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    <journal-title>Geographica Helvetica</journal-title>
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    <publisher-name>Copernicus Publications</publisher-name>
    <publisher-loc>Göttingen, Germany</publisher-loc>
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      <article-id pub-id-type="doi">10.5194/gh-78-199-2023</article-id><title-group><article-title>Overview: Für eine (Neu-)Theoretisierung <?xmltex \hack{\break}?> und (Neu-)Methodologisierung <?xmltex \hack{\break}?> bevölkerungsrelevanter Phänomene</article-title><alt-title>Für eine (Neu-)Theoretisierung bevölkerungsrelevanter Phänomene</alt-title>
      </title-group><?xmltex \runningtitle{F\"{u}r eine (Neu-)Theoretisierung bev\"{o}lkerungsrelevanter Ph\"{a}nomene}?><?xmltex \runningauthor{M.~Siedhoff et al.}?>
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<?xmltex \hack{\break}?> Technische Universität Dresden, 01062 Dresden, Deutschland</institution>
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Geschichtswissenschaften, <?xmltex \hack{\break}?> Technische Universität Chemnitz, Chemnitz, Deutschland</institution>
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      <author-notes><corresp id="corr1">Jeannine Wintzer (wintzer@giub.unibe.ch)</corresp></author-notes><pub-date><day>29</day><month>March</month><year>2023</year></pub-date>
      
      <volume>78</volume>
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      <license license-type="open-access"><license-p>This work is licensed under the Creative Commons Attribution 4.0 International License. To view a copy of this licence, visit <ext-link ext-link-type="uri" xlink:href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</ext-link></license-p></license></permissions><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/gh-78-199-2023.html">This article is available from https://gh.copernicus.org/articles/gh-78-199-2023.html</self-uri><self-uri xlink:href="https://gh.copernicus.org/articles/gh-78-199-2023.pdf">The full text article is available as a PDF file from https://gh.copernicus.org/articles/gh-78-199-2023.pdf</self-uri>
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      <p id="d1e117"><disp-quote>
  <p id="d1e120">Despite the intellectual turmoil that has characterised other branches of human geography, population geographers have been responsible for scarcely any serious engagement with recent debates in social theory.</p>
</disp-quote>Diesen Vorwurf machten Paul White und Peter Jackson (1995:112) der
Bevölkerungsgeographie Mitte der 1990er-Jahre und sie halten zudem fest:<disp-quote>
  <p id="d1e126">Population geography in its current form has clearly achieved
much, but there is a rich potential for its (re)theorisation (White und
Jackson, 1995:121).</p>
</disp-quote>Diese Stellungnahme bildet den Ausgangspunkt dieser <italic>Special Issue</italic> zum Thema <italic>(Re)Thinking Population Geography. New perspectives on concepts, methods and topics</italic>, denn die Diagnose von White und Jackson (1995) sowie anderer Forschender (vgl. Barcus und Halfacree, 2018:6 ff.) zu den Mängeln der fehlenden Theoretisierung der Bevölkerungsgeographie hat nach Erachten der Herausgeber*innen, die als in der Bevölkerungsgeographie, der Geographischen Migrationsforschung und der feministischen Geographie verankerte Humangeograph*innen auf das Fach blicken, (zu) wenig an Aktualität verloren.</p>
      <p id="d1e137">Weite Bereiche der Humangeographie erlebten in den letzten Jahrzehnten zum
Teil tiefgreifende Wendungen und Neuausrichtungen. Diese betrafen
Erkenntnisinteressen, inhaltliche Schwerpunktsetzungen, theoretische Anbindungen, methodische und methodologische Zugänge und auch die
Positionalität von Wissenschaftler*innen. Es ist zu einer
Selbstverständlichkeit geworden, die empirische <italic>Realität</italic> als soziale Wirklichkeit und damit als gesellschaftlich hervorgebrachtes und symbolisch vermitteltes Konstrukt zu denken und zu diskutieren, und dabei den Blick auf Konstruktionsweisen, die ihnen zu Grunde liegenden Logiken und die sie rahmenden Machtkonstellationen zu richten. Die Etablierung konstruktivistischer Perspektiven hat zur Reflexion über das Selbstverständnis von (Teil-)Disziplinen beigetragen, indem überkommene innerdisziplinäre Wissensordnungen und Forschungsperspektiven auf den Prüfstand und in Frage gestellt wurden.
In prägnanter Weise waren und sind z. B. Kulturgeographie (vgl. Gebhardt
et al., 2003; Atkinson et al., 2005; Berndt und Pütz, 2015), Stadtgeographie (vgl. Lossau, 2009), Feministische Geographie (vgl. Birkcland, 1998; Sharp, 2009), Politische Geographie (vgl. Painter, 1995; Mirahmadi und Ahmadi, 2018) und Postkoloniale Geographie (vgl. Lossau, 2012) von entsprechenden Wendungen und Bedeutungsänderungen betroffen.</p>
      <p id="d1e143">Die (deutschsprachige) Bevölkerungsgeographie nahm allerdings von den
Paradigmenwechseln in der Humangeographie bislang wenig Kenntnis, so dass
entsprechende theoretische und methodische Öffnungen und Neuausrichtungen in diesem Bereich der Geographie bisher ausblieben. Mit Blick auf die Tatsache, dass bestimmte Themen die bevölkerungsbezogenen Diskurse über lange Zeit prägen, mag diese <italic>Trägheit</italic> nicht verwundern. Gleichwohl ist dies aus einer innerwissenschaftlichen Perspektive
problematisch: Die Bevölkerungsgeographie vergibt sich damit nicht nur
Möglichkeiten, weitere Zugänge zum Verständnis<?pagebreak page200?> bevölkerungsbezogener Phänomene und Prozesse zu nutzen; sie
läuft auch Gefahr, für gegenwärtige (geographische) Diskussionen
nicht anschlussfähig zu werden. (In letzterem Zusammenhang erscheint es
den Autor*innen durchaus symptomatisch, dass auf der jüngsten Tagung
„Neue Kulturgeographie 2023“ in der Diskussion einer Fachsitzung die Herauslösung einer von einer reflexiven Wende gekennzeichneten Migrationsforschung aus der Bevölkerungsgeographie gefordert wurde.) Im Zentrum des Interesses der Bevölkerungsgeographie stand und steht als „epistemisches Ding“ (Schlimm, 2007:105) i. d. R. <italic>die Bevölkerung</italic> als Gruppe von Personen, die einem Staat angehören. Henriette Engelhardt (2011) hält in ihrem Einführungsbuch zur
Bevölkerungswissenschaft fest, dass diese eine Wissenschaft zur Volksbeschreibung sei, die die alters- und zahlenmäßige Gliederung,
Reproduktions- und Sterberaten sowie Lebenserwartungen und Wanderungsbewegungen ebenso wie die geographische Verteilung der Bevölkerung untersuche, um Beschreibungs- und Erklärungsmodelle für (Un-)Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten der
Struktur und somit des Zustandes der Bevölkerung vorzulegen.</p>
      <p id="d1e152">Dieses „epistemische Ding“ <italic>Bevölkerung</italic> war „ständiger Gegenstand von Definitions- und damit Stabilisierungsbemühungen“ (Schlimm, 2007:105), was sich in Inhalten von bevölkerungsbezogenen Diskursen und deren Verschiebungen widerspiegelt(e). Mit je eigenen Akzenten waren und sind sie u. a. durch Verweise auf politische und ökonomische Bedeutungen von Bevölkerungszahlen und -entwicklungen und durch Ängste vor Geburten- und Bevölkerungsrückgang (bis hin zur Furcht vor dem „Aussterben des Volkes“), vor „Überalterung“ und „Überfremdung“, aber auch vor „Bevölkerungsexplosion“ (vgl. Bryant, 2011; Etzemüller, 2015) gekennzeichnet. Änderungen des „epistemischen Dings“ (wie z. B. im Kontext des zweiten demographischen Übergangs) sowie damit verbundene diskursive Verschiebungen bedingen, dass bevölkerungsbezogene Disziplinen – und damit auch Bevölkerungsgeographie – nicht statisch sind (vgl. Bailey, 2005). Gleichwohl ändert(e) sich bislang wenig an den vorrangigen bevölkerungsgeographischen Erkenntnisinteressen, die Bevölkerung in ihrer zahlenmäßigen Entwicklung und ihren Strukturen zu analysieren.</p>
      <p id="d1e159">Dazu wurden und werden in erster Linie die Grundkomponenten der
Bevölkerungsentwicklung in den Blick genommen:<disp-quote>
  <p id="d1e163">By
convention, most population geographers study population-related events,
namely fertility, mortality, or migration (Tyner, 2009:17).</p>
</disp-quote>In enger
Anlehnung an die Demographie, und schon aus methodischen Gründen
basierend auf einem essentialistischen Verständnis von territorialer
Zugehörigkeit, fokussiert(e) die Bevölkerungsgeographie auf die
Vermessung von Bevölkerung und demographischen Ereignissen und läuft
dabei stets Gefahr, Bevölkerung als determinierende und zu gestaltende
Größe zu thematisieren, die eine möglichst vorteilhafte
ökonomische Entwicklung (vgl. Murphy, 2017) immer mit Blick auf die
jeweils gewählte klassische Maßstabsebene – Nationalstaat, Region,
Gemeinde – gewährleisten soll. Bevölkerungsgeographie tendiert in
diesem Sinne dazu, überkommene bzw. dringend in Frage zu stellende
Narrative zu bedienen und zu verstetigen: das Narrativ der problematischen
Bevölkerungsentwicklung in Ländern des Globalen Südens, die mit
Hilfe des Globalen Nordens verändert werden muss; das Narrativ von der
problematisch niedrigen Geburtenhäufigkeit in Ländern des Globalen
Nordens, die durch familienpolitische Maßnahmen erhöht werden
müsste; das Narrativ von gefährlichen demographischen Schrumpfungen,
deren Konsequenzen und Implikationen bis ins Detail durchdekliniert werden,
ohne sie sachgerecht den ebenso detailliert aufgeschlüsselten Konsequenzen und Implikationen wachsender Bevölkerungen gegenüberzustellen. Ebensolche unkritische Einmischungen sind in der
„klassischen“ geographischen Migrationsforschung zu konstatieren, insofern viel zu häufig politisch oder nationalstaatlich determinierte Zuschreibungen hinsichtlich der Legitimität von Migration und dem Aufenthalt auf einem staatlichen Territorium zur Grundlage für Forschungsansätze gemacht werden. Leicht schimmern dabei die Annahme von
<italic>richtigen</italic> und <italic>falschen</italic>, von <italic>guten</italic> und <italic>schlechten</italic> Bevölkerungsentwicklungen durch, wodurch die
Bevölkerungsgeographie – der Demographie ähnlich – immer wieder zum selbstverständlichen Komplizen solcher Politiken zu werden droht, die Bevölkerungsentwicklungen unhinterfragt zu beeinflussen suchen.</p>
      <p id="d1e180">Eine (über die angedeutete Haltung hinausgehende) kontinuierliche
Auseinandersetzung mit Fragen nach den Beziehungen von Gesellschaft, Staat
und Politik zu dem Konstrukt <italic>Bevölkerung</italic> lässt die Bevölkerungsgeographie vermissen. Dabei legen schon allein die Tatsachen, dass <italic>Bevölkerung</italic> meist nach klassischen administrativen Konzepten definiert, gemessen, untersucht und diskutiert wird, eine Beschäftigung mit der Frage nahe, welche Bedeutung <italic>Bevölkerung</italic> für Staat und Politik hat, unter welchen strukturellen Rahmungen sich Bevölkerungsentwicklung vollzieht, und welche politischen Logiken dabei zum Tragen kommen. Klassischen Fragen wie „Wie entwickelt sich die Bevölkerung?“ und „Welche Folgen und Implikationen hat die Bevölkerungsentwicklung für Staat und Gesellschaft?“ konzeptualisieren <italic>Bevölkerung</italic> als im Raum existentes demographisch definiertes Objekt (vgl. Bailey, 2005:192), als Ressource (vgl. Schlimm, 2007:105) und Raum als passiven Kontext der Bevölkerungsentwicklung (vgl. Duffy und Stojanovic, 2018:2).</p>
      <p id="d1e195">Im Zuge dessen bleiben Fragen wie die folgenden weitgehend unbeachtet und
entsprechend unbeantwortet: Welche Interessen sind mit spezifischen
Konzeptualisierungen und (Versuchen der) Formungen von Bevölkerung
verbunden? Von welchen Rationalitäten sind staatliche Einflüsse auf
demographische Prozesse und Ereignisse durchdrungen? Wie werden Räume
auch durch spezifische Konzeptualisierungen von Bevölkerung produziert?
Solche Fragen folgen<?pagebreak page201?> kritischen Positionen, die strukturelle Rahmungen von
Bevölkerung thematisieren und den Fokus konsequent auf ausgegrenzte und
benachteiligte Bevölkerungsgruppen richten. Soziale Ungleichheiten nicht
nur zu benennen, sondern diese auch als Ungerechtigkeiten anzuklagen, ist in
der (deutschsprachigen) Bevölkerungsgeographie jedoch ebenso selten
anzutreffen wie Versuche, die Bevölkerung grundsätzlich als
gesellschaftlich hervorgebrachtes Produkt zu begreifen (vgl. Bailey, 2005:192).</p>
      <p id="d1e198">Hinsichtlich der theoretischen Bezüge ist die <?xmltex \hack{\mbox\bgroup}?>(Lehrbuch-)Bevölkerungsgeographie<?xmltex \hack{\egroup}?> nach wie vor ausbaufähig. Sie ist nicht theorielos, aber sie operiert weitgehend mit Theorien mittlerer
Reichweite wie beispielsweise Migrationstheorien und Wanderungsverhalten
(vgl. Hillmann, 2016; Pott und Gans, 2020). Konsequente Anknüpfungen an
Grand Theories wie Sozialkonstruktivismus (Berger und Luckmann, [1969] 1987) sind selten. Abgesehen von einer starken Fixierung auf Transformationskonzepte wie <italic>Demographische Transformation</italic> finden sich theoretische Anbindungen vor allem im Kontext der Erklärung der verschiedenen demographischen Prozesse; beispielsweise wenn es um die Erklärung von Wanderungen, von Geburtenverhalten, von Heiratsverhalten usw. geht. Rückgriffe auf z. B. kapitalismuskritische, poststrukturalistische, postkoloniale, feministische, staatstheoretische oder systemtheoretische Ansätze, die (entsprechendes Erkenntnisinteresse vorausgesetzt) sowohl eine weitere thematische Öffnung der Bevölkerungsgeographie beflügeln als auch erweiterte Erklärungsmöglichkeiten bieten könnten, sind – in deutlichem Kontrast zu anderen Bereichen der Humangeographie – überraschend rar.</p>
      <p id="d1e208">Korrespondierend mit der Einseitigkeit des Erkenntnisobjekts und der
defizitären theoretischen Anbindung zeichnet sich die Bevölkerungsgeographie durch Einseitigkeit in methodologischer Hinsicht
aus. Unter dem Dach des quantitativen Paradigmas werden mit dem Ziel,
repräsentative Aussagen über scheinbar unhintergehbare
bevölkerungsbezogene Realitäten zu präsentieren, vornehmlich
<?xmltex \hack{\mbox\bgroup}?>(bevölkerungs-)statistische<?xmltex \hack{\egroup}?> Methoden angewandt. Als unverzichtbares Standardinstrumentarium wird in jedem Lehrbuch auf demographische Raten verwiesen, die dem Zweck der Bevölkerungsvermessung dienlich sind. Qualitative Methoden, die sich seit nun mehr seit 30 Jahren in der Humangeographie und vor allem auch in der Migrationsforschung etabliert
haben und ein umfangreiches Instrumentarium zur Untersuchung sozialer
Weltkonstruktionen vorweisen können (vgl. DeLyser et al., 2010; von Benzon et al., 2021; Hay und Cope, 2021), spielen in der Demographie eine Nebenrolle, insbesondere solche, die geeignet sind, bevölkerungsbezogene Diskurse zu untersuchen.</p>
      <p id="d1e215">Diese theoretischen und methodischen Defizite führen dazu, dass
bevölkerungsgeographisch relevante Themen zunehmend im Rahmen anderer
Scientific Communities, wie z. B. <italic>Feminist Geography</italic> (Bhatia et al., 2020; Hendrixson et al., 2020; Hierofani, 2016) und <italic>Feminist Geopolitics</italic> (Dixon, 2015; Hyndman, 2004; Sharp, 2022), überaus
vielversprechend bearbeitet werden. Damit entgehen der Bevölkerungsgeographie wichtige Inspirationen zur kritischen
Auseinandersetzung mit Konzepten, Themen, Logiken und Argumentationsmustern.
Solche kritischen Debatten zu bis dahin als tragfähig und selbstverständlich erachten epistemischen Dingen sind innerhalb einer
Scientific Community jedoch für deren Weiterentwicklung unabdingbar, so
dass die Bevölkerungsgeographie auch für das 21. Jahrhundert
vielseitig relevante Erkenntnisse über umfangreich ablaufende
bevölkerungsrelevante Phänomene generieren kann.</p>
      <p id="d1e225">Ausgehend von den dargelegten Desideraten lassen sich mit Blick auf aktuelle
und zukünftige bevölkerungsrelevante Entwicklungen verschiedene Themen identifizieren, die in den Fokus einer kritischen geographischen
Bevölkerungsforschung genommen werden könnten. Diese richten sich
auf den Gegenstand, die konzeptionellen Zugänge, die Methoden sowie den
Anwendungsbezug im Sinne eines gesellschaftlichen Auftrags, mit wissenschaftlichem Wissen zur Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft
beizutragen. Beispielhaft wollen wir an dieser Stelle einige aktuelle
gesellschaftliche Themen ausführen, zu denen eine moderne, kritische
Bevölkerungsgeographie wertvolle Beiträge leisten könnte. Viele
dieser Beispiele setzen bei einer kritischen Dekonstruktion des
<italic>Bevölkerungs</italic>-Begriffs an, z. B. in Hinblick auf eine nativistische bzw. ‚völkische‘ Begriffsauslegung: Jenseits von der forschungspraktischen Zuordnung von <italic>Bevölkerung</italic> als raum-zeitlich gebundener demographischer Einheit ist auch der soziale Konstruktionscharakter von <italic>Bevölkerung</italic> ein Thema, das Vertiefung verdient hätte. Dieser soziale Konstruktionscharakter basiert auf vorgestellten sozialen Identitäten. Im Kontext zunehmender Migration und
Diversität stellt sich die Frage, wer auf welcher Grundlage (nicht) Teil
einer <italic>Bevölkerung</italic> ist, nicht nur aufseiten von Migrant*innen, die sich durch die fortdauernde Zuschreibung von Migrationseigenschaften (wie sie in der deutschen Statistik z. B. durch den „Migrationshintergrund“ konstruiert werden) ausgegrenzt fühlen. Sie ist auch auf Seiten der nicht-migrantischen Bevölkerung relevant, die sich zu Migration in irgendeiner Form verhalten muss. Sie wird beeinflusst und herausgefordert durch die Propagierung von ethnischen Kriterien für nationale Zugehörigkeit, welche auf Grundlage von nativistischen Konzepten eine Normalitätsfiktion von ethnischer Homogenität konstruieren. Eine kritische Bevölkerungsgeographie reflektiert diese Entwicklungen und Einflüsse und untersucht den Konstruktionscharakter des „Weißseins“ auf Basis rassismuskritischer Ansätze wie z. B. dem Critical Whiteness Konzept (Dwyer und Jones, 2000; Jackson, 1998). Entsprechende Forschungsergebnisse dürften auch in der praktischen Anwendung hochwillkommen sein. So wird z. B. in Deutschland nach einer weniger stigmatisierenden Alternative für die statistische Benennung von Migrationsmerkmalen gesucht (Mediendienst Integration, 2020), und „local citizenship“-Konzepte, die die Kopräsenz an einer definierten Lokalität als gemeinsame Basis für<?pagebreak page202?> eine gruppenbezogene Identität verstehen, sind schon lange auf kommunaler Ebene Realität (vgl. Wood, 2018).</p>
      <p id="d1e240">Eine weitere kritische Dekonstruktion wäre in Bezug auf den Familien-
und Reproduktionsbegriff sowie in Bezug auf Geschlechterzuordnungen notwendig. Normative Vorstellungen von binären Geschlechteraufteilungen,
der „Normalfamilie“ und Konzepten „natürlicher Reproduktion“ und des „richtigen“ Reproduktionsalters, welche in der bevölkerungsgeographischen Forschung reproduziert werden, haben Folgen für die Produktion gesellschaftlicher und räumlicher Ordnungen. Eine moderne Bevölkerungsgeographie sollte sich zur Aufgabe machen, aufzuzeigen, welche Konsequenzen eine Auffächerung des demographischen Blicks in Bezug auf non-binäre Geschlechteranordnungen, die Vielfalt familiärer Lebensformen und Eltern-Kind-Konstellationen oder Formen der Reproduktion für die verschiedenen Bereiche des Lebens (z. B. Arbeiten, in Gemeinschaft leben, etc.) und raumbezogener Ordnungen (z. B. Wohnformen, reproduktive Gerechtigkeit) haben kann.</p>
      <p id="d1e243">Auch in Bezug auf Alterskohorten wäre ein stärker ausdifferenzierender Blick zu empfehlen, der auch kohortenspezifische
biographische Ereignisse und Statuspassagen in den Blick nimmt. Nicht das
Durchleben von biographischen Etappen prägt individuelle und gruppenbezogene Handlungen und Haltungen, sondern auch die Frage, welche
raumzeitlichen Kontextbedingungen Entwicklungsprozesse beeinflusst haben.
Für den innerdeutschen gesellschaftlichen Diskurs seien hier z. B. die
spezifischen biographischen Erfahrungen der „Wendegeneration“
genannt, also jener DDR-Bürger*innen, die zum Zeitpunkt des politischen
Zusammenbruchs der DDR im erwerbsfähigen Alter waren. Vor allem die
Kohorten, deren berufliche Karrieren bereits im DDR-System verankert waren,
erlebten teils schwierige Transformationen in die neue Arbeitswelt,
verbunden mit Arbeitslosigkeit und Dequalifizierung. Gleichaltrige aus der
alten Bundesrepublik haben grundlegend andere biographische Erfahrungen
gemacht. Eine entsprechend entlang von biographischen Lebenslaufpassagen
analysierende Bevölkerungsgeographie hätte den Produktionscharakter,
aber auch die Kontingenz von Lebensläufen im Blick, und könnte somit
zur Analyse von sozialer Ungerechtigkeit im Längsschnitt beitragen.</p>
      <p id="d1e246">In Bezug auf gesellschaftliche Transformationen, die mit demographischen
Entwicklungen verknüpft sind, könnte eine kritische Bevölkerungsforschung in enger Verbindung mit Sozialgeographie auf der
Basis sozialer Ungleichheitskonzepte Forschungsergebnisse liefern, die dazu
geeignet sind, gesellschaftliche Spaltungen zu verstehen und auf der anderen
Seite Wege zu mehr sozialer Kohäsion und Teilhabe aus bevölkerungsgeographischer Perspektive aufzuzeigen. Hierbei sind bereits
etablierten Begriffen und Ansätzen wie z. B. dem Resilienzbegriff oder
dem politischen Konzept der sozialen Kohäsion weitere Ansätze
insbesondere aus der sozialpsychologischen Forschung hinzuzufügen und
mit bevölkerungsgeographischen Ansätzen zu verknüpfen, wie z. B. der Begriff der relativen Deprivation oder des sozialen Wohlbefindens. Damit könnte ein wichtiger Beitrag zur Identifizierung von sozialen Faktoren geleistet werden, die die Zukunftsfähigkeit von Regionen in (nicht nur) demographischen Transformationsprozessen fördern.</p>
      <p id="d1e249">Hinsichtlich der skalaren Ebene, auf der bevölkerungsgeographische
Forschung ansetzt, könnte eine Hinwendung zu multi-skalaren Forschungsperspektiven förderlich sein, um die multiplen Verknüpfungen dieser Ebenen als Kontextvariablen oder Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge herauszuarbeiten. Auch auf methodischer
Ebene sollte die Entwicklung von multi-methodischen Zugriffen in der
bevölkerungsgeographischen Forschung forciert werden. Dabei muss sich
die Bevölkerungsgeographie, wie alle anderen Wissenschaften, die mit
Individualdaten arbeiten, forschungsethischen sowie Fragen des Datenschutzes
stellen, die Möglichkeiten der Zusammenführung von Daten (Big Data,
Data Harvesting) diskutieren und sich schlussendlich auch mit Aspekten einer
zeitgemäßen Visualisierung von bevölkerungsgeographisch relevanten Daten (thematische Karten, Bevölkerungspyramiden etc.)
auseinandersetzen.</p>
      <p id="d1e252">Das vorliegende Heft der <italic>Geographica Helvetica</italic> ist von uns als „Aufschlag“ gedacht, mit dem wir eine weitere und konsequentere Öffnung der Bevölkerungsgeographie fordern: in epistemologischer, in methodologischer und in theoretischer Hinsicht. Dabei geht es uns einerseits darum, auf Anschlussmöglichkeiten an Debatten hinzuweisen, die in anderen Bereichen der Humangeographie bereits einen festen Platz gefunden haben. Andererseits ist es unser Anliegen, die Notwendigkeit zu betonen, die Auseinandersetzung mit dem Phänomen <italic>Bevölkerung</italic> sowohl innerhalb der <?xmltex \hack{\mbox\bgroup}?>(Human-)Geographie<?xmltex \hack{\egroup}?> als auch außerhalb davon kontinuierlich einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.</p>
<sec id="Ch1.S1">
  <label>1</label><?xmltex \opttitle{Die Beitr\"{a}ge des Heftes}?><title>Die Beiträge des Heftes</title>
      <p id="d1e274">Elisabeth Gruber gibt in <italic>Staying and immobility: new concepts in population geography? A literature review</italic> einen Überblick über die Literatur zu und die Bedeutung von <italic>Immobilität</italic> und <italic>Aufenthalt</italic> für die bevölkerungsrelevante Forschung. Damit fordert sie die Bevölkerungsforschung auf, ihren klassischen Blick auf Mobilität und Migration um ein Interesse auf immobile Bevölkerungsgruppen zu erweitern. Ihr Beitrag analysiert Texte, die sich mit freiwilligen und unfreiwilligen Formen der Immobilität befassen, und erfasst Gründe und Faktoren, die die Immobilität im Kontext der Binnenmigration beeinflussen. Darüber hinaus diskutiert Elisabeth Gruber theoretische Ansätze zur Erklärung von Immobilität und deren Folgen für zunehmend verwurzelte Gesellschaften. Sie kommt zu dem Schluss, dass Verbleib und Immobilität nicht dualistisch zu begreifen sind, sondern dass die Verflechtung von mobilen und immobilen Bevölkerungsgruppen und die Veränderungen in den Bestrebungen und<?pagebreak page203?> Fähigkeiten zur Entscheidungsfindung im Lebensverlauf Beachtung seitens der Forschung finden müssen.</p>
      <p id="d1e286">Frank Meyer und Tim Leibert blicken in <italic>On the role of cultures of (out-)migration in the migration decisions of young people in shrinking regions of Central Germany</italic> auf die Muster, Motive und Folgen der Abwanderung junger Erwachsener aus ländlichen Gebieten. Zunächst werfen sie einen kritischen Blick auf statistische Analysen und kartographische Darstellungen von Wanderungsmustern junger Erwachsener in ländlichen Räumen am Beispiel Mitteldeutschlands und betonen die Unzulänglichkeiten quantitativer Analysen der residenziellen Mobilität. Daraufhin argumentieren sie, dass Migration ein komplexer sozialer Prozess ist, der sich als Ergebnis des Zusammenspiels von demographischen, soziostrukturellen, politischen, ökonomischen und produktionsbezogenen Faktoren vollzieht, an denen die mobilen Individuen sowie andere Akteure, Diskurse und Praktiken beteiligt sind. Im Anschluss an diese Position diskutieren sie die Entstehung von (Ab-)Wanderungskulturen in ländlichen Räumen sowie mögliche Ansätze zur Analyse solcher regionaler Wanderungsphänomene.</p>
      <p id="d1e292">Susanne Hübl betont in <italic>Reproductive Justice: Impulse für intersektionale Bevölkerungsgeographien</italic>, dass schwarze Frauen ein drei- bis viermal höheres Risiko als weiße Frauen haben, bei der Geburt zu sterben. In der bevölkerungsgeographischen und demographischen Forschung wird der Bildungshintergrund oder der Zugang zu Gesundheitsdiensten als soziale Determinanten der Fertilität hervorgehoben, jedoch zu selten im Hinblick auf deren Einbettung in globale Machtverhältnisse reflektiert. Susanne Hübel fordert bezugnehmend zu feministischen Ansätzen eine
machtsensible und intersektionale Wissensproduktion im Bereich der
Bevölkerungsgeographien. Sie argumentiert, dass eine multiskalare
Analyse der reproduktiven Beziehungen dazu beiträgt, den Fokus von der
demographischen Frage „Wer wird geboren?“ auf „Wie sind die Lebenschancen ungleich verteilt?“ zu verlagern. Das Konzept <italic>Reproduktive Gerechtigkeit</italic> legt damit nahe, dass der Körper oder der Mutterleib als eine <?xmltex \hack{\mbox\bgroup}?>Maßstabsebene<?xmltex \hack{\egroup}?> geographischer Wissensproduktion hilfreiche analytische Ansatzpunkte darstellen, um Zugang zu reproduktiven Kontexten zu erhalten.</p>
      <p id="d1e306">Michael Hilbig, Elke Loichinger und Bernhard Köppen setzen sich in „<italic>It makes the buzz</italic>“ <italic>– putting the demographic dividend under scrutiny</italic> kritisch mit dem Konzept der demographischen Dividende (DD) auseinander. Die DD ist ein Konzept, um die Wechselwirkungen zwischen Demographie, Entwicklung und Politikgestaltung zu untersuchen. Die Autor*innen reflektieren dieses Konzept und fragen, ob eine Demographisierung der Politik auf der Grundlage einer reduktionistischen Nutzung demographischer Daten stattfindet. Im Zuge einer Literaturanalyse und Interviews mit Expert*innen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, politische Interessenvertretung und demographische Forschung wird gezeigt, dass vereinfachende demographische Erklärungen zum Beispiel für das Wirtschaftswachstum für politische Entscheidungsträger*innen und Interessengruppen attraktiv sind. Demographie wird von Berater*innen und Wissenschaftler*innen strategisch eingesetzt, um Entscheidungsträger*innen auf allen Verwaltungsebenen zu überzeugen und einzubinden, um freiwillige Familienplanung, sektorübergreifende Entwicklungspolitik und Menschenrechte zu fördern. Das Konzept der DD ist insbesondere, wenn es um die Politisierung des weiblichen Körpers durch demographische Interventionen geht, potenziell anfällig für politisch motivierte Interpretationen und Anwendungen.</p>
      <p id="d1e315">Giulia Montanari und Tino Schlinzig formulieren in <italic>Family and space – an interpretive perspective on two central concepts in population geography</italic> die These, dass die bevölkerungsgeographische Einführungsliteratur häufig nach einem soziologischen Ansatz für die Demographie aufgebaut ist. Besonders deutlich wird dies bei Diskussionen über das Konzept der Familie. Sowohl in der Soziologie als auch in der Geographie stehen Konzepte wie Heirat, Scheidungen, Geburten, die Anzahl der Kinder in einem Haushalt und die Zusammensetzung der Haushalte im Mittelpunkt. Dies gilt beispielsweise für den Begriff <italic>Familie</italic>, der in der Regel auf monolokale Kernfamilien in einer Haushaltseinheit angewandt wird. Dieses Verständnis ist für den gegenwärtigen sozialräumlichen Wandel nur noch von begrenztem Wert. Die konzeptionellen und methodologischen Ansätze der interpretativen Familienforschung können dazu beitragen, etablierte Annahmen über den Begriff <italic>Bevölkerung</italic> zu rekonfigurieren. Basierend auf der interpretativen Forschung werden Multilokalität von Familien und Theorien der Kopräsenz (neu) bewertet und die Konzepte von Familie und Raum werden innerhalb der Bevölkerungsgeographie dadurch erweitert.</p>
      <p id="d1e327">Kristine Beurskens, Frank Meyer und Francis Harvey betonen in <italic>Qualitative visualisation – perspectives and potentials for population geography</italic>, dass qualitative Visualisierungen <italic>über Bevölkerung</italic> neue Perspektiven für theoretische und methodologische Entwicklungen bieten. Während qualitative Visualisierungen im Vergleich zu quantitativen Ansätzen noch selten sind, lassen sich in der Bevölkerungsgeographie mehrere Fälle von Innovation identifizieren. Die Autor*innen identifizieren drei günstige Bedingungen für neue Visualisierungsmethoden: die wachsende Bedeutung kunstbasierter Forschung, eine zunehmende Zahl transdisziplinärer Erfahrungen und die aktuelle kritische Debatte über die Kommunikation durch und mit Karten. Auf der Grundlage dieser Diagnose rufen die Autor*innen zu systematischen Experimenten und zum Austausch auf, die eine intensive transdisziplinäre akademische Debatte über zentrale erkenntnistheoretische Fragen, über Visualisierungsansätze und über neue Werkzeuge und Techniken zur Visualisierung in der Bevölkerungsgeographie und darüber hinaus anregen können.</p>
      <p id="d1e336">Tim Leibert, Manuel Wolff und Annegret Haase entwickeln in <italic>Shifting spatial patterns in German population trends: local-level hot and cold spots, 1990–2019</italic> eine neue Perspektive auf die sich verändernden Muster<?pagebreak page204?> der
Bevölkerungsentwicklung in Deutschland auf lokaler Ebene zwischen 1990
und 2019. Dies erfolgt mit dem Ziel, Ursachen der Bevölkerungsentwicklung auf lokaler Ebene zu verstehen und eine Debatte über die Vor- und Nachteile von Längsschnittanalysen des Bevölkerungswandels auf lokaler Ebene und die daraus resultierenden methodischen Herausforderungen anzustoßen. Die Autor*innen stellen drei Fragen: (1) Wie verschieben sich die Muster lokaler Bevölkerungstrends im Laufe der Zeit und im Raum? (2) Wo liegen die Brennpunkte der Bevölkerungsentwicklung und wie stabil sind sie? (3) Gibt es dauerhafte Ausreißer, die sich den regionalen Trends der Bevölkerungsentwicklung widersetzen? Mit Hilfe der räumlichen Autokorrelation und der Hot-Spot-Cold-Spot-Analyse werden kurz- und langfristige Bevölkerungsentwicklungspfade identifiziert, die es möglich machen, dass sowohl die Hot-Spots als auch die Cold-Spots der
Bevölkerungsentwicklung sowie Wachstumsinseln in ansonsten schrumpfenden
Regionen und Schrumpfungsinseln in wachsenden Regionen erkannt werden können.</p>
      <p id="d1e342">Mathias Siedhoff plädiert mit dem Beitrag <italic>Mortalität aus kritischer Perspektive sehen. Plädoyer für eine kritische Diskussion struktureller Einflüsse auf die Sterblichkeit</italic> dafür, in der
Bevölkerungsgeographie überindividuelle Einflüsse, die aus
gesellschaftlichen und politischen Bedingungen erwachsen, bei der Auseinandersetzung mit Mortalität stärker zu berücksichtigen. Er
fordert dazu auf, Unterschiede der Sterblichkeit nicht nur als Merkmal sozialer Ungleichheit, sondern als Ausdruck sozialer und räumlicher
Ungerechtigkeit zu verstehen. Dazu verweist er auf wissenschaftliche
Konzeptionen, die in der Humangeographie – nicht aber in der
Bevölkerungsgeographie – bereits feste Plätze haben, und die
Anknüpfungsmöglichkeiten für entsprechende Diskussionen bieten.</p>
      <p id="d1e348">Mirko Winkels Kunst-Interventionen in Berlin basieren auf der Erkenntnis, dass Friedhöfe Spiegelbilder der Geschichte und der Werte und Normen von Gemeinschaften sind. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen rund um das Beerdigen und Trauern werden daher auch durch sie sichtbar. Der Beitrag beschreibt die Arbeit von DeathLab, einer öffentlichen Veranstaltungsreihe, die zeitgenössische, von Künstler*innen gestaltete Urnen als Mittel zur Erforschung des Wertewandels in der Bestattungskultur nutzt. Die Veranstaltungen beinhalten Besuche von Orten, die mit Abschieden verbunden sind, und ermöglichen Diskussionen über die kulturelle Bedeutung von Tod und Trauerpraktiken.</p>
</sec>

      
      </body>
    <back><notes notes-type="dataavailability"><title>Datenverfügbarkeit</title>

      <p id="d1e355">Für diesen Artikel wurden keine Datensätze genutzt.</p>
  </notes><notes notes-type="authorcontribution"><title>Autor:innenmitwirkung</title>

      <p id="d1e361">MS, BG und JW haben die Idee, den Inhalt und den Text zu diesem Editorial gemeinsam entwickelt.</p>
  </notes><?xmltex \hack{\newpage}?><notes notes-type="competinginterests"><title>Interessenkonflikt</title>

      <p id="d1e368">Die Autor*innen erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.</p>
  </notes><notes notes-type="disclaimer"><title>Haftungsausschluss</title>

      <p id="d1e374">Publisher's note: Copernicus Publications remains neutral with regard to jurisdictional claims in published maps and institutional affiliations.</p>
  </notes><ack><title>Danksagung</title><p id="d1e380">Wir danken allen Autor*innen, die mit ihren Beiträgen zum Entstehen dieser Special Issue beigetragen haben. Auch bedanken wir uns bei dem Gutachter sowie allen Mitwirkenden der GH.</p></ack><notes notes-type="reviewstatement"><title>Begutachtung</title>

      <p id="d1e385">This paper was edited by Nadine Marquardt and reviewed by one anonymous referee.</p>
  </notes><ref-list>
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    <!--<article-title-html>Overview: Für eine (Neu-)Theoretisierung  und (Neu-)Methodologisierung  bevölkerungsrelevanter Phänomene</article-title-html>
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