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    <journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
    <abbrev-journal-title abbrev-type="publisher">GH</abbrev-journal-title><abbrev-journal-title abbrev-type="nlm-ta">Geogr. Helv.</abbrev-journal-title>
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    <publisher-name>Copernicus Publications</publisher-name>
    <publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
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      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-78-15-2023</article-id><title-group><article-title>Das Theater mit den Wissenschaften: Affektive Atmosphären einer
künstlerisch-kollaborativen Bearbeitung der Klimakrise</article-title><alt-title>Das Theater mit den Wissenschaften: Affektive Atmosphären</alt-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{Das Theater mit den Wissenschaften: Affektive Atmosph\"{a}ren}?><?xmltex \runningauthor{L. Kuhn}?>
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          <name><surname>Kuhn</surname><given-names>Lilith</given-names></name>
          <email>lilithkuhn@uni-muenster.de</email>
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        <aff id="aff1"><institution>Westfälische-Wilhelms-Universität, Münster, Germany</institution>
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      <author-notes><corresp id="corr1">Lilith Kuhn (lilithkuhn@uni-muenster.de)</corresp></author-notes><pub-date><day>10</day><month>January</month><year>2023</year></pub-date>
      
      <volume>78</volume>
      <issue>1</issue>
      <fpage>15</fpage><lpage>27</lpage>
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        <date date-type="received"><day>10</day><month>November</month><year>2021</year></date>
           <date date-type="rev-recd"><day>7</day><month>December</month><year>2022</year></date>
           <date date-type="accepted"><day>19</day><month>December</month><year>2022</year></date>
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        <copyright-statement>Copyright: © 2023 Lilith Kuhn</copyright-statement>
        <copyright-year>2023</copyright-year>
      <license license-type="open-access"><license-p>This work is licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International License. To view a copy of this licence, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</ext-link></license-p></license></permissions><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/78/15/2023/gh-78-15-2023.html">This article is available from https://gh.copernicus.org/articles/78/15/2023/gh-78-15-2023.html</self-uri><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/78/15/2023/gh-78-15-2023.pdf">The full text article is available as a PDF file from https://gh.copernicus.org/articles/78/15/2023/gh-78-15-2023.pdf</self-uri>
      <abstract><title>Kurzfassung</title>

      <p id="d1e75">This article examines the constitution of affective
atmospheres that arise through the encounter of scientific and theatre
practices. Using an autoethnographic approach, the presented work focuses on
a collaborative theatre project on the climate crisis. Here, the author
performed in the role of a scientific expert next to colleagues that have a
climate change-related research background. Three aspects of affective
atmospheres emerging in the rehearsal process are analysed: one's position
in the interplay of powerful materialities, the relationality of sensual
bodies, and the (in)stability of scientific identities. This paper shows
that the artistic collaboration opens up space for reflecting on science
that seek to overcome ostensible dualisms of subject/object, mind/body, and
reason/emotion. It emphasizes the opportunity of art to bring into account
body, more-than-humanity and relationality as part of scientific practices
in times of anthropocentric debates facing climate change.</p>
  </abstract>
    </article-meta>
  </front>
<body>
      

<sec id="Ch1.S1" sec-type="intro">
  <label>1</label><title>Einleitung</title>
      <p id="d1e87"><italic>Wie viel Körper müssen wir haben, um Wissen zu produzieren? Wie viel Wissen braucht Theater, um kreativ zu werden? Wie viel Kreativität braucht Politik, um handlungsfähig zu sein? (Notizen Dezember 2020)</italic></p>
      <p id="d1e91">Im November 2020 betrat ich den Proberaum 4 der freien Theaterproduktion
„Denkraum der Utopien – Eine Performance der Wissenschaften“ in
Münster. Dieser Raum mit hohen Decken, schwarzem Tanzboden und schweren,
dunklen Vorhängen diente in den darauffolgenden Monaten<fn id="Ch1.Footn1"><p id="d1e94">Ursprünglich waren die Aufführungen bereits für Februar 2021
geplant. Sie wurden aufgrund der Coronapandemie jedoch auf Juli 2021
verschoben. Die intensivsten Proben fanden trotzdem im Januar und Februar 2021 statt. Darauf basiert ein Großteil des empirischen Materials.</p></fn>
dazu, „auf Basis der Forderungen der
Fridays-for-Future-Bewegung in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen
Handlungskonzepte zur Einhaltung der 1,5<inline-formula><mml:math id="M1" display="inline"><mml:msup><mml:mi/><mml:mo>∘</mml:mo></mml:msup></mml:math></inline-formula> Celsius maximalen
Erderwärmung“ zu entwickeln. Diese sollten bis Ende Februar zusammen
mit Künstler:innen aus der freien Theaterszene und Aktivist:innen von
Fridays for Future in eine Performance gebracht werden (Konzept Stand Dezember 2020).</p>
      <p id="d1e107">In diesem künstlerisch-kollaborativen Theaterprojekt gab es keine
Schauspieler:innen. Stattdessen wurden Wissenschaftler:innen (inklusive mir)
angefragt<fn id="Ch1.Footn2"><p id="d1e110">Als Performerinnen auf der Bühne standen Nicole de
Vries (Stadt- und Partizipationsforscherin), Dr. Leandra Praetzel
(Landschaftsökologin) und Lilith Kuhn (Humangeographin). Aus Orts- und
Zeitgründen per Videoaufnahme eingespielt wurden Zuwena Kikoti
(Landschaftsökologin), Lagipoiva Cherelle Jackson (Klimajournalistin)
und Dr. Laura Mae Herzog (Umweltwissenschaftlerin).</p></fn>, von denen einerseits
ganz konkretes theoretisches Wissen und andererseits eine emotionale
Interpretation dessen auf der Bühne erwartet wurde. Unser<fn id="Ch1.Footn3"><p id="d1e114">Nicole, Leandra und ich waren im Probenprozess eine feste Gruppe als „die Wissenschaftlerinnen“. Wir führten viele
Gespräche über unsere Erfahrungen während des Projekts. Ich
spreche deshalb immer wieder von „uns“, wenn wir als Gruppe
gemeint sind und vor ähnlichen Herausforderungen standen.</p></fn> theoretisches
Wissen durchlief eine Transformation von Flipcharts über tanzende
Körper hin zu experimentellen Sounds und Moosfiguren. Wir hatten oft
Schwierigkeiten, unsere Rolle als „Wissenschaftlerinnen“ in
diesem Zusammenspiel zu verstehen. Anknüpfend an diese Beobachtung
möchte ich untersuchen, inwiefern die künstlerisch-kollaborative
Zusammenarbeit zur Bearbeitung der Klimakrise eine Reflexion
wissenschaftlicher Identitäten und Subjektivitäten anstoßen
kann. Während sich jede von uns im Probenprozess mindestens einmal
fragte, „wie [soll] ich die Theorie mit meinen Gefühlen
verbinden […]“ (Leandra Juni 2021), entstanden im Zusammenspiel
unterschiedlicher Erwartungen an eine „Performance der
Wissenschaften“ und künstlerischer Mittel emotional aufgeladene
Atmosphären. Diese sowohl intendierten als auch nicht intendierten
Stimmungen auf der Probe- und Theaterbühne werden im Folgenden als
affektive Atmosphären gefasst und analysiert.</p>
      <p id="d1e118">Affektive Atmosphären stellen eine Art der Erfahrung dar, die
„vor und neben der Herausbildung von Subjektivität
auftritt, über menschliche und nicht-menschliche Materialitäten
hinweg und zwischen Subjekt/Objekt-Unterscheidungen“ (vgl. Anderson, 2009:
78, eigene Übersetzung). Das Affektive beschreibt die Beziehung zwischen
Körpern „in Bezug auf ihre Fähigkeit zu affizieren und
affiziert zu werden“ (McCormack, 2008: 426, eigene Übersetzung). Dies
kann sowohl im Kontext von Temperatureinflüssen und wütenden Blicken
als auch einer summenden Soundbox beobachtet werden. Für den
vorliegenden Artikel sind affektive Atmosphären der Rahmen von
„kollektiven Affekten, in denen wir leben“, die auch
kleinräumig entstehen und wirken können (Anderson, 2009: 77, eigene
Übersetzung). Diese Betrachtung ermöglicht die Analyse von
Subjektpositionen innerhalb affektiver Atmosphären (wie der folgenden),
die im Zusammenspiel von technischen Mitteln, Körpern sowie inhaltlichen
Elementen immer neu hervorgebracht werden und Wirkung entfalten:</p>
      <p id="d1e122"><disp-quote>
  <p id="d1e125"><italic>Als wir dann aber auf der Bühne sind – das Licht ist dunkel, die Musik geht an und irgendetwas Chaotisches wird auf der Leinwand projiziert – wir haben keine klare Aufgabe und beginnen uns zu bewegen. Am Anfang fühle ich mich etwas überfordert und verloren. Aber irgendwann merke ich, dass wir zu spielen beginnen. Ich krieche Leandra gegenüber wie ein Tier, dann kommt Nicole und bleibt stehen und wir frieren alle drei ein. Es fühlt sich toll an. Wir beginnen gleichzeitig von neuem und das Spiel ändert sich</italic> <italic>(Vignette Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e133">Ich halte Situationen der Performance in Vignetten fest und fertige
Gedächtnisprotokolle zu einzelnen Proben an. Inspiriert von
feministischen Ansätzen nutze ich so den eigenen Körper als
Forschungsinstrument (Schurr, 2014). Die autoethnographische
Herangehensweise beinhaltet auch die Analyse transkribierter Audioaufnahmen
der Proben, Reflexionsfragen an den Regisseur und an Performance-Kolleginnen
sowie die Betrachtung entstandener Dokumente des Probenprozesses (Konzept
des Stücks, Bühnenskript). Im Schreibprozess hat das Team
außerdem die Möglichkeit, den Entwurf zu kommentieren, um
Fehlschlüsse offenzulegen. Dieser Methodenmix ergänzt einerseits
meine lückenhaften Erinnerungen an einzelne Proben (vgl. Adams et al.,
2020) und zeichnet andererseits ein differenzierteres Bild meines
‚situierten Wissens‘ (Haraway, 1995).</p>
      <p id="d1e136">Im Anschluss an geographisch-künstlerische Forschungsarbeiten werde ich
im Folgenden mein Erkenntnisinteresse herleiten sowie den konzeptionellen
und methodologischen Rahmen erläutern. Anschließend werden
empirische Beispiele aus den Proben betrachtet und mit dem Konzept
affektiver Atmosphären analysiert. Gegenstand dieses Artikels sind in
diesem Zusammenhang weniger die intendierten Atmosphären des
Theaterstücks, sondern nicht-intendierte Irritationen entlang
vielfältiger Subjektivierungen innerhalb der
künstlerisch-kollaborativen Zusammenarbeit. Diese legen einerseits
starre Vorstellungen über „die Wissenschaft“ offen und
bergen andererseits das Potenzial, darin verhaftete Dualismen durch eine
künstlerisch-kollaborative Arbeit aufzubrechen. Der Artikel gibt
einerseits wichtige Impulse zur Debatte um affektive Atmosphären und
kann eine empirische Anwendung im Bereich autoethnographischer
Forschungsansätze beisteuern. Er zeigt andererseits die Relevanz
künstlerisch-kollaborativer Zusammenarbeit vor dem Hintergrund
posthumanistischer Gesellschaft-Umwelt-Verständnisse<fn id="Ch1.Footn4"><p id="d1e139">Die
westlich geprägte Philosophie basiert auf Gedanken der Moderne, die den
aufgeklärten Menschen der Natur gegenübergestellt. Dieses
dualistische Verständnis wird jedoch von posthumanistischen Theorien
immer mehr in Frage gestellt (vgl. Barad, 2012; Latour, 2017; Haraway,
2018).</p></fn> in der Humangeographie.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S2">
  <label>2</label><?xmltex \opttitle{K\"{u}nstlerisch-kollaborative Geographien}?><title>Künstlerisch-kollaborative Geographien</title>
      <p id="d1e152">An der Schnittstelle von Kunst und Geographie finden sich zunehmend
wissenschaftliche Arbeiten – vor allem in der englischsprachigen Literatur:
Einige betrachten Kunst als Forschungsgegenstand, schauen sich
künstlerisches Material an und interpretieren darin eingeschriebene
Raumvorstellungen und -konstruktionen (vgl. im Kontext von Theater:
Rogers, 2017). Andere nutzen theatrale Ausdrucksformen für eine kreative
Wissenschaftskommunikation ihrer Ergebnisse. Raynor spricht hier von
„testimonial theatre“ mit Geschichten aus dem Feld (Raynor,
2018: 693). Theater wird als „kreative“ Methode der
Wissenschaftskommunikation genutzt. Das vorliegende Projekt baut im
Gegensatz dazu auf geographischen Ansätzen auf, die künstlerische
Arbeiten „als Ensemble von Praktiken, Artefakten, Performances
und Erfahrungen“ betrachten (Hawkins, 2011: 472, eigene Übersetzung).
Dieses Verständnis zeigt sich auch in sogenannten „‚kreativen Geographien‘, bei denen Geograph:innen mit Künstler:innen
oder Kurator:innen kollaborieren, um zu arbeiten, zu recherchieren,
Ausstellungen zu entwickeln oder verschiedene kreative Techniken zu
praktizieren“ (Hawkins, 2011: 465, eigene Übersetzung).</p>
      <p id="d1e155">Kreative Forschungsansätze als immer prominenter werdender Teil der
Geographie diskutiert Hawkins unter dem Begriff eines „creative
turn“, der eine Reihe an kreativen Forschungspraktiken aus Film,
Fotografie, Theater, Tanz oder Poesie vereint (Hawkins, 2018: 1).
Kreativität verstehe ich im Anschluss an Nina Williams jedoch nicht an
einen Theatersaal gebunden, sondern als prozesshafte Kraft („creative agency“), die sich aus einem Zusammenspiel vieler konstitutiver
Elemente ergibt – „rather than sustained through a wilful
subject“ (Williams, 2016: 1550). Kreative Praktiken sind nicht auf geplante
künstlerische Praktiken beschränkt und können sich auch
zufällig ergeben. Die Arbeit der Künstler:innen des Theaterprojekts
wird im Folgenden deshalb nicht als „kreative Praktiken“
bezeichnet, sondern unter „künstlerischen Praktiken“
gefasst. In den Theaterproben werde ich zwar Teil davon, bringe jedoch einen
anderen Hintergrund aus meiner humangeographischen Disziplin mit.
Hinsichtlich der Gefahr eines „Forschungstourismus“ im Kontext
künstlerischer Forschungspraktiken (Hawkins, 2018: 13, eigene
Übersetzung) verstehe ich die Zusammenarbeit mit den Künstler:innen
als wechselseitigen Prozess: Ich beforsche nicht „das Theater“
oder imitiere künstlerische Praktiken, sondern analysiere affektive
Atmosphären unserer gemeinsamen Arbeit. Die
künstlerisch-kollaborative Praxis bietet mir einen Raum „that embraces creativity and experimentation in the production of public
knowledge“ (Puwar und Sharma, 2012: 43). Meine verkörperte
Forschungspraxis weist in diesem Zusammenhang das besondere Potenzial auf,
den Bogen zwischen sinnlichem Erleben und sprachlichem Verstehen neu zu
spannen und zu verhandeln (vgl. Bauer und Nöthen, 2021; Dickel und
Keßler, 2019; Klein, 2018). Performative Ansätze diskutieren
mögliche Paradoxien zwischen akademischen und künstlerischen
Herangehensweisen nicht als störend, sondern als produktives Element der
Wissensproduktion (vgl. Carter, 2020; Ernst und Hutta, 2020). Daran
anknüpfend analysiere ich, inwiefern die künstlerisch-performative
Herstellung „wissenschaftlicher“ Subjekte in den gemeinsamen
Proben und Aufführungen Irritationen hervorbringt. Die „Performance[s] der Wissenschaften“ werden damit zur Forschungspraxis und
zum Forschungsgegenstand gleichzeitig.</p>
      <p id="d1e158">Die körperliche Erfahrung durch künstlerische Herangehensweisen
schafft neue Möglichkeiten einer „emotionalen Verbundenheit
mit unseren Räumen und Landschaften“ und kann dynamische Relationen
zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem herausarbeiten (Hawkins, 2011:
473, eigene Übersetzung). Hawkins stellt insbesondere das Potenzial
heraus, Verflechtungen der Welt jenseits von cartesianischen Dualismen in
den Vordergrund zu stellen „für ein intersubjektiveres und
relationaleres Verständnis von künstlerischer Arbeit und der Welt“ (Hawkins, 2011: 473). Daran anschließend will diese Arbeit binäre
Denkmuster von Kunst/Wissenschaft innerhalb des Theaterprojekts
hinterfragen. Die Reibungsmomente im Zusammentreffen unterschiedlicher
Arbeitsbereiche eröffnet uns die Möglichkeit „to remake
worlds, our own academic worlds included“ (Hawkins, 2018: 17).</p>
      <p id="d1e162"><disp-quote>
  <p id="d1e165">Learning about others' protocols, techniques and skills can
show up aptitudes you all too easily take-for-granted: illuminating the
points and places from which research leads are taken; showing how seemingly
disparate things are pieced together; and, how material builds, and gathers
coherence or momentum (Foster und Lorimer, 2007: 427)</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e169">Eine erste Forschungsidee, die „künstlerische Schaffung von
Emotionen und Affekten“ im Kontext der Klimakrise zu untersuchen,
scheiterte an meinen Erwartungen an die Theaterarbeit. Es gibt kaum
Gespräche über künstlerische Mittel des Theaterstücks, die
spezifische Emotionen oder Affekte hervorrufen sollen. Der Soundartist
beschreibt, er habe mehr „so ein Gefühl davon, wie etwas
klingen könnte“ und probiere es dann aus (Kai Juli 2021). Von den
beteiligten Künstler:innen<fn id="Ch1.Footn5"><p id="d1e172">Philip Gregor Grüneberg
[Regisseur], Nina Hecker [Regieassistenz], Manfred Kerklau [Dramaturg],
Marcela Ruiz Quintero [Choreographin], Kai Niggemann [Soundartist], Sven
Stratmann [Videokünstler], Susanne Kudielka und Linda Hofmann
[Bühnenbild und Ausstattung], Timo von der Horst und Nick Hedemann
[Lichtdesign].</p></fn> wird (zumindest in Anwesenheit von uns) wenig über
„gewollte“ Emotionen oder Charakteristika der Projektionen,
Sounds, des Bühnenbildes oder der Choreographie gesprochen, sondern
meist werden Dinge ausprobiert und als „funktionierend“
betrachtet – oder eben nicht.</p>
      <p id="d1e176"><disp-quote>
  <p id="d1e179"><italic>Ich hab jetzt zum Einen mal eine Art abstrakte Interpretation von, naja, Rückkopplungseffekten in der Atmosphäre wo gewisse Dinge passieren. Da gibt es gar nicht so viel zu kommentieren, könnt ihr euch ja mal angucken (Sven Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e184">Dieses Scheitern meiner ersten Idee, die künstlerische Gestaltung der
Bearbeitung der Klimakrise zu untersuchen, führte mich schlussendlich
zum Forschungsgegenstand dieser Arbeit: Unsere gemeinsame „Performance der Wissenschaften“, welche immer neue affektive
Atmosphären hervorbringt, und die Identitäten, Subjektivitäten
und Erwartungen der Teilnehmenden in Frage stellt.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S3">
  <label>3</label><?xmltex \opttitle{Das Konzept affektiver Atmosph\"{a}ren}?><title>Das Konzept affektiver Atmosphären</title>
      <p id="d1e196">Atmosphären können als Phänomene des Alltags gefasst werden, die
unterschiedliche räumliche Dimensionen affektiv umfassen. Aus
geographischer Perspektive eignet sich das Analysekonzept affektiver
Atmosphären, um die räumliche Dimension von Gefühlen zu
betrachten (vgl. Shaw, 2014; Stephens, 2016; Fregonese, 2017). Als
ursprünglich phänomenologisches Konzept der Philosophie werden im
Zusammenhang mit Atmosphären die Wahrnehmungen fühlender Subjekte
von affektiven Qualitäten bestimmter Situationen oder Orte betrachtet
(vgl. Schmitz, 1969; Tellenbach, 1968). Eine „affektive
Betroffenheit“ durch leibliche Erfahrung stellt dabei die Ausgangsbasis
aller Welterfahrung dar (Andermann und Eberlein, 2012: 8). Atmosphären
werden als „Halbdinge“ im Spannungsfeld von Ursache und
Einwirkung (Schmitz, 2014) und bei Böhme als „Zwischenphänomen“ (Böhme, 2011) von Subjekt und Objekt
thematisiert. Daran anknüpfend diskutieren geographische Zugänge
(z.B. Hasse, 2012) Atmosphären als Ergebnisse gebauter Umwelt
beziehungsweise „räumlicher Inszenierung“ (Hasse, 2014).
Raumperspektiven in Anknüpfung des <italic>spatial turns</italic> verstehen Räume jedoch nicht als
statische Ergebnisse architektonischer oder ästhetischer Gegebenheiten,
sondern als relational hervorgebrachte Konstruktionen (Runkel, 2016: 9f.).
Kazig diskutiert Atmosphären im humangeographischen Kontext als Medium
zwischen Mensch und Umwelt, die „sich im Empfinden in einer
spezifischen wechselseitigen Verbindung zueinander herausbilden“ (Kazig,
2007: 170–171). In ihren Versuchen, binäre Distinktionen zwischen
„inner and outer world, medium and content, meaning and matter,
individual and collective, body and mind, subject and object“ zu
überwinden (Riedel, 2019: 86), sind affektive Atmosphären nicht mehr
das Ergebnis der Wahrnehmung eines statischen Subjekts, sondern der
„shared ground“ zur Herausbildung von Subjekten und Emotionen
(Anderson, 2009: 78). Vor dem Hintergrund poststrukturalistischer
Perspektiven werden Subjektpositionen als brüchig (vgl. Anderson, 2009;
Fregonese, 2017) beschrieben: Körper besitzen keine stabilen
Identitäten, sondern verändern sich in Relation zueinander (vgl.
McCormack, 2014). Das Erkenntnisinteresse liegt dementsprechend nicht
darauf, welche Atmosphäre ein Raum <italic>hat</italic> und wie diese intentional
konstruiert wird, sondern inwiefern Atmosphären kollektive
Wirklichkeiten und Subjekte hervorbringen und verändern können (vgl.
Riedel, 2019). Affektive Atmosphären sind damit dynamische Teile der
Wirklichkeit, die sich immer wieder neu konstituieren:</p>
      <p id="d1e205"><disp-quote>
  <p id="d1e208">Atmospheres are perpetually forming and deforming, appearing
and disappearing, as bodies enter into relation with one another. They are
never finished, static or at rest. Atmospheres are indeterminate. They are
resources that become elements within sense experience (Anderson, 2009: 79).</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e212">Affekte als sinnliche Erfahrung im Kontext affektiver Atmosphären
verstehe ich als räumliche Kräfte, die um kollektive Körper
entstehen, wirken und sie bewegen. Die geographische Affektforschung nimmt
explizit auch Präkognitives, Unterbewusstes, Trans- und mehr-als-Humanes
in den Blick (Schurr, 2014: 150). Ob diese affektiven Qualitäten von
Körpern oder Räumen ausgehen, lässt sich nicht unterscheiden,
denn „both are always in the process of actively enhancing and
dampening the qualities of one another“ (McCormack, 2014: 3). Auch wenn
Affekte eher einer materiellen und körperlichen Ebene zugeordnet werden
können, als Bestandteil von „embodied practices“ (Thrift,
2004: 60), stehen sie in einem Wechselverhältnis zu sagbaren Emotionen.
Körperliche Affekte und sagbare Emotionen lassen sich weder auf einer
analytischen noch pragmatischen Ebene trennen (vgl. Anderson, 2009), denn
„bodies and sociolinguistic expressions are inseparable and
intertwined“ (Bille und Simonsen, 2021: 297). Beides kann aus
sozialkonstruktivistischer Perspektive nicht als essentialistische
Eigenschaft eines vordiskursiven Körpers, sondern nur als Ergebnisse
sozialer Prozesse gefasst werden (vgl. Schurr und Strüver, 2016). Dabei stellen weder Emotionen noch Affekte
Repräsentationen einer diskursiven Wirklichkeit dar, sondern sie sind
Ko-Produzent:innen der Welt. Sie sind nicht als etwas Passives zu
betrachten, das einem Körper widerfährt, sondern „emotions and atmospheres are also something people do“ (Bille und Simonsen,
2021, 305).</p>
      <p id="d1e216">Im Nachgang des <italic>material turns</italic> wird Materialität gleichermaßen als affektiver
Resonanzkörper sowie „als ‚Partner‘  bzw.
‚aktiver Konstrukteur‘, der an der Herstellung von Wissen
und Wirklichkeit beteiligt ist“, angesehen (Wiertz, 2021: 298). Affektive
Atmosphären lassen sich damit nicht nur auf stimmungsvolle
Atmosphären zwischen menschlichen Körpern beziehen, sondern auch auf
Räume, die durch affektive Qualitäten nicht-menschlicher Relationen
und Bewegungen hervorgebracht werden. Im Kontext der Klimakrise kommen
machtvolle klimatische Veränderungen der Erdatmosphäre in den Blick,
„denn die irreversiblen revolutionären Taten von Menschen
wurden abgelöst von der Trägheit der Meereserwärmung, vom
Albedowandel der Pole, von der Versauerung der Ozeane“ (Latour, 2017: 74).
Nicht-menschliche Wesen und Materialitäten zeigen sich als
Wirkungsmächte, „die mit dem, was wir sind und tun, nicht
mehr ohne Verbindung sind“ (ebd.: 112). McCormack spricht in diesem
Zusammenhang von einer Atmosphäre als „einem Raum, dessen
sich darin bewegende Materialität es unmöglich macht, das
Meteorologische vom Affektiven zu trennen“ (2008: 417, eigene
Übersetzung). Damit werden bei der Analyse affektiver Atmosphären
nicht nur Grenzen, sondern auch Hierarchiemuster zwischen einem Subjekt als
aktiv handelnde:r Akteur:in und einem passiven Objekt sowie zwischen Mensch
und Umwelt aufgebrochen. In diesem Zusammenhang beziehe ich mich auf die
Annahmen posthumanistischer Theorien, die Mensch und Materie als
verschränkt ansehen (Barad, 2012), Identitäten als partiell
(Haraway, 1995) und nicht-menschliche Wesen als wirkmächtige Akteure
wahrnehmen (Latour, 2017).</p>
      <p id="d1e222"><disp-quote>
  <p id="d1e225">Materie wird produziert und ist produktiv; sie wird erzeugt
und ist zeugungsfähig. Materie ist ein Agens und kein festes Wesen oder
eine Eigenschaft von Dingen (Barad, 2012: 14).</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e229">Affektive Atmosphären werden nicht nur von Menschen beeinflusst oder
intentional gestaltet, sondern auch von nicht-menschlichen Techniken oder
Materialitäten (vgl. Ash, 2013). Als Analyseaspekt einer geographischen
Atmosphärenforschung nimmt Michels in seinem Aufsatz „Researching affective atmospheres“ die räumlich-materielle Komposition
im Zusammenhang mit den sinnlichen Fähigkeiten menschlicher Körper
in den Blick (Michels, 2015). Darauf aufbauend fragt er „how
habitualised bodies and materially modulated environments are stabilised,
how they can fall apart and how they sometimes change and allow for the
emergence of new atmospheric compositions“ (Michels, 2015: 261). Daran
anknüpfend werde ich (1) Materialitäten, (2) Körper und Affekte
sowie (3) (In-)Stabilitäten von Subjektpositionen als Bestandteile und
Produkte affektiver Atmosphären der künstlerisch-kollaborativen
Theaterarbeit in den Blick nehmen (vgl. ebd.). Im Dazwischen oder der
„Intraaktion“ (vgl. Barad, 2012) von Körpern, Bedeutungen
und Materialitäten finden wir keine abschließenden Antworten
darüber, wie die Welt <italic>ist</italic>: Wir können jedoch unsere Vorstellungen davon
herausfordern. Als Beteiligte des untersuchten Theaterprojekts nehme ich
dafür eine autoethnographische Perspektive ein.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S4">
  <label>4</label><?xmltex \opttitle{Ein autoethnographischer Zugang zu affektiven Atmosph\"{a}ren}?><title>Ein autoethnographischer Zugang zu affektiven Atmosphären</title>
      <p id="d1e244">Die Analyse der Arbeit des Theaterprojekts wird – abgesehen von einer
Offenlegung vorläufiger Ergebnisse in der Gruppe – nur von mir
vorgenommen. Allumfassende Fragen bleiben unbeantwortet, da ich
„den göttlichen Trick, alles von nirgendwo aus sehen zu
können“ nicht beherrschen kann (Haraway, 1995: 81). Aus diesem Grund
greife ich auf Haraways Verständnis einer partialen Perspektive
zurück, die meinen Blick als nur einen Bestandteil einer objektiven
Betrachtung der Wirklichkeit ansieht. Mein Wissen entsteht situiert, als ein
Ergebnis meines Körpers, meiner Einbettung in soziale Prozesse, meiner
Arbeitstechniken sowie Geräte, und unterscheidet sich damit von anderen
Perspektiven. Meine performative Involviertheit weist mir während des
Forschungsprozesses bestimmte Rollen und Identitäten innerhalb der
Gruppe zu und eröffnet mir so nur einen bestimmten Zugang zu
Informationen. Als Performerin bin ich nicht bei jedem Treffen des
künstlerischen Teams anwesend und soll beispielsweise auch keine
Videoaufnahmen der Generalprobe anschauen.</p>
      <p id="d1e247">Diese Involviertheit legt für den vorliegenden Artikel eine
autoethnographische Herangehensweise nahe, denn Autoethnographien werden
retrospektiv und selektiv über Ereignisse geschrieben, „die
daraus resultieren, dass sie [die Autor:innen] Teil einer Kultur sind
und/oder eine bestimmte soziokulturelle Identität besitzen“ (Adams et
al., 2020: 474). Ich bin Forschende und Beteiligte und damit „‚insider‘ and ‚complete-member‘ academic
researcher[s] who study a group or social circumstances of which [they are]
part, use [their] insiderness as a methodological and analytical resource,
and may or may not understand [themselves] explicitly as subjects of their
own research“  (Butz, 2010: 139). Ich nutze meinen eigenen Körper als
Forschungsinstrument (vgl. Schurr und Strüver, 2016) und untersuche ihn
in „the interrelation of self/other/language/body/context“
(Spry, 2016: 14). Der Körper wird zum Medium der Wahrnehmung mit einer
„haptischen Raumdimension“  (Kattenbelt, 2010: 27, eigene
Übersetzung). Ich „beforsche“ dabei nicht allein meine
körperliche Erfahrung, sondern blicke aus meinem Körper auf
Atmosphären, mit denen ich verschränkt bin und die ich selbst mit
hervorbringe. Ein autoethnographischer Zugang ermöglicht keinen Zugriff
auf vordiskursive Affekte (vgl. Timm, 2016), macht jedoch die eigene
Position im Kontext des Forschungsgegenstandes transparent. Mit einer
Autoethnographie lassen sich Erkenntnisse über die Konstruktion von
affektiven Atmosphären „in ihrer Verwobenheit mit der
Subjektivität der ForscherInnen“ ziehen, die ein Blick von außen
nicht möglich gemacht hätte (Geimer, 2011: 301).</p>
      <p id="d1e250">Im Forschungsprozess beziehe ich auch andere Forschungssubjekte mit ein: Ich
ergänze meine Gedächtnisprotokolle und Vignetten um Stimmen
außerhalb meines Körpers, indem ich Audioaufnahmen der Proben mache
und transkribiere. Diese Stimmen sprechen jedoch nicht unabhängig von
mir und ich partizipiere – beim Versuch zu verstehen – aktiv an den
Atmosphären, die ich untersuche. Dies geschieht auf zwei Ebenen:
Einerseits nehme ich als Person Einfluss auf die Inhalte und die Konzeption
des Stückes – zum Beispiel mit meinen wissenschaftlichen Inputs auf die
Ausgestaltung der Szenen, die ich danach untersuche. Andererseits ist auch
der Forschungsprozess mit den Ergebnissen verschränkt:</p>
      <p id="d1e254"><disp-quote>
  <p id="d1e257"><italic>Die Anderen sagen überhaupt nicht so viel bei den Reflexionen, was ich schade finde – auch weil ich mein Aufnahmegerät anhabe und an meinen Artikel denke (Vignette Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e262">Hätte ich Einblicke in die dramaturgische Arbeit hinter der Bühne
erfragt, hätte ich meine Rolle, die ich als Performerin in dem Prozess
einnahm und aus der heraus sich meine Erfahrungen ergeben, in dieser Form
verloren. Im Fokus der nachfolgenden Analyse steht deshalb nicht das
Theaterstück selbst, sondern affektive Atmosphären, die sich in der
künstlerisch-kollaborativen Erarbeitung ergeben. Dafür nutze ich im
Sinne einer Autoethnographie eine „ästhetisch dichte
Beschreibung persönlicher und zwischenmenschlicher Erfahrungen“ (Adams
et al., 2020: 5).</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S5">
  <label>5</label><title>Das Theater mit den Wissenschaften</title>
      <p id="d1e274">Das Theaterstück „Denkraum der Utopien – eine Performance
der Wissenschaften“ ist als interaktive Performance aufgebaut: Die erste
Hälfte besteht aus individuellen Lecture Performances sowie einer
gemeinsamen Choreographie von Leandra, Lilith und Nicole. Inhaltlich
knüpfen die performativen Vorträge zu Permafrost,
Mensch-Umwelt-Verhältnissen und Partizipation im Kontext der Klimakrise
an unsere jeweiligen Forschungsinteressen an. Darauf aufbauend folgen in der
zweiten Hälfte interaktive Gruppenarbeiten: Vor dem Theater wird eine
aktivistisch motivierte Straßensperrung durchgeführt, auf der
Bühne debattiert ein Parlament der Dinge den sofortigen Kohleausstieg
und es werden Ideen zur utopischen Stadt gesponnen. Die Aktivist:innen von
Fridays for Future organisieren rahmend eine spielerische Einlassprozedur,
erscheinen als Tannenfigur, Mooswesen und Imkerin auf der Bühne und
helfen bei der Straßensperrung. Zuwena, Cherelle und Laura sind mit
kurzen Inputs zur Klimakrise per Videoprojektion auf der Bühne zu sehen
und erweitern die vorhandenen Perspektiven mit globalen Sichtweisen. Alle
Komponenten werden von künstlerischen Mitteln begleitet. Das
Bühnenbild ist in einen Teil vor der transparenten Leinwand
(„Gase“) und dahinter aufgeteilt. Die Dramaturgie wechselt mit
Hilfe der räumlichen Aufteilung und des zeitlichen Ablaufs von Dystopie
zur Utopie und vom Zuhören zum Mitmachen. Sie fordert uns „als Wissenschaftlerinnen“ in vielfältigen Subjektivierungen innerhalb
affektiver Atmosphären heraus: als Teil einer räumlich-materiellen
Umgebung, als affizierte Körper und als wissenschaftliche
Identitäten.</p>
<sec id="Ch1.S5.SS1">
  <label>5.1</label><?xmltex \opttitle{Materialit\"{a}ten machtvoller Atmosph\"{a}ren: Mensch, Mikrobe und Musik}?><title>Materialitäten machtvoller Atmosphären: Mensch, Mikrobe und Musik</title>
      <p id="d1e285"><disp-quote>
  <p id="d1e288"><italic>Das Licht, die Bühne, die Projektion, am Ende bin ich nur ein Teil davon und gar nicht allein im Mittelpunkt wie bisher immer. Es wird total viel über technische Details gesprochen und gar nicht mehr so viel darüber, was und wie ich es sage (Vignette Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e293">Die Lecture Performance von Leandra thematisiert Kipppunkte im Klimasystem.
Die Atmosphäre erwärmt sich, der Permafrost taut auf und Mikroben
erwachen aus ihrem tausendjährigen Winterschlaf. Sie sind hungrig,
zersetzen organisches Material und stoßen dabei Methan aus. Methan
beschleunigt den Temperaturanstieg wiederum, weshalb noch mehr Permafrost
auftaut. „In der Wissenschaft nennen wir das positive
feedback-loops“ erklärt sie immer wieder in unseren Proben.
Gleichzeitig macht sich der Videokünstler Gedanken darüber, was zur
gleichen Zeit auf der Leinwand passieren könnte:</p>
      <p id="d1e296"><disp-quote>
  <p id="d1e299"><italic>Es gab ja jetzt zu Leandras Permafrost Thema mal eine Idee, was Permafrostartiges runterläuft. Dann haben wir das gemacht, das war aber dann tatsächlich halt einfach, sah nicht super realistisch aus, aber sah eben aus wie schmelzendes Permafrost-Zeugs und da haben wir auch irgendwie entschieden, es ist ein bisschen 1 zu 1 und 1 zu 1 ist auch immer ein bisschen langweilig (Sven Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>

      <?xmltex \floatpos{t}?><fig id="Ch1.F1"><?xmltex \currentcnt{1}?><?xmltex \def\figurename{Abb.}?><label>Abb. 1</label><caption><p id="d1e307">Lecture Performance Permafrost ©Dominic Sehak.</p></caption>
          <?xmltex \igopts{width=241.848425pt}?><graphic xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/78/15/2023/gh-78-15-2023-f01.jpg"/>

        </fig>

      <p id="d1e316">Die Projektionen auf der Leinwand sollen nicht nur das Gesprochene
unterstützen, sondern auch einen eigenen qualitativen Beitrag zur Szene
leisten. Bei der Generalprobe im Theater treten zu Beginn des Vortrags
einzelne Mikroben aus dem Boden. Als Leandra die hungrigen Mikroben
erwähnt, die beim Auftauen des Permafrosts aus ihrem Winterschlaf
erwachen, tauchen zusätzlich Mikroben auf dem Boden um sie herum auf.
Als sie von den Kipppunkten spricht, ist nur noch ein Gewimmel auf der
Leinwand hinter ihr zu sehen und es tönt ein durchdringendes Dröhnen
aus den Lautsprechern. Ein Besucher des Theaters berichtet, dass ihn diese
dystopische Atmosphäre sehr gepackt hätte (Gedächtnisprotokoll
Juli 2021). Die künstlerisch-technische Komposition spielt bei der
„packenden“ Atmosphäre eine große Rolle, was ein Blick
in den Ablaufplan verdeutlicht:</p>

<?xmltex \floatpos{t}?><table-wrap id="Ch1.T1" specific-use="star"><?xmltex \currentcnt{1}?><label>Tabelle 1</label><caption><p id="d1e322">Ablaufplan Szene 8 (Stand März 2021).</p></caption><oasis:table frame="topbot"><?xmltex \begin{scaleboxenv}{0.9}[0.9]?><oasis:tgroup cols="7">
     <oasis:colspec colnum="1" colname="col1" align="left"/>
     <oasis:colspec colnum="2" colname="col2" align="justify" colwidth="1.4cm"/>
     <oasis:colspec colnum="3" colname="col3" align="justify" colwidth="0.9cm"/>
     <oasis:colspec colnum="4" colname="col4" align="justify" colwidth="2.6cm"/>
     <oasis:colspec colnum="5" colname="col5" align="justify" colwidth="3.2cm"/>
     <oasis:colspec colnum="6" colname="col6" align="justify" colwidth="3.9cm"/>
     <oasis:colspec colnum="7" colname="col7" align="justify" colwidth="3.7cm"/>
     <oasis:thead>
       <oasis:row rowsep="1">
         <oasis:entry colname="col1">Szene</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col2">Was</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col3">Wo</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col4">Wer</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col5">Sound</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col6">Projektion</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col7">Licht</oasis:entry>
       </oasis:row>
     </oasis:thead>
     <oasis:tbody>
       <oasis:row>
         <oasis:entry colname="col1">8</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col2">Vortrag Permafrost</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col3">Bühne: vor der Gaze</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col4">Leandra, Tanne (auf Licht achten!) <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Am Ende umdrehen, langsam auf Gaze zu (so weit, dass kein Schatten geworfen wird)</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col5">Leandra_Vortrag <?xmltex \hack{\hfill\break}?>(Bei Mikroben lauter, wenn leiser, geht der Vortrag weiter) <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Mikro Rückkopplung <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Nach letztem Satz, L vor Gaze: lauter, stehen lassen bis Video zu Ende</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col6">Boden: <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Mikroben („Winterschlaf“) <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Gaze: <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Methan 1 (nach Mikroben) <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Methan 2 (nach Gefühl) <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Methan 3 (Tipping Point) <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Methan 4 Fade Interviews (wenn L vor Gaze, Übergang Interviews)</oasis:entry>
         <oasis:entry colname="col7">Straße Mitte hinten 60 % <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Mikroben „Winterschlaf“: Straße raus, Spot schwach rein, langsamer Fade <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Mikroben verschwinden: Spot langsam heller (parallel), dann langsam Straße dazu, schwächer (30 s Fade) <?xmltex \hack{\hfill\break}?>  <?xmltex \hack{\hfill\break}?>Wenn L vor Gaze: Black</oasis:entry>
       </oasis:row>
     </oasis:tbody>
   </oasis:tgroup><?xmltex \end{scaleboxenv}?></oasis:table></table-wrap>

      <p id="d1e447">Dass die künstlerisch-technische Komposition nicht nur eine passive
Begleitung von Leandras Performance ist, wird in der Probe bei einer
Diskussion über die Lautstärke der Musik deutlich.</p>
      <p id="d1e450"><disp-quote>
  <p id="d1e453"><italic>Manfred [Dramaturg]: Es ist eigentlich gerade als sie dann sagt, nicht mehr als sie über den ganzen Permafrost spricht, sondern dann kommt diese Wende, was man eigentlich tun soll. Das fand ich bisschen komisch, dass man das gerade nicht hört. Also die Idee find ich gut, dass die redet und es ist so laut, aber vom Inhalt her, kommt dann: Deshalb müssen wir CO2 senken. Das bekommt man dann nicht mit.</italic></p>
  <p id="d1e457"><italic>Philip [Regisseur]: Es werden Leute verstehen, aber sie werden auch merken, man hört es fast nicht mehr. Weil es zu spät ist. (Februar 2021)</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e463">Die Musik verstärkt nicht den Inhalt des Gesagten im Hintergrund,
sondern sie übertönt in diesem Moment die gesprochene Sprache und
übernimmt damit eine bedeutungsvolle Sprechposition. Leandras
Erklärungen über eine nötige Reduktion der Verbrennung fossiler
Rohstoffe ist kaum noch hörbar und nimmt den Zuhörer:innen die
theoretische Möglichkeit, noch einen Lösungsweg gegen die
Feedback-Loops zu erfahren. Gleichzeitig verliert Leandra zwischen
wimmelnden Mikroben und lauter Musik ihre machtvolle Position auf der
Bühne:</p>
      <p id="d1e466"><disp-quote>
  <p id="d1e469"><italic>Ich fand auch, dass es sehr schnell sehr laut war. Und es ist schon auch ein beschissenes Gefühl, wenn man so redet und weiß, es versteht einen keiner (Leandra Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e474">Im Zusammenspiel von Körpern und Techniken verschieben sich
Machtverhältnisse. Während Leandra spricht, bestimmt ihre Stimme den
Raum, als handelndes Subjekt ist sie vermeintlich die Urheberin der
Atmosphäre, sobald die Musik jedoch lauter und das Licht dunkler wird,
tritt sie in den Hintergrund und die Unterscheidung von Subjekt und Objekt
versagt. Tritt sie selbstbestimmt in den Hintergrund oder schiebt der
Tontechniker sie ins Abseits? Und welchen Anteil daran hat die Art der
Musik, die Anweisung des Regisseurs oder etwa die Beschaffenheit der
Lautsprecher? Wann bestimmt das Skript die Atmosphäre und wann wird sie
von eigenwilligen Maschinen oder vergesslichen Körpern beherrscht?</p>
      <p id="d1e477">In diesem Konglomerat aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteur:innen
kann kein:e Urheber:in der Atmosphäre im architektonischen Sinne
Böhmes (2006) ausgemacht werden, sondern materielle und soziale
Voraussetzungen und Annahmen bestimmen diese Verbindungen immer wieder neu (vgl. Bauer und Nöthen,
2021). „They [atmospheres] are indeterminate with regard to the
distinction between the subjective and objective“ (Anderson, 2009: 80).
Vielmehr verschieben sich Subjektpositionen innerhalb der
räumlich-materiellen Komposition, springen zwischen unterschiedlichen
Akteur:innen und zeigen „the agency of the built environment in
co-shaping sensorial experiences“ (Fregonese, 2017: 9). Die technischen und
künstlerischen Mittel in der Theaterarbeit sind machtvolle Bestandteile
einer affektiven Atmosphäre. Sie unterstützen das Verständnis
wirkmächtiger nicht-menschlicher Akteur:innen einerseits hinsichtlich
der Klimakrise und andererseits gibt die verkörperte Forschungspraxis
einen Hinweis auf „viele und wundervolle Formen“ von
Akteur:innen (Haraway, 1995: 93), die uns tagtäglich affizieren. Die
irritierende Erfahrung, in der Probe oder auf der Bühne hinter
technischen Mitteln zu verschwinden, lässt uns konkret spüren, dass
wir nur ein (kleiner) Teil der Welt unter vielen sind.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S5.SS2">
  <label>5.2</label><?xmltex \opttitle{Affizierte K\"{o}rper in relationalen Atmosph\"{a}ren aus Theorie, Tanz
und Tr\"{a}nen}?><title>Affizierte Körper in relationalen Atmosphären aus Theorie, Tanz
und Tränen</title>
      <p id="d1e489"><disp-quote>
  <p id="d1e492"><italic>Ich stehe im Raum mit dem Rücken zu den anderen. Ich versuche zu fühlen, wann die anderen den Impuls zum Loslaufen geben. Oder gebe ich ihn? Während ich noch darüber nachdenke, haben wir uns schon in Bewegung gesetzt (Vignette Januar 21).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e497">Nach einer Lecture Performance zu posthumanistischen Ansätzen von
Gesellschaft-Umwelt-Beziehungen folgt im Stück eine Choreographie
(basierend auf Improvisation), begleitet von Projektionen, Sounds und
„Naturwesen“, die die Verflechtung von Mensch und Natur
künstlerisch-körperlich bearbeitet – und uns oft überfordert.
Die Choreographin Marcela bezieht die theoretischen Gedanken aus den Proben
immer wieder in ihre choreographische Arbeit mit unseren Körpern ein:</p>

      <?xmltex \floatpos{t}?><fig id="Ch1.F2"><?xmltex \currentcnt{2}?><?xmltex \def\figurename{Abb.}?><label>Abb. 2</label><caption><p id="d1e502">Choreographie © Dominic Sehak.</p></caption>
          <?xmltex \igopts{width=241.848425pt}?><graphic xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/78/15/2023/gh-78-15-2023-f02.jpg"/>

        </fig>

      <p id="d1e512"><disp-quote>
  <p id="d1e515"><italic>This is my body, and this body has the possibility to do things. How is this body? Which kind of potential? What happens if all this energy of outside comes inside. And all this ideas, and all these abstractions and all this blablabla, it arrives into the body? (Marcela Februar 2021)</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e520">Bei der körperlichen Arbeit soll die Theorie nicht verschwinden,
„but you just have your body to say – how can I manage to talk
through my body?“ (Marcela Februar 2021). Das ganze künstlerische Team ist an
diesem Tag anwesend und unsere improvisierten Bewegungen werden zum ersten
Mal zum Mittelpunkt der Probe. Da ich aufgrund persönlicher Umstände
bereits angespannt den Proberaum betrete, fühle ich mich den
Zuschauenden in einer erwartungsvollen Atmosphäre ausgesetzt und bin den
Tränen nahe:</p>
      <p id="d1e523"><disp-quote>
  <p id="d1e526"><italic>Jetzt weiß ich nicht, mit welchem Körperteil ich anfangen soll. Wie soll ich ein Mensch-Natur-Verhältnis ausdrücken? Lange bleibe ich stehen. Ich fühle die Augen der Anderen auf mir. Als sich Nicole und Leandra anfangen zu bewegen, mache ich irgendwas. Ich versuche an das Erste zu denken, was mir aus meinem Vortrag einfällt, ein Baum, lege mich auf den Boden und fahre die Wurzeln nach. Letztes Mal kam mir der Boden wie ein Fremdkörper vor. Heute ist er mein Schutz, und oben fühle ich mich allem ausgesetzt und nackt. Ich bewege mich, aber ich fühle nichts. Ich bekomme Panik, bleibe stehen und weiß, dass das nicht lange geht, ohne zu erklären. Irgendwann gehe ich, sage, ich brauche eine Pause (Vignette Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e531">Die Materialität des Bodens bekommt aus der Emotionalität heraus in
Verbindung zum Körper eine neue Bedeutung. Während ich erfolglos
versuche, wissenschaftliche Konzepte und Vorstellungen körperlich zu
übersetzen, nutze ich den Boden als Zufluchtsort meiner
Überforderung. Dies passiert jedoch nicht unabhängig von erlernten
Praktiken durch die künstlerische Arbeit in den Proben, die unsere
Körper in die materielle Umwelt einbettet:</p>
      <p id="d1e534"><disp-quote>
  <p id="d1e537"><italic>You become one, the skin of your body becomes one with the skin of the floor. And THIS connection, this interconnection, this relationship give us a possibility to go somewhere else. Ja? (Marcela Februar 2021)</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e542">In der materiellen Verbindung mit dem Tanzboden, der die Grenzen meiner
körperlichen Hülle verwischt, erkenne ich „things are an extension of my body, just as my body is an extension of the world“ (Dornberg und Fetzner, 2020: 232). Die
affektive Atmosphäre stellt sich dabei als kollektive Situation im
Proberaum dar und fühlt sich für mich gleichzeitig sehr
persönlich an (vgl. Anderson, 2009). Sie fordert die Vorstellung von
Gefühlen „als privaten mentalen Zuständen eines
bewussten Subjekts“ heraus und zeigt sich stattdessen „als
kollektiv verkörpert, räumlich ausgedehnt, materiell und kulturell
beeinflusst“ (Riedel, 2019: 85). Gleichzeitig ist das Kollektive nicht
statisch, sondern verändert sich in Ko-Präsenz mit den Affekten, die
sich in der Bewegung zwischen uns dreien entwickeln.</p>
      <p id="d1e546"><disp-quote>
  <p id="d1e549"><italic>Sie erklärt uns die nächste Übung und sagt zu Leandra und Nicole, dass sie mich mitnehmen sollen. Das erleichtert mich. Wir sollen ein Organismus sein, ein Dreieck mit Verbindungen. Wir beginnen zusammen und plötzlich geht es ganz leicht, weil ich auf die Anderen reagieren kann. Leandra geht auf den Boden, dann bleibe ich oben, als sie hochkommt, gehe ich nach unten, Nicole läuft auf die Seite, und ich laufe zwischendurch. Es ist viel leichter. Ich werde entspannt und gelöst. Danach sind alle ganz glücklich und beeindruckt und meine Stimmung von davor ist wie weggeblasen (Vignette Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e554">Die Choreographin lenkt unsere Aufmerksamkeit weg von uns selbst hin zu den
Anderen. Wir sind nicht mehr allein auf der Bühne, sondern stehen als
Körper mit affektiven Fähigkeiten (vgl. McCormack, 2014; Michels,
2015) in einer resonanten Verbindung mit den anderen. Affektive Räume
sind relational und dynamisch, „they involve nonreducible
relations between bodies, and between bodies and other kinds of things,
including artifacts, ideas, and concepts, where neither these things nor
bodies are ever stable themselves“ (McCormack, 2014: 4). Als Organismus
finden wir eine gemeinsame Sprache in der Bewegung, die die ganze
Atmosphäre verändert und deutlich macht, dass intime Momente des
Einzelnen in größere Strukturen eingebettet sind. Und genauso
überfordernd der körperliche Anspruch an theoretische Gedanken, so
unbedeutend ein Tanzboden oder unveränderlich ein Gemütszustand
erscheint, genauso schnell bemerken wir, dass wir mehr Körper sind und
brauchen als wir dachten.</p>
</sec>
<sec id="Ch1.S5.SS3">
  <label>5.3</label><?xmltex \opttitle{(In-)stabile Wissenschaftssubjekte zwischen Poststrukturalismus,
Performance und Pappmach\'{e}}?><title>(In-)stabile Wissenschaftssubjekte zwischen Poststrukturalismus,
Performance und Pappmaché</title>
      <p id="d1e566"><disp-quote>
  <p id="d1e569"><italic>Ich sage, dass ich es verstehe; dass das wohl Teil eines kollaborativen Prozesses ist, dass wir hier nicht nur einfach einen Vortrag abliefern und fertig, sondern dass wir gemeinsam immer weiter daran arbeiten und auch aus unserer Komfortzone rausmüssen (Gedächtnisprotokoll Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e574">In den Proben wird immer wieder deutlich, wie Identitätsordnungen
reproduziert, aber in der Komposition einer Atmosphäre auch
herausgefordert werden. Die Konzeptidee einer „Performance der
Wissenschaften“ mit klaren Vorstellungen des Regisseurs an „die Wissenschaft“, Handlungsempfehlungen zu präsentieren, rückt mit
der Zeit in den Hintergrund. Unsere Gespräche kommen an Grenzen, wenn
Philip als Regisseur fragt, „wie man denn jetzt mit
Poststrukturalismus der Klimakrise begegnen kann“ (Gedächtnisprotokoll
Dezember 2020). Ich habe in der Humangeographie gelernt, gesellschaftliche
Zusammenhänge zu beobachten, zu dekonstruieren und zu kritisieren. Ich
kann erklären, inwiefern ein modernes Mensch-Natur-Verständnis mit
der Klimakrise zusammenhängt; jedoch nicht, wie wir das im Dreischritt
überwinden können. Anstatt uns also weiter in „When I
rule the world“-Rollenspiele zu stecken, lässt uns die
künstlerische Leitung erstmal unabhängig des Konzepts das machen,
was wir in der Rolle als Wissenschaftlerinnen gewohnt sind: Wir bereiten
Vorträge zu unseren Forschungsthemen vor. Als wir beginnen, daraus eine
Performance zu entwickeln, stoßen wir an klar abgesteckte Vorstellungen
über wissenschaftliche Praktiken und Routinen, die wir selbst
mitbringen. Unsere Inhalte sind in den Proben jedoch nicht der Kritik eines
Fachpublikums, sondern einer sich dynamisch entwickelnden Dramaturgie
ausgesetzt, der wir uns anpassen müssen. Diese Herausforderung wird
dadurch verstärkt, dass das künstlerische Team weniger unseren
Worten, sondern viel mehr unseren Körpern beim Sprechen zuhört. Der
Vortrag wird als eine Praktik angesehen, die mehr Dimensionen umfasst als
nur die inhaltliche:</p>
      <p id="d1e577"><disp-quote>
  <p id="d1e580"><italic>Manchmal ist es sehr technisch. Natürlich seid ihr keine Schauspieler [sic], aber wenn man so ein Wort betont, einen Punkt macht, ein Break macht, dann kommt manchmal die Emotion, weil es einen Rhythmus hat. Es hat einen Rhythmus und dann vielleicht, wenn ihr den Rhythmus wiederholt, dann kommt eine Musik. Und man spürt diese Musik irgendwie. Es ist nicht die Emotion, ich weine hier oder ich bin total wütend, weil das ist sehr plakativ besonders hier mit diesem ganzen Thema. Ja, ich würde sagen wie so ein Gulasch, es kocht so langsam und am Ende hat es einen guten Geschmack (Marcela Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>

      <?xmltex \floatpos{t}?><fig id="Ch1.F3"><?xmltex \currentcnt{3}?><?xmltex \def\figurename{Abb.}?><label>Abb. 3</label><caption><p id="d1e588">Performance Lecture Mensch-Natur-Verhältnisse © Dominic Sehak.</p></caption>
          <?xmltex \igopts{width=241.848425pt}?><graphic xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/78/15/2023/gh-78-15-2023-f03.jpg"/>

        </fig>

      <p id="d1e597">Wir stehen also als wissenschaftliche Expertinnen auf der Bühne und
sollen mit Kohlenstoff, Donna Haraway und autofreien Innenstädten
Gulasch kochen. Bis zum Ende des Probenprozesses tun wir uns damit schwer
und zeichnen die Grenzen zwischen einer vermeintlich vernünftigen
Wissenschaftsposition und emotionalen Praktiken immer wieder nach:</p>
      <p id="d1e600"><disp-quote>
  <p id="d1e603"><italic>Und immer dann, wenn es für meinen Geschmack zu ‚schauspielerisch‘ wurde, war ich raus. Weil es mir zu albern und aufgesetzt war, und weil ich verwirrt war, ob das nicht meiner Rolle als Wissenschaftlerin widerspricht (Nicole Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e608">Vor allem der zweite Teil der Aufführung – eine Kleingruppenarbeit mit
dem Publikum – stellt mich vor die Herausforderung, meine Vorstellungen von
mir als „Wissenschaftlerin“ zu überdenken. Ich schaffe es
nicht, eine Gruppenarbeit zu entwickeln, die meinen Ansprüchen einer
theoretisch tiefsinnigen Darstellung meiner Forschungsinteressen entspricht
– verständlich für eine unvorhersehbare Zielgruppe – und
gleichzeitig der Klimakrise eine Utopie entgegenstellt, die den in unserem
Kontext geforderten Vorstellungen einer sinnlichen Theateratmosphäre
standhält.</p>
      <p id="d1e611"><disp-quote>
  <p id="d1e614"><italic>Ich bin von der Situation genervt. Ich habe das Gefühl, ich bin verantwortlich, mir etwas Kreatives aus der Nase zu ziehen, obwohl ich das eigentlich nicht in meiner Verantwortung sehe. Ich merke das auch an und Philip [Regisseur] meint, wir würden doch miteinander reden und ob ich nicht das Gefühl hätte, dass auch neue Dinge zur Sprache kommen. Doch. Aber ich hab trotzdem das Gefühl, etwas abliefern zu müssen, weil er immer fragt, wie ich mir das vorstelle. Er meint, es läge eben daran, da ich es ja auch durchführen werde, müsse es zu mir passen. Aber ich sage, dass ich nicht die kreative Kompetenz hätte und das nicht leisten kann (Gedächtnisprotokoll Februar 2021).</italic></p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e619">Am Ende nenne ich meine spielerische Interaktion „Parlament der
Dinge“ – angelehnt an Bruno Latour – und schicke der Bühnenbildnerin
Ideen für Spielfiguren der Braunkohlethematik aus Pappmaché. Ich
hoffe, anhand der Materialität eines Braunkohlebaggers oder Spechts eine
sinnliche Atmosphäre schaffen zu können. Und tatsächlich: Das
Publikum scheut sich nicht (egal ob Professor oder Schulgruppe), in der
Rolle eines Radieschens die Zukunft Lützeraths mit einem Kohlebagger
auszuhandeln. Ich versuche immer wieder, mich selbst in meiner Doppelrolle
als Wissenschaftlerin und Performerin in den spielerischen Umgangsweisen
einzufinden und meine starren Vorstellungen über wissenschaftliche
Praktiken aufzubrechen. Doch selbst nach drei geglückten
Aufführungen fühle ich mich zwischen den Figuren, der Thematik und
dem Publikum verunsichert, wer ich eigentlich sein soll: Dozierende?
Wissenschaftlerin? Schauspielerin? Spielkind?</p>
      <p id="d1e623">Und so sind sowohl die Regie und Dramaturgie als auch wir „Performerinnen“ mit unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen auf der
Suche nach „der Wissenschaft“ als spielerische Praxis im Sinne
einer „artistic mode“ (Klein, 2018). Wir werden in den
affektiven Atmosphären der gemeinsamen Theaterproben dazu
herausgefordert, uns als Wissenschaftlerinnen in einem neuen Kontext zu
konstruieren und konnten beobachten wie „atmospheres may
interrupt, perturb and haunt fixed persons, places or things“ (Anderson,
2009: 78). Während ich Identitäten aus einer
wissenschaftlich-poststrukturalistischen Perspektive als partiell und
dynamisch begreife, scheitere ich in der künstlerischen Praxis genau
daran: Durch unterschiedliche Anrufungen im Prozess zeigen sich unsere
Identitäten und Praktiken als instabile Konstruktionen – wir sind
Wissenschaftlerinnen, Tänzerinnen, Freundinnen, Kolleginnen und
Performerinnen –, reproduzieren jedoch statische Kategorien. Entgegen
dualistischer Vorstellungen zwischen <italic>der </italic>Wissenschaft und künstlerischen
Praktiken lerne ich, dass es auch spielerisch-kreative Wissenschaft geben
kann – und vielleicht geben muss – mit einem Spielkind, dem Publikum oder
den Pappmaché-Figuren auf der Bühne.</p>
</sec>
</sec>
<sec id="Ch1.S6" sec-type="conclusions">
  <label>6</label><title>Fazit</title>
      <p id="d1e638">Wir stehen auf der Bühne als fühlende und tanzende Körper. Im
Laufe der Proben erkunden wir die Emotionen unseres Wissens und im
gemeinsamen Spiel verlieren wir uns in unterschiedlichen Rollen und
verwandeln all das in Bewegungen. Mit dem Umzug von der Probebühne in
den Theatersaal geraten unsere Körper in den Hintergrund. Sie geben
nicht mehr das Tempo vor, sondern erstrahlen in Lichtkegeln, verstummen in
lauten Sounds und verstecken sich hinter Projektionen. Als Teil affektiver
Atmosphären der künstlerisch-kollaborativen Bearbeitung der
Klimakrise lernen wir, dass wir als Menschen nur ein Teil der Welt unter
vielen sind, ein verwobener Körper, der fühlt und affiziert. Der
künstlerische Rahmen fordert unsere Identitätsordnungen heraus und
destabilisiert starre Subjektpositionen. Und erst jetzt, als ich das
niederschreibe<fn id="Ch1.Footn6"><p id="d1e641">Vgl. dazu „den Schreibprozess als ein
Denk-, Erfahrungs- und Konstitutionsprozess“ nicht-repräsentationaler
Forschung (Bertram, 2016: 287).</p></fn>, bemerke ich, wie viel Mühe sich das
künstlerische Team mit uns gemacht hat, um diese Schranken in unseren
Köpfen zu öffnen und wie sehr wir uns daran festklammerten. Wie
gerne wären wir stereotypische „Wissenschaftlerinnen“
geblieben, hätten unsere Notizbücher in der Hand behalten wollen,
uns beim Tanzen hinter unseren Brillen versteckt und beim Sprechen in
naturwissenschaftlichen Fakten verheddert. Fokussiert auf textbasierte
Forschungsmethoden wollten wir insgeheim dualistische Denkmuster zwischen
Subjekt/Objekt, Geist/Körper und Vernunft/Emotion reproduzieren. Doch
wir kamen nicht umhin, unsere Komfortzone zu verlassen, die technischen
Mittel als machtvolle und relationale Bestandteile des Raumes wahrzunehmen,
die transformativen Verbindungen unserer Körper zuzulassen und unsere
Identitäten als brüchig anzunehmen. In den affektiven
Atmosphären der Theaterarbeit zeigen sich damit einerseits Emotionen und
Praktiken, die machtvollen dualistischen Diskursen folgen und
Identitätsordnungen an ihrem Platz halten (wollen). Andererseits zeigen
sie deren Veränderlichkeit hin zu der Idee einer
spielerisch-künstlerischen Wissenschaft und ihrem
erkenntnistheoretischen Potenzial im Kontext posthumanistischer Theorien
(vgl. Haraway, 2018).</p>
      <p id="d1e645">Trotz der spielerischen Neuverhandlung von Dualismen in den Proben muss aus
feministischer Perspektive jedoch auch hinterfragt werden, inwiefern
Machtverhältnisse auch reproduziert wurden. Befeuern wir mit unseren
weiblich gelesenen Körpern und sinnlichen Elementen nicht genau
dieselben Dualismen, die wir hinterfragen sollten? Schaffen wir damit eine
Verbindung von Frau/Körper/Emotion/Natur, die im Gegensatz zu
Mann/Geist/Verstand/Kultur steht? Warum sind alle Performenden sowie
beispielsweise die Choreographin und Bühnenbildnerinnen weiblich gelesen
und alle, die die Technik machen sowie Regisseur und Dramaturg – als
Entscheidungsträger – männlich? Ist die Theaterbranche nicht tief
durchzogen von patriarchalen Strukturen, die sich hier ebenfalls zeigen? Ist
es Zufall, dass die „emotionalen“ Vorbilder unseres Regisseurs
Maja Göpel und Greta Thunberg waren und nicht etwa Herr
Schellnhuber<fn id="Ch1.Footn7"><p id="d1e648">Prof. Schellnhuber ist u.a. Gründungsdirektor des
Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.</p></fn>? Und taten wir uns deshalb
so schwer, uns auf emotionale Ausdrucksformen einzulassen, weil wir in einem
dualistisch denkenden und patriarchalen Wissenschaftssystem wissen, dass wir
uns an männlich konnotierten Praktiken orientieren sollten, um dort
Bestand zu haben? Ob es dem Stück gelingt, diese aufzubrechen, indem
ausschließlich Wissenschaftlerinnen zu Wort kommen, bleibt – vor allem
vor dem Hintergrund männlicher Kollegen in höheren Positionen, die
sich auf Anfrage keine Zeit dafür nahmen – fraglich. Wir saßen zum
Teil stillend, mit auslaufenden Verträgen und gestresst von
universitären Deadlines feierabends und am Wochenende in den
Proben<fn id="Ch1.Footn8"><p id="d1e652">Unsere Probenzeit und die Aufführungen waren als Teil
einer öffentlich geförderten Theaterproduktion vertraglich geregelt
und vergütet.</p></fn> und fragten uns nicht nur einmal, warum gerade wir als
prekär beschäftigte Nachwuchswissenschaftlerinnen diese
Mehrbelastung auf uns nahmen.</p>
      <p id="d1e656">Und dennoch zeigt die Analyse der affektiven Atmosphären des
Stückes, dass sich die männlich dominierte akademische Welt genau
diesen emotionalen Zugängen im Kontext wissenschaftlicher Erkenntnisse
annehmen sollte, denn „the most important is that you feel the
space“ (Marcela Januar 2021). Jeder Mensch ist eingebettet in Relationen
zwischen der eigenen Lebensweise, anderen Lebewesen und Windströmen, die
meist erst dann aktiv wahrgenommen werden, wenn eine Atmosphäre mit
Hitze und Stechmücken unangenehm affiziert.</p>
      <p id="d1e659"><disp-quote>
  <p id="d1e662">Die Zugehörigkeit zur Welt ist nicht heilbar. Aber wenn
man sich Mühe gibt, kann man sich vom Glauben heilen, dass man nicht
dazugehört (Latour, 2017: 30–31)</p>
</disp-quote></p>
      <p id="d1e667">Da sich im Kampf gegen die Klimakrise auch viele Wissenschaften gegen diese
Erkenntnis sträuben und sich mit technischen Lösungen der Kontrolle
der Welt sicher zu sein scheinen, zeigt sich auch dort die Herausforderung,
Mensch-Natur-Verhältnisse aufzubrechen und die Handlungsfähigkeit
nicht-menschlicher Akteur:innen zu erkennen (vgl. Bauriedl, 2016). Dies ist
die Chance, sich selbst als aktive und verantwortungsvolle Akteur:in in der
Welt und im Kontext der Klimakrise wahrzunehmen, denn „you open
the space and you let behind a trace“ (Marcela Januar 2021).</p>
      <p id="d1e670">In dem künstlerisch-kollaborativen Prozess wurden wir dort
herausgefordert, wo wir gelernt haben, in unserer Kammer zu bleiben: wenn
Bedeutungen körperlich, materiell, emotional und relational werden. Wenn
auch Wissenschaft tätig werden muss, weil allen klar ist, „there is no hope anymore, just action“ (Marcela Februar 2021). Und auch wenn ein
Theaterstück vor einem Publikum, das sich größtenteils in uns
ähnlichen Gedankenräumen aufhält, wohl nicht die Welt retten
wird, so kommentierte der Deutschlandfunk nach der Premiere, es hätte
Denkräume in Handlungsräume verwandelt (Backoff, 2020). Und das gilt
nicht nur für das Publikum, das mit Radieschensamen und Protestrufen
nachhause ging, sondern vor allem auch für mich selbst auf dem Weg in
den nächsten Seminarraum als „Wissenschaftlerin“.</p>
</sec>

      
      </body>
    <back><notes notes-type="dataavailability"><title>Datenverfügbarkeit</title>

      <p id="d1e677">Das der Analyse zugrunde liegende empirische Material liegt in schriftlicher Form vor. Es wird aufgrund der autoethnographischen und damit sehr persönlichen Herangehensweise nicht öffentlich verfügbar gemacht. Die Erlaubnis zur Verwendung der Abbildungen (Dominic Sehak) liegt vor.</p>
  </notes><notes notes-type="competinginterests"><title>Interessenkonflikt</title>

      <p id="d1e683">Die Autor*innen erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.</p>
  </notes><notes notes-type="disclaimer"><title>Haftungsausschluss</title>

      <p id="d1e689">Anmerkung des Verlags: Copernicus Publications bleibt in Bezug auf gerichtliche Ansprüche in veröffentlichten Karten und institutionellen Zugehörigkeiten neutral.</p>
  </notes><ack><title>Danksagung</title><p id="d1e695">Ich danke Boris Michel und Jan Winkler für
die inspirierende Initiative des Special Issues und den Gutachter:innen für die hilfreichen
Kommentare. Außerdem möchte ich Susanne
Hübl, Annika Mattissek und Samuel Mössner für die
Unterstützung und das ehrliche Feedback im Schreib- und
Überarbeitungsprozess danken. Mein größter Dank gilt dem
gesamten Team von Denkraum der Utopien: Ihr habt meine Welt auf den Kopf
gestellt – wie schön!</p></ack><notes notes-type="reviewstatement"><title>Begutachtung</title>

      <p id="d1e700">This paper was edited by Nadine Marquardt and reviewed by three anonymous referees.</p>
  </notes><ref-list>
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