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Klassenzusammensetzung und die Produktion verräumlichter Gemeinschaften in Barcelona-Sants
Martin Sarnow
The article analyses the production of spatialised communities in the Sants district of Barcelona from a historical-materialist perspective. For the analysis, (post-)operaist approaches to the social factory and class composition are expanded to include the concept of modes of relationships (Beziehungsweisen). The aim is to contribute a more theoretical-conceptual perspective on the discussions about spatialised communities. This avoids an a priori positing of communities as fixed entities, but instead places their contested production at the centre of the analysis.
The case study outlines how rising rents, displacement and forced evictions threaten existing social structures, while at the same time new spatialised communities are produced in struggles against neoliberal urban development. In Sants, these communities are characterized by progressiveness, collectivity, and inclusivity, setting themselves apart from hegemonic capitalist processes. The composition of these struggles reflects an international, heavily feminized, and precarious working class. This leads to separations and new entanglements along the modes of relationships such as exchange value and use value or individualisation and collectivity.
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Der Artikel analysiert ausgehend von historisch-materialistischen Theorieansätzen, wie verräumlichte Gemeinschaften im Sinne kollektiver politischer Subjekte aktiv produziert werden und sich entlang sozialer und Klassenkämpfe immer wieder erneuern und herausgefordert werden. Anhand des Stadtteils Sants in Barcelona wird aufgezeigt, wie die Prekarisierung von Wohnverhältnissen zur Zerstörung von Gemeinschaften führt, sich aber gleichzeitig in Kämpfen gegen neoliberale Stadtpolitiken neue verräumlichte Gemeinschaften produzieren. Für die Analyse wird ein theoretischer Dreischritt gemacht, der die (post-)operaistischen Ansätze der Sozialen Fabrik sowie der Klassenzusammensetzung umfasst. Erweitert werden diese Ansätze um das Konzept der Beziehungsweisen (Adamczak, 2017). Diese Perspektive ermöglicht es, die Umkämpftheit und Widersprüchlichkeit von Gemeinschaften in ihren alltäglichen als auch strukturellen Ausformungen zu greifen.
Die Viertel Sants, La Bordeta und Hostafrancs1 liegen am südlichen Rand Barcelonas und haben im Zuge von Proletarisierungs- und Urbanisierungsprozessen Anfang des 20. Jahrhunderts eine starke kollektive Identität als widerständige Nachbarschaften der Arbeiter:innenklasse herausgebildet (Fernàndez and Miró, 2016). Die damit verbundene Sozialstruktur konnte sich über die Franco-Diktatur, De-Industrialisierungsprozesse bis zur neoliberalen Umstrukturierung Barcelonas im Kern halten, steht aber mit der Durchsetzung eines finanzialisierten Akkumulationsmodells der Stadtentwicklung zunehmend unter Druck. Steigende Mieten, Verdrängungsprozesse und Zwangsräumungen bedrohen die nachbarschaftlichen Gemeinschaften, führen aber auch zu Widerstandsbewegungen.
Theoretischer Ausgangspunkt für die Analyse sind die (post-)operaistischen Ansätze der Sozialen Fabrik und der Klassenzusammensetzung. In den letzten Jahren wurden diese Schlüsselkonzepte verstärkt in der Geographie produktiv gemacht. Dabei wird Raum nicht nur als ein Produkt der Klassenzusammensetzung, sondern vielmehr als konstituierend für diesen Prozess angesehen. Gray und Clare entwickelten dafür den Begriff der räumlichen Klassenzusammensetzung (spatial composition), um die kapitalgetriebene Produktion von urbanen Räumen und die Kämpfe um und im städtischen Raum in ein Verhältnis zu setzen (Clare, 2018; Gray, 2018a; Gray und Clare, 2022). Für eine eingängigere Betrachtung von Subjektivierungsprozessen in diesen Konzepten wird die theoretische Basis um das Konzept der Beziehungsweisen (Adamczak, 2017) erweitert. Diese Perspektive fokussiert nicht das Subjekt oder die Struktur an sich, sondern die Beziehungen, Differenzen und Distanzen, die Akteur:innen verbinden oder trennen, womit Fragen von Einschlüssen/Ausschlüssen, Individualisierung/Kollektivierung oder Progressivität/Regressivität adressiert werden können. Diese Erweiterung ermöglicht die Entstehung und Zerstörungen von Gemeinschaften in der Aushandlung zwischen subjektiven Momenten wie Solidarität, Angst und Entfremdung sowie übergeordnet-strukturellen Prozessen wie der Warenförmigkeit von Wohnraum zu greifen.
Von dieser theoretischen Bestimmung ausgehend widmet sich der Artikel dem Thema des Special Issues mit der Fragestellung, wie über Prozesse der Klassenzusammensetzung verräumlichte Gemeinschaften produziert werden. Ziel ist es, die benannten (post-)operaistischen Ansätze stärker in der deutschsprachigen Geographie zu verankern und über das Konzept der Beziehungsweisen weiterzuentwickeln. Darüber hinaus soll ein theoretisch-konzeptioneller Beitrag zu den Diskussionen um verräumlichte Gemeinschaften beigesteuert werden. Anhand des Beispiel Barcelona-Sants wird skizzenhaft das Potenzial dieses Ansatzes veranschaulicht.
Geprägt von Protesten auf Massenbasis der Fabrikarbeiter:innen und der Jugend, entwickelte sich der Operaismus als eine autonome Lesart des Marxismus in den frühen 1960er-Jahren in Italien (Wright, 2005). Mit dem Konzept der Sozialen Fabrik wurde die zunehmende Subsumption gesellschaftlicher Bereiche unter kapitalistische Verwertungslogiken gefasst (Panzieri, 1976; Tronti, 2019 [1966]), wonach nicht mehr klar unterschieden werden konnte zwischen den „Fabriken, wo der Mehrwert produziert wird, den Wohngegenden, wo sich die Arbeitskraft reproduziert und den Verwaltungszentren“ (Alquilati, 1975 zitiert nach Wright, 2005:93).
Gray und Clare (2022) unterscheiden drei verschiedene Entwicklungsphasen, die in Verbindung mit der Strömung des Operaismus stehen und sich in einem Spannungsfeld autonomer Theorie und Praxis bewegten. Die ursprüngliche Phase des Operaismus reicht von 1960 bis Mitte 1970 und bezieht sich auf die Arbeitskämpfe in norditalienischen Fabriken wie Fiat oder Olivetti und dem Subjekt des „Massenarbeiters“, als oft junge, ungelernte und dem ärmeren Süden Italiens migrierte Fließbandarbeiter:innen. Ab Anfang der 1970er-Jahre führten eine tiefgreifende Rezession und industrielle Restrukturierungen zu einer Entstehung der Autonomia-Bewegung, die das Terrain der Konflikte in die soziale Sphäre ausweitete. Den zunehmenden Kämpfen von Frauen, Studierenden, Mieter:innen und Arbeitslosen wurden als Auseinandersetzungen gegen die soziale Kontrolle durch das Kapital theoretisch Rechnung getragen. Damit einher ging die stärkere Betonung des Konzepts der Sozialen Fabrik (Cleaver, 2000 [1979]). Auf eine Zuspitzung und auch teilweise Bewaffnung der Kämpfe folgte massive staatliche Repression ab 1977, die durch Notstandsgesetze, Verhaftungswellen, Räumungen von sozialen Zentren und Verbote alternativer Kommunikationsformen das Ende dieser Phase bedeute. Die darauffolgende Post-Autonomie setzte sich theoretisch stärker mit poststrukturalistischen Konzepten auseinander und entfernte sich dabei von antagonistischen Klassenpositionen (Gray and Clare, 2022; Pitts, 2024).
Zentrales Argument im (Post-)Operaismus ist die Autonomie der Arbeiter:innenklasse. Diese Autonomie äußert sich gegenüber institutionellen Vertretungsorganen sowie der Bestimmung durch das Kapital (Wright, 2005). Klasse und Kämpfe der Arbeiter:innen entwickeln sich damit außerhalb von Gewerkschaften und Parteien und zwingen das Kapitalverhältnis, sich stets neu zu reproduzieren (Cleaver, 2000 [1979]; Gray and Clare, 2022). Im Folgenden werden die darauf fußenden Konzepte der Sozialen Fabrik und der Klassenzusammensetzung aus einer räumlichen Perspektive vorgestellt und anschließend um das Konzept der Beziehungsweisen ergänzt.
2.1 Die Stadt als Soziale Fabrik
Ausgehend von der Analyse italienischer Industriestädte wurde mit dem Konzept der Sozialen Fabrik die Ausweitung des Ausbeutungsverhältnisses über den Produktionsprozess hinaus als Unterordnung aller gesellschaftlichen Beziehungen unter die Bedingungen der Kapitalakkumulation beschrieben (Tronti, 2019 [1966]). Operaistische Theoretiker:innen folgten dabei einem Konzept der Fabrik, in dem weite Bereiche der Gesellschaft zu einem Teil der universellen Produktion transformiert werden (Palazzo, 2014; Tronti, 2019 [1966]). Über die Wohnungspolitik, die sozialen Sicherungs- und Bildungssysteme oder die Entwicklung von Infrastruktur sollten die Reproduktionsbedingungen für das Kapital sichergestellt werden, wodurch die Grenzen zwischen Fabrik und Gesellschaft und Leben und Arbeit verschwammen (Clare, 2018). Die Fabrik, in der die Arbeiter:innenklasse arbeitete, war damit die Gesellschaft als Ganzes (Panzieri, 1976).
Feministische Marxist:innen haben das Konzept um die Reproduktionsarbeit erweitert und den Blick für die unbezahlte (Haus-)Arbeit und die Kämpfe in Nachbarschaften und Communities geschärft (Dalla Costa and James, 2019 [1972]; Vogel, 2019 [1983]). Dalla Costa und James (2019 [1972]) machten deutlich, dass die unbezahlte und unsichtbar gemachte Reproduktionsarbeit grundlegend für die kapitalistische Produktionsweise ist. Mit der Durchsetzung der Sozialen Fabrik ging eine verstärkte Inwertsetzung verschiedener Bereiche der Community einher, die Einfluss auf die Reproduktionsbedingungen hatten und zu Kristallisationspunkten zumeist weiblich dominierter Kämpfe wurden (Cleaver, 2000 [1979]; Gray, 2018a). Diese Auseinandersetzungen um Wohnraum, medizinische Versorgung, Transport, Bildung oder Freizeit wurden als strukturelle Kämpfe um die Reproduktion der für die Fabrik benötigten Arbeitskraft begriffen und Frauen damit eine zentrale Rolle im Kampf gegen die kapitalistische Produktionsweise zugewiesen (Dalla Costa, 2019 [1975]; Federici, 1975; Lotta Continua, 1973). Zur begrifflichen Zentralisierung der Reproduktionssphäre wird daher fortan von der Sozialen Fabrik und Küche gesprochen.
2.2 Klassenzusammensetzung und Raum
Ein weiteres Kernkonzept des Operaismus ist die Klassenzusammensetzung, mit der das Verhältnis von Kapital und Klassenorganisierung in bestimmten historischen Epochen analysiert wird. Dabei wird zwischen der technischen und der politischen Zusammensetzung von Klassen unterschieden (Thorburn, 2017). Die technische Zusammensetzung adressiert Klasse als ökonomische Kategorie und fokussiert damit die bestimmten Arten mit der Arbeitskraft geteilt, verwaltet und ausgebeutet werden (Mohandesi, 2013). Konkret fallen darunter Arbeitsabläufe, technische Entwicklungen, (Stadt-)Planung und Überwachung als Teile der organisierten kapitalistischen Produktion. Die politische Zusammensetzung adressiert Klasse als politisches Subjekt und fragt nach dem Stand der kollektiven politischen Subjektivität und dem Grad der (Selbst-)Organisation der Arbeiter:innen (Tubridy, 2024; Wright, 2005). Auch die Umkämpftheit von Erinnerung zwischen einem kollektiven Gedächtnis sozialer Kämpfe und herrschender Geschichtsschreibung fallen in das Spannungsfeld (Tubridy, 2024). In diesem Konzept werden Formen des (Klassen-)Kampfes in ein dialektisches Verhältnis zu den sich wandelnden Formen der Produktion gesetzt:
With each shift of class composition engendered by class struggle and structural changes in production, the appropriate form of counterorganisation must change in continual processes of composition (unification, massification and collectivity), decomposition (division and fragmentation) and recomposition (re-unification and remassification). (Gray and Clare, 2022:1190)
Die Klassenzusammensetzung richtet sich dabei nicht nur auf das Verhältnis zwischen den Klassen, sondern analysiert auch die Zusammensetzung der Arbeiter:innenklasse mit Blick auf ihre interne Heterogenität (Clare, 2020). Neuere Arbeiten betonen dabei eine konsequente Berücksichtigung der sozialen Reproduktion (Clare, 2020; Thorburn, 2017) und der Konsumtion: „It involves factors like: where workers live and in what kind of housing, the gendered division of labour, patterns of migration, racism, community infrastructure, and so on“ (Notes from Below, 2018). Dadurch können auch marginalisierte Gruppen oder Arbeitsbereiche als Treiber einer neuen politischen Zusammensetzung identifiziert werden (Clare, 2020; Hastings and Cumbers, 2019).
Räumliche und urbane Prozesse hatten schon im zeitgenössischen Operaismus einen wichtigen Stellenwert. Anfang der 1970er-Jahre diente in Italien der Immobiliensektor als ein zentraler Pfeiler in der technischen Neuzusammensetzung von Klasse, wie Sergio Bologna in seiner Studie „The Tribe of Moles“ (Bologna, 2007 [1977]) herausarbeitete. Mit Harveys krisentheoretischer Argumentation (Harvey, 2006 [1982]) übereinstimmend analysierte Bologna die verstärkte Verschiebung von Kapital aus dem ersten in den zweiten Kapitalkreislauf, vom Produktionssektor in die gebaute Umwelt. Damit einher gingen großflächige Umstrukturierungsprozesse in italienischen Großstädten und stark steigende Immobilienpreise (Bologna, 2007 [1977]; Gray, 2018a). Als Antwort auf diese Entwicklungen organisierten sich politische Gruppen, die bis dato vor allem auf die Fabrik als Ort des Klassenkampfes konzentriert waren, rund um territorial-nachbarschaftliche Kämpfe (Lotta Continua, 1973). Diese Kämpfe bildeten damit einen Baustein in der Rekomposition der politischen Zusammensetzung, die über die Fabrik hinausgingen und sich gegen die Urbanisierung des Kapitals als einen Eckpfeiler in der Rekonfiguration der technischen Neuzusammensetzung richteten.
Gleichzeitig betont Gray (2018a, 2022), dass trotz der offensichtlichen Geographie der urbanen Auseinandersetzungen der Operaismus eine explizit räumliche Analyse der Klassenzusammensetzung schuldig geblieben ist. Als Antwort wurde in den letzten Jahren das Konzept der spatial composition (Clare, 2020; Gray, 2018a, b, 2022; Gray and Clare, 2022) entwickelt, welches die Beziehung von technischer und politischer Zusammensetzung um den Blick auf die Organisierung und Umkämpftheit der sozial-räumlichen Beziehungen (Gray, 2018a:50) erweitert. Investitionen in die gebaute Umwelt und damit verbundene Stadtentwicklungsprozesse können damit als räumliche Prozesse der technischen Zusammensetzung begriffen werden, die mit räumlichen Prozessen der politischen Zusammensetzung dialektisch verbunden sind: „Political spatial compositions are therefore the types of urban struggle that emerge from specific technical spatial compositions, and these can contribute to both the de- and re-composition of class“ (Clare, 2018:261).
Als Integration materialistisch-feministischer Ansätze setzt Gray die soziale Reproduktion als eine eigenständige Sphäre antikapitalistischer Kämpfe und damit verbundener Subjektivierung und Klassenbildung. Diese „material geographies of social reproduction“ (Gray, 2022) umfassen soziale Infrastrukturen wie Wohnraum, Schulen, Verkehrsmittel, Krankenhäuser oder Freizeiteinrichtungen und darum geführte Kämpfe finden in Stadtteilen und Nachbarschaften statt.
In den letzten Jahren wird das Konzept der Klassenzusammensetzung verstärkt in der Geographie produktiv gemacht und für eine räumliche Perspektive plädiert, „[to] demystify, and ultimately mobilise, the inherently yet inchoately spatial ‚social factory‘“ (Clare, 2018:256). Beiträge im Bereich der Labour-Geography analysieren die räumlichen Klassenzusammensetzungen von Sonderwirtschaftszonen in Laos (Brown, 2019) oder von migrantisch geprägten informellen Textilfabriken in Buenos Aires (Clare, 2020). Castellini (2021) untersucht, wie Arbeitskämpfe von sozialen Kooperativen in Mailand in die Sphäre der sozialen Reproduktion übergehen und Iazzolino und Varesio (2023) machen die alltäglichen Geographien des subversiven Widerstands von migrantischen Essenskurieren in Turin sichtbar. Ausgehend von der Wohnungsfrage werden historische und aktuelle Prozesse von Kommodifizierung, Spekulation und Gentrifizierung in ein Verhältnis mit Widerstand in Form von Mietstreiks, Besetzungen und Mieter:innengewerkschaften gesetzt (Gray, 2018a, b; Quirico, 2021; Risager, 2021; Tubridy, 2024; Vasudevan, 2015). Thorburn (2017) und Gray (2022) erweitern anhand der Studien eines feministischen Hacker:innen-Kollektivs aus Katalonien bzw. der weiblich dominierten urbanen Kämpfe im Italien der 1970er-Jahre die räumliche Klassenzusammensetzung konzeptionell um eine feministische Perspektive der sozialen Reproduktion. Die Produktion territorialer Organisierung und Selbstverwaltung werden übergreifender in Beiträgen über die Soziale Fabrik Buenos Aires (Clare, 2020) und Kampagnen der operaistischen Gruppe Lotta Continua (Gray, 2018a) untersucht.
2.3 Beziehungsweisen
Für eine eingängigere Betrachtung von Subjektivierungsprozessen in diesen übergeordneten Konzepten lohnt sich die Auseinandersetzung mit dem Konzept der Beziehungsweisen von Bini Adamczak (2017). Mit dem Begriff der Beziehungsweisen rekurriert Adamczak auf Marx' Formulierung, wonach das „menschliche Wesen […] ein Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ (Marx, 1978 [1845]:6) ist, ergänzt dabei aber den ebenfalls von Marx stammenden Satz, dass Gesellschaft ein Ensemble der menschlichen Beziehungen ist (Marx, 1983 [1857/1858]:189). Die beziehungstheoretische Perspektive fokussiert damit nicht das Subjekt oder die Struktur an sich, sondern die Beziehungen, Differenzen und Distanzen, die Akteur:innen verbinden, trennen, neuverknüpfen, ihnen relationale Positionen zuweisen und mittels derer Institutionen als verfestigte Beziehungsformen entstehen (Adamczak, 2017).
So beschreibt Adamczak aus beziehungstheoretischer Perspektive die kapitalistische Vergesellschaftung einerseits als eine verbindende Beziehung, in der die Warenproduktion, -distribution und -konsumtion Menschen und deren Arbeit im globalen Maßstab in ein Verhältnis setzt, allerdings nicht in Form eines gemeinsamen Miteinander, sondern eines individuellen Voneinander, da nicht etwa ein kollektiver Produktionsprozess die Motivation für diese Beziehung ist, sondern die Abhängigkeit aller vom Tauschäquivalent Geld. Da dieses Tauschäquivalent nicht unendlich verfügbar ist, erzeugt die verbindende Warenbeziehung Trennungen, die Subjekte gegeneinander in Konkurrenz setzt (Adamczak, 2017). Der Begriff der Beziehungsweisen greift sowohl solche Fernbeziehungen auf, setzt aber auch Nahbeziehungen zentral und kann so „die affektiven Qualitäten der Warenbeziehung als Getrenntheit oder Feindseligkeit gegenüber den in der Warenbeziehung miteinander Verbundenen, als Hilflosigkeit, Austauschbarkeit und Unsicherheit gegenüber dem durch sie hergestellten gesellschaftlichen Zusammenhang beschreiben“ (Adamczak, 2017:249f.). Identitäten werden dabei nicht als „wirkliches Wesen oder ideologischer Schleier“ (Adamczak, 2017:252) gesehen, sondern als Effekte von Beziehungen. Im Sinne progressiver gesellschaftlicher Veränderungen spricht Adamczak von gesellschaftlichen Beziehungsweisen der Solidarität, die in dem Moment entstehen, „in dem sich nicht nur bestehende Beziehungen verändern, in dem sie enger und egalitärer verbunden werden, freundlicher und weniger instrumentell, sondern auch neue Beziehungen geknüpft und andere gelöst werden“ (Adamczak, 2017:260).
Aus einer geographischen Perspektive sind Trennungen und Verbindungen mit Prozessen der Raumproduktion zu verknüpfen. Dies ermöglicht es zu fragen, inwiefern räumliche Strukturen und Prozesse wie Gentrifizierung, Touristifizierung, Segregation, Suburbanisierung oder verschiedene Eigentumsformen des Wohnens die Beziehungsweisen und deren Anordnung zu einem sozialen Gefüge beeinflussen. Dies bedeutet auch, das dargestellte Konzept der spatial composition um den Analysefokus zu erweitern und danach zu fragen, inwiefern in der technischen oder politischen räumlichen Komposition neue Beziehungsweisen entstehen oder bestehende verändert oder getrennt werden.
2.4 Klassenzusammensetzung, Beziehungsweisen und verräumlichte Gemeinschaften
Der räumliche Fokus auf die technische und politische Klassenzusammensetzung ermöglicht es, Verbindungen zur Produktion verräumlichter Gemeinschaften zu ziehen und ihre multiskalare Komplexität zu greifen. Übergeordnete strukturelle Prozesse wie neoliberale Wohnungs- und Stadtpolitiken haben konkrete sozial-räumliche Folgen, die sich auf Gemeinschaften, deren Alltag und Beziehungsweisen auswirken.
Ausgehend von der Sozialmedizinerin Mindy Thompson Fullilove (1996) ist Gemeinschaft ein wesentlicher Bestandteil von Place und mit Vertrautheit, Verbundenheit und Identität verbunden. Hegemoniale stadtpolitische Prozesse wie Gentrifizierung, Touristifizierung und Zwangsräumungen forcieren eine aktive Zerstörung von Gemeinschaften. Sowohl durch direkte Verdrängung, die zu einer sozialen und räumlichen Distanz und damit verbunden zur Trennung vertrauter Beziehungen führen, als auch durch „place transformation“ (Cocola-Gant, 2023), die das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Ort auflösen. Damit verbundene negative Effekte der Entfremdung, Orientierungslosigkeit und Belastung können zu Vereinzelung, Isolation und gesundheitlichen Problemen bis hin zum Tod führen.
Demgegenüber steht die Produktion verräumlichter Gemeinschaften in den Kämpfen gegen neoliberale Stadtpolitiken. Diese politisch-räumliche Neuzusammensetzung entsteht aus einer „Basis der Inhomogenität“ (Bologna, 2007:51), ermöglicht aber das Überschreiben gesellschaftlicher Fragmentierungen (Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter) und auf Konkurrenz basierender trennender Beziehungsweisen durch solidarische Beziehungsweisen.
Maud Anne Bracke verdeutlicht mit ihrem „counter-community of emotions“ (2012) einen weiteren wichtigen und für die Konzeption von verräumlichten Gemeinschaften zu beachtendem Aspekt. Bracke hat diesen Begriff aufbauend auf einer Untersuchung eines feministischen Organisierungsansatzes im (Post-)Operaismus entwickelt. Konkret untersuchte sie das Beispiel einer von Lotta Continua organisierten Frauenklinik in einem Turiner Stadtteil. In „counter-community of emotions“ werden Emotionen radikal anders als in einer hegemonial normierten Weise erfahren und artikuliert. Diese Ablehnung allgemein akzeptierter emotionaler Reaktionen bildet die Grundlage für die Schaffung kollektiv erlebter Bewusstseinsveränderungen, die sozio-ökonomische oder kulturelle Unterschiede überbrücken können (Bracke, 2012). „Counter-community of emotions“ können dabei ein Schlüssel der Politisierung und zur Schaffung neuer enger und egalitärer Beziehungsweisen sein sowie ein zentrales Moment in der Rekomposition von Klasse.
Mit dem Konzept der Sozialen Fabrik und Küche wird zudem betont, einen Fokus auf die Sphäre der sozialen Reproduktion und damit auch der alltäglichen Effekte von Gemeinschaften zu legen. Dies kann die Analyse neoliberaler Urbanisierungsprozesse und prekarisierter Arbeitsverhältnisse beinhalten, die das alltägliche Leben in den Städten beeinträchtigen (Col⋅lectiu Punt 6, 2019). Es kann aber auch analysieren, wie in Nachbarschaften und Communities nicht-kapitalisierbare Praxen sowie widerständige Organisierungsprozesse entstehen, die wiederum von Frauen als Trägerinnen der sozialen Reproduktion maßgeblich mitbestimmt werden. Weitergedacht können in diesen Prozessen übergeordnete Beziehungsweisen wie Patriarchat und damit verbundene Strukturalitäten wie eine vergeschlechtlichte Arbeitsteilung herausgefordert werden.
Gleichzeitig soll diese konzeptionelle Rahmung aus Klassenzusammensetzung und Beziehungsweise einer verkürzten oder idealisierenden Perspektive auf verräumlichte Gemeinschaften vorbeugen, die in der Geographie einer nachdrücklichen Kritik unterzogen wurde. Iris Maria Young argumentiert, dass Gemeinschaften einen Impuls zur repressiven Homogenisierung innewohne und dass Rassismus aus dem Wunsch nach Gemeinschaft entstehen können (Young, 1986). Gemeinschaft würde als Gegenstück zur Individualisierung verklärt und räumliche Nähe fälschlicherweise als eine Aufhebung der kapitalistischen Entfremdung gesetzt (Young, 1986). Ähnlich begreift Doreen Massey die idealisierte Vorstellung von Gemeinschaft als Sehnsucht nach Stabilität, Kohärenz und Identität, als „sense of place“ in Reaktion auf eine stark raum-zeitlich verdichtete Welt, die zu Ausgrenzung und Nationalismus führen könne (1991). Während ein regressives Verständnis des „sense of place“ die Singularität von Identität und die Abgrenzung zu einem Außen sucht, wird eine progressives Verständnis als Vielfältigkeit von Identitäten und Geschichte, der Prozesshaftigkeit von Place sowie als Interaktion mit dem Außen theoretisiert (Barron et al., 2020). Weitere Diskussionen begreifen die Anrufung der verräumlichten Gemeinschaft durch die Politik als ein „governing through community“ (Rose, 1996), mittels der sozialstaatliche Verantwortlichkeiten in die Selbstverantwortung der Bewohner:innen runterskaliert werden. Silke van Dyk konstatiert vor dem Hintergrund aktueller polit-ökonomischer Entwicklung die Formierung eines Community-Kapitalismus, der „Engagement, Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe, Community-Projekte und digitale Netzwerke als (kostenlose oder kostengünstige) Ressourcen zur Lösung der Reproduktionskrise erschließt“ (van Dyk, 2019:292). Über die verbreitete „Romantisierung von Gemeinschaft als antikapitalistisches Refugium“ würde Gemeinschaft als unbezahlte Ressource abgeschöpft und „die Konflikte und Interessengegensätze im Gegenwartskapitalismus“ verschleiert (van Dyk, 2019). Zum progressiven Potenzial und den Begrenzungen von place-basierten Bewegungen und Community-Kämpfen konstatiert Harvey, „while such movements form a potential basis for that ‚militant particularism‘ that can acquire global ambitions […]. [T]hey can just as easily be the locus of political passivity or of collaboration and complicity with a dominant social order“ (Harvey, 1996:324).
Die vorgeschlagene Konzeption der Klassenzusammensetzung und die damit verknüpfte historisch-materialistischer Perspektive soll diesen Kritiken Rechnungen tragen und ermöglichen, verräumlichte Gemeinschaften als aktiv produzierte, nicht statische und widersprüchliche Räume zu begreifen.
Im folgenden empirischen Teil wird skizziert, wie verräumlichte Gemeinschaften in Barcelona-Sants produziert werden. Im ersten Schritt wird dafür die räumliche Klassenzusammensetzung von Barcelona-Sants analysiert. Fokussierend auf die Wohnungsfrage – als grundlegender Ausdruck ökonomischer, politischer und sozialer urbaner Prozesse – wird die Rekonfiguration der räumlich-technischen Klassenzusammensetzung durch die Finanzialisierung des Mietwohnungsmarktes in Folge der Finanzkrise aufgezeigt. In der räumlich-politischen Klassenzusammensetzung wird auf nachbarschaftliche Kämpfe um Wohnraum und kollektive Erinnerung in Sants eingegangen. Die Analyse bezieht sich vorwiegend auf den Zeitraum von 2013 bis 2021. Darauf aufbauend (Kap. 4) werden die Ergebnisse stärker entlang der Frage aufgeschlüsselt, wie diese Klassenzusammensetzungen mit der Produktion verräumlichter Gemeinschaften zusammenhängen.
Die Untersuchungen basieren auf einem Forschungsprojekt, in dem die Folgen der sozialen und ökonomischen Krise für die soziale Reproduktion sowie die Möglichkeiten munizipalistischer Stadtregierungen in Barcelona untersucht wurden. In diesem Rahmen wurden insgesamt 39 problemzentrierte Leitfadeninterviews zwischen 2019 und 2021 mit drei übergeordneten Akteursgruppen (Bewohner:innen des Stadtteils Sants, außerparlamentarische politische Aktivist:innen, lokale Politiker:innen) durchgeführt (Sarnow, 2023). Das zweite methodische Standbein der Arbeit bildeten teilnehmende Beobachtungen. Den Schwerpunkt der Beobachtungen bildete die Teilnahme an den Aktivitäten politischer und nachbarschaftlicher Gruppen (in Sants), insbesondere bei der Grup d'Habitatge de Sants. Neben der Teilnahme an regelmäßigen Treffen wurde an Aktionen wie der Verhinderung von Zwangsräumungen sowie sozialen Aktivitäten der Gruppe partizipiert.
3.1 Kontext: Barcelona-Sants
Sants-Montjuic liegt am südlichen Rand Barcelonas und unterteilt sich in zehn Stadtteile, darunter Hostafrancs, La Bordeta und Sants. Die drei Stadtteile wurden erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts in das Stadtgebiet von Barcelona integriert und waren Zentren der Industrialisierung. Die Ansiedlung großer Textilfabriken ging einher mit einem schnellen Bevölkerungswachstum und einer sich konstituierenden Arbeiter:innenklasse. Die Proletarisierungs- und Urbanisierungsprozesse wurden durch starken Widerstand der Arbeiter:innen gegen die Arbeits- und Lebensbedingungen begleitet. Dieser charakterisierte sich durch gewerkschaftliche Organisierung, direkte Aktionen, ein starkes Kooperativenwesen, der Entstehung popularer Kultur- und Bildungsvereine sowie der Identifizierung mit der Nachbarschaft (Fernàndez and Miró, 2016).
Während der Franco-Diktatur waren die popularen Bewegungen mit Repression konfrontiert und die wirtschaftliche Krise ab den 1960er-Jahren führte zu einem Niedergang der Textilindustrie. Um die großflächigen Leerstände entstanden Auseinandersetzungen zwischen Anwohner:innen und Kapitalinteressen, z. B. um den ehemaligen Industriekomplex Can Battló. Mit den Olympischen Spielen 1992 wurden weitflächige Umstrukturierungsprozesse und eine stärkere Einbindung des Gebiets in die Gesamtstadtentwicklung in Gang gesetzt (Fernàndez and Miró, 2016; Degen and García, 2012).
In den Folgejahren wurde Barcelona von einer zunehmenden Transformation des urbanen Raumes geprägt und Immobilienspekulation, Touristifizierung und die Kommodifizierung öffentlicher Plätze wurden zur Triebfeder eines finanzialisierten Akkumulationsmodells (Delgado, 2017; Fernàndez and Miró, 2016). Trotz der vergleichsweisen peripheren Lage führten die Entwicklungen auch in Sants zu steigenden Miet- und Wohnungspreisen. Mit der Finanzkrise 2008 wurden größere Stadtentwicklungsprojekte in Sants abrupt gestoppt und die Wohnungspreise sind in dem Jahrzehnt erstmalig wieder gesunken. Gleichzeitig waren die sozialen Folgen wie steigende Arbeitslosigkeit und Zwangsräumungen deutlich im Stadtteil spürbar (Fernàndez and Miró, 2016).
Diese Entwicklungen waren stets durch widerständige Gegenbewegungen begleitet, von langjährigen nachbarschaftlichen Initiativen, über Besetzungsbewegungen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung bis hin zu sozialen Bewegungen wie 15-M (Kuhn, 2014; Ruiz Cayuela and García-Lamarca, 2023).
3.2 Technische Klassenzusammensetzung
3.2.1 Rekonfiguration des Mietwohnungsmarktes und Verdrängung
Nach dem Platzen der Immobilienblase 2008 und der Durchsetzung des europäischen Austeritätsregimes im spanischen Staat hat eine Umstrukturierung des nationalen Wohnungsmarktes eingesetzt, bei der entgegen dem historischen Entwicklungspfad der Eigentumsförderung eine Verschiebung des Wohnangebots in Richtung Mieten forciert wurde (Byrne, 2020; Di Feliciantonio and Aalbers, 2018). Martínez und Gil (2024) unterscheiden dabei zwischen zwei Post-Krisenphasen, wonach von 2008 bis 2013 Sparpolitiken, Bankenrettungen und eine Welle an Zwangsräumungen von Eigenheimen ausstehender Hypotheken prägend waren. Von 2013 bis 2020 führte die staatlich forcierte Deregulierung zur Finanzialisierung des Immobilienmarktes und der massiven Verlagerung von internationalem Kapital in den Mietwohnungsmarkt (Gil and Palomera, 2024; Janoschka et al., 2020; Martínez and Gil, 2024).
Mit dem Anwachsen des Mietwohnungssegments und der steigenden Rentabilität ist in Barcelona ab 2013 eine zunehmende Dualisierung des Mietwohnungsmarktes entlang der Eigentümer:innenstruktur festzustellen. Während knapp die Hälfte der Mietwohnungen auf 88,3 % der Hausbesitzer:innen mit ein oder zwei Mietwohnungen entfallen, kumulieren sich ein Drittel der Mietwohnungen auf 2,3 % Hausbesitzer:innen, die mehr als zehn Einheiten besitzen (Observatori Metropolità de l'Habitatge de Barcelona, 2020). Diese Dualisierung wird durch Unterschiede in der Eigentümer:innenstruktur verstärkt. So sind bei den Eigentümer:innen mit mehr als 10 Wohneinheiten nur knapp ein Viertel physische Personen und drei Viertel juristische Personen, worunter Aktiengesellschaften, GmbHs und Investmentfonds fallen (Observatori Metropolità de l'Habitatge de Barcelona, 2020).
In der Phase ab 2013 verzeichneten die Mietpreise im gesamten spanischen Staat und vor allem in den wichtigen städtischen Zentren einen starken Anstieg. Im Untersuchungsgebiet sind die Mietpreise in den letzten zehn Jahren um bis zu 56 % angestiegen (Ayuntamiento Barcelona, 2026), womit die Werte über dem gesamtstädtischen Durchschnitt liegen. Nach den Gentrifizierung-Hotspots wie dem Altstadtgebiet um El Raval und dem Barri Gòtic, den kulturell anziehenden Gracia sowie Sant Antoni (Cocola-Gant, 2023; Mansilla and Milano, 2019) sind damit auch in Sants verstärkt Verdrängungsprozesse zu verzeichnen (Int. 29.06.2021; Int. 26.08.2021, siehe auch López Gay and Sales Favà, 2020). Bewohner:innen, die sich die Miete nicht mehr leisten können oder keine adäquate Wohnung mehr finden, ziehen an den Rand von Sants-Montjuïc oder in die direkt angrenzende Nachbarstadt L'Hospitalet de Llobregat (Int. 15.04.2019; Int. 23.05.2019).
Krise, Austerität und Touristifizierungsprozesse haben die infrastrukturelle Ausstattung der Stadtteile in den letzten Jahren deutlich verändert. Viele der traditionellen inhaber:innengeführten Geschäfte mussten schließen und wurden aufgrund der höheren Rentabilität in Wohnungen umgewandelt. Das Angebot des Einzelhandels verschob sich hin zu Franchise-Angeboten (Int. 26.08.2021). Gleichzeitig wurde verfügbarer Wohnraum durch die vermehrte Umwandlung in Ferienappartements verknappt (Int. 26.08.2021). Medizinische Einrichtungen und Bildungsangebote fielen Kürzungsmaßnahmen zum Opfer und öffentliche Flächen wurden kommodifiziert und für Barterrassen lizensiert, wodurch zentrale Plätze „wo man Fußball spielt, auf den Bänken sitzt und auf der Straße trinkt“ (Int. 24.05.2019)2 verloren gegangen sind. So breitet sich der Tourismus aus den Innenstadtgebieten „wie ein Ölteppich“ (Int. 09.04.2019) auch auf Sants aus (Mansilla and Milano, 2019).
3.2.2 Zwangsräumungen
Zentral in der Durchsetzung dieser technisch räumlichen Zusammensetzung ist das Instrument der Zwangsräumungen. Im Stadtgebiet von Barcelona kam es im Zeitraum von 2013 bis 2020 zu über 20 000 Zwangsräumungen (Observatori de Drets Econòmics, Socials i Culturals, 2020). Auch wenn für Sants keine konkreten Zahlen verfügbar sind, ist das Thema omnipräsent. Etwa verhinderte die sich gegen Zwangsräumungen engagierende Grup d'Habitatge de Sants (dt. Wohnraumgruppe Sants) im Zeitraum von 2017 bis 2021 über 200 Zwangsräumungen im Stadtteil (Int. 26.08.2021; Grup d'Habitatge de Sants, 2021).
Während die Gesamtzahl der Zwangsräumungen auf nationaler und lokaler Ebene im Zeitraum von 2013 bis 2019 die Zahlen rund um die Wirtschaftskrise deutlich übersteigt3, ist eine Veränderung in deren Zusammensetzung zu verzeichnen. Zwangsräumungen aufgrund von Hypothekenrückständen sind seit 2012 rückgängig, während in der anschließenden Phase Räumungen im Zusammenhang mit Mieten und Besetzungen über 80 % der gesamten Fälle ausmachen. Dies verdeutlicht, dass die Rekonfiguration des spanischen Wohnungsmarktes die Verschiebung von einer Hypotheken- zu einer Mietenkrise bewirkte (Observatori de Drets Econòmics, Socials i Culturals, 2020).
Diese prekäre Wohnraumsituation hat langfristig negative Effekte auf die betroffenen Personen und stellt eine Entsicherung der Lebensverhältnisse dar. Verschiedene Studien für Barcelona machen deutlich, wie belastend diese Situationen für die Betroffenen sind und welche negativen Auswirkungen sie auf die mentale und physische Gesundheit und ihren Alltag haben (Plataforma de Afectados por la Hipoteca Barcelona et al., 2020). „Es ist ein Leiden, bei dem man nicht isst, nicht schläft und nicht in Ruhe arbeiten kann“ (Int. 21.07.2021), schildert eine Betroffene aus Sants die Situation und Folgen einer Zwangsräumung und verdeutlicht damit diesen Moment der Erschöpfung. Dabei sind Frauen und Kinder am stärksten von den Folgen betroffen (Int. 22.07.2021). Die schlimmsten Folgen von Zwangsräumungen offenbart der Suizid des 58-jährigen Segundo F. aus Sants, der sich im Juni 2021 aus dem Fenster stürzte, als die Zwangsräumung vollstreckt werden sollte (Sánchez and Colell, 2021). Weiterhin gehen Zwangsräumungen häufig mit dem Verlieren des gewohnten sozialen Umfeldes einher. Oft müssen die „Geräumten“ in periphere Viertel ziehen, wo ein größeres Angebot an günstigen Wohnungen oder sozialen Wohnungsbau verfügbar sind. Dadurch müssen Schul- und Kindergartenkinder häufig die Einrichtungen wechseln und gewohnte soziale Netzwerke werden zertrennt (Int. 22.07.2021; TB 19.07.2021).
Die Rekonfiguration der räumlich-technischen Klassenzusammensetzung in Barcelona(-Sants) im Zeitraum von 2013 bis 2020 umfasst die zentralen Elemente der Ausweitung des Mietwohnungsmarktes, der immer stärkeren Gewichtung großer internationaler Unternehmen sowie der Normalisierung von Zwangsräumungen als Ergebnis politischer Maßnahmen von europäischen und nationalstaatlichen Institutionen. Die Finanzialisierung des spanischen Mietmarktes ist als Versuch einer Krisenlösung der geplatzten Immobilienblase 2008 zu interpretieren, die selbst das Ergebnis einer raumzeitlichen Verschiebung mittels massiver Ausweitung des Wohneigentums war. Die damit verbundene Überakkumulationskrise machte einen neuen fix notwendig (Vives-Miró, 2018; Gil and Palomera, 2024).
Mit den damit verbundenen Prozessen veränderten sich die Zusammensetzung der Bewohner:innen und das Profil der Nachbarschaften zunehmend von einem Bezirk der Arbeiter:innenklasse hin zu einer immer stärkeren Prägung durch die Mittelschicht (Int. 23.05.2019). Sowohl durch Immobilienspekulation als auch durch Tourismus werden Infrastrukturen und Räume für den alltäglichen Bedarf und die eingesessene Bevölkerung abgebaut. Durch diese Prozesse beobachten Bewohner:innen eine Erosion des gewachsenen sozialen Gefüges des Stadtteils (Int. 15.04.2019).
3.3 Politische Klassenzusammensetzung
3.3.1 Kämpfe gegen Zwangsräumungen - GHAS
In Reaktion auf die Prekarisierung von Wohnraum sind, wie auch in anderen Städten und Nachbarschaften, in Sants intensive soziale Kämpfe entfacht worden. Ein konkretes Beispiel ist die 2017 gegründete Grup d'Habitatge de Sants (GHAS), die für würdigen und bezahlbaren Wohnraum für Menschen in der Nachbarschaft kämpft. In erster Linie heißt das, Wohnungszwangsräumungen zu stoppen und dafür zu sorgen, dass die Nachbar:innen „ein Dach über dem Kopf haben“ (Int. 17.5.2021). Seit ihrer Gründung 2017 hat die GHAS über 200 Zwangsräumungen im Stadtteil verhindert, vier Wohnblocks und mehr als 30 Wohnungen besetzt bzw. „zurückgewonnen“ (Grup d'Habitatge de Sants, 2021). Organisatorisches Herzstück der Gruppe ist die wöchentliche offene Versammlung, auf der angedrohte Zwangsräumungen oder andere Fälle von Wohnungsnot besprochen sowie Gegenstrategien und -aktionen geplant werden. Die gemeinsamen Treffen dienen außerdem dazu, die eigenen Sorgen und Existenzängste, welche die Teilnehmenden aufgrund ihrer prekären Wohnraumsituation haben, mit anderen zu teilen und aufzufangen. In den letzten Jahren war die Gruppe von einer landesweit zunehmenden Repression gegen die Wohnraumbewegung stark betroffen, mit der Haftstrafen und hohe Geldstrafen für die Verhinderung von Zwangsräumungen angedroht wurden (Int. 26.08.2021; Grup d'Habitatge de Sants, 2021).
In ihrer Zusammensetzung ist die Gruppe „generationenübergreifend, stark feminisiert und interkulturell“ (Int. 24.5.2019). Bei den Treffen und Aktivitäten der GHAS kommen regelmäßig „Menschen von acht oder neun verschiedenen Nationalitäten, viele Rentner, Hausfrauen und prekär Beschäftigte“ (Int. 24.5.2019) zusammen. Frauen – und dabei noch einmal speziell Migrantinnen – stellen sowohl auf den Versammlungen und Aktionen die Mehrzahl der Teilnehmenden als auch bei der Übernahme von Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Diese Feminisierung und Heterogenität hebt die GHAS von anderen (lokalen) sozialen Bewegungen, Gewerkschaften oder Nachbarschaftsbewegungen ab (Int. 24.5.2019). Gleichzeitig ist diese Zusammensetzung charakteristisch für die Wohnraumbewegung in Barcelona und darüber hinaus, worunter auch die PAH (Plataforma de Afectados por la Hipoteca), die Mieter:innengewerkschaft (Sindicat de Llogateres) oder autonomere Stadtteilgruppen fallen (Gutiérrez-Cueli et al., 2023; Rivera Blanco et al., 2021; Suárez, 2017).
Die materielle Komponente wird erweitert durch eine Sozialstruktur, die durch ein aktives Gruppenleben gefördert wird und Unterstützung auch auf andere Bereiche des Lebens ausweitet. Emotionalität und emotionale Unterstützungsarbeit sind fester Teil der Versammlungen, und Reproduktionsaufgaben wie Kinderbetreuung, Putzen oder Kochen werden bei Aktivitäten möglichst kollektiv getragen. Dabei sind die gemeinsame Produktion und der Austausch von Wissen elementar für die Herausbildung eines kritischen Bewusstseins gegenüber hegemonialen kapitalistischen Prozessen und der Realisierung von Möglichkeiten zur Veränderung von Gesellschaft (Lira and March, 2021). In der Gruppe sollen Probleme kollektiv gelöst und Menschen selbstermächtigt werden. Die Verschiedenheit der Mitglieder wird durch den gemeinsamen Kampf und das Prinzip der gegenseitigen Unterstützung verbunden. Die „GHAS ist wie eine Familie“ ist ein Satz, den man dabei oft in Gesprächen oder Beiträgen hört (Int. 21.7.2021). Die genannten Aspekte werden lebhaft in der Entwicklung eines Mitgliedes veranschaulicht, das von einer Zwangsräumung betroffen war: „Früher habe ich wegen allem geweint, weil ich Depressionen hatte. Meine Gruppe hat mich langsam stark gemacht, und jetzt habe ich keine Angst mehr vor den Mossos d'Esquadra (katalanische Polizei, Anm. d. Ver.). Ich habe vor niemandem mehr Angst.“ (Int. 21.7.2021).
Die GHAS kämpft für materielle Verbesserungen in der Nachbarschaft als konkrete Antworten auf die Problematiken von prekarisierten Wohnraum und fehlender sozialer Infrastruktur. Gleichzeitig ist den Aktiven die begrenzte Reichweite der Aktivitäten hinsichtlich des Ausmaßes der Wohnraumkrise bewusst. So reflektiert ein Mitglied der Gruppe: „Wenn du es schaffst, eine Zwangsräumung zu stoppen, ist es kein richtiger Sieg, sondern ein Gewinn an Zeit. Das ist eine Realität. Aber man muss es als einen Sieg erklären, denn wenn diese Person allein wäre, würde sie es sicher nicht verhindern. Dies ist ein Sieg für die Gruppe.“ (Int. 24.05.2019). Darüber hinaus ist wichtig, dass Menschen in diesen Kämpfen politisiert und in ein Netz kollektiver Beziehungen eingebunden werden. Die Kämpfe sind nicht nur eine Reaktion auf eine Form der räumlich-technischen Zusammensetzung, sondern weisen in ihrer Heterogenität der beteiligten Akteur:innen und ihren solidarischen Beziehungsweisen auch auf eine Rekomposition der räumlichen politischen Klassenzusammensetzung hin.
3.3.2 Kooperativen
Ein weiterer Eckpfeiler in der politischen Klassenzusammensetzung ist das Kooperativenwesen in den Bereichen Arbeiten und Wohnen, welches eine lange Geschichte in Sants hat und in den letzten Jahren als Alternative zum krisenhaften neoliberalen Kapitalismus wiedererstarkt ist. Kooperativen befinden sich im Besitz ihrer Mitglieder und werden von diesen geführt. Diese orientieren sich nicht (nur) an Gewinn, sondern an Grundsätzen wie Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Eigenverantwortung und verorten sich damit im Bereich der sozialen und solidarischen Ökonomie (International Co-operative Alliance, 2026). Dieser Sektor umfasst in Sants fast 40 Projekte in den Bereichen Kultur, Bildung, Pflege, Gastronomie, Technik sowie Wohnen, die in vielen Fällen untereinander zusammenarbeiten (Impuls. Cooerpatiu de Sants, 2026).
Ein Beispiel für genossenschaftliches Wohnen ist das Projekt La Diversa, welches zwei Lokale und zehn Wohnungen umfasst. Grundstück und Gebäude gehören einer Stiftung und wurden über das Prinzip der Nutzungsüberlassung 30 Jahre an das Projekt La Diversa übertragen. Pro Wohnung musste eine Genossenschaftseinlage von EUR 5000 gezahlt werden, der monatliche Beitrag beträgt zwischen EUR 620 und 670 (Int. 23.5.2019). Für den Fall, dass Mitglieder die Miete aus gegebenen Gründen nicht zahlen können, gibt es einen kollektiven Solidaritätsfonds. Die Mitglieder der Kooperative teilen politische Affinitäten, ein gewisses soziales Kapital und ihre emotionale Verbundenheit zu Sants. Einige der Bewohner:innen mussten den Stadtteil aufgrund der prekären Wohnsituation verlassen und konnten durch das Entstehen des Genossenschaftsprojekts nun mit langfristiger Perspektive nach Sants zurückkehren. Diese Voraussetzungen der Eingebundenheit in das Gefüge von Sants sowie der notwendigen finanziellen Ressourcen stellen auch Zugangsbeschränkungen zu dem Projekt dar (Int. 23.5.2019). Verwaltet wird das Haus durch die Bewohner:innen selbst, von anstehenden Reparaturen, regelmäßigen Reinigungsarbeiten bis zur Vermietung der Lokale. Dies bringt eine erhöhte Arbeitsbelastung mit sich, die zulasten der sozialen Reproduktion geht (Int. 23.5.2019). Gleichzeitig werden dadurch die sozialen Beziehungen untereinander gestärkt: „Ich finde es wirklich toll, dass es mit der Logik des Individualismus bricht, nicht in einem Viertel zu leben, in dem man niemanden kennt. Weil wir uns nicht nur kennen, sondern auch ein Band der Solidarität zwischen uns haben“ (Int. 23.5.2019). Darüber können auch Aufgaben wie Kinderbetreuung kollektiver organisiert werden (Int. 23.5.2019).
Das Kooperativenwesen in Sants ermöglicht auf der materiellen Ebene einen Zugang zu Arbeitsplätzen und Wohnraum im Stadtteil. Dabei werden trennende Beziehungsweisen wie Konkurrenz, Individualisierung, Hierarchien und Prekarisierung durch Kollektivität, Gleichheit und Solidarität herausgefordert und Ansätze kollektiver Praxen der Lohn- und Reproduktionsarbeit erprobt. Durch die räumliche und emotionale Nähe wird eine „counter-community of emotions“ zu trennenden kapitalistischen und patriarchalen Fernbeziehungen geschaffen. Dennoch sind auch das kooperative Wohnen und Arbeiten nicht vor Wettbewerbsmechanismen und der Konkurrenz des kapitalistischen Marktes geschützt und die Gefahren von Hierarchiebildung, Selbstausbeutung und neoliberaler Inkorporationen sehr präsent (Int. 10.05.2019; Int. 30.06.2019).
3.3.3 Vernetzung und Memoria Histórica
Zentrales Verbindungsglied der räumlich politischen Zusammensetzung ist die Memoria Histórica. Dieser Begriff der „historischen Erinnerung“ wird im spanischen Staat vor allem im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Verbrechen des Franquismus verwendet. Daran anschließend rekurriert Memoria Histórica auf die aktive Schaffung einer Erinnerung an die Vergangenheit des Stadtteils und die damit verbundene Tradition der Kämpfe und Organisierung von Arbeiter:innen in Sants. Die vielen politischen Wandbilder im Stadtteil, Initiativen für die Umbenennung von Straßennamen und kulturelle Initiativen zur Erinnerung an den historischen Alltag im Stadtteil stellen eine Nähe zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit her. Nicht zuletzt speisen sich aus der Geschichte und deren Bewahrung „der Stolz, aus der Nachbarschaft zu kommen“ (Int. 26.8.2021).
Über Nähe, Verbindungen und Erinnerungen werden aktiv Beziehungsweisen sowie eine „counter-community of emotions“ beruhend auf Werten wie Solidarität und Egalität produziert, die für eine Handlungsfähigkeit in sozialen Kämpfen sorgen und darin reproduziert werden. Zwischen Genossenschaften, sozialen Kämpfen und selbstorganisierten Infrastrukturen wird ein komplexes Beziehungsnetzwerk gesponnen, welches die Bewohner:innen, politische Strukturen sowie Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Ein solches Netzwerk begünstigt den Aufbau neuer Strukturen, etwa im Bereich des Genossenschaftswesens, wo es viel Erfahrung sowie die nötige Infrastruktur wie Genossenschaftsbanken gibt (Int. 23.5.2019). Die sehr präsente katalanische Unabhängigkeitsfrage kann dabei sowohl verbindendes Element sein, angesichts der Polarisierung aber auch zu Spaltungen politischer Strukturen und Exklusion führen (z.B. durch Sprache).
In diesem Sinne spielt die räumlich politische Zusammensetzung einen aktiven Part in der Entwicklung des Stadtteils, indem eigene Strukturen wie das Genossenschaftswesen geschaffen und übergeordnete Dynamiken wie Gentrifizierungsprozesse und Verdrängung nicht verhindert, aber zumindest abgefedert werden können (Int. 8.5.2019; Ruiz Cayuela and García-Lamarca, 2023).
Folgend wird ausgehend von den empirischen Ergebnissen fokussiert, wie verräumlichte Gemeinschaften entlang von sozialen und Klassenkämpfen aktiv produziert und herausgefordert werden. Dafür wird aufgeschlüsselt, in welchem Verhältnis die Prozesse der Dekomposition und Rekomposition von Klasse mit der Zerstörung bzw. Entstehung verräumlichter Gemeinschaften stehen. Mit dieser Perspektive werden die Umkämpftheit und Widersprüchlichkeit von Gemeinschaften sowohl in ihren alltäglichen als auch in strukturellen Ausformungen gegriffen.
In Sants wirkt sich die Rekonfiguration der technisch räumlichen Zusammensetzung unmittelbar auf die sozial-räumlichen Beziehungen aus. Immobilienspekulation, Gentrifizierung, Touristifizierung und Zwangsräumungen führen zur Prekarisierung des Alltags, Verdrängung und „Wohnentfremdung“ (Madden and Marcuse, 2016). Im Ergebnis erodieren soziale Strukturen und es kommt zu einer verstärkten Divergenz zwischen dem materiellen Wohnraum und dem Gefühl des Wohnens als Ort der sozialen Sicherheit und Reproduktion. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer „Vernichtung der Arbeiter:innen“ (Moore, 2020:343), wie durch den von einer Zwangsräumung verursachten Suizid. Diese Prozesse führen zur Zerstörung tradierter nachbarschaftlicher Gemeinschaften und zur räumlichen Dekomposition von Klasse.
Die Prekarisierung von Wohnraum und die damit verbundene räumliche Dekomposition trifft besonders Migrant:innen, Frauen und vor allem migrantische Frauen ohne spanischen Pass überproportional stark. Gutiérrez-Cueli et al. (2023) verdeutlichen wie vor allem verarmte Migrant:innen aus der Arbeiter:innenklasse am stärksten vom Platzen der Immobilienblase 2008 und der darauffolgenden Krise betroffen waren. Migrant:innen und Illegalisierte werden als billige und teilweise entrechtete Produzierende in den Wirtschaftskreislauf eingebunden und überausgebeutet. Durch die niedrigen Löhne und fehlenden Dokumente haben sie geringere Chancen auf dem Wohnungsmarkt (Metawala et al., 2021). Hinzu kommt die strukturelle Überverantwortlichkeit von Frauen in der Reproduktionsarbeit und Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt (Federici, 2015). In der nach Geschlecht und Staatsbürgerschaft selektierenden Stadt als Fabrik sind damit vor allem Migrant:innen und noch stärker migrantisierte Frauen von der Zerstörung von verräumlichten Gemeinschaften betroffen.
Demgegenüber können die Kämpfe der Grup d'Habitatge de Sants gegen Zwangsräumungen und Wohnungsnot sowie die selbstverwalteten Strukturen in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Kultur als aktive Produktion einer verräumlichten Gemeinschaft begriffen werden. Diese ist zudem Ausdruck einer Rekomposition der Klassenzusammensetzung, die auf einer stärker feminisierten und migrantisch geprägten Klasse basiert.
Dabei zielen die Kämpfe und Strukturen sowohl auf die Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen als auch auf den Aufbau kollektiver und solidarischer Beziehungsweisen. Die Nähe der Nachbarschaft wird dabei als Ausgangspunkt gesetzt, um Individualisierung und Entfremdung entgegenzutreten und die Bürger:innen zu aktiven Subjekten ihrer alltäglichen Leben zu machen. Mit der Memoria Histórica wird zudem eine aktive Geschichtsschreibung von unten betrieben, die an die von Kämpfen und Arbeiter:innenorganisierung geprägte Geschichte von Sants erinnert und eine eigene Identität gegenüber der Stadt Barcelona betont. Ausgehend von Sants als alternative verräumlichte Gemeinschaft wird so eine kollektive politische Subjektivität erzeugt, die sich bis zu einem gewissen Grad gegen Dynamiken der hegemonial räumlichen Zusammensetzung und die Zerstörung von Gemeinschaft wehren kann.
Bemerkenswert ist die Rolle von Emotionen in der Produktion der verräumlichten Gemeinschaft. Das öffentliche Zeigen von Emotionen und damit verbundene emotionale Arbeit ist ein fester Bestandteil beim Kampf gegen Zwangsräumungen. Die Angst vor dem Verlust der Wohnung und eine individuelle Scham, die Miete oder Stromrechnungen nicht mehr zahlen zu können, werden kollektiv aufgefangen und umgedeutet. Wenn neue Leute zu den Treffen der GHAS kommen, wird ihnen von der Gruppe entgegnet: „Willkommen im Club. Jetzt bist du nicht mehr alleine!“ (TB 20.05.2019), und es wird deutlich gemacht, dass es kein individuelles Verschulden, sondern ein systemisches Versagen ist, dass so viele Leute von der Wohnungsnot bedroht sind. In diesem Sinne kann von einer „counter-community of emotions“ (Bracke, 2012) gesprochen werden, die räumlich in Sants verwurzelt ist. Zum einen, weil es in den geäußerten Ängsten konkret um die Verdrängung aus dem Stadtteil und den Verlust sozialer Netzwerke geht, zum anderen, weil diese Kämpfe in das lokale Netzwerk und die damit zusammenhängende Identität eingebunden werden.
Ausgehend von der Analyse der räumlichen Klassenzusammensetzung in Sants können Trennungen, Verschiebungen und Neuverknotungen entlang der Beziehungsweisen Tauschwert und Eigentum//Gebrauchswert und Gemeinschaftsnutzung, Individualisierung und Konkurrenz//Kollektivität und Solidarität sowie vergeschlechtlichte Reproduktion und private Sphäre//kollektive Reproduktion und öffentliche Sphäre festgestellt werden.
Die Rekonfiguration der technischen Klassenzusammensetzung mit der forcierten Finanzialisierung des Mietwohnungsmarktes hat den Interessengegensatz zwischen dem Gebrauchs- und dem Tauschwert von Wohnraum verschärft. Spekulation und die erhöhte Rentabilität von Investitionen in die gebaute Umwelt machen Wohnraum zu einer Kapitalanlage und trennen diesen stärker von der Reproduktionsfunktion für die Bewohner:innen ab. Demgegenüber betonen soziale Bewegungen und Gruppen wie die GHAS den Gebrauchswert von Wohnraum und versuchen ihn mittels der Verhinderung von Zwangsräumungen, der Forderung von Sozialmieten und Besetzungen durchzusetzen. Der Respekt vor der Beziehungsweise Eigentum schwindet aufgrund der gemachten Erfahrungen und Ungerechtigkeiten. Mit den Besetzungen von Wohnungen wird ein Bruch mit der damit verbundenen Ordnung vollzogen.
In den Kämpfen um einen gerechten Zugang zu Wohnraum und den Ansätzen der Selbstverwaltung des Wohnens, Arbeitens und der Kultur in der Sozialen Fabrik Sants werden die Warenbeziehung und damit verknüpfte Beziehungsweisen wie Konkurrenz und Individualisierung durch Beziehungsweisen des Gemeinsamen und der Solidarität kontestiert. In den Kämpfen der GHAS verlieren Menschen „ihre Angst – vor den Autoritäten wie voreinander, erlernen Selbstvertrauen und ungekannte Fähigkeiten“ (Adamczak, 2017:262). Dabei ist die GHAS keineswegs als homogene Gruppe zu begreifen, noch ist der Alltag konfliktfrei. Doch möglicherweise trennende Beziehungsweisen wie Herkunft oder Geschlecht werden durch eine geteilte Betroffenheit sowie im gemeinsamen Kampf um bessere materielle Lebensbedingungen überwunden.
Mit der Rekonfiguration der Arbeitsteilung kann auch die Trennung der Beziehung zwischen Reproduktionsarbeit und Geschlecht sowie zwischen der privaten Sphäre und (vergeschlechtlichter) Reproduktionsarbeit gegriffen werden. Reproduktionsaufgaben werden bei Aktivitäten der GHAS kollektiver getragen und die Nahbeziehung der Familie wird nicht mehr auf Grundlage einer Verwandtschaftsbeziehung definiert, sondern ebenso durch freundschaftliche und solidarische Beziehungen.
Die Verbindung neuer Beziehungsweisen in der Sozialen Fabrik Sants werden maßgeblich durch räumliche Nähe begünstigt. Aus dem Zusammenleben, gemeinsamen Identitäten und geteilten Problemlagen speisen sich Vertrauen und Solidarität, woraus gemeinsames Handeln entstehen kann. Solidarisierung wird durch den hohen Organisationsgrad des Stadtteiles begünstigt, „denn diese entsteht nicht aus dem Nichts, sondern hat selbst Beziehungen zur Bedingung, an die sie anknüpfen, auf deren Kommunikationswegen sie sich ausbreiten kann“ (Adamczak, 2017:258).
Bei der Verschiebung der benannten Beziehungsweisen müssen auch die darin verorteten Widersprüche benannt werden. Die Verknüpfungen der Nähe können durch strukturelle Fernbeziehungen wie Ware, Privateigentum oder Staat wieder getrennt werden. Verdrängungsprozesse und Zwangsräumungen führen zu einer sozialräumlichen Distanz, wodurch vertraute Beziehungen nicht aufrechterhalten bleiben. Bei der Suche nach einer neuen Unterkunft gerät man in eine Konkurrenzbeziehung zu anderen Bewerber:innen auf den verknappten, noch leistbaren Wohnraum. Auch in den feminisierten Kämpfen um Wohnraum kommt es zur Reproduktion patriarchaler Verhaltensweisen in Form von Äußerungen und Handlungen und abseits der kollektiven Aktionen können reproduktive Arbeiten schnell wieder in vergeschlechtlichter Form in die private Sphäre zurückverlagert werden. Und genauso kann eine Überbetonung der Frage nach der katalanischen Unabhängigkeit und Identität soziale und klassenpolitische Fragen überschreiben und so einen exkludierenden Charakter bekommen.
Darin wird deutlich, das verräumlichte Gemeinschaften weder a priori als gut oder schlecht definiert noch als fixierte oder starre Entitäten begriffen werden können. Im Zusammenspiel mit der Klassenzusammensetzung ermöglicht das Konzept der Beziehungsweisen Verschiebungen zwischen Nah- und Fernbeziehungen abseits von Subjektivität und Totalität zu greifen und von einer permanenten und aktiven Produktion von Gemeinschaften auszugehen. Mit Blick auf die verräumlichten Gemeinschaften können so fallbezogene und differenzierte Analysen durchgeführt werden und darüber sowohl Elemente von Gemeinschaft als regressiver oder progressiver sense of place im Sinne von Manifestierungen oder Rissen im hegemonialen Gefüge einer patriarchalen, rassistischen, chauvinistischen und kapitalistischen Gesellschaft identifiziert werden.
In der Analyse konnte deutlich gemacht werden, wie Prozesse der Klassenzusammensetzung aktiv mit der Produktion verräumlichter Gemeinschaften verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Die aktive Zerstörung von verräumlichten Gemeinschaften über die Neukonfiguration der technischen Klassenzusammensetzung kann zur Dekomposition von Klasse führen. Gleichzeitig kann die Rekomposition von Klasse auf bestehenden verräumlichten Gemeinschaften aufbauen und diese erneuern bzw. erweitern. In Barcelona-Sants bildeten die über Jahrzehnte entstandenen Strukturen und Netzwerke sowie die Identität eines widerständigen Stadtteils der Arbeiter:innenklasse den Ausgangspunkt für eine Rekomposition der Klasse, die stärker migrantisch geprägt und feminisiert ist.
Die soziale Fabrik und Küche Sants ist zunehmend von einer fortschreitenden Transformation des urbanen Raumes geprägt, forciert durch Immobilienspekulation, Verdrängung und Zwangsräumungen, Touristifizierung und der Kommodifizierung des öffentlichen Raumes. Einerseits werden die Bedingungen der sozialen Reproduktion – vor allem für Migrant:innen und Frauen – dadurch stärker prekarisiert. Andererseits finden sich in den verschiedenen Widerständen gegen diese zunehmende Subsumption zentraler Lebensbereiche unter kapitalistische Verwertungslogiken auch Formen einer kollektiveren Re-Organisierung der Reproduktionssphäre.
Das Beispiel Barcelona-Sants eröffnet zudem eine erkenntnisreiche Perspektive darauf, wie progressive verräumlichte Gemeinschaften aktiv produziert werden können. Die von Kämpfen geprägte Geschichte fördert Beziehungen, die näher, enger, egalitärer und freundlicher sind sowie gesellschaftliche Beziehungsweisen der Solidarität, die sich auf „Gebiete der materiellen Produktion und Reproduktion“ (Adamczak, 2017:263) ausweiten. Dabei wurde Sants als „territoriales Projekt der sozialen Bewegung in der Nachbarschaft“ (Int. 11.04.2019) aktiv und strategisch von lokalen Akteur:innen produziert. Zentral darin waren Prozesse der nachbarschaftlichen Organisierung, der Schaffung und Vernetzung selbstorganisierter Strukturen und der aktiven Erinnerung an die eigene Geschichte.
Dies verdeutlicht auch, dass die verräumlichte Gemeinschaft und die damit verbundenen Beziehungsweisen in Sants „keine unbeweglichen, in der Zeit eingefroren Dinge sind“ (Massey, 1991:29), sondern aus Vergangenheit und Gegenwart, lokalen und globalen Prozessen produziert werden. Die verräumlichte Gemeinschaft in Sants charakterisiert sich in ihrer politischen Klassenzusammensetzung durch Progressivität, Kollektivität und Einschlüssen in Abgrenzung zur hegemonial kapitalistischen Vergesellschaftung. Dieser Charakter kann nie komplett fixiert werden, sondern ist umkämpft und von Widersprüchen zwischen Nah- und Fernbeziehungen durchzogen. So können in Abhängigkeit der Machtverhältnisse verräumlichte Gemeinschaften stärker in systemische Logiken im Sinne eines Community-Kapitalismus oder eines governing through community eingebunden werden. Genauso können diese einen regressiven Charakter annehmen und Kollektivität über Ausschlüsse entlang gesellschaftlicher Fragmentierungen wie Patriarchat oder Rassismus produzieren.
Abschließend kann mit Bezug auf die theoretisch-konzeptionelle Ausrichtung der Arbeit noch einmal betont werden, dass (1) die räumliche Klassenzusammensetzung ein fruchtbares Konzept für die Geographie darstellt, um den Blick für umkämpfte Vergesellschaftungs- und Raumproduktionsprozesse zu öffnen. Die Dialektik der Klassenzusammensetzung ermöglicht eine stärkere Inbezugnahme von kapitalistischer Urbanisierung und Klassenauseinandersetzungen. Letztere werden dabei nicht als reine passive Ableitung durch Kapitalverhältnisse determiniert, sondern es wird ihnen eine Eigenständigkeit zugesprochen, wobei auch über kapitalistische Verwertungslogiken hinausgehende Praxen (z. B. Solidarität) miteinbezogen werden können. (2) Der Fokus auf die soziale Reproduktion und eine Erweiterung der operaistischen Ansätze um das Konzept der Beziehungsweisen ermöglicht makrotheoretische Strukturen und Prozesse stärker mit alltäglichen Praxen, Erfahrungen und Emotionen in Relation zu setzen. Dadurch werden soziale Verhältnisse und dazugehörige Subjektivierungsprozesse zwischen globalen, finanzialisierten Wohnungsmärkten und den alltäglichen Folgen der kapitalistischen Krisendynamiken – „the fleshy, messy, and indeterminate stuff of everyday life“ (Katz, 2001:711) – stärker in den Blick genommen. (3) Aus der Verbindung der genannten Ansätze ergeben sich Möglichkeiten einer ganzheitlicheren Perspektive auf Raumproduktionsprozesse, die über das Fassen einzelner urbaner sozialer Bewegungen oder Kämpfe hinausgehen. Arbeiten, Leben und Wohnen können aus dieser Perspektive stärker als umkämpfte soziale Verhältnisse zusammengedacht werden. Entsprechend bietet die dargelegte Forschung Anschlüsse für weitere Untersuchungen zur Kartierung der verräumlichten Gemeinschaft Sants (z. B. entlang der Themen Migration oder Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen). (4) Über die wissenschaftlich-akademische Sphäre hinaus können räumlich verankerte Kämpfe und Bewegungen als räumlich politische Zusammensetzung verbunden und Implikationen für die politische Praxis gegeben werden. Urbane soziale Kämpfe, Ansätze selbstorganisierter sozialer Infrastrukturen und genossenschaftlichen Arbeitens können so gezielter aufgespürt und in eine weitreichendere antikapitalistische Strategie eingebunden werden. Dabei werden auch deren Limitationen und mögliche Einbindungen in hegemoniale Regierungsformen berücksichtigt.
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Großer Dank gilt meinen Interviewpartner:innen für die vielen erkenntnisreichen Einblicke und vor allem der Grup d'Habitatge de Sants und ihren Mitgliedern, die mich sowohl an den vulnerabelsten Situationen als auch den stärksten Kämpfen haben teilnehmen lassen. Zudem danke ich den anonymen Reviewer:innen sowie der redaktionellen Betreuung für die konstruktiven Rückmeldungen.
Dieser Artikel wurde von Nadine Marquardt redaktionell betreut und durch zwei Expert:innen in einem double-blind Review-Verfahren begutachtet.
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- Kurzfassung
- Einleitung
- (Post-)Operaistische Perspektiven auf Stadt
- Die räumliche Klassenzusammensetzung von Barcelona-Sants
- Räumliche Klassenzusammensetzung und Gemeinschaft in Barcelona-Sants
- Beziehungsweise verräumlichte Gemeinschaft Sants
- Ausblick
- Datenverfügbarkeit
- Interessenkonflikt
- Haftungsausschluss
- Danksagung
- Begutachtung
- Literatur
- Kurzfassung
- Einleitung
- (Post-)Operaistische Perspektiven auf Stadt
- Die räumliche Klassenzusammensetzung von Barcelona-Sants
- Räumliche Klassenzusammensetzung und Gemeinschaft in Barcelona-Sants
- Beziehungsweise verräumlichte Gemeinschaft Sants
- Ausblick
- Datenverfügbarkeit
- Interessenkonflikt
- Haftungsausschluss
- Danksagung
- Begutachtung
- Literatur