hat, wenn anthropozäne Förderkulissen mit
Transformationsimperativen errichtet werden. Theoretisch vielschichtig
reflektiert und empirisch reichhaltig berichtet Bogusz von ihren
Beobachtungen über soziotechnische, geopolitische und epistemische
Arrangements eines vorrangig am Pariser Naturkundemuseum beheimateten
Expeditionsteams, das sie nicht allein in Frankreich, sondern auch bei einer
Expedition zum Bismarck-Archipel begleitete. Das Ergebnis: Die mit dem
Anthropozän verbundenen epistemischen, politischen und soziotechnischen
Triften wirbeln den traditionellen Forschungsmodus Expedition durcheinander.
Das ist mühsam, aber mit Blick auf Gerechtigkeitsansprüche auch
lohnend. Lüdtkes Beitrag hat zunächst wenig mit dem Anthropozän
zu tun. Weil er aber die Probleme und Bearbeitungsmodi
transdisziplinären Arbeitens benennt und die Idee der
(Selbst-)Verantwortung theoretisch ausarbeitet und empirisch illustriert,
bietet er Einsichten in praktische und moralische Aspekte dieser
Arbeitsweise. Cordula Kropp weist im Zusammenhang mit der geforderten
Transformation noch auf die Widerständigkeiten von Infrastrukturen hin
und rückt ihr Forschungsthema in den Horizont der
Anthropozändiskussionen. Dabei stellt sie überzeugend heraus, dass
im Anthropozän „jedes stabile Gegenüber
de-ontologisiert und in einen Strudel hybrider Identitäten gerissen“
wird (S. 191).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3">
  <?xmltex \opttitle{Ambivalenzen des Anthropoz\"{a}ns}?><title>Ambivalenzen des Anthropozäns</title>
      <p id="d1e120">Weil die Anthropozändiskussionen auf praktisch alle Weltverhältnisse
abstellen, kann man ihnen und ihren Transformationsimperativen kaum
entrinnen. Zudem zwingt der universalistische Charakter des
Anthropozänbegriffs zu Positionierungen. Katharina Block weist in diesem
Zusammenhang auf eine konstitutive Ambivalenz des Anthropozäns hin: Mit
dem Bewusstsein vom Anthropozän geselle sich zu den von Sigmund Freud
benannten kosmischen, evolutionären und psychologischen Kränkungen
des Menschen eine vierte narzisstische Kränkung, für die Block
selbst keinen knappen Begriff anbietet, die sich aber als
natürlich-umweltliche Kränkung und zukünftig vielleicht noch
zusätzlich als digitale Kränkung bezeichnen ließe. Obwohl also der
Mensch im Anthropozänbegriff zentral gestellt wird, gelte es zu
erkennen, dass der Mensch immer auch ein Naturwesen sei und entsprechend
auch von der Natur, der Umwelt oder dem Körper her zu begreifen sei. Aus
der in den Anthropozändiskussionen angezeigten Not will Block eine
Tugend machen und plädiert dafür, mit dem Begriff des
Anthropozäns nicht allein die Kränkung anzunehmen, sondern an der
Überwindung des Anthropozäns zu arbeiten. Es überrascht zu
sehen, dass diese Position, obwohl in der Argumentation von Helmuth Plessner
stehend und mit interessanter philosophischer Raffinesse versehen, nicht
mehr sonderlich weit vom bekannten Anthropozännarrativ der Grossen
Transformation entfernt ist. Auch Joachim Fischer wendet sich der
Philosophischen Anthropologie Plessners zu, stellt ausgewählte
Grundzüge sehr gut vor und riegelt die Theorie doch ab: Sie sei aufgrund
ihrer Architektur gut geeignet, um (i) sozialkonstruktivistische und
kulturalistische Ansätze, (ii) überdehnte Vitalismusansätze,
(iii) die engere Anthropozän-Theorie und (iv) kritische Theorien des
Anthropozentrismus <italic>einzuhegen</italic>. So unstrittig dieses Verdienst ist, so rigide kommt die
Darstellung daher. Es fehlt die Lust auf Veränderung und wenn praktisch
nur der Begriff der exzentrischen Positionalität vorgetragen wird, dann
bleibt auch ein wenig offen, was die Philosophische Anthropologie für
die Diskussion noch zu bieten hat.</p>
      <p id="d1e126">Die recht schroffe Rückweisung einer wunderbaren Einladung zur
Veränderung – denn auch das ist das Anthropozän – schimmert
auch in Arno Bammés Beitrag durch. Die natürlich-umweltliche
Kränkung ficht ihn nicht an. Stattdessen stellt er im Gestus des
Welterklärers auf das Gesamtbild ab: neolithische Revolution,
Achsenzeit, Mosaische Unterscheidung, griechisches Mirakel, europäisches
Mirakel und schliesslich das Anthropozän seien die wichtigsten
„sozialhistorischen Wegscheiden“ für ein angemessenes
Verständnis der Gegenwart. Aphorismen stützen sein grosses Bild: Nur
Apokalyptiker, so Bammé mit Verweis auf Sloterdijk, könnten heute
noch vernünftige Zukunftspolitik machen (S. 38). Bitte nicht! Die von
ihm identifizierten fünf Gestaltungsaufgaben (Konzeption einer
Weltregierung unter Beibehaltung der Errungenschaften demokratischer
Zivilgesellschaften; Gemeinwohlökonomie mit kreativer Dynamik;
nachhaltige Gesellschaftspolitik; postakademische Wissenschaft im Dienste
der Gesellschaft bei gleichzeitiger Wahrung wissenschaftlicher Autonomie;
und Weltethik unter Berücksichtigung der modernen Lebenswissenschaften
ohne Rückbezug auf konkurrierende Gottheiten) sind zwar nicht falsch,
aber in ihren Begründungen erratisch. Und wenn er<?pagebreak page29?> wiederkehrend von
<italic>dem</italic> Menschen spricht, dann möchte man ihm raten, Habermas' und Luhmanns
Ausführungen zu Gesellschaft nicht wie zu Beginn seines Beitrags en
passant als theoretische Irrgänge auszusortieren, sondern mit
Gesellschaft zu rechnen – wer sonst sollte für die Transformation
mitentscheidend sein? Den Reigen der ambivalenten Beiträge schließt
Andreas Folkers ab, der Carl Schmitts Konzept des „nomos der
Erde“ aufgreift, um Resilienz als gegenwärtigen Nomos, als Rechts- und
Erdordnung des Anthropozäns, zu identifizieren. Das überzeugt. Auf
Verwunderung werden vielleicht seine Aussagen stoßen, dass die
Klimawissenschaften mit Eisbohrkernen „bewaffnet“ seien
(S. 152), wir im Sinne Anna Tsings die „Ruinen des Kapitalismus“
bewohnen (S. 151) und Donna Harraway mit dem Bild des Kompostierens – aus
dem Abfall des Vergangenen entsteht der Boden für Neues – einen guten
Blick für die anstehenden Aufgaben biete. In meinen Augen nimmt Folkers
seine überzeugende, aber selbstverständlich selektive Analyse des
ersten Teils zu ernst und verliert sich in etwas wohlfeilen Metaphern und
praktisch nur schwer vorstellbaren Forderungen.</p><?xmltex \hack{\newpage}?>
</sec>
<sec id="Ch1.S4" sec-type="conclusions">
  <title>Fazit</title>
      <p id="d1e140">Aus Platzgründen konnten nicht alle Texte des Bandes gebührend
kommentiert werden – Karl-Werner Brand verbindet gesellschaftliche
Naturverhältnisse noch aufs Engste mit kapitalistischen Entwicklungen
und das Autorenduo Jeremias Herberg und Gregor Schmieg widmen sich der viel
zu oft vergessenen Technosphäre. Die (deutschsprachige) Geographie kann
und sollte in meinen Augen dreierlei aus dem vielfältigen Band lernen.
<italic>Erstens</italic> zeigen die Beiträge, dass der Begriff Anthropozän nur geologisch
als Nachfolge- oder Unterbegriff des Holozäns zu verstehen ist, sonst
aber als soziale Weltbeobachtungsformel wirkt und in diesem Sinn eher der
Globalisierungsdiskussion folgt. <italic>Zweitens </italic>sollte der Begriff genau deshalb nicht als
naturwissenschaftlicher Übergriff verschmäht, sondern in seiner
Vielfalt und Zeitdiagnostik verstanden und diskutiert werden. Für die
seit jeher vielstimmige Geographie folgt daraus <italic>drittens</italic> die Chance, ihre
Erfahrungen mit umweltlichem Denken, Skalen – jetzt bis hin zum
planetarischen Massstab – und mit praktischen Umsetzungserfahrungen in die
Diskussion hineintragen zu können. Eine offene Grundhaltung bei
gleichzeitiger Suche nach besonderen sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen
ist dabei, das zeigen die guten Beiträge des Bandes, unerlässlich.</p>
</sec>

    
      </body>
    <!--<article-title-html>Book review: <i>Die Erde, der Mensch und das Soziale.</i>  <i>Zur Transformation gesellschaftlicher</i>  <i>Naturverhältnisse im Anthropozän</i></article-title-html>
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