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    <journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
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    <publisher-name>Copernicus Publications</publisher-name>
    <publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
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      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-75-349-2020</article-id><title-group><article-title>Geographizität des Rechts –  ein <italic>missing link</italic> in der geographischen Theoriebildung?</article-title><alt-title>Geographizität des Rechts.</alt-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{Geographizit\"{a}t des Rechts.}?><?xmltex \runningauthor{M. Stock}?>
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          <name><surname>Stock</surname><given-names>Mathis</given-names></name>
          <email>mathis.stock@unil.ch</email>
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Lausanne, Quartier Mouline, 1015 Lausanne, Switzerland</institution>
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      <author-notes><corresp id="corr1">Mathis Stock (mathis.stock@unil.ch)</corresp></author-notes><pub-date><day>23</day><month>October</month><year>2020</year></pub-date>
      
      <volume>75</volume>
      <issue>4</issue>
      <fpage>349</fpage><lpage>361</lpage>
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           <date date-type="rev-recd"><day>17</day><month>July</month><year>2020</year></date>
           <date date-type="accepted"><day>14</day><month>August</month><year>2020</year></date>
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        <copyright-statement>Copyright: © 2020 Mathis Stock</copyright-statement>
        <copyright-year>2020</copyright-year>
      <license license-type="open-access"><license-p>This work is licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International License. To view a copy of this licence, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</ext-link></license-p></license></permissions><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/75/349/2020/gh-75-349-2020.html">This article is available from https://gh.copernicus.org/articles/75/349/2020/gh-75-349-2020.html</self-uri><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/75/349/2020/gh-75-349-2020.pdf">The full text article is available as a PDF file from https://gh.copernicus.org/articles/75/349/2020/gh-75-349-2020.pdf</self-uri>
      <abstract><title>Kurzfassung</title>
    <p id="d1e77">Law is on the one hand indispensable for the constitution of space, and, on the other, legal orders emerge or develop in specific local situations. Does the question of the law exist in geographical theories and how has it been received? The article raises the issue of a missing link in geographical theorisation: Are the legal dimensions of social spatialities sufficiently considered? This text aims at enriching geographical theory formation through legal dimensions, especially by translating legal studies’ contributions into geographical questions who experience a specific spatial turn. On the one hand, the concept “geographicity of Law” is being developed for this purpose. On the other hand, two examples will be used to illustrate how geographical theory can benefit from legal dimensions: the right to public space and the issue of urbanness.</p>
  </abstract>
    </article-meta>
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<body>
      

<sec id="Ch1.S1" sec-type="intro">
  <label>1</label><title>Einleitung</title>
      <p id="d1e89">Die Geographie stellt sich als forschungsleitende Perspektive die Aufgabe,
den Prozess der intendierten und nichtintendierten Konstitution von Raum
vieler verschiedener Akteure und konfligierender Handlungen in
asymmetrischen Machtbeziehungen zu untersuchen. Handlungs-, Praxis-,
<?xmltex \hack{\mbox\bgroup}?>Diskurs-,<?xmltex \hack{\egroup}?> Strukturations-, Systemtheorien etc. haben in die Geographie
Eingang gefunden, und die Frage der Arten und Weisen, in denen „Raum“ durch Handlungen, Imaginäres, Repräsentationen und Diskurse
konstituiert wird, kann als nunmehr klassische Frage der Geographie
angesehen werden<fn id="Ch1.Footn1"><p id="d1e96">Siehe z. B. Harvey (1989), Gregory (1994),
Lévy (1994), Thrift (1996), Werlen (1995, 1996, 1997), Lippuner (2005),
Lussault (2007), Redepenning (2006)  für unterschiedliche
Schwerpunktsetzungen, die jedoch alle in der sozialwissenschaftlichen
Theoriebildung verankert sind.</p></fn>. Darüber hinaus geht es auch um die
Frage der Räumlichkeit von Gesellschaften, d. h. die Arten und Weisen,
wie Gesellschaft in ihren politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen
Eigenschaften durch räumliche Dimensionen konstituiert wird. Diese
doppelte Verweisung von Raum und Gesellschaft kann im Begriff „Geographizität“ aufgehoben werden. In diese Herstellungsprozesse werden
sowohl Rechtsnormen mit eingewoben als auch permanent räumliche Elemente
diskursiv aufgearbeitet, verarbeitet, „übersetzt“, welche
sich dann in Rechtsnormen oder -akten wiederfinden, und somit
selbstverstärkende Effekte bekommen. Dabei werden Vorstellungen von
räumlichen Tatsachen in Gesetzestexte eingeschrieben, die dann wiederum
Handlungsfolgen auslösen, welche sich auf die Rechtsordnung beziehen.</p>
      <p id="d1e100">Damit ist das „alltägliche Geographie-Machen“ oder die
„Praxis der Weltbindung“ (Werlen, 1996) auch rechtlich
reguliert, z. B. durch Raumkonzepte wie das Territorium. Dabei ist die Frage
der Macht zentral, sowohl als Deutungshoheit oder hegemonialer Imaginationen
der Symbolik von Orten als auch als Balance zwischen Fremdzwang und
individueller Handlungsfreiheit (Elias, 1987). Die Beziehung zwischen Recht
und Macht ist jedoch alles andere als trivial, da einerseits Macht auf
Rechtsordnungen beruht, andererseits sich aber auch Handlungen über
geltendes Recht hinwegsetzen. Es gibt seit den 1980er Jahren eine <italic>legal geography</italic>, welche
sich spezifisch dem Problemkomplex Raum-Macht-Politik angenommen
hat<fn id="Ch1.Footn2"><p id="d1e106">Ich verweise auf den zusammenfassenden <italic>Reader</italic> von Blomley et al. (2001) sowie die zentralen Beiträge von Blomley (1994) und Delaney (2003). Die jüngere Entwicklung in Richtung eines transdisziplinären
Ansatzes findet sich bei Bravermann et al. (2014); einen Überblick
über aktuelle Arbeiten gibt Delaney (2015, 2016, 2017).</p></fn>. Es stellt
sich jedoch die Frage, ob und inwiefern die in der Geographie entstandenen
Grundbegriffe und die Theoretisierung der Räumlichkeit von
Menschengesellschaften die rechtliche Komponente aufgreifen. Könnten die
rechtlichen Dimensionen ein <italic>missing link</italic> der geographischen Theoriebildung darstellen?
Könnten geographische Modelle und Grundbegriffe auch rechtlich fundiert
werden? Könnten diese Dimensionen menschlichen Handelns und
Interpretierens in die vorhandenen Theorieangebote eingearbeitet werden?
Diese Fragen sollen hier behandelt werden; sie betreffen spezifisch eine
„theoretische Geographie“ und nicht allgemein theoretisch
fundierte empirische Studien. In diesem Sinne soll „Theoretische Geographie“ hier nicht weit gefasst werden als „theory-laden observation“ (Hanson, 1958) jeglicher empirischer
Phänomene, sondern <italic>stricto sensu</italic> als Produktion von Theorien, Konzepten, Modellen.</p>
      <p id="d1e119">Insbesondere soll es darum gehen, drei Elemente einer theoretischen
Geographie auszuloten. <italic>Erstens</italic> stellt sich die Frage, geographische Grundbegriffe
als auch rechtlich fundiert zu konstruieren. Standortprobleme,
Grenzziehungen und Regionalisierungen, Erreichbarkeit, sprachliche
Verweisungen auf die biophysische Welt und auf Ortstypen und -qualitäten
sowie räumliche Differenzierungen und Maßstabsebenen werden in Form
von Rechtsnormen gerahmt. Letztere stellen damit einen spezifischen Typus
von Raumkategorien und -konzepten dar. In der Tat sind Orte, räumliche
Anordnungen und Dispositive, die aus der wissenschaftlichen Perspektive
beobachtet werden, (auch) rechtlich definiert. Damit sind die Standardfragen
der Geographie auch der rechtlichen Dimension zugänglich. <italic>Zweitens</italic> sollen die
vielfältigen geographischen Theorieansätze durch die rechtlichen
Dimensionen erweitert werden. Vor allem in Handlungs- oder Praxistheorien
ist Recht eine spezifische Form von Norm: Recht als formalisierte Sozialnorm
(Bourdieu, 1990). Damit könnte auch Anschluss zur Rechtssoziologie
gefunden werden: Bourdieu (1990) spricht in diesem Zusammenhang vom Spiel
mit der Norm, nicht nur blindem Befolgen der Norm: „Même au
sein de l'univers par excellence de la règle et du règlement, le jeu
avec la règle fait partie de la règle du jeu“ (Bourdieu, 1990:89).
Es finden sich in dem breit gestreuten Feld rechtlicher Normierungen –
Recht, Gesetz, Rechtsprechung, Verwaltungsbestimmungen etc. – sowie in den
verschiedensten Rechtsgebieten Aussagen, welche als rechtliche Regeln
menschliches Handeln in räumlicher Hinsicht einrahmen, begleiten,
sichern. Es könnte für die theoretische Geographie fruchtbar sein,
Menschen als Rechtssubjekte, die von je unterschiedlichen Rechtsnormen
gestaltete Orte bewohnen und sich damit von einem (auch) rechtlich
definierten Ort an den anderen bewegen und in ihrer Praxis der Weltbindung
rechtlich eingeordnet werden, zu konzeptualisieren. <italic>Drittens</italic> soll Geographie als
wissenschaftliche Untersuchung der gesellschaftlichen Räumlichkeit einen
Beitrag zu Gesellschaftstheorie leisten können. Dazu werden einerseits
rechtswissenschaftliche Beiträge rezipiert und in geographische
Fragestellungen übersetzt. Andererseits soll das Konzept der
„Geographizität des Rechts“ ausgelotet werden. Dies
geschieht vor dem Hintergrund, dass in der Rechtswissenschaft ein <italic>spatial turn</italic> rezipiert
und die räumlichen Dimensionen als unabdingbar für Rechtsprechung
und Rechtsinterpretation angenommen werden<fn id="Ch1.Footn3"><p id="d1e134">Siehe die Arbeiten von
Ford (1999), Zick (2006), Brighenti (2006), Philippopoulos-Mihalopoulos (2010, 2011), Müller-Mall (2013), Siehr (2016) sowie Winkler (1999),
Dreier (2002), Cancik (2012).</p></fn>.</p>
      <p id="d1e138">Der Text ist in sechs Teile strukturiert: Erstens wird die <italic>legal geography</italic> rekonstruiert
und in Diskussion mit der theoretischen Geographie gebracht. Zweitens stelle
ich kurz Aspekte des <italic>spatial turn</italic> in den <italic>legal studies</italic> dar. Drittens soll ausgelotet werden,
inwiefern die Begriffskonstruktion „Geographizität des
Rechts“ innerhalb einer theoretischen Geographie belastbar ist. Es werden
sodann zwei Beispiele, in denen rechtswissenschaftliche Elemente in
geographische Fragestellungen übersetzt werden, entwickelt: das Problem
des öffentlichen Raums als Raum der Freiheit und der Zumutung und die
rechtliche Komponente in Theorien des Städtischen. Das Fazit geht
schließlich thesenhaft auf eine rechtstheoretisch fundierte
geographische Theoriebildung ein.</p>
</sec>
<?pagebreak page350?><sec id="Ch1.S2">
  <label>2</label><?xmltex \opttitle{Das Projekt der \textit{legal geography} im Lichte der theoretischen Geographie}?><title>Das Projekt der <italic>legal geography</italic> im Lichte der theoretischen Geographie</title>
      <?pagebreak page351?><p id="d1e162">Die <italic>legal geography</italic> entwickelt sich in den 1980er Jahren in der US-amerikanischen und
britischen Geographie und reiht sich so in die seit 40 Jahren herrschende
geographische Forschungsausrichtung einer räumlichen Ordnung von
Gesellschaft ein. Sie wird dabei als Kritische Geographie mit drei Aufgaben
verstanden: (1) „identification of the frozen politics of legal
and spatial representations and an exploration of its implications“; (2) „demonstration of the social construction (…) of these
representations“; (3) „a tactical analysis of the material
conditions under which challenging such dominant representations can be part
of a wider struggle for progressive social change“ (Blomley und Bakan, 1992:690). Die Ausgangsüberlegung lautet: Raum wird von
gesellschaftlichen Prozessen organisiert, also auch vom Recht.
Blomley (1994:51) drückt dies folgendermaßen aus: „They seek to reconstruct the law-space nexus so as to accord proper
recognition to both <italic>and</italic> to affirm the complex interplay of the two, evaluating
the manner in which legal practice serves to produce space yet, in turn, is
shaped by a sociospatial context“ (Blomley, 1994:51, Hervorhebung von
mir). Deshalb ist einerseits Recht bei der Konstitution von Raum
unabdingbar, andererseits werden bestimmte Rechtsnormen in
ortsabhängigen spezifischen Situationen neu generiert oder
fortentwickelt. Z. B. wird Recht und Raum durch räumliche
Repräsentationen – als Wohnung, Straße, öffentlicher Raum
codiert – verflochten (Blomley, 1994:53). In der weiteren Entwicklung der
<italic>legal geography</italic> werden drei Fragestellungen nach Blomley et al. (2001) zentral: (1) Räumliche Vorstellungen in Rechtsordnungen, deren Analyse auch
Rechtstheorie erneuern könnte; (2) Herstellung von sozialem Raum durch
Recht, z. B. als Macht oder Diskurs; (3) Analyse vom Aufbau der sozialen Welt
durch räumlich-rechtliche Perspektiven. Mit dem Insistieren auf
Repräsentationen und Diskurs begleitet die <italic>legal geography</italic> die Entwicklung einer <italic>new cultural geography</italic>; mit
der rechtlichen Fundierung von Macht trägt sie zur Erneuerung der
politischen Geographie bei.</p>
      <p id="d1e180">Das Verhältnis von Recht und Raum wird dabei als dialektisch oder
dialogisch gesehen; einerseits sind räumliche Anordnungen auch rechtlich
definiert, andererseits ist die rechtliche Ordnung auch räumlich
konstituiert: „Spatial orderings are simoulteanously legal
orderings, and vice versa (…). Both spatial and legal
categories are mutually dependent“ (Blomley, 2003:29). Vor allem die
Analyse der räumlichen Kategorien als auch rechtlich definiert ist dabei
wichtig. Diese Dialektik wird von Delaney (2003) prägnant in zwei
Analysemöglichkeiten synthetisiert: Produktion des Raums durch Recht
(<italic>Law-in-Space</italic>) und die räumlichen Kategorien des Rechts (<italic>Space-in-Law</italic>). Die <italic>legal geography</italic> hat mit der
Entwicklung der theoretischen Geographie insofern Schritt gehalten, als die
ersten Formulierungen von z. B. „Raum und Recht“,
„Recht im Raum“ oder „Recht und sozialer Raum“
– die man als problematische Gegenüberstellung zweier Blöcke
kritisieren kann – Formulierungen von „Räumlichkeit“
gewichen sind. In der Tat ist Recht nicht <italic>in</italic> Räumen enthalten, sondern ist
konstitutiv für gesellschaftliche Räumlichkeiten: „The
‚legal‘ is not simply poured into preexisting
‚spaces‘ but, rather, is constitutive of spatialities,
spatial relationships, spatial performances, and experiences, as these, in
turn, condition the lived character of the legal“ (Delaney, 2014:239–240).
D. h. Raum ist kein Container, in den man Recht hineinfüllen könnte,
sondern Rechtsordnungen sind eingewoben in räumliche Bezüge, welche
Individuen, Kollektive, Organisationen etc. herstellen. Delaney (2003) z. B.
definiert als Herzstück der <italic>legal geography</italic> „the way in which situated
legal practices (…) contribute to the spatialities of social
life“ (Delaney, 2003:68). Dies bedeutet, dass Rechtsordnungen als soziale
Praxis verstanden werden können, welche ortsabhängig fortentwickelt
wird und gesellschaftliche Räumlichkeiten rahmt. Damit gilt es, die
Räumlichkeit des sozialen Lebens, aber auch räumliche Metaphern im
rechtlichen Diskurs aufzudecken (Delaney, 2003). Dies führt dazu, auch
die symbolischen und diskursiven Dimensionen des Rechts mitzudenken und
nicht nur den (positivistischen) Normgedanken aufzunehmen (Mélé,
2009). Im Prozess der Symmetrisierung von Akteuren, die geographisches
Wissen im Alltag produzieren, eröffnet dies auch inter- und
transdisziplinäre Perspektiven zur Frage der rechtlichen und
räumlichen Kategorien, z. B. „How do lawyers and
geographers engage with notions of jurisdiction and scale?“ (Bennett and Layard, 2015:410). Ebenfalls werden auf der Ebene der Methodologie neue Wege beschritten:
Einerseits stellt sich die Frage der Methode einer geographischen Auslegung
von diversen Rechtsquellen, z. B. von Garcier (2014) für die Frage des
Atommülls reflektiert. Andererseits werden neue Orte der geographischen
Feldarbeit und der Dokumentation erschlossen: Bennett and Layard (2015) sowie
Klosterkamp und Reuber (2017) arbeiten mit dem Gerichtssaal als Ort der
Datengewinnung.</p>
      <p id="d1e198">Damit haben die Arbeiten der <italic>legal geography</italic> durchaus das Potential, in geographische
Theorien eingebunden zu werden. Jedoch ist dieses Potential m. E. für
eine theoretische Geographie zu wenig ausgeschöpft. Diese
Einschätzung ist nur dann belastbar, wenn „theoretische
Geographie“ präzisiert wird und nicht als „allgemeine
Geographie“, „theory-laden observation“ (Hanson, 1958) oder
Import von Theorien in die Geographie missverstanden wird. Dabei gehe ich
von einem Begriff der theoretischen Geographie aus, der verschiedene
Modellierungs-, Konzeptualisierungs- und Theorieansätze in allen
Bereichen der sozialwissenschaftlichen Geographie umfasst – und zwar in
ihren vier Hauptbereichen Kultur-, Sozial-, Wirtschafts- und Politischer
Geographie<fn id="Ch1.Footn4"><p id="d1e204">Siehe als Beispiele für theoretische Geographie die
Arbeiten von Harvey (1989), Lévy (1994), Thrift (1996), Werlen (1995,
1997), Berque (2000), Lussault (2007).</p></fn>. Es soll sich dezidiert nicht nur um
Import von Sozialtheorien in die Geographie, die dann für die Analyse
von „Raum“ benutzt werden, sondern mithin um einen
geographischen Beitrag zu Gesellschaftstheorien und sozialwissenschaftlichen
Grundbegriffen handeln. Auf die Frage des Rechts gewendet, bedeutet dies z. B. die Theoretisierung der Räumlichkeit von Staatsmacht, z. B. als
„spaces of benevolent abandonment“ (Hannah, 2014:791) durch
verfassungsrechtliche Setzungen, als „Ausnahmezustand“ (Korf,
2009) oder als Macht des Illegalen (Maccaglia, 2009), über die
klassische Frage der Territorialität hinaus. Das Problem der <italic>spatial justice</italic> könnte
dann nicht nur als ethisches, sondern auch als rechtliches Problem
angegangen werden, das in eine Theorie der Gerechtigkeit eingearbeitet wird:
„One possible way to square such conflicts is to integrate the
right to the city into a general theory of social justice or substantive
democracy“ (Attoh, 2011:678). Individuelle Mobilität ist ebenfalls aus
der Sicht des Rechts eine rechtlich fundierte Aktivität: Cresswells (2006:735) Frage, „how particular modes of mobility are
enabled, given licence, encouraged and facilitated while others are,
conversely, forbidden, regulated, policed and prevented“, ruft geradezu
nach der Analyse von rechtlich differenzierten Mobilitäten und einer
Theorie von Mobilität, in der die rechtlichen Dimensionen vorkommen.
Einerseits z. B. als hoch differenziertes „globales
Mobilitätsregime“ (Shamir, 2005), das z. B. zwischen Migration und
Tourismus unterscheidet, andererseits von Mobilität als „rights-based activity“ (Prytherch, 2012:301).</p>
      <?pagebreak page352?><p id="d1e212">Wenn man einerseits die Konsequenzen aus den Impulsen des <italic>spatial turn</italic> (Soja, 1989;
Lévy, 1999) – und der Kritik des „spatial trap“ und der Reifizierung
(Smith und Katz, 1993; Lossau und Lippuner, 2004) – im Sinne einer
Integration von räumlichen Dimensionen in Gesellschaftstheorie zieht und
anderseits einen Theoriebegriff verwendet, der nicht nur auf das Handhaben
schon vorhandener, sondern auch auf die Generierung von spezifischen
Konzepten und Konzeptarrangements für Gesellschaftstheorien abstellt,
wird die Positionierung einer theoretischen Geographie verständlich. Und
zwar ganz im Sinne  Masseys (1999:7): „Our argument is
that working these theories in an explicitly geographical fashion may
radically reconfigure fields which previously had been thought without that
dimension“. Ziel einer theoretischen Geographie wäre es demnach,
räumliche Konzepte in Gesellschaftstheorien einzuarbeiten. Damit
würde sie sich in einen Dialog mit den anderen Disziplinen der
Sozialwissenschaften begeben, in dem sich die Geographie nicht mehr nur in
der Nehmerposition befindet. Theoretische Geographie als Element von
Gesellschaftstheorie kann dann nicht mehr nur Import einer weiteren
theoretischen Ressource in die allgemeine Geographie bedeuten, der die
letzten 40 Jahre der sozialwissenschaftlichen Geographie bestimmt hat.
Sondern sie könnte als spezifischen Beitrag der räumlichen
Dimensionen zu Gesellschaftstheorien positioniert werden. Dieser Text wird
von der Idee einer theoretischen Geographie, die räumliche Dimensionen
in Gesellschaftstheorien fruchtbar macht, geleitet. Dies erscheint vor dem
Hintergrund eines <italic>spatial turn</italic> der Sozial- und Geisteswissenschaften, und neuerdings
auch in der Rechtstheorie, plausibel.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3">
  <label>3</label><?xmltex \opttitle{Ein \textit{spatial turn} der Rechtswissenschaften}?><title>Ein <italic>spatial turn</italic> der Rechtswissenschaften</title>
      <p id="d1e233">Interessanterweise kann ein solcher <italic>spatial turn</italic> in der Rechtswissenschaft beobachtet
werden, der in der theoretischen Geographie fruchtbar gemacht werden
könnte, aber auch in einen Dialog mit den interdisziplinären
sozialwissenschaftlich orientierten <italic>legal studies</italic> münden könnte (cf. Braverman et al.,
2014)<fn id="Ch1.Footn5"><p id="d1e242">Die Überlegung eines „spatial turn“ (Soja,
1989; Lévy, 1999; Warf und Arias, 2009) wäre vor dem Hintergrund
des Risikos einer „spatial trap“ (Lossau und Lippuner, 2004)
zu vertiefen. Dies kann hier jedoch nicht geleistet werden.</p></fn>. Eine gewisse
Anzahl von Rechtswissenschaftlern entdeckt die unabdingbare räumliche
Dimension vor allem im öffentlichen Recht (Verwaltungsrecht,
Staatsrecht, Verfassungsrecht) und im Völkerrecht, und dies sowohl in
der Rechtsprechung als auch in den Gesetzestexten. Zick (2006) plädiert
für einen <italic>spatial turn</italic> in der Rechtsprechung zu Demonstrationen in den USA, der die
Standorte als konstitutiv für die Demonstrationen angehe, und somit den
staatlichen Spielraum für Verbote oder räumliche Regulierungen
einschränke. Der österreichische Verwaltungsrechtler Winkler (1999)
z. B. nimmt einen „rechtlichen Raum“ an:</p>
      <p id="d1e249"><disp-quote>
  <p id="d1e252">Innerhalb der staatsorganisatorischen und rechtlich
funktionellen Gebietsnetze verbinden rechtliche Wege rechtliche Orte mit
rechtlichen Orten, rechtliche Gebiete mit rechtlichen Gebieten: Forstwege,
Wirtschaftswege, Bringungswege; Gehwege, Gassen, Gemeindewege,
Landesstraßen, Bundesstraßen, Autobahnen und Fernstraßen;
Straßenbahnwege, Seilbahnwege, Eisenbahnwege, Wasserwege, Flugwege und
Nachrichtenwege. Das gilt sogar für Wanderwege und Skipisten. Die
rechtlichen Wege von rechtlichen Orten zu rechtlichen Orten, von rechtlichen
Gebieten in rechtliche Gebiete von geringerer oder größerer
Ausdehnung ermöglichen dem Menschen rechtliche Bewegung und
Kommunikation mit anderen Menschen, zur Entfaltung seiner kulturell-sozialen
Existenz in der Rechtsgemeinschaft eines Staates, in den
Staatengemeinschaften und in der Völkergemeinschaft“ (Winkler, 1999:50).</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e256">Es sei dahingestellt, ob sich konzeptionell ein so genannter „rechtlicher Raum“ in angemessener Weise synthetisieren lässt. Es
bedeutet jedoch aus geographischem Blickwinkel, dass Menschen als mobile
(Rechts-)Subjekte von je unterschiedlichen Rechtsnormen gestaltete Orte
bewohnen und sich damit von einem (auch) rechtlich definierten Ort an den
anderen bewegen. Die Grundbegriffgestaltung der Geographie könnte diese
Dimension berücksichtigen. Müller-Mall (2013:62) plädiert
ebenfalls für einen „legal space“, in dem das Recht
räumlich gesehen wird: „The concept of legal space could
thus be meaningful for legal science beyond a simple reference frame to a
political-geographical point of departure“. Siehr (2016) nimmt den Begriff
„öffentlicher Raum“ wörtlich und analysiert ihn als
rechtlich produzierten relationalen Raum. Im Verfassungsrecht analysiert
Erbsen (2011:1169) die „constitutional spaces“ der Verfassung
der USA: „Spatial precision is essential because knowing <italic>how</italic> the
Constitution addresses a particular problem often requires knowing <italic>where</italic> the
problem arises“ (Hervorh. i. Original). Die Entwicklung in der
Rechtswissenschaft in Richtung der Fragestellung der Raumproduktion durch
Recht trifft sich mit der geographischen Fragestellung.</p>
      <p id="d1e266">Der <italic>spatial turn</italic> wird ebenfalls von Philippopoulos-Mihalopoulos (2010, 2011) aus dem
Blickwinkel der <italic>spatial justice</italic> reflektiert, deren „rechtliche
Räumlichkeit“ (Philippopoulos-Mihalopoulos, 2010:205) als Ausgangpunkt
dient. Er positioniert eine „always-already spatial conception
of the law, the materiality of law and its inevitable emplacement in space“
Philippopoulos-Mihalopoulos (2010:192). Dies ist in der Rechtsphilosophie als „Nomos der
Erde“ bekannt: Schon bei Carl Schmitt (1974, 1995) wird der „Nomos“ als Beziehung von „Ortung und Ordnung“ eines Volkes
definiert und damit interessanterweise das Recht als räumlich
konstituiert konzipiert<fn id="Ch1.Footn6"><p id="d1e275">Siehe Hofmann (1992) für eine
eingehende Analyse und Einordnung der Rechtsphilosophie Schmitts, auf die
hier aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden kann. Siehe
Legg (2011) für<?pagebreak page353?> eine Einordnung von Schmitts Raumtheorie im Zusammenhang
mit politischen und juristischen Fragestellungen sowie Barnes and Minca (2013) und Minca and Rowan (2015). Siehe auch Korf (2009) für die Frage
des Ausnahmezustands.</p></fn>. Bei Philippopoulos-Mihalopoulos (2011:197) kommt
dies als Beziehung zwischen Raum und Recht folgendermaßen zum Ausdruck:
„The law, through its theory, invites space to become part of
the legal corpus. What is more, law's spatial turn is the process of
awareness of law's always-already spatiality, its connection to space and
its questioning qualities“. Dieser Versuch, Recht als intrinsisch
räumlich aufzufassen, sollte uns Geographen bewusst machen, dass Recht
nicht als externes Normenelement einen „Faktor“ in der Analyse
von Raumproduktionen darstellt, sondern eine spezifische „Geographizität“ beinhaltet. Könnten die räumlichen Dimensionen
ebenfalls konstitutiv für die Definition des Rechts sein? Der
Rechtswissenschaftler   Möllers (2015) arbeitet mit einem
Verständnis von „Normen, die in einem sozialen Kontext, zu
einer konkreten Zeit und an <italic>einem konkreten Ort</italic> in Erscheinung treten“ (Möllers, 2015:19,
meine Hervorh.), das sich dem Geographischen öffnet. Daraus könnten
lokalisierte Rechtsordnungen, welche Recht räumlich ko-konstituieren,
abgeleitet werden. Vor dem Hintergrund eines expliziten <italic>spatial turn</italic> der
Rechtswissenschaft stellt sich die Frage der räumlichen Dimensionen des
Rechts für die theoretische Geographie.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S4">
  <label>4</label><?xmltex \opttitle{Von einer \textit{legal geography} zur {\glqq}Geographizit\"{a}t des Rechts{\grqq}?}?><title>Von einer <italic>legal geography</italic> zur „Geographizität des Rechts“?</title>
      <p id="d1e297">Wie bei allen gesellschaftlichen Fragen ist das Verhältnis zum Recht
wandelbar, d. h. der historisch spezifische gesellschaftliche Kontext ist
dabei zu beachten. Der einschlägige Begriff ist „Historizität“. Analog zum Begriff der Historizität, der die
Einbettung der Handlungsströme in datierbare Kontexte beschreibt, gibt
es den Begriff der „Geographizität“, den ich hier für
die Verknüpfung von Raum und Recht fruchtbar machen möchte. Dieser
ist in der französischsprachigen Geographie relativ geläufig, in der
deutschsprachigen Geographie quasi nicht existent. Der Begriff „Geographizität“ verweist ursprünglich auf die existenziale
Räumlichkeit von Individuen und die Konstitution vonsinnhaften Orten
durch Menschen als Subjekte im Sinne Heideggers. Dardel (1952) definiert
Geographizität als existenziellen Bezug zur Erde rein
phänomenologisch: „Connaître l'inconnu, atteindre
l'inaccessible, l'inquiétude géographique précède et porte
la science objective. Amour du sol natal ou recherche du dépaysement,
une relation concrète se noue entre l'homme et la Terre, une
<italic>géographicité</italic> de l'homme comme mode d'existence et de son destin„ (Dardel, 1952:1,
meine Hervorh.). Das Interessante daran ist, dass das Geographische als
existenziale Räumlichkeit der wissenschaftlichen Beobachtung vorgehe,
die wissenschaftliche Geographie also eine Objektivierung dieser
existenzialen Räumlichkeit sei und sich auch daraus legitimiere.</p>
      <p id="d1e303">Dieses relationale Verständnis des Geographischen kann auch dahin
gedeutet werden, dass über die existenziale Räumlichkeit hinaus
unterschiedlichste Weltbeziehungen bedeutsam werden, die nicht nur in der
subjektiv definierten Lebenswelt, sondern auch in der gesellschaftlich
definierten Mit- und Umwelt bedeutsam sind. Der so erweiterte Begriff
„Geographizität“ verweist somit auf diese relationalen
Raumbezüge der Gesellschaft, wie z. B. Ortstypen, Grenzen,
Erreichbarkeitssysteme und Anordnungen als räumliche Bedingungen der
Möglichkeit von Handeln, Erleben, Gestalten, sowie hegemoniale
gesellschaftliche Raumbezüge, die in legitimen Dispositiven und Normen
verankert sind. So gewendet, ginge Geographizität als Begriff über
die subjektive Definition Dardels hinaus. Dies ist auch mit dem Vorschlag
Raffestins (1989:29) kompatibel, der die Geographizität als Fundament
für eine theoretische Geographie ansieht, und zwar als Praxis und Wissen
von räumlichen Elementen<fn id="Ch1.Footn7"><p id="d1e306">Siehe Klauser (2010) für die
deutschsprachige Edition von Raffestins Texten zu Geographizität und
Territorialität.</p></fn>. Damit könnten die verschiedenen räumlichen
Dimensionen – Distanzen, Erreichbarkeiten, Ortsqualitäten,
kartographische Elemente, Grenzen etc. – als jeweilige „Geographizitätsregime“, als vorherrschende geographische Bedingungen
von Gesellschaften angesehen werden<fn id="Ch1.Footn8"><p id="d1e310">Der Begriff „Geographizitätsregime“ wird analog zum Begriff „Historizitätsregime“ konstruiert (Besse, 2009). Dieser wiederum wird
von   Hartog (2003) als vorherrschendes gesellschaftliches
Zeitverhältnis, also als Verhältnis zu Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft, benutzt.</p></fn>. In der weiteren Entwicklung, in welcher die
französischsprachige Geographie einerseits zwischen Räumlichkeit als
Praxis und anderseits Raum als Umwelt unterscheidet, dient der Begriff der
Geographizität neuerdings als Klammer, die beide Modalitäten des
Geographischen subsumiert, und zwar als „composante spatiale de
la sociétalité. Elle réunit la spatialité comme agir spatial
et l'espace comme environnement de cet agir“ (Lévy, 2013:434).</p>
      <p id="d1e314">Der Begriff „Geographizität“ könnte nun für die
verschiedenen Dimensionen des raum-rechtlichen Zusammenspiels fruchtbar
gemacht werden, welches mit dem Ausdruck „Geographizität
des Rechts“ bezeichnet werden könnte. Analog zum Ausdruck „Historizität des Rechts“ verfügten wir dann über einen
Ausdruck, der die räumlichen Dimensionen des Rechts fassbar machte. Er
soll hier vier Elemente zusammenfassen:
<list list-type="order"><list-item>
      <?pagebreak page354?><p id="d1e319">Als diskursive Ordnung des Raums anhand von räumlichen Kategorien,
die in Gesetzestexten oder Rechtsprechung vorkommen. Einerseits können
die zahlreichen geographischen Bezüge – Entfernungen, Grenzen,
Standorte, Ortsqualitäten, Toponymik, Gebiete, Netzwerke usw. –, die in
Rechtstexten erscheinen, analysiert werden. Anderseits kann die juristische
Kodifizierung der traditionellen Objekte der Geographie (z. B. Toponymik,
Raumkategorien, öffentlicher Raum usw.) als Problem erscheinen.</p></list-item><list-item>
      <p id="d1e323">Als lokalisierte Rechtsordnung, die durch verschiedene rechtkreierende
Gruppen auf verschiedenen Maßstabsebenen konfligierend produziert wird.</p></list-item><list-item>
      <p id="d1e327">Als normative Ordnung, die vorschreibt, wie mit Raum umzugehen ist, und
bestimmte Raumqualitäten ko-konstituiert. Sowohl räumliche Normen
als auch das Spiel mit den räumlichen Normen sind dann einschlägig.</p></list-item><list-item>
      <p id="d1e331">Als komplexe Territorialität und Geltungsbereich des Rechts, in dem
konkurrierende, verstrickte normative Räumlichkeiten,
entterritorialisierende Elemente des transnationalen Rechts die
eindimensionale Territorialität im Sinne eins Geltungsbereichs von
Normen verändern.</p></list-item></list></p>
      <p id="d1e335">Die Geographizität des Rechts könnte damit als Element der
geographischen Theoriebildung positioniert werden, d. h. nicht nur als
empirische Möglichkeit der Untersuchung rechtlicher Probleme. Der
Begriff könnte einen Beitrag zur theoretischen Geographie leisten, mit
Hilfe dessen systematisch die räumlichen Dimensionen des Rechts in
Gesellschaftstheorie bezeichnet werden. Die Berücksichtigung des Rechts
als Handlungsmittel anstelle von physischer Gewalt, finanziellen Mitteln
oder kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Kapital ist m. E. in den
geographischen Theorien bisher unterentwickelt. Eine der theoretischen
Herausforderungen scheint darin zu bestehen, das Recht sowohl als eine
Quelle des <italic>empowerment</italic> als auch als Quelle des Machtverlusts in den räumlichen
Strategien von Individuen und kollektiven Akteuren zu begreifen. Auf diese
Weise kann das Recht als formale Norm in die Handlungs- oder Praxistheorien
integriert werden<fn id="Ch1.Footn9"><p id="d1e341">Wenn Recht als eine mögliche Ressource von
Macht, die in Praktiken eingewoben ist, konzipiert würde, könnte
auch der Kritik des „Juridismus“ (Loick, 2017) begegnet
werden.</p></fn>. Der Ausdruck „Geographizität des Rechts“
könnte demnach bedeuten, die räumlichen Bezüge und die
räumliche Konstituiertheit des Rechts herauszuheben. Er synthetisiert
somit die geographischen Verweisungen von Rechtsnormen, die rechtlichen
Regulierungen von Raum, die lokalen Rechtsordnungen sowie die rechtlichen
Dimensionen von gesellschaftlicher Räumlichkeit. Dies ginge über das
Territorialitätsprinzip der Rechtsgeltung, das traditionell in der
politischen Geographie Bedeutung hat, hinaus<fn id="Ch1.Footn10"><p id="d1e345">In der noch immer
zitierten Staatrechtslehre  Jellinek gilt u. a. das Staatsgebiet,
da dieses „seiner rechtlichen Seite nach den Raum, auf den die
Staatsgewalt ihre spezifische Tätigkeit, die des Herrschens, entfalten
kann“ (Jellinek, 1914), als Kriterium für die Definition des Staates.</p></fn>.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S5">
  <label>5</label><?xmltex \opttitle{Das Recht am \"{o}ffentlichen Raum als Machtgewinn oder -verlust
individueller Handlungsfreiheit}?><title>Das Recht am öffentlichen Raum als Machtgewinn oder -verlust
individueller Handlungsfreiheit</title>
      <p id="d1e359">Die Wandelbarkeit des öffentlichen Raums ist ein wichtiges
geographisches Thema, stellt Öffentlichkeit doch eine zentrale Dimension
der modernen und postmodernen Raumproduktion dar. Der öffentliche Raum
ist neben der Zentralität als entscheidendes Merkmal von städtischen
Orten in der geographischen Theorie thematisiert worden. Damit stellt sich
die Frage der rechtlichen Konstitution von öffentlichem Raum und damit
die Frage der „verorteten Normen“ (Klamt, 2006, 2007).
Gusy definiert ihn folgendermaßen: „Er ist der
Raum, den jedermann betreten darf; und zugleich derjenige Raum, in welchem
für jeden gegenüber jedem diejenigen Regeln angewendet werden
sollen, welche für öffentliches Handeln gelten (…). Es
ist der Raum, in welchem die Rollen und ihre Besetzung prinzipiell offen
sind. Wer sie wie besetzt, ist von vornherein nicht festgelegt und steht
daher bis zu einem gewissen Grad der Freiheit der Nutzer offen. Und auf der
anderen Seite stehen auch die Rollenzuschreibungen nicht schon von
vornherein fest“ (Gusy, 2009:217). Diese Zugangs- und Nutzungsfreiheit ist
auch in der geographischen Theorie rezipiert worden und Gusy (2009)
bezeichnet damit den öffentlichen Raum als „Raum der
Freiheit“ und „Raum der Gleichheit“. Er erkennt aber auch als
drittes Merkmal einen „Raum der Zumutung“, was bedeutet, dass
sich dort widersprüchliche, konfliktgeladene Anwesenheit ohne
Ausschlussmöglichkeit vollzieht, die der Bürger aushalten muss. Dies
hat juristische Konsequenzen, da Einschränkungen von Handlungen (z. B.
durch Platzverweise, Gemeindesatzungen über Alkoholkonsum, Musik,
Skateboard) in Deutschland verhältnismäßig sein müssen; Gusy (2009) bezeichnet Einschränkungen dieser Handlungsfreiheit als <italic>ultima ratio</italic>, d. h.
der öffentliche Raum bedeute den Ort maximaler Freiheitsausübung und
damit der Akzeptanz des Anderen.</p>
      <p id="d1e365">Siehr (2016) baut dies nun weiter aus zu einem Recht <italic>am</italic>
öffentlichen Raum und einem Recht <italic>auf</italic> öffentlichen Raum. Der
Wandlungsprozess des öffentlichen Raums durch Privatisierungsprozesse –
bei denen zwar öffentlicher Raum simuliert wird, Räume aber einem
„Privatrechtsregime“ unterliegen – ist der Ausgangspunkt der
Untersuchung. Was bedeutet dies für die Tätigkeiten von Personen aus
rechtlicher Perspektive? Gibt es ein Recht am öffentlichen Raum und ein
Recht auf öffentlichen Raum? Im Ergebnis wird dies bejaht und aus
Artikel 2 Absatz 1 (Allgemeine Handlungsfreiheit) in Verbindung mit Artikel 14 (Eigentumsfreiheit) des Grundgesetzes hergeleitet. Der Clou des Beweises
wurzelt in der Annahme eines Nutzungseigentums der Bürger am Eigentum in
öffentlicher Hand, d. h., dass öffentlicher Raum in Bürgerhand
sei und daraus ein Nutzen abgeleitet werden könne. Diese so genannte
republikanische Auffassung löst eine so genannte „anstaltsrechtliche“ oder „obrigkeitshörige“ Auffassung
ab, in der die öffentliche Hand als Obrigkeit dem Bürger ein eigenes
Eigentum entgegensetzen kann.</p>
      <?pagebreak page355?><p id="d1e374">Dies kommt in drei zentralen Aussagen zum Ausdruck. Erstens ist der
öffentliche Raum ein Ort der Freiheit, er „schützt die
räumliche Dimension der Handlungsfreiheit“ (Siehr, 2016:671) und die
Wahl des konkreten Ortes: „Der Schutz des räumlichen
Aspekts der jeweiligen Freiheitsbetätigung ist somit so“
stark' wie das jeweilige Grundrecht selbst, bei Ausübung der
Versammlungsfreiheit aus Art. 8 GG folglich deutlich stärker als beim
Füttern von Tauben im Park“ (Siehr, 2016:671). Zweitens „schlägt das Recht am öffentlichen Raum jedoch auch eine Brücke
zwischen dem materiellen Substrat des öffentlichen Raumes und der
Ausübung von Verhaltensfreiheiten und bietet damit eine wichtige
Grundlage dafür, dass sich im Sinne der relationalen
rechtswissenschaftlichen Konzeption ‚öffentlicher Raum‘
konstituieren kann“ (Siehr, 2016:672). Drittens bedarf das öffentliche
Nutzungseigentum einer republikanischen Fundierung, in der die
Legitimationsquelle nicht mehr die „Kollektivperson Volk“,
sondern eine „pluralistische Bürgerschaft“ ist. Damit wird
der öffentliche Raum zum „Raum eines sich selbst
regierenden Bürgerverbandes“, welcher der Bürgerschaft zusteht:
„Gleichzeitig kann der Einzelne dieses
‚ Nutzungseigentum‘  jedoch auch zur Grundlage seiner
Freiheitsausübung im öffentlichen Raum machen, d. h. in ihm wurzelt
auch ein individuelles Recht am öffentlichen Raum“ (Siehr, 2016:673). Dieses
Recht am und auf öffentlichen Raum, das einen öffentlichen Auftrag
ableitet, ist eine neue Erkenntnis der Rechtswissenschaft und könnte
auch uns Geographen bei der Analyse des öffentlichen Raums helfen.</p>
      <p id="d1e378">Mit dem Insistieren auf die unabdingbaren räumlichen Dimensionen des
Öffentlichen schneidet die Studie die Fragestellung der heutigen
wissenschaftlichen Geographie an, in der die Sinnadäquanz von Orten im
Hinblick auf unterschiedliche soziale Praktiken eruiert wird. Der
öffentliche Raum als sinnhafter Ort für so unterschiedliche
Praktiken wie Spazierengehen, Joggen, Demonstrieren, Einkaufen, Flyer
austeilen, Trinken, Schlafen usw. wird durch die Privatisierung in Frage
gestellt. Damit stellt sich die Frage der rechtlichen Dimensionen: Welche
Tätigkeiten sind erlaubt, welche verboten, welche können durch
Verwaltungsakte oder Hausordnungen eingeschränkt werden? Beispiele wie
die Shopping Malls in den USA, Fraport (Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts 2011), private Tunnels wie der Herrentunnel in
Lübeck (Entscheidung des Verwaltungsgericht Schleswig 2008), Bonner
Hofgartenwiese (Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 1993) zeigen auf,
dass sogar in Privatrechtsregimen politische Meinungsäußerungen
zugelassen werden müssen. Die vorgebrachten Argumente sind vielschichtig
und verweisen in den USA auf ein <italic>public forum</italic>, das Shopping Malls darstellen, in
Deutschland analog auf die simulierte Öffentlichkeit sowie auf die
öffentliche Trägerschaft. Diese Stärkung des öffentlichen
Charakters privater Räume ist deshalb von Bedeutung, da öffentlicher
Raum als Ort der Freiheit und Gleichheit, aber auch als Ort der Zumutung
unterschiedlicher Verhaltensweisen, eine nicht zu unterschätzende Rolle
in demokratisch verfassten Gesellschaften spielt.</p>
      <p id="d1e384">Jedoch ist das Recht auch Element von Machtverlust, nicht nur Machtgewinn
des Individuums. Die Privatisierung von öffentlichen Räumen und
Ausschlussnormen haben Konsequenzen auf politische Rechte, aber auch auf den
Alltag. Waldron (1991) kann anhand von <italic>homeless people</italic> in US-amerikanischen Städten
zeigen, dass deren Überleben an der Möglichkeit für das Bewohnen
des öffentlichen Raums hängt. Der Geograph  Mitchell (1997)
baut auf dieser Arbeit auf und nennt diesen Prozess der Ausgrenzung
„annihilation of space by law“. Wie könnten politische
Rechte ohne öffentlichen Raum wahrgenommen werden? Wie würden
Nichtsesshafte oder Asylsuchende überleben können, wenn die privaten
Eigentumsrechte gleichzeitig räumliche Ausschlussrechte beinhalten?</p>
      <p id="d1e390">Diese Unabdingbarkeit von öffentlichen Orten für die Ausübung
von Freiheit kommt auch in der politischen Meinungsäußerung zum
Ausdruck. Der US-amerikanische Jurist   Zick (2006) untersucht die
Praktiken der Demonstration und der Zuweisung von spezifischen Orten durch
die Polizei und die Verwaltung in den USA. Es handelt sich um „tactical places“ als Orte, um Demonstranten zu kontrollieren, welche sich
der Staatsmacht unterwerfen, indem sie gerade da demonstrieren, wo sie
sollen. Dies bedeutet, dass keine freie Ortswahl mehr stattfinden kann.
„But the sorts of cages, zones, and pens that have appeared of
late involve an altogether different strain of spatial restriction. Here the
state has moved from regulating place to actually, in some case, creating
place for the express purpose of controlling and disciplining protest and
dissent“ (Zick, 2006:584). Zick interpretiert dies als Bedrohung der
Meinungsfreiheit, denn die Orte der Artikulierung der politischen Meinung
würden von der öffentlichen Hand vordefiniert. „This
sort of spatial sophistication is a recent phenomenon. It represents a new
generation of spatial regulation. Governments have learned to manipulate
geography in a manner that now seriously threatens the basic First Amendment
principles“ (Zick, 2006:584). Im Umkehrschluss heißt dies, wie bei
Siehr (2016), dass Ortsqualität (deren Lage, Ausstattung und Symbolik)
ko-konstitutiv von Grundrechten ist. Deshalb plädiert Zick (2006:587)
für einen <italic>spatial turn</italic> in der Rechtsprechung, der dieses Problem der freien Ortswahl
und damit der räumlichen Adäquanz von Demonstration mit einbezieht.
Diese Problematik trifft auch in Deutschland ganz konkret auf Fälle wie
die Demonstrationen gegen den G8 in Heiligendamm 2007 zu, bei welcher der
Aufenthalt (präziser: ein so genannter Sternmarsch) in zwei von der
Polizei definierte Verbotszonen hinein nicht genehmigt wurde. Auch einem
Eilantrag vor dem Bundesverfassungsgericht wurde nicht stattgegeben (BVerfG, 1 BvR 1423/07). Hier zeigt sich ein spezifischer Zusammenhang
von Recht und Raum: Das Verbot der Demonstration an jenem sinnhaften Ort hat
den Verlust der Bedeutung und der Sinnhaftigkeit der Praxis zur Folge.</p>
      <?pagebreak page356?><p id="d1e396">Diese Beispiele zeigen die Wandelbarkeit des öffentlichen Raums in der
Interdependenz von Recht und sozialen Praktiken. Es genügt demnach
nicht, öffentlichen Raum als rein rechtlich definiert darzustellen, es
handelt sich um eine relationale Herstellungsleistung, in der Rechtliches
mit sozialen Praktiken verwoben wird, um das Öffentliche herzustellen.
Dies wird ebenfalls am Beispiel des Zugangs von Stränden in den USA
deutlich, die rechtlich zwar als öffentlich definiert werden, aber durch
Praktiken der Privatisierung von Anwohnern den Besuchern unzugänglich
gemacht werden, was von Kranz (2009) für Florida und von Davidson und
Entrikin (2005) für Los Angeles dokumentiert wurde. Geographen
könnten zu dieser Problematisierung des Nexus von Handeln und Recht bei
der Analyse der Konstitution öffentlichen Raums beitragen.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S6">
  <label>6</label><?xmltex \opttitle{Theorie des St\"{a}dtischen und St\"{a}dte als Problem des Rechts: Recht der Stadt, Recht auf Stadt}?><title>Theorie des Städtischen und Städte als Problem des Rechts: Recht der Stadt, Recht auf Stadt</title>
      <p id="d1e408">Die Stadt als Ort spezifischer Qualität hat in der geographischen
Theorie und Empirie einen hohen Stellenwert erlangt. Ein großer Teil der
Theoriebildung geht von einem geographischen Konzept der Agglomeration und
der Zentralität aus, der als relationaler Raum nicht mehr der einzige
urbane Ort darstellt. Das Städtische und die Urbanität im Plural
(Lévy, 2006) stehen im Kontext der „planetary
urbanisation“ (Lefebvre, 1970; Brenner und Schmid, 2014) im Vordergrund.
Wie wird Urbanität als „place-making“ von verschiedensten
Akteuren, inklusive Bewohnern und Besuchern, in einer „visitor
economy“ (<italic>économie présentielle</italic>) konstruiert? Um die Frage der asymmetrischen
Machtverhältnisse zu rahmen, stehen die Konzepte der „Governance“, der „Gouvernementalität“ oder der
„growth coalitions“ (Logan und Molotch, 1978) zur
Verfügung. Machtausübung wird jedoch auch juristisch abgesichert
oder konterkariert, was in der <italic>urban theory</italic> als Rechtsproblem thematisiert werden
könnte.</p>
      <p id="d1e417">In der Tat könnte es fruchtbar sein, ein Konzept von Stadt zu
entwickeln, in dem rechtliche Prozesse ko-konstitutiv sind. Die Konstitution
von Urbanität, von Handlungsspielraum, von Machtchancen in Bezug auf den
Nationalstaat, ja sogar das Recht auf Stadt, das sich  Lefebvre
vorstellte, könnte aus rechtlicher Sicht neuen Erkenntnisgewinn bringen.
Der US-amerikanische Jurist   Frug (1980) stellt die Frage nach der
Macht der US-amerikanischen Städte in den 1970er Jahren aus rechtlicher
Sicht. Er stellt auf Stadt als ein „rechtliches Konzept“ in
dem Sinne ab, als spezifische Rechte und Souveränität lokal
verankert werden. Frug (1980) arbeitet heraus, dass die Enge oder Breite
dieser Rechte den Handlungsspielraum der lokalen Regierungsform bestimmen.
Damit stellt eine Stadt eine lokalisierte Rechtsordnung dar. Im Unterschied
zur europäischen Tradition der kommunalen Selbstverwaltung ist der
Status der US-amerikanischen <italic>municipalities</italic> verfassungsrechtlich nicht so klar. Stellen
Städte „Territorien“ oder Gebietskörperschaften im
Sinne der <italic>Bill of Rights</italic> dar oder Anstalten öffentlichen Rechts, die von den
Bundesstaaten beliebig verändert werden können? Gibt es Regeln, nach
denen Gemeinden kreiert werden und nach denen Gebiete und Personen von der
Eingemeindung ausgeschlossen werden können? Können Unternehmen
Städte gründen und diese dann administrieren? Die Antworten sind in
den USA aufgrund der unterschiedlichen Rechtstraditionen anders gelagert als
in Europa, weisen aber auf die rechtlichen Probleme hin, die sich aus der
Beschäftigung mit Städten ergeben. Dass die Rechtsordnungen nicht
unbedingt die Machtverhältnisse in den Städten widerspiegeln, macht
das Beispiel New York deutlich. Dort verschaffte sich  Moses durch die
Leitung etlicher städtischer Gesellschaften (<italic>public authorities</italic>) und staatlicher
Kommissionen eine herausragende Machtstellung, die lange Zeit rechtlich
nicht in den Griff zu bekommen war (Caro, 1975). Dies erlaubte ihm, seine
Vorstellungen von Urbanität und Stadtentwicklung (<italic>parkways</italic>, <italic>expressways</italic>, Parks etc.) auch
gegen massive Widerstände durchzusetzen (Berman, 1983). Das Beispiel
zeigt, wie die demokratisch legitimierte Macht in Städten ausgehebelt
wird. Gleichzeitig war  Moses in der Lage, rechtliche Neuerungen wie
den <italic>Federal Aid Highway Act</italic> von 1956 oder <italic>Housing Act</italic> von 1949 in einer Weise zu instrumentalisieren, wie dies
in anderen Städten nicht möglich war.</p>
      <?pagebreak page357?><p id="d1e442">Jedoch geht es nicht nur um klassische Governance-Fragen in der Stadt,
sondern auch um die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten der Stadt als
Akteur in der Globalisierung. Aust (2017) rekonstruiert das Erstarken von
Städten zu international relevanten Akteuren innerhalb internationaler
Städtenetzwerke wie des <italic>United Cities and Local Governments</italic> (UCLG) als bedeutsames Netzwerk. Er stellt die
Frage, ob Städte im Völkerrecht als Rechtssubjekte anerkannt sind.
Er bejaht dies und verankert Städte einerseits im <italic>global administrative law</italic>, andererseits im
<italic>informal international law</italic>. Lindemann (2014) ihrerseits geht es um die Verzahnung von
Stadtentwicklungskonzepten und Recht im Völkerrecht und um die Stadt  als
Regelungsobjekt in internationalen Dokumenten: „Es entsteht
dabei ein internationales Konzept der Stadt und deren Beziehungen zu ihrem
Staat“ (Lindemann, 2014:129). Sie analysiert im Einzelnen internationale
Stadtkonzepte als „Programm“, als „Ideologie“
und als „Völkerrecht“. Dabei zeichnet sie eine
„Verrechtlichung“ durch Schiedsgerichte, Internationaler
Gerichtshof, Konventionen nach, die zu einer rechtlichen Definition von
Stadt als Raumkategorie führt. Dabei werden unterschiedliche
Rechtsstatuten von Stadt deutlich: als Gebietskörperschaft im
Internationalen Verwaltungsrecht, als <italic>soft law</italic> (Rechtsnatur des Stadtkonzepts von
UN-Habitat) und als Sekundärrecht oder Vertrag (Rechtsnatur des
Stadtkonzepts der Weltbank). Es spielen ebenfalls <italic>geographical imaginations</italic> eine Rolle, die Idee
eines Städtesystems oder von Städten als Orte für Profit werden
in rechtlich (mehr oder weniger) bindende Normen eingeschrieben:
„Many policy makers perceive cities as constructs of the state
– to be managed and manipulated to serve some social objective. In reality,
cities and towns, just like firms and farms, are creatures of the market.
(…) Planners and policy makers should see their role as prudent managers
of a portfolio of places, to get the most from agglomeration economies“
(World Bank Development Report, 2009, zitiert nach Lindemann 2014:128).
Dies sollte uns Geographen auf den Plan rufen, um die rechtlichen und
normativen Dimensionen in unser Forschungsobjekt „Stadt“ mit
einzubeziehen.</p>
      <p id="d1e461">Dies wird besonders deutlich am Thema „Recht auf Stadt“, da in
der Geographie zwar politische Bewegungen zu Recht auf Urbanität, Recht
auf Zentralität, räumliche Gerechtigkeit sowie Recht auf Teilhabe an
der Kontrolle von Stadtentwicklung etc. seit Lefebvres Slogan <italic>droit à la ville</italic> untersucht
werden, aber die rechtlichen Grundlagen dafür keineswegs erörtert
wurden<fn id="Ch1.Footn11"><p id="d1e467">Siehe für eine Ausnahme Attoh (2011), der dezidiert
nach dem Rechtsbegriff fragt, der im Ausdruck „Recht auf
Stadt“ enthalten ist. Siehe auch Caillosse (1995), der den Status der Stadt
für das französische Rechtssystem nachzeichnet.</p></fn>. Es blieb ein
rhetorisches Mittel, dessen effektheischende Poetik auf die
Ungerechtigkeiten in der Stadt, asymmetrische Machtverteilung und die
mangelnde Kontrolle der Bürger über Stadtentwicklungsprozesse
aufmerksam macht. Vor allem die rechtsdogmatische Untersuchung von Weinhold
et al. (2016) versucht, Inhalte von Rechten auf Stadt in deutschen Gesetzen
zu interpretieren, da ein umfassendes und in einer Rechtsnorm kodifiziertes
Recht auf Stadt in Deutschland nicht existiert. Dabei wird vor allem auf
Grundrechtselemente einer allgemeinen Handlungsfreiheit in der Stadt, auf
eine Daseinsvorsorge der öffentlichen Hand und auf die Unterstützung
marginalisierter Gruppen abgestellt. Die Frage der Videoüberwachung des
öffentlichen Raums ist dabei zentral, da die Präsenz von
Videokameras die Qualität des städtischen Raums verändert und
Verhaltensweisen normiert. Gomes und Starodub (2016) verweisen auf die
Forderung von sozialen Bewegungen, Recht auf Stadt juristisch zu
institutionalisieren. Im World Urban Forum und UN-Habitat werden diesen
Forderungen als Recht auf Wohnung und sauberes Wasser Ausdruck verliehen.
Die Verankerung im <italic>soft law</italic> des Völkerrechts ist jedoch nur eine Seite. Für
die Autoren ist Recht auf Stadt „als ein transformativer
Prozess zu verstehen, der verschiedene Momente widerständigen Handelns
miteinander verknüpft – von Grenzüberschreitungen, die
strafrechtlich verfolgt werden könnten, bis hin zu Brüchen sozialer
Normen. Dadurch scheint es einerseits unmöglich, das Recht auf Stadt
formalrechtlich festzuschreiben, andererseits ist es aber auch nicht einzig
als rechtlicher Regelbruch zu verstehen“ (Gomes und Starodub, 2016:29).
Als Recht am öffentlichen Raum – wie dies in der oben zitierten Studie
von Siehr (2016) herausgearbeitet wurde – könnte es möglich sein,
bestimmte Dimensionen eines Rechts auf Stadt auch formalrechtlich zu
interpretieren. Darin könnte eine wichtige Aufgabe einer Zusammenarbeit
von Rechtswissenschaft und Geographie liegen.</p>
      <p id="d1e474">Schließlich geht es in der Stadt auch um Wirtschaftsfragen und um
Standortpräferenzen. Diese werden durch Verwaltungs- und Gerichtsurteile
auf lokaler Ebene geprägt und hier kommt genau das Ortsspezifische des
Rechts zum Ausdruck, das in der <italic>legal geography</italic> als entscheidende räumliche Komponente
angesehen wird: Lokale Kontexte formen Recht. Michaels (2001) analysiert die
Gerichtsentscheidungen von Klagen gegen die Standortentscheidung von EADS
zum Ausbau des Produktionsstandorts für den Airbus 380 in Hamburg auf
der Halbinsel Finkenwerder von städtischen Privatpersonen und
Umweltverbänden mit Verweis auf Naturschutzbelange vor dem Landgericht
Hamburg. Mit dem Argument, städtische Wirtschaftsstruktur sei
„gemeinnützig“, wurde diese Klage schließlich vom OVG
Hamburg abschlägig beschieden, obwohl der Ausbau des
Produktionsstandorts in einem Natura-2000-Gebiet liegt (Michaels, 2001).
Dabei wird deutlich, dass die rechtliche Entscheidung wirtschaftlichen
Interessen den Vorrang vor lokal-politischen und naturschützerischen
Interessen gibt. Das Problem von Standortentscheidungen ist also keineswegs
nur ein rein wirtschaftliches Problem, wie dies in den neoklassischen oder
auch heutigen akteurs- oder netzwerkzentrierten Standorttheorien
rekonstruiert wird. Dieses Beispiel macht deutlich, dass geographische
Standorttheorien um die rechtliche Komponente erweitert werden könnten,
die diese örtlichen Unterschiede, in der Art und Weise mit Recht
umzugehen, ausdrückt. Dies könnte anhand des Konzepts der
örtlichen Rechtskulturen oder des „rechtlichen Kapitals“
von Städten geschehen, und damit eine Brücke zur (Rechts)Soziologie
geschlagen werden<fn id="Ch1.Footn12"><p id="d1e480">Siehe Bourdieu (2012), der dem Staat ein
„rechtliches Kapital“ zuschreibt und damit sowohl die
klassischen Kapitaliensorten (ökonomisches, soziales, kulturelles,
symbolisches Kapital) als auch das individuelle um ein kollektives Kapital
erweitert. Beides könnte in einer theoretischen Geographie fruchtbar
gemacht werden.</p></fn>.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S7" sec-type="conclusions">
  <label>7</label><title>Fazit</title>
      <p id="d1e492">Der theoretischen Geographie eröffnet sich die Chance, in einem
erneuerten wissenschaftlichen Kontext rechtliche Dimensionen in Modelle und
Grundbegriffe einzuarbeiten. Die Rechtswissenschaftler erkennen nunmehr
„Raum“ als bedeutungsvolle Dimension für Rechtsdeutung und
Rechtsprechung und benennen einen expliziten <italic>spatial turn</italic>. Sie öffnen sich ebenfalls
einer sozialwissenschaftlichen Zugangsweise, welche außer der
klassischen Rechtssoziologie auch die Anthropologie und die Geographie
betreffen. Es ginge nun darum, in einen Dialog über die
Geographizität des Rechtlichen zu treten. Es stellen sich drei Probleme
für eine theoretische Geographie, die ich hier thesenhaft formuliere.</p>
      <p id="d1e498">These 1: <italic>Die rechtlichen Dimensionen sind ein</italic> missing link <italic>in der geographischen Theoriebildung sowohl als Element geographischer Grundbegriffe als auch als geographischen Beitrag für Gesellschaftstheorien.</italic> Einerseits fehlt es den geographischen Grundbegriffen
(Ort, Territorium, Landschaft, Distanz, Netzwerk, Standort, Mobilität
etc.) an rechtlichen Dimensionen. In den einschlägigen
Wörterbüchern (siehe Johnston et al., 2009; Lévy und Lussault,
2013; Brunotte et al., 2005) werden lediglich die sinnhaften,
wirtschaftlichen und politischen Dimensionen konnotiert, die rechtlichen
Dimensionen jedoch übersehen. Der Territorium- bzw.
Territorialitätsbegriff, in dem klassischerweise die Geographizität
des Rechts aufgehoben wird, ist dabei die Ausnahme (siehe Elden, 2013).
Jedoch sind darüber hinaus z. B. die Toponymik, Landschaft
(Kulturwelterbe), Orte (geographische Herkunftsangaben von Produkten),
Areale (Nationalparks, Bioreservate, Wassereinzugsbereiche, Kadaster),
Distanzen und Erreichbarkeiten usw. rechtlich abgesichert. Andererseits wird
für die räumlichen Dimensionen der Handlungs-, Praxis-, Diskurs-,
Strukturationstheorien zwar die Normenfrage gestellt, deren rechtliche
Übersetzungen aber weitgehend übersehen. In rechtsstaatlichen
Verfassungen sind sowohl Freiheitsrechte als auch
(un)verhältnismäßige Einschränkungen von Freiheitsrechten zu
beobachten, welche in der Räumlichkeit von Praktiken zum Tragen
kommen<fn id="Ch1.Footn13"><p id="d1e507">Die aktuelle Covid-19-Krise ist ein Beispiel für
rechtliche Einschränkungen der räumlichen Mobilität und der Wahl
von Orten des Aufenthalts (Kirchen, Diskotheken, öffentlicher Raum
usw.), die in der Bundesrepublik Deutschland vom Bundesverfassungsgericht
als zulässige Einschränkungen von Freiheitsrechten entschieden
wurden (siehe z. B. 1 BvR 996/20 zum „Wohnungsverlassungsverbot“ in Bayern; 1 BvR 1003/20 zum
Versammlungsverbot in Hamburg;   1 BvQ 26/20 zu allen
Corona-Verordnungen und Versammlungsverbot;  1 BvQ 28/20 zur
Untersagung von Zusammenkünften in Kirchen in Hessen).</p></fn>. Gerade der
öffentliche Raum ist dabei ein entscheidendes Element
zeitgenössischer Räumlichkeit, wo Freiheitsrechte zum Ausdruck
kommen. Darüber hinaus könnte innerhalb praxistheoretischer
Erörterungen ein „rechtliches Kapital“ von Individuen –
analog zum „rechtlichen Kapital des Staats„ (Bourdieu, 2012)
– als Element eines „räumlichen“ Kapitals der Individuen
gedacht werden. Damit können Mobilitätszwänge und
-ungleichheiten in einem „mobility regime“ als rechtliches
Problem beobachtet werden. Diese Machtasymmetrien sind in der Tat auch
rechtlich fundiert: Vor allem die Frage einer <italic>spatial justice</italic> als ungleicher Verfügung
über Ressourcen (Soja, 2010; Lévy et al., 2018) könnte (auch)
mit Rechtstheorien überlegt werden.</p>
      <p id="d1e514">These 2: <italic>Geographizität des Rechts könnte als zentrales Konzept einer theoretischen Geographie im Kontext eines so genannten</italic> spatial turn <italic>der</italic> legal studies <italic>fungieren</italic>. Rechtliche Normen fungieren als
räumliche Zwänge und Vorschriften, Rechtsordnungen sind räumlich
organisiert, die räumlichen Dimensionen des rechtlichen Diskurses sind
relevant, rechtlich fundierte Machtasymmetrien haben räumliche
Auswirkungen, und räumliche Dimensionen von Gerechtigkeit sind rechtlich
fundiert. Sowohl diese Pluralität der räumlichen Verweise von Recht
als auch die rechtlichen Dimensionen der verschiedenen Manifestationen von
Räumlichkeit (als Ort, Distanz, Grenze, Standort, Landschaft, Toponymik,
Territorialität etc.) werden von diesem Begriff eingefangen. Analog zur
Historizität des Rechts, vor allem in der Rechtsgeschichte
einschlägig, wäre dann ein synthetisches Konzept vorhanden, das auf
die vielfältigen geographischen Bezüge des Rechts, die
räumlichen Organisationen der Rechtsordnungen und die rechtlich
normierten Handlungsströme sowie die Analyse informeller und formeller
Normen abstellt. Die Theorie des „alltäglichen
Geographie-Machens“ (Werlen, 1996) als Praxis von spezifischen
sinnadäquaten Orten und räumlichen Vorstellungen könnte durch
die rechtlichen Dimensionen weiterentwickelt werden. Damit wäre ein
spezifisches Konzept als Beitrag in einer interdisziplinären <italic>legal studies</italic> vorhanden,
mit dem ein Beitrag der Geographie <italic>als</italic> Gesellschaftstheorie geleistet werden
könnte. Der Dialog zur Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie,
Rechtsanthropologie als auch zur klassischen Rechtswissenschaft könnte
somit gesucht werden.</p>
      <p id="d1e532">These 3: <italic>Raummodelle sind auch Rechtsmodelle: Eine rechtliche Doppelung von räumlichen Kategorien und eine rechtliche Konstitution von räumlichen Kategorien ist sowohl ein theoretisches als auch epistemologisches Problem</italic>. Das eindringlichste Beispiel der rechtlichen Ausformung von
geographischen Vorstellungen ist wohl das den Geographen am bekanntesten,
jedoch nicht als Rechtsproblem erfasste Zentrale-Orte-Modell. Das
„Zentrale-Orte-Konzept“ des Bundesraumordnungsgesetzes
entstammt, wie bekannt, nicht der Feder von Juristen, sondern der
Vorstellungskraft eines Geographen, Walter Christaller. Der Transfer eines
Modells hin zu einem Gesetzestext hilft zu verstehen, dass geographische
Theorien nicht nur selbstreferenziell sind, sondern auch normative Effekte
freisetzen, welche in diesem Fall in Rechtsnormen übersetzt werden. Das
Modell wurde in der Raumordnung und -planung instrumentalisiert, zuerst in
der nationalsozialistischen Diktatur zwischen 1933 und 1945, in der Folge
von den Landesentwicklungsplänen und im Bundesraumordnungsgesetz von
1965 (ROG 1965 Paragraph 2 Abs. 1 Grundsatz 3), letztmalig 2017
novelliert. Über diese Rechtsnorm mit geographischen Inhalten wird
Wirtschaftspolitik betrieben und massiv in die Geographizität des
alltäglichen Lebens eingegriffen. Die Stellung dieses Modells in der
geographischen Theorie könnte dahingehend überdacht werden, dass
diese rechtliche Doppelung selbstverstärkende Züge bekommt oder
sogar zur <italic>self-fulfilling prophecy</italic> wird. Es könnte damit der wissenschaftlichen Geographie
vermehrt die Aufgabe zukommen, Raumkategorien in Rechtsnormen zu
untersuchen. In der Tat könnte das Bundesraumordnungsgesetz ebenfalls
der kritischen geographischen Analyse unterzogen werden – und nicht nur als
ein Gegebenes akzeptiert werden. Mit welchen Begriffen hantiert das
Bundesraumordnungsgesetz? Auf welche Sachverhalte verweisen die
Raumkategorien „zentrale Orte“, „Achsen“,
„Siedlungsstruktur“, „Freiraum“, „strukturschwache Räume“, „ländliche Räume“,
„Kulturlandschaft“, „Städte“, „Vorranggebiete“, „Vorbehaltsgebiete“,<?pagebreak page359?> „Eignungsgebiete“ etc.? Sind diese aus geographischer Sicht
sachgemäß? Welche Wirkungen entfalten diese Kategorien?</p>
</sec>

      
      </body>
    <back><notes notes-type="dataavailability"><title>Datenverfügbarkeit</title>

      <p id="d1e545">Für diesen Artikel wurden keine Datensätze genutzt.</p>
  </notes><notes notes-type="competinginterests"><title>Interessenkonflikt</title>

      <p id="d1e551">Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.</p>
  </notes><ack><title>Danksagung</title><p id="d1e557">Dieser Aufsatz ist im Rahmen eines
Forschungsaufenthalts am Institut für Recht und Gesellschaft der
Humboldt-Universität Berlin entstanden und baut auf meinem dort
gehaltenen Vortrag „Geographizität des Rechts“ vom
2 Juli 2018  auf. Ich bedanke mich bei Anna-Bettina Kaiser für die
freundliche Aufnahme am Institut und den Diskutanten für kritisches
Feedback.</p></ack><notes notes-type="reviewstatement"><title>Begutachtung</title>

      <p id="d1e562">This paper was edited by Benedikt Korf and reviewed by three anonymous referees.</p>
  </notes><ref-list>
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    <!--<article-title-html>Geographizität des Rechts –  ein <i>missing link</i> in der geographischen Theoriebildung?</article-title-html>
<abstract-html><p>Law is on the one hand indispensable for the constitution of space, and, on the other, legal orders emerge or develop in specific local situations. Does the question of the law exist in geographical theories and how has it been received? The article raises the issue of a missing link in geographical theorisation: Are the legal dimensions of social spatialities sufficiently considered? This text aims at enriching geographical theory formation through legal dimensions, especially by translating legal studies’ contributions into geographical questions who experience a specific spatial turn. On the one hand, the concept “geographicity of Law” is being developed for this purpose. On the other hand, two examples will be used to illustrate how geographical theory can benefit from legal dimensions: the right to public space and the issue of urbanness.</p></abstract-html>
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